Taufen der Bibel

Taufen des Alten Bundes

 Israels Taufe als ganze Nation auf Mose

In 1.Kor.10,1-4 (s. Ex.14,16-20) greift Paulus in Kurzfassung die Geschichte Israels als Nation auf. Das Ziehen durch das Rote Meer hindurch und das Verweilen unter der Wolke (als Sinnbild für die spätere Taufe der Nation in Wasser und Geist) nennt Paulus die Taufe auf Mose (Vers 2). Interessant ist dabei, dass das Volk mit Wasser gar nicht in Berührung kam. Aber das Ereignis an sich bewirkte eine Zugehörigkeit zu dem von Gott gesandten Retter Mose.

Waschungen

In Hebr.6,2 und 9,10 wird auf die Lehre der βαπτισμοι baptismoi oder βαπτισμα baptisma Bezug genommen – den verschiedenen Taufen oder Waschungen (demzufolge gab es mehrere). Diese Stellen beziehen sich auf die zeremoniellen, leiblichen Waschungen in den mosaischen Gesetzesvorschriften und Anordnungen des Alten Testaments, die vor allem in Zusammenhang mit dem Dienst in der Stiftshütte und im Tempel durchgeführt werden mussten.

Reinigung durch Wasser wurde verlangt von:

  • dem Volk Israel vor dem Gesetzempfang am Sinai als zweitägige nationale Heiligung mit Waschungen des Körpers und der Kleidung (2.Mo.19,10-25)
  • dem Hohepriester Aaron und seinen Söhnen (als seine Nachfolger) bei ihrer Priesterweihe, bei welcher sie vollkommen in Wasser gebadet (2.Mo.29,4; 3.Mo.8,6) und anschließend vom Kopf bis zu den Zehenspitzen, über die Bärte bis zu den äußersten Rändern ihrer Kleidung mit Öl gesalbt wurden (2.Mo.29,7; Ps.133,2)
  • dem Hohepriester am Versöhnungstag vor der Opferzeremonie (3.Mo.16,23-24)
  • Priestern (Leviten) bei ihrer Weihe (4.Mo.8,7) und jedes Mal bevor sie die Stiftshütte betraten (2.Mo.30,17-21)
  • Personen, die als unrein betrachtet wurden, weil sie z.B. eine Leiche berührt haben (4.Mo.19,13)
  • Leprakranken, bevor sie zum Lager des Volkes zurückkehrten (3.Mo.17,15; 14,8-9; 22,4-6)

Das Muster von Unreinheit und Sünde und die Notwendigkeit des Waschens in Wasser (3.Mo.17,16) war im Alten Testaments immer mit der Annäherung an den Gott Israels verbunden, um Sein Wohlwollen und Seine Segnung zu erhalten und zu behalten. In Israel sollten diese baptismoi Sinnbild und Schatten (Hebr.10,1), teilweise Lehrmeister sein (Gal.3,24), um das Volk auf den Messias vorzubereiten. Diese zeremoniellen Waschungen (baptismoi) hatten nur den Effekt einer äußerlichen Reinigung und konnten dem Gewissen nach den nicht vollkommen machen, der den Gottesdienst übt (Hebr.9,9).

Als Jesus zu Seiner Zeit unter dem jüdischen Volk wandelte, hatten die zeremoniellen Waschungen kaum noch eine reale Bedeutung, sie dienten lediglich als ein äußeres Zeichen liturgischer Reinigung, überlagert von Regeln und Formen (Mk.7,4-5). Eine Form des Zeremoniells betraf die Taufe von Neubekehrten zum Judentum, die sog. Proselytentaufe (griech. προσέρχομαι proserchomai ‚hinzukommen‘). Hier wurde die Bekehrung des Heiden durch sein totales Untertauchen in Wasser verdeutlicht. Ursprünglich musste er bis zum Hals im Wasser sitzen und sich dann selbst völlig untertauchen, um sich selbst als jemanden zu kennzeichnen, von dem der ganze Schmutz des Heidentums abgewaschen ist. So konnte er dann gereinigt in eine neue Beziehung mit Gottes Bundesvolk treten.

Anhand dieser Praktiken lässt sich erkennen, dass die Taufe des Johannes nicht etwas war, was sich Johannes selbst ausgedacht, sondern etwas, das er als Kontrast zu dem pervertierten Getue im pharisäischen Judentum wiederhergestellt und eingesetzt hatte.

Diese Taufe wurde auch vom Propheten Hesekiel angedeutet:

Hes.36,25-26: 25. Dann werde ich euch mit reinem Wasser besprengen, dass ihr rein werdet von all eurer Unreinheit und von all euren Götzen werde ich euch rein machen. 26. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich werde das steinerne Herz aus eurem Leib herausnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.

Die Wasser-Taufe des Johannes zur Buße1 als Vorbereitung des Volkes Israel auf den Messias und den Neuen Bund

Joh.1,23: Er (Johannes) sprach: Ich bin die ‚Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn‘, wie Jesajas, der Prophet, gesagt hat. (Jes.57,14; s.a. Mt.3,3; Mk.1,3; Lk.3,4)

Johannes, der noch zu den Propheten des Alten Bundes gezählt wird (Lk.16,16), wurde gesandt, um dem Messias den Weg zu bereiten. Er taufte am Fluss Jordan3 nahe bei Bethanien, an der gleichen Stelle, an der Josua die Israeliten über den Jordan in das verheißene Land geführt hatte. Diejenigen, die hinauszogen, um sich in der Wildnis taufen zu lassen, bestätigten in der Tat, dass sie noch versklavt waren und vom Messias zurück in das verheißene Land, der Stadt, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist (Hebr.11,10), geführt werden mussten. Die Taufe des Johannes war mit einem öffentlichen Sündenbekenntnis und der Buße1 verbunden und geschah zur Erlassung2 der Sünden:

Mk.1,4-5: 4. Johannes kam und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Buße1 zur Erlassung2 der Sünden. 5. Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Bewohner von Jerusalem; und sie wurden im Jordanfluss von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.

1.Buße, griech. μετανοια metanoia: Erneuerung des Denkens, Umsinnen und in Folge Umkehr, Kurswechsel, Richtungsänderung, Trennung vom alten Lebensstil

2.grich. ἄφεσις aphesis, Erlassung (a. Ü. Vergebung) der Sünden bedeutet nur ein vorübergehendes Bedecken dieser (Röm.4,7; 1.Petr.4,8) und ist nicht zu verwechseln mit griech. ἀπολύτρωσις apolutrosis, der Freilösung durch Sein Blut (Eph.1,7) und mit griech. ἀφαιρέω aphaireo, Sünden beseitigen (Hebr.10,4), die erst zur Rechtfertigung des Lebens führt und die es nur in Christus gibt (s. Röm.5,18).

3.hebr. wörtl. ‚der herabsteigende Fluss‘. Sein Überschreiten als Übergang aus der feindseligen Fremde in das Land der Verheißung wird häufig als Allegorie für das Sterben verwendet, so auch in der deutschen Redensart ‚über den Jordan gehen‘. Der Fluss Jordan gilt als der Todesstrom, weil er ins Tote Meer mündet, in dem wegen des überaus hohen Salzgehaltes kein Leben möglich ist. Dies ist eine treffende Symbolik für die Buß-Taufe, da durch das Hineinversenken in den Todesstrom bildlich die Sünden abgewaschen und in den Tod (die Trennung) gegeben werden. Damit Neues geschehen kann, muss man sich von Altem trennen bzw. muss Altes sterben (Joh.12,24).

Johannes taufe nur die, die sich öffentlich als Sünder bekannten. Diejenigen, die dem Bußruf des Johannes folgten, haben auch den Messias erkannt und angenommen, diejenigen aber, die sich dem Bußruf verweigerten und Johannes nicht als wahren Propheten anerkannten, haben auch den Messias abgelehnt (Joh.7,29). Pharisäer und Sadduzäer, die wohl meinten, hier gäbe es nur ein neues Ritual, wurden von Johannes abgewiesen, denn diese hielten sich bereits für gerecht und meinten, sie hätten keine Sünden zu bekennen (Lk.3,7-8).

Mt.3,11: Ich zwar taufe euch in Wasser zur Buße1; der nach mir Kommende aber ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; Er wird euch in Heiligem Geist und Feuer taufen. (s. a. Apg.1,16; 2,3-4; 11,16)

Die von Johannes vollzogene Taufe stellte bloß einen Vorläufer der Taufe dar, die der Messias einführen sollte, der nicht mit Wasser tauft (Joh.4,1-3). Johannes kündigt hier also an, wie Jesus einmal taufen wird: Nicht mehr mit Wasser, sondern mit Heiligem Geist und Feuer. Die Taufe in Feuer stellt das Verbrennen der Spreu, der toten Werke, dar (Mt.3,12). Diejenigen, die der Messias nicht in Heiligem Geist tauft, in Gnade, wird Er in Feuer taufen, im Gericht.

Die Wasser-Taufe Jesu durch Johannes

Joh.1,33: Und ich kannte Ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabsteigen und auf Ihm bleiben, dieser ist es, der in Heiligem Geist tauft.

Mt.3,13-17: 13. Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden. 14. Johannes aber wehrte Ihm und sprach: Ich habe nötig von dir getauft zu werden, und Du kommst zu mir? 15. Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Daraufhin lässt Er Ihn zu sich kommen. 16. Und als Jesus getauft war, stieg Er sogleich das Ufer hinauf; und siehe, die Himmel wurden geöffnet, und Er sah den Geist Gottes wie eine Taube herab fahren und auf Ihn kommen. 17. Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln sagt: Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Johannes betrachtete es als eine Zumutung, als Jesus an den Jordan kam, um von ihm getauft zu werden, rief er doch die Menschen zur radikalen Umkehr in Vorbereitung auf den kommenden Messias auf (Mk.1,2-3). Und nun stand dieser selbst vor ihm! Ich müsste von dir getauft werden und Du kommst zu mir? (Mt.3,14) Doch Jesus ließ sich nicht beirren. Die Gerechtigkeit Gottes sollte gerade darin erfüllt werden. Aber wie lässt sich das deuten?

Die Taufe oder Waschung, der Jesus sich hingab, kann als Seine Priester-Weihe (urgermanisch weiha- heilig) betrachtet werden (2.Mo.29,4.7), denn Er war hier auf der Erde im Dienst als Hohepriester. Der Hohepriester Aaron wurde von Mose mit Wasser gewaschen und mit Öl gesalbt. Und gemäß den Regeln des Alten Bundes musste auch Jesus diese Weihe vollziehen, die Johannes an Ihm ausführte. Die Salbung mit Öl erfolgte allerdings durch den Heiligen Geist, der, als Er aus dem Wasser stieg, auf Ihn kam und Ihn für Seinen Dienst bevollmächtigte.

In Jesu Hineinsteigen ins Wasser des Jordan3, dem Untertauchen und Heraufsteigen, kann man aber auch eine Vorausschau Seines Todes und Seiner Auferstehung sehen. Zur Bußtaufe des Johannes gehörte das öffentliche Bekenntnis von Schuld und die Bitte um Erlassung2. Wenn Jesus sich diesem Ritus unterwirft, stellt Er sich solidarisch, Seinen Tod vorwegnehmend, in die Reihe der sündigen Menschheit und identifiziert sich wie Daniel mit den Sünden Seines Volkes (Dan.9,11), ja mit den Sünden der ganzen Welt (1.Joh.2,2). Denn obwohl Er selbst zwar die Sünde nicht kannte, wurde Er unseretwegen zur Sünde gemacht (2.Kor.5,21).

Taufen des Neues Bundes

Definition und Verwendung des Wortes Taufe im Neuen Testament

Das Wort taufen (griech. βαπτω baptoo) bedeutet wörtlich:

  • etwas in ein Medium (hauptsächlich Flüssigkeit, also Wasser) ein-/ untertauchen (in ein Bad, z.B. auch beim Waschen oder Färben eines Kleidungsstücks oder von Gefäßen Mk.7,4; Lk.11,38)
  • bedecken, begraben, überfluten (wie bei einem Schiffbruch)

Das Wort wird im NT auch im erweiterten Sinn verwendet, z.B. in Bezug auf die Taufe in Heiligem Geist und die Leidenstaufe Jesu in den Tod (Lk.12,50). Das neutestamentliche Griechisch lässt eine Interpretation im Sinne einer Besprengung als Ersatz für Taufen nicht zu. Für ‚besprengen‘ wird ein völlig anderes Wort verwendet griech. ῥαντισμός ratismos. Das Wort wird für die Besprengung mit Blut verwendet, was die Reinigung bezeichnet, die durch das Blut Jesu erlangt wird (Hebr.12,24; 1.Petr.1,2).

Die Wasser-Taufe auf den Namen Jesu Christi bei den Aposteln

Apg.2,38: Petrus erklärte ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Erlassung eurer Sünden, so werdet ihr das Geschenk des Heiligen Geistes empfangen.

Apg.8,16: …sondern sie waren nur auf den Namen des Herrn Jesus getauft.

Das Taufen auf den Namen Jesu Christi bedeutete ein Bekenntnis zu Jesus, dem Messias. Man verband sich öffentlich mit Ihm und bezeugte damit, dass man fortan zu Seinen Anhängern gehört. Diese Taufe, die durch die Apostel ausgeführt wurde, geschah erstaunlicherweise niemals nach der trinitarischen Taufformel aus Mt.28, sondern ausschließlich auf den Namen des Herrn Jesus oder den Namen Jesus Christus, der im 1. Jahrhundert üblichen Taufformel. Diese damals verwendeten Taufen würden kurioserweise heute von den meisten Kirchen nicht mehr anerkannt werden – der heutige Mindeststandard des Ritus schreibt die sog. trinitarische Taufformel vor.

Mt.28,18-20: Da trat Jesus herzu, redete mit ihnen (den Jüngern) und sagte: Mir ist alle Vollmacht im Himmel und auf Erden gegeben. Daher geht hin, macht alle Nationen zu Jüngern, tauft sie in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu halten, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin mit euch alle Tage bis zum Abschluss des Äons. Amen!

Bei diesem so genannten Missionsbefehl mit trinitarischer Taufformel stellt sich die Frage, warum dieser Befehl im NT so nie umgesetzt wurde – weder bei den Aposteln, noch bei den Urchristen. Die Apostel gingen nie zu allen Nationen hinaus. Nie tauften sie in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Es wurde von Theologen daher in Betracht gezogen, ob dieser Befehl wohl ein eigenmächtiger Zusatz entsprechender Dogmatiker in den ersten Jahrhunderten in bestimmten Handschriften ist. Aufgrund dieser Zweifel eignet sich diese Stelle nicht als Basis für Lehrgebäude.

Mk.16,15-20: Dann sagte Er (der auferstandene Jesus) zu ihnen (den Jüngern): Geht hin in alle Welt und verkündet das Evangelium aller Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Nebenher aber werden den Glaubenden diese Zeichen folgen: In Meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, in neuen Zungen reden und Schlangen aufheben; wenn sie etwas Tödliches trinken, soll es ihnen überhaupt nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.

Auch diesem Abschnitt haftet der Geruch der Fälschung an. Denn weder im Codex Sinaiticus, noch im Codex Vaticanus (den wichtigsten neutestamentlichen Textzeugen) kommt diese Passage vor. Eusibius (270-339) erwähnt, dass dieser Teil in den alten Handschriften nicht gestanden hat. Für allgemeine Lehraussagen sollte auch diese Stelle nicht als Stütze dienen. Davon abgesehen, zeigt die Stelle deutlich, dass die Taufe allein längst nicht ausreichend zur Rettung ist – der Glaube ist zentral. Ohne Glauben nutzt die Taufe nichts, sondern die Taufe ist als Folge des Glaubens zu sehen.

Die Wasser-Taufe als sinnbildliche Darstellung der Rettung aus dem Gericht

1.Petr.3,20-21: 20. …als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs, während die Arche bereitet wurde, in welche wenige, dass sind acht Seelen, durch das Wasser hindurch gerettet wurden. 21. Auch euch errettet Er nun gemäß Gegenbild4, gemäß der Taufe (nicht ein Ablegen der Unsauberkeit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die Auferstehung Jesu Christi

 4.w. Antitypus; die große Flut als Sinnbild der Taufe, die Arche als Sinnbild eines Getauften, eines Geretteten

Petrus, der Apostel der Beschneidung, schreibt an die Diaspora, an die zerstreuten Israeliten von Pontus, Galatien, Kappadocien, Asien und Bithynien (1.Petr.1,1). Die Wasser-Taufe wird hier als ein Sinnbild der großen Flut (das Gericht) gesehen, die das Alte unter sich begräbt. Die Rettung selbst geschieht durch die Auferstehung Jesu Christi. In engem Zusammenhang mit der Wasser-Taufe wird das Begehren eines guten Gewissens vor Gott erwähnt.

Hebr.9,9-10.14: 9. …das ein Gleichnis auf die gegenwärtige Frist ist, in der sowohl Gaben als auch Schlachtopfer dargebracht werden, die bezüglich des Gewissens den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst übt, 10. der in Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen (w. Taufen) besteht, in Satzungen des Fleisches, auferlegt bis auf die Zeit der Zurechtbringung. 14. …wie viel mehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen (w. äonischen) Geist sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen!

 Hebr.10,22: …so lasst uns hinzutreten (ins Heiligtum) mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt weg vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser

Ein beschmutztes Gewissen entsteht durch das Bewusstsein von Schuld, das die Beziehung zu Gott stört. Der alte Bund mit seinen Zeremonien konnte aber den Menschen nicht vollkommen machen, Tierblut konnte das Gewissen nicht reinigen. Das kann nur durch das Blut Christi geschehen (Hebr.13,20; Kol.1,20).

Die Taufe in Heiligem Geist4 als sichtbare himmlische Ausrüstung zur Demonstration der Gaben und Kräfte im zukünftigen Zeitalter des Reiches Gottes

Etwa 120 Jünger (Nachfolger) Jesu sind an Pfingsten in einem Haus in Jerusalem versammelt. Mit stark hörbarem Geräusch, wie das Brausen eines gewaltigen Windes, kommt der Heilige Geist und erfüllte das ganze Haus. Zerteilte Feuer-Zungen setzen sich auf jeden einzelnen. Die Juden aus der Diaspora (Zerstreuung), die wegen des Pfingstfestes aus allen Provinzen Kleinasiens nach Jerusalem angereist waren, nehmen das Brausen wahr, kommen bestürzt zusammen und hören die Jünger in ihrer jeweils eigenen Mundart reden. Anschließend ergreift Petrus das Wort, verkündigt das Evangelium von Jesus und als die Menge fragt Was sollen wir tun, Brüder? (Apg.2,37), sagt Petrus:

Apg.2,38: Tut Buße1 und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Erlassung eurer Sünden, so werdet ihr das Geschenk des Heiligen Geistes empfangen.

Daraufhin werden etwa 3000 Menschen getauft. Die vorgegebene Reihenfolge lautet hier: Buße1, Wasser-Taufe auf den Namen Jesu Christi (öffentliches Bekenntnis zum Messias), Empfangen des Heiligen Geistes. Diese besondere Taufe mit Heiligem Geist war immer mit begleitenden Zeichen verbunden: reden in anderen Sprachen, prophezeien (Apg.19,6), Visionen (Apg.2,17). Doch zu welchem Zweck wurde der Heilige Geist in dieser Weise damals ausgegossen?

Apg.1,5: …denn Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet in Heiligem Geist getauft werden nach nicht vielen dieser Tage.

Lk.24,49: …und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch. Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe. (s. a. Apg.1,8)

Für den Empfänger der Geist-Taufe war dies eine besondere, zusätzliche Ausrüstung mit himmlischer Kraft, um ein vollmächtiger Zeuge Jesu Christi und des nahenden Reiches Gottes sein zu können, dessen Verkündigung immer mit Demonstrationen von Zeichen und Wunderwirkungen einherging. Diese spezielle Verkündigung, das Evangelium des nahenden Reiches Gottes, fand ihren Ausklang bereits im ersten Jahrhundert (spätestens seit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70) wegen Israels Verwerfung des Messias. Seither leben wir in der Haushaltung (Dispensation; a. Ü. Verwaltung, griech. οικονομια oikonomia) der Gnade Gottes (Eph.3,2), in welcher der universelle Leib Christi6 gebaut wird und die Geist-Taufe gegenwärtig keine Rolle mehr spielt.

4. Die ‚Taufe in Heiligem Geist‘ wird auch als ‚Angetan werden mit Kraft aus der Höhe‘ (Lk.24,49), ‚Kommen des Heiligen Geistes auf euch‘ (Apg.1,8), ‚erfüllt werden mit Heiligem Geist‘ (Apg.2,4), ‚Ausgießung des (o. des Geschenks des) Heiligen Geistes‘ (Apg.2,17; Apg.10,45) oder ‚Empfangen des Geschenks des Heiligen Geistes‘ (Apg.2,38, ‚teilhaftig werden (w. Mithaber) des Heiligen Geistes‘ (Hebr.6,4) bezeichnet – was immer mit begleitenden Manifestationen einherging (reden in anderen Sprachen, prophezeien, Visionen, Wunderwerke). Wichtig ist zu bemerken, dass weder die Wasser-, noch die Geist-Taufe Ungläubigen gespendet wurden. Beide Taufen erhielten immer bereits an den Messias Gläubige. Die Geist-Taufe folgte in der Regel nach der Wasser-Taufe durch Handauflegung der Apostel (s. z.B. Apg.8,14-17; Apg.19,1-6). Mangelnde Unterscheidung hat zu dem Irrtum geführt, dass Wasser-Taufe, Geist-Taufe, Geburt aus Gott/ Geist und In-Christus-Sein der gleiche Vorgang seien. Das Kommen des Heiligen Geistes auf einen Menschen ist im Sinne der Geist-Taufe (Apg.1,8) zu verstehen und ist nicht zu verwechseln mit der Geburt aus Gott/ aus dem Geist (Joh.1,13; 3,15), bei welcher der Geist des Menschen durch Gottes geistdurchtränktes Wort neu belebt wird und der Geist Gottes so im Menschen Wohnung nimmt (Joh.14,16-175; Röm.8,9.11; 2.Tim.1,14; in 1.Joh.2,20.27 auch Salbung genannt), wodurch dieser zum Tempel des Heiligen Geistes wird (1.Kor.3,16; 6,19). Im aus Gott geborenen Menschen bleibt der Same Gottes (1.Joh.3,9), Sein Wort (1.Petr.1,23; Joh.5,38). Dies sind die ‚Söhne des Reiches‘ (Mt.13,38), denen das Reich vom Niederwurf (griech. καταβολη katabole; üblicher ist die Ü. Grundlegung) der Welt (griech. κοσμος kosmos, gemeint ist im biblischen Sprachgebrauch das geschmückte Erdland, nicht das Weltall) an bereitet ist (Mt.25,34). Der Eingang ins Reich ist an Bewährungen geknüpft und wird bei grobem Verfehlen verwehrt (Hebr.6,4-6). In-Christus-Sein ist eine andere Qualität und bedeutet eine neue Schöpfung (2.Kor.5,17) und ein Geist mit Ihm zu sein (1.Kor.6,17). Dieser Mensch ist laut Schrift in Christus vor Niederwelt der Welt auserwählt und Teil des universellen Leibes Christi6. Das empfangene Unterpfand (Angeld) des Geistes (2.Kor.1,22; 5,5) ist hier der Garant für die Vollerfüllung aller Verheißungen.

 5. Joh.14,16-17: 16. …und ich werde den Vater bitten, und Er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er für das Zeitalter (w. den Äon) mit euch sei, 17. den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt. Ihr aber kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

 6. alle Menschen überall auf der Welt, die von Beginn an und bis heute in Christus sind und die, die in der Zukunft noch dazu kommen werden

Trennung der Geist-Taufe von der Wasser-Taufe

Apg.10,47-48: 47. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese (das Haus des Kornelius) nicht getauft würden, die (aus den Nationen) den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir (Juden)? 48. Und er befahl, dass sie getauft würden in den Namen des Herrn.

 Apg.11,18: Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben.

Petrus wird ins Haus des Hauptmann Kornelius eingeladen, wo er das Evangelium von Jesus verkündigt, die Erlassung der Sünden in Seinem Namen. Während Petrus noch spricht, fällt der Heilige Geist auf alle Zuhörer. Hier wird der Fall beschrieben, dass das Geschenk des Heiligen Geistes auf Menschen aus den Nationen ausgegossen wird, ohne vorausgehende Wasser-Taufe (was aber anschließend nachgeholt wird), der für Juden üblichen Reihenfolge. Dies alles ist neu und ruft großes Erstaunen bei den anwesenden Juden hervor.

Es zeigt sich hier bereits ein Wandel an: Die Wasser-Taufe ist nicht mehr Voraussetzung für die Geist-Taufe, die nun ohne die Wasser-Taufe auskommt! Allein das Aufnehmen des Wortes der Verkündigung (Glaube) ist notwendig zur Geist-Taufe. Dennoch wird die Wasser-Taufe im Anschluss ausgeübt. Spätestens an diesem Punkt der Apostelgeschichte zeigt sich bereits keine einheitliche Taufpraxis mehr.

Taufen beim Apostel Paulus

1.Kor.1,17: Denn Christus hat mich nicht beauftragt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen…

Paulus schreibt ausdrücklich, dass er nicht zum Taufen gesandt wurde. Er dankt Gott sogar dafür, dass er nur wenige taufen musste. Er verweist außerdem darauf, dass eine besondere Beauftragung durch Christus vorliegen musste, was bei ihm aber nicht der Fall war. Im Neuen Testament tauften namentlich genannt weniger als 20 Personen, bei denen von diesem besonderen Auftrag auszugehen ist. Paulus bezog also nicht den Taufbefehl aus Matthäus 28 auf sich, wie es viele heute machen. Das mag daran gelegen haben, dass es ihn zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab, weil er später hinzugefügt wurde (und sich damit die Kirche praktischerweise selbst beauftragt hatte), sicher aber daran, dass Paulus durch Christus beauftragt wurde (Eph.3,12) Anderes zu verkünden, als bis dahin nur dem Volk Israel durch Jesus und die Zwölf mitgeteilt worden war.

Allerdings hat Paulus in der ersten Periode seines Dienstes in Verbindung mit den anderen jüdischen Aposteln am Evangelium der Beschneidung (Antiochien/Syrien) getauft. Warum das? Solange Israel noch nicht beiseite gestellt war, war dies der verordnete Weg für ihn. Sobald aber der Geist den Ältesten der Proselytengemeinde in Antiochien den Befehl zur Absonderung des Barnabas und Saulus gab (Apg.13,2), wendete sich seine bisherige Dienstweise völlig. In Galatien entstanden die ersten Gemeinden aus den Nationen, in denen er Rechtfertigung allein aus Glauben ohne Gesetzes-Werke verkündigte. Nun traten Satzungen, Zeremonien, Reinigungsvorschriften und auch die Wasser-Taufe Schritt für Schritt in den Hintergrund. Vorbedingungen gibt es nun nicht mehr, wie noch für das Volk Israel während der Reichs-Verkündigung. Allein der Glaube genügt nun in dem Evangelium des Paulus, das er mein Evangelium nennt (Röm.2,16; 16,25). Der Glaube kann aus der Verkündigung folgen (Röm.10,17), wenn Gott den Hörer dazu berufen hat (Eph.1,13, Röm.8,30; Gal.3,2). Diese Rechtfertigung allein aus Gnaden reicht – Rituale, Sakramente und andere Gesetzlichkeiten sind abgetan. Zwar hat auch Luther dies in seiner Rechtfertigungslehre erkannt, hatte aber offensichtlich nicht mehr die Kraft, konsequent zu sein und sich auch gegen die Wasser-Taufe zu stemmen. Paulus fordert deswegen niemanden auf, sich taufen zu lassen. Eine Tauflehre gibt es bei ihm nicht.

Die unsichtbare Taufe in Christus Jesus hinein: in Seinen Tod und Seine Auferstehung

Rom.6,3-5: 3. Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele in Christus Jesus getauft sind, in Seinen Tod getauft wurden? 4. So sind wir nun mit Ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. 5. Denn wenn wir zusammengestaltet worden sind in der Gleichheit Seines Todes, so werden wir es auch in der Seiner Auferstehung sein.

 Kol.2,11-12: 11. in welchem (Christus) ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, 12. in der Beschneidung des Christus, mit Ihm begraben in der Taufe (Seines Todes), in welchem (in Christus) ihr auch mit auferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der Ihn aus den Toten auferweckt hat.

 Phil.3,9-10: 9. …und in Ihm befunden werde, indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben Christi… 10. um Ihn (Christus) zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, als mit Ihm in Seinem Tod zusammengestaltet

 Röm.8,10: Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber ist Leben der Gerechtigkeit wegen.

 2.Kor.5,17: …ist jemand in Christus, ist er eine Neuschöpfung…

Gal.6,15: Denn weder Beschneidung noch Vorhaut ist etwas, sondern eine neue Schöpfung.

Die Taufe in Christus, in Seinen Tod und Seine Auferstehung, ist keine Wassertaufe vollzogen durch irgendeinen ‚Geistlichen‘, sonder ein unsichtbares Geschehen, das der Herr selbst durch Seinen Geist bei denen, die Er beruft, bewirkt (1.Kor.6,17). Als Folge kann sich der Betreffende der Sünde für tot halten (Röm.6,11), weil er in Christus der Sünde ein für allemal gestorben ist und deshalb auch mit Ihm leben wird (Röm.6,8), ja jetzt schon in Christus lebt und mit Ihm in himmlischen Örtern sitzt (Eph.2,6). Er ist mitgekreuzigt. Das Kreuz machte Schluss mit dem alten Menschen (Röm.6,6). Die Taufe in Seinen Tod trennt also von dem ‚alten Menschen‘ und ist damit weiter gehend und viel tief greifender als die Taufe des Johannes. Der Erwachsene, der z.B. durch die Verkündigung zum Glauben gekommen ist (Röm.10,17), der dadurch in Christus eine Neuschöpfung geworden ist, bedarf nicht mehr der Wassertaufe, um zu werden, was er schon ist!

Die unsichtbare Taufe in den Leib Christi hinein

1.Kor.12,13-14.27: 13. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden. 14. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. 27. Ihr aber seid Christi Leib, und Glieder als Teil.

Hier wird die Taufe, die das Hineinkommen in den universellen Leib Christi6 bewirkt (nicht in eine bestimmte Konfession oder Denomination!), als das Geträntkwerden7 mit einem Geist (nicht mit Wasser!) beschrieben. Nicht die sind ein Leib, die durch die Wasser-Taufe vereint sind, sondern die, die der Geist vereint!

Gal.3,27: Denn ihr alle, die ihr in Christus hinein getauft worden seid, habt Christus angezogen.

 Eph.4,5: …e i n Herr; e i n Glaube; e i n e Taufe

 1.Kor.6,17 Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit Ihm.

7. griech ποτίζω potizo – tränken, zu trinken geben; spielt hier sinnbildlich auf das Trinken von Flüssigkeit (Wasser) an, gemeint ist aber der Geist, der auch an anderen Stellen mit Wasser assoziiert wird (s. Joh.3,3-5; 7,37-39; 4,10.13; Jes.44,3).

Das Durchtränktsein mit dem einen Geist ist ein Angeld (Eph.1,14) und ein Garant für die Vollerfüllung der Verheißung. Es handelt sich nicht mehr um ein Ereignis, das von Zungenreden und anderem Beiwerk begleitet ist, wie bei der Geist-Taufe, sondern es ist ein rein innerliches Geschehen, das auf längere Sicht die Frucht des Geistes hervorbringt (Gal.5,22). Wenn in charismatischen Kreisen auch heute noch von besonderen geistlichen Erlebnissen berichtet wird, sollte man sich fragen, welche Geister dort wirken (2.Kor.11,4). Offensichtlich wird hier der Fokus auf ein Eventchristentum gelenkt – auf das Streben nach immer neuen Geisteserlebnissen und Vollmachten.

Paulus spricht in seinen Briefen nur noch von der Taufe in Christus, von einem rein innerlichen Vorgang! Das Taufmedium ist nur noch Geist. Wenn es auch in der Übergangszeit verschiedene Taufen mit Wasser gab, so gab und gibt es jetzt nur noch eine wirkliche Taufe, nämlich die in Christus und als Folge in Seinen universellen Leib6 hinein, bewirkt durch Seinen Geist. Nur der, der den Geist Christi hat, der auch Geist Gottes ist, kann als ‚im Geist‘ und als Sein bezeichnet werden (Röm.8,9).

Exkurs: Die Geburt aus Wasser und Geist (keine Taufe!)

Joh.3,5-6.8: 5. Jesus antwortete (Nikodemus): Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in die Regentschaft der Himmel eingehen. 6. Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 8. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht; so ist jeder, der aus (nur im Codex Sinaiticus: dem Wasser und) dem Geist geboren ist.

Zur Wind-Metapher:

Pred.11,5: Gleichwie du nicht weißt, welchen Weg der Wind nimmt und wie die Gebeine im Mutterleib bereitet werden, so kannst du auch Gottes Tun nicht wissen, der alles wirkt.

Die Erkennungszeichen des aus Gott (oder aus Geist; Gott ist Geist Joh.4,24) geborenen Menschen:

1.Joh.2,29: Wenn ihr wisst, dass Er gerecht ist, so erkennt, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus Ihm geboren ist.

1.Joh.3,9: Jeder, der aus Gott geboren ist, tut keine Sünde, denn Sein Same (Gottes Same) bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen (der neue innwendige Mensch!), weil er aus Gott geboren ist.

1.Joh.5,18: Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an.

1.Joh.4,7: …jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott.

1.Joh.5,1: Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren; und jeder, der den liebt, welcher geboren hat, liebt auch den, der aus Ihm geboren ist.

1.Joh.5,4: Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.

Joh.1,12-13: 12. …so viele Ihn (den Messias) aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an Seinen Namen (Yahushua – in YHWH ist Rettung) glauben, 13. die nicht aus Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Tit.3,5: …errettete Er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hatten, sondern nach Seiner Barmherzigkeit durch das Bad der Wiedergeburt (w. Wiederwerdung) und Erneuerung (w. das Neumachen) durch den Heiligen Geist

 Röm.8,14: Denn so viele durch den Geist Gottes geführt werden, diese sind Söhne Gottes (bzw. Söhne des Reiches).

Die Geburt aus Wasser und Geist bzw. aus Gott ist das Lebendigmachen des Geistes eines Menschen durch das geistdurchtränkte Wort Gottes. Diese Geburt betrifft in erster Linie Israel als gesamte Nation, die natürlich aus vielen einzelnen Individuen besteht:

Jes.66,8: Wer hat solches gehört, wer hat dergleichen gesehen? Kann ein Land an einem Tage zur Welt gebracht, oder eine Nation mit einem Male geboren werden? Denn Zion hat Wehen bekommen und zugleich ihre Kinder geboren.

Hes.11,19: Und Ich werde ihnen ein Herz geben, und werde einen neuen Geist in euer Inneres geben; und Ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleisch wegnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben.

Hes.36,24-27: 24. Und Ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen. 25. Und Ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde Ich euch reinigen. 26. Und Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und Ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 27. Und Ich werde Meinen Geist in euer Inneres geben; und Ich werde machen, dass ihr in meinen Gesetzen wandelt und meine Richtigungen (engl. judgements) bewahrt und tut.

Jer.24,7: Und Ich will ihnen ein Herz geben, Mich zu erkennen, dass ich JHWH bin; und sie werden Mein Volk, und Ich werde ihr Gott sein; denn sie werden mit ihrem ganzen Herzen zu Mir umkehren.

Jer.31,33 :Sondern dies ist der Bund, den Ich mit dem Haus Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht JHWH: Ich werde Mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und Ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein.

Welche Rolle spielt das erwähnte Wasser in diesem Geschehen der Geburt?  Etliche Verse der Bibel zeigen einen Zusammenhang auf zwischen Wasser und Geist, hier nur ein Beispiel:

Joh.7,38-39: 38. Wer an Mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 39. Dies aber sagte er von dem Geist, welchen die an ihn Glaubenden empfangen sollten… (s. auch das Gespräch Jesu mit der Frau am Brunnen Joh.4,10)

Die Geburt selbst erfolgt durch das Wort Gottes, das auch als Same bezeichnet wird und Geist-Träger ist. Durch das Hören des Wortes wird im Herzen des Menschen Glauben erzeugt (Lk.8,5-15).

Jak.1,18: Nach Seinem (Gottes) eigenen Willen trägt Er uns (das Volk Israel!) durch das Wort der Wahrheit aus, auf dass wir eine Erstlingsfrucht Seiner Geschöpfe seien.

1.Petr.1,23: …die ihr (das Volk Israel!) nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes

 Lk.8,5: Der Same ist das Wort Gottes

Exkurs: Das Wasserbad der Rede8 (keine Taufe!)

Eph.5,26: …auf dass Er (Jesus Christus) sie (die Herausgerufene) heiligte (deutet einen fortlaufenden Prozess an), sie reinigend im Wasserbad der Rede8

Joh.13,10: Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein…

 Joh.15,3: Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das Ich zu euch geredet habe.

 Joh.6,63: Der Geist ist es, der lebendig macht… die Reden, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben…

In diesen Versen wird durch die Symbolsprache des Wassers ein besonderer Zusammenhang zwischen Wort und Geist deutlich. Das reine Wasser ist das Wort der Wahrheit, das mit Geist, also mit göttlichem Leben durchtränkt ist, und das für die tägliche geistliche Hygiene so hohe Bedeutung hat, dass es auch als das gesunde Wort bezeichnet wird (Tit.2,8). Es hat reinigende Wirkung auf unser Denken und späteres Handeln.

Mt.4,4: Nicht von Brot allein wird der Mensch leben, sondern von jeder Rede8, die durch Gottes Mund ausgeht.

8.griech. ρημα rema, das dynamische, lebendige, gesprochene Wort des Herrn, das Glauben im Herzen hervorbringt; zu unterscheiden von griech. λογος logos, Wort als Ausdruck eines Gedankens; bezogen auf Jesus, als den Logos: der Sohn als manifestierter, vollständiger Ausdruck Gottes, der Geist ist.

Exkurs: Der Glaube ist eine Gabe Gottes und nicht eigener Verdienst!

Joh.3,14-15: 14. Und so wie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, 15. auf dass jeder, der an Ihn glaubt, (nicht verloren gehe, sondern – nicht im Codex Sinaiticus) äonisches Leben habe (Leben im kommenden Äon/ Zeitalter des Reiches Gottes).

Im Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus, weist Jesus diesen auf den Glauben hin und Glauben heißt Aufschauen. Jesus macht Nikodemus auf die erhöhte Schlage in der Wüste aufmerksam (4.Mo.21,8-9): durch das Aufschauen zur Schlage wurden die Israeliten geheilt.

Joh.15,16a: Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt

 Joh.15,16b: …und euch dazu gesetzt, dass ihr hingeht und viel Frucht bringt. Und eure Frucht soll bleiben

 Joh.6,29: Jesus sprach: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den Er gesandt hat.

 Joh.3,27: Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben wird.

 Joh.6,44: Niemand kann zu Mir kommen, wenn der Vater, der Mich gesandt hat, ihn nicht zieht

 Mt.11,27: Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn, als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater, als nur der Sohn, und wem irgend der Sohn Ihn offenbaren will.

 Mt.16,17: Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart (nämlich, dass Jesus Gottes Sohn ist), sondern Mein Vater, der in den Himmeln ist.

 Joh.6,37: Alles, was der Vater Mir gibt, wird bei Mir eintreffen und bleiben und wer zu Mir kommt, den werde Ich keinesfalls hinaustreiben…

 Joh.6,39: Dies ist der Wille dessen, der Mich gesandt hat, dass Ich nichts von alldem verliere (w: gänzlich weglöse), was Er Mir gegeben hat, sondern es am letzten Tag auferstehen lasse.

 Joh.10,29: Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand Meines Vaters rauben.

 1.Kor.1,30: Aus Ihm (Gott) aber seid ihr in Christus Jesus…

 Eph.2,8: Denn in der Gnade seid ihr Gerettete, durch Glauben, und dies ist nicht aus euch, sondern Gottes Nahegabe.

 Phil.1,29: Denn in Gnaden ist euch für Christus gewährt: nicht allein an Ihn zu glauben, sondern auch für Ihn zu leiden…

 Eph.1,4: …wie Er uns in Ihm (in Christus) vor dem Niederwurf der Welt auserwählt hat, damit wir Heilige und Makellose vor Seinem Angesicht seien.

 Röm.8,30: Die Er aber vorherbestimmt, diese (be)ruft Er auch; und die Er (be)ruft, diese rechtfertigt Er auch; die Er aber rechtfertigt, die verherrlicht Er auch.

 Eph.1,5: In Liebe hat Er uns für Sich zum Sohnesstand in Christus Jesus vorherbestimmt, nach dem Wohlgefallen Seines (souveränen) Willens.

 Apg.13,48: …alle die zum äonischen Leben verordnet waren (Leben im kommenden Äon/ Zeitalter des Reiches Gottes), kamen zum Glauben.

 2.Thess.2,13: Wir aber sind Gott allezeit zu danken schuldig eurethalben, vom Herrn geliebte Brüder, da euch Gott von Anfang an vorgezogen hat zur Rettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit…

 2.Tim.1,9: …(Gott), der uns rettet und (be)ruft mit heiliger Berufung, nicht nach unseren Werken, sondern nach Seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor äonischen Zeiten (vor den Zeitaltern) gegeben ist…

 Eph.3,20-21: Ihm aber, der über alle Maßen mehr tun kann, über alles hinaus was wir erbitten oder erdenken können – der in uns wirkenden Kraft entsprechend Ihm sei die Verherrlichung in der herausgerufenen Gemeinde und in Christus Jesus, für alle Generationen des Äons der Äonen! Amen!

 Phil.2,13: Denn Gott ist es, der beides in euch bewirkt: das Wollen wie auch das Wirken/ Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen.

 Röm.9,16: Demnach liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Rennenden, sondern an dem Sich erbarmenden Gott.

Ist die Wasser-Taufe ein Sakrament9?

Die Christenheit hat aus der Wasser-Taufe zu einem Sakrament9 gemacht – einem unerlässlichen Gnadenmittel, durch das geistliche Segnungen vermittelt werden sollen. Sie wurde zu einer unumgänglichen Handlung deklariert, die nötig sei, um gerettet zu werden, zumindest aber bezeuge man dadurch seinen Glaubensgehorsam. Es werden Gemeinden aus nur getauften Mitgliedern gebildet, in denen Nichtgetaufte nicht aufgenommen werden. Ihnen wird oft das Abendmahl versagt. Kritisch ist nicht, dass eine Gruppierung von Menschen sich ein Aufnahmeritual gibt, sondern dass behauptet wird, dass diese Handlung etwas in der Beziehung zwischen dem Menschen und Gott verändert oder diese in Gang bringt. Behauptet wird gerne, dass es sich lediglich um ein Symbol handle, um ein Zeichen in die Welt, dass der Täufling nun zu der taufenden Ortsgemeinde gehören möchte. Mit diesem Ziel müsste aber korrekterweise in den Namen der Ortsgemeinde oder der entsprechenden Kirchenorganisation getauft werden. Statt dessen wird dem Ritus aber eine theologische Dimension gegeben, die er nicht mehr hat.

9. vom lat. sacramentum, bezeichnete ursprünglich den röm. Soldateneid; die lateinische Wurzel sacer bedeutet ‚heilig, unverletzlich‘; in der christlichen Theologie ist damit ein Ritus gemeint, der als sichtbares Zeichen bzw. als sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigt und an ihr Teil haben lässt; heilsvermittelndes Medium, Heilsmittel, Heilszeichen, Heilsweg, sichtbares Zeichen der verborgenen Heilswirklichkeit

Es gibt heute nur ein einziges Sakrament9: Christus Jesus, den gekreuzigten und erhöhten Herr. Es ist nicht die Wassertaufe, die errettet. Wasser kann nicht retten, Wasser macht nass. Selbst der zweifelhafte Vers aus Mk.16,16 drückt die Tatsache aus, dass es der fehlende Glaube ist, der ins Verderben führt, nicht die fehlende Wasser-Taufe.

Gerade bei der Frage nach der Taufe/ den Taufen zeigt sich, wie wertvoll es ist, sich eine Bibelauslegung angewöhnt zu haben, die berücksichtigt, an wen und zu welcher Zeit Anweisungen gerichtet sind. Besonders bei diesem Thema gilt es zu beachten, dass in unterschiedlichen Dispensationen (griech. οικονομια oikonomia; a. Ü. Haushaltung, Verwaltung,) die Taufen unterschiedliche Ausprägungen hatten. Bezieht man nun Anweisungen auf sich, die zu einer anderen Entwicklungsstufe gehören, entstehen Verwirrungen, Widersprüche und falsche Schwerpunkte. Man erhält nur dann ein plausibles Schema, wenn man die Bibel heilsgeschichtlich auslegt, also chronologische Entwicklungen berücksichtigt, sowie an wen Anweisungen gerichtet sind.

Das Raubtier und die Hure Babylon

Das Raubtier und die Hure Babylon

Wichtiger Hinweis:

„Wir erkennen stückweise…“ (1.Kor.13,9).

„…prüfet aber alles, das Gute haltet fest.“ (1.Thes.5,21).

Diese Studie entspricht meinem gegenwärtigen Stand der Erkenntnis und beansprucht nicht, frei von Irrtum zu sein.

Die Bibelverse entstammen der Elberfelder unrevidierten Fassung, der DaBhar-Übersetzung oder einer wörtlichen Wiedergabe der Grundtexte.

Die Grundlage dieser Wortbetrachtung sind die Kapitel 12, 13 und 17 der Offenbarung, in denen verschiedene Bestien beschrieben werden und Texte aus dem Propheten Daniel.

1. Der große feuerrote Drache:

Offb.12,3: …ein großer, feuerroter (w. feuerner) Drache, welcher sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, und auf seinen Köpfen sieben Diademe…

2. Das Raubtier* aus dem Meer:

Offb.13,1-3: 1. Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, welches zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. 2. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Pardel, und seine Füße wie die eines Bären, und sein Maul wie eines Löwen Maul. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt. 3. Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tode geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier.

* wörtl. das Jagende

Bild

3. Das Raubtier* aus der Erde (auch falscher Prophet genannt z.B. in Offb.16,13):

Offb.13,11-12: 11. Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen: und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. 12. Und die ganze Gewalt des ersten Tieres übt es vor ihm aus, und es macht, dass die Erde und die auf ihr wohnen das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde.

* wörtl. das Jagende

4. Das scharlachfarbene Raubtier* in der Wüste, auf dem die Hure Babylon sitzt:

Offb.17,3.8-13; 16: 3. Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah ein Weib auf einem scharlachroten Tiere sitzen, voll Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. 8. Das Tier, welches du sahst, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund (Abyssos) heraufsteigen und ins Verderben (w. Ganzweglösung) gehen. 9. Hier ist der Verstand, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt. 10. Und es sind sieben Könige: fünf von ihnen sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kleine Weile bleiben. 11. Und das Tier, welches war und nicht ist, er ist auch ein achter und ist von den sieben und geht ins Verderben (w. Ganzweglösung). 12. Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, welche noch kein Königreich empfangen haben, aber Gewalt wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tier. 13. Diese haben einen Sinn und geben ihre Macht und Gewalt dem Tier. 16. und die zehn Hörner, die du sahst, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie öde und nackt machen, und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen.

* wörtl. das Jagende

Bild

Die sieben Häupter sind in dem Achten, dem sinnbildlichen scharlachfarbenen Tier, vereint, während er gleichzeitig ihnen entstammt. Untergeordnete Königreiche werden in einigen Fällen durch Hörner veranschaulicht.

5. Die Hure Babylon:

Offb.17,4-6; 15.18: 4. Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll Gräuel und Unreinigkeit ihrer Hurerei; 5. und an ihrer Stirn einen Namen geschrieben: Geheimnis, Babylon, die große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde. 6. Und ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. 15. Und er spricht zu mir: Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Völker und Völkerscharen und Nationen und Sprachen; 18. Und das Weib, das du sahst, ist die große Stadt, welche das Königtum hat über die Könige der Erde.

Symbolistik der Bibel:

Berg: repräsentiert höchste Machtzentren; politische und religiöse Macht vereint, z.B. in der kommenden Weltregierung des Tieres und im Messianischen Reich in Verbindung mit dem Berg Zion und Christus als Regent

Dan.2,35: Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde.

Berg Zion: Jes.2,2-3; Jer.3,17; Mi.4,1-3

Erniedrigung und Zermalmung des Hohen: Jes.2,12; 41,15-16

Wüste: Ort der Prüfung, der Schwierigkeit, der Versuchung; Jesus in der Wüste der Versuchung 40 Tage, das Volk Israel in der Wüste der Schwierigkeit für 40 Jahre, Mose in der Wüste für 40 Jahre, wo er alles zurücklassen musste, was er in Ägypten gelernt hatte, um Gott nützlich sein zu können und Gottes Volk zu führen.

Farbe scharlach: Farbe des Tieres in der Wüste und der Hure Babylon; steht in Verbindung zur Sünde (= Gesetzlosigkeit). Das Tier wird in 2.Thess.2,3 auch „Mensch der Gesetzlosigkeit“ und „Sohn des Verderbens“ (w. Ganzweglösung) genannt. Jesus bekam symbolisch einen scharlachfarbenen Mantel um, weil er unsere Sünden trug; scharlachfarbene Sünden werden wie Schnee (Jes.1,18).

Details zum Raubtier aus Offb.17:

Die Häupter-Regenten (Offb.17,10-11)…

fünf fielen*

(Nr. 1-5)

einer ist** (Nr.6) der andere kam* noch nicht und wenn er kommt***, muss er kurz bleiben (Nr. 7) die Bestie (Nr. 8), die war* und ist nicht, (a. L. und es selber) ist Achter, ist auch aus den Sieben und ist dabei** ins Verderben (w. Ganzweglösung) zu gehen

 

* Imperfekt indikativ: drückt eine Handlung aus, die in der Vergangenheit regelmäßig geschah (iterativ – z.B. die Atmung) oder längere Zeit andauert (durativ – z.B. die Kindheit). Weiters Beispiel: Ἀνὴρ ἔθυε βοῦν (Anēr ethye boun)/ Ein Mann opferte einen Ochsen.

** Präsens indikativ

*** 2. Aorist aktiv

Die sieben Häupter als sieben Regenten:

1. gefallen

2. gefallen

3. gefallen

4. gefallen

5. gefallen

6. ist (Nero – Rom)

7. kommt und muss kurz bleiben

8. das Raubtier selbst

Das Raubtier als Achter (Offb.17,8)…

Phase I Phase II Phase III Ursprung Ziel
war* ist** nicht 1.ist** wieder da (anwesend) ist dabei*** aus dem Abgrund (Abyssos) zu steigen ist dabei***, ins Verderben (w. Ganzweglösung) zu gehen

* Imperfekt indikativ: drückt eine Handlung aus, die in der Vergangenheit regelmäßig geschah (iterativ – z.B. die Atmung) oder längere Zeit andauert (durativ – z.B. die Kindheit). Weiters Beispiel: Ἀνὴρ ἔθυε βοῦν (Anēr ethye boun)/ Ein Mann opferte einen Ochsen)

** Präsens indikativ

*** Partizip Präsens aktiv (zukunfts-gerichtete Verbform)

1.Sinaiticus/ Alexandrinus: το θηριον ο τι ην και ουκ εστιν και παρεσται

(Textus Receptus: το θηριον ο τι ην και ουκ εστιν καιπερ εστιν – sogar auch wieder ist)

So wie die IST-Phase des 6. Hauptes sich auf die Zeit des Johannes bezieht, so könnte die IST-NICHT- und die IST-WIEDER-DA-Phase des Raubtiers sich ebenfalls auf die Zeit des Johannes und damit auf vergangene Zeiten anstatt auf die Zukunft hinweisen. Ist solch eine Schlussfolgerung gerechtfertigt? Ich denke nicht.

Das Diagramm zeigt in den drei Phasen, dass nach dem anfänglichen Imperfekt im Griechischen („es war“) nur noch das Präsens verwendet wird. Damit wäre eine Zäsur zwischen „es war“ und dem Rest der Beschreibung geschaffen. Die beiden Teile „ist dabei aus dem Abyssos heraufzusteigen“ und „ist dabei ins Verderben zu gehen“ haben in jedem Fall futuristische Bedeutung.

Der Achte, auch als Raubtier bezeichnet, wird also in den drei Phasen unter der Formel WAR – IST NICHT – IST WIEDER DA (Offb.17,8) vorgestellt. Es ist anzunehmen, dass diese Formel nicht aus der Perspektive des Johannes zu verstehen, sondern komplett als futuristisch zu deutet ist. Das Raubtier oder der Achte existiert ja zur Zeit des Johannes noch nicht, sondern tritt erst in der Zukunft auf. Folglich ließe sich die Formel WAR – IST NICHT – IST WIEDER DA komplett als zukünftiges Geschehen deuten. Diese drei Phasen könnten somit eine Unterbrechung im Auftreten des Raubtiers anzeigen. Möglicherweise hängt diese Unterbrechung mit dem zum Tode geschlachteten Haupt aus Offb.13 zusammen, das sich von seiner Todeswunde erholt, was großes Erstaunen auf der Erde auslösen wird.

Für diese Sicht sprechen folgende Argumente:

  • Die IST-NICHT-Phase und die IST-WIEDER-DA-Phase können durchaus als zukünftige Entwicklung verstanden werden, denn das Präsens steht an manchen Stellen der Offenbarung für die Zukunftsform.
  • Aussagen über das Raubtier stellen es von einer endzeitlichen Perspektive dar und weisen auf sein zukünftiges Gericht hin. Deshalb können die drei Phasen notwendigerweise nicht mit der Zeit des Johannes verbunden werden.

Das Raubtier ist auch aus den Sieben. Aber in welcher Hinsicht? Manche Ausleger vertreten die Ansicht, dass es als Achter nicht mit einem seiner sieben Häupter identifiziert werden sollte. Es ist zwar richtig, dass die sieben Häupter mit dem bestimmten Artikel eingeführt werden, während das Achte ohne Artikel auftritt und damit von den anderen unterschieden wird. Es liegt auch der Gedanke nahe, dass das Raubtier als Achter alle sieben zusammenfasst, ihr Höhepunkt und doch nicht wie eines von ihnen ist, sondern die Gesamtheit des Bösen in sich personifiziert. Und dennoch sehe ich auf Grund der Aussage aus Offb.13 über das wie zum Tode geschlachteten Haupt, dass das Raubtier in einer besonderen Beziehung zu diesem Haupt steht und dieses zeitgleich mit dem Raubtier auftreten muss, da das Raubtier gerade durch das Heilwerden dieses wie zum Tode geschlachteten Hauptes große Verwunderung auslöst.

Offb.13,14: …indem es (das zweite Raubtier aus der Erde, der falsche Prophet) die, welche auf der Erde wohnen, auffordert, ein Bild dem Tier zu machen, das die Wunde des Schwertes hat und lebte.

Obwohl es sich um eins der Häupter des Raubtieres handelt, welches verwundet wurde, so wird durch den obigen Vers doch deutlich, dass das Raubtier selbst mit diesem Haupt identifiziert wird. Durch diese Heilung wird das tödlich verwundete Haupt zum Achten und zum Raubtier selbst. Dafür kommt aber nur eins der Häupter in Frage:

  • es kann sich nicht um die Häupter Nr. 1-5 handeln, weil diese FIELEN
  • es kann sich nicht um das Haupt Nr. 6 handeln, weil dieses Haupt zur Zeit des Johannes IST
  • es kann sich folglich nur um Haupt Nr. 7 handeln, weil dieses Haupt das einzige ist, das in die Zukunft weist, also noch KOMMT

Das 7. Haupt durchlebt folglich eine Transformation, was in den drei Phasen WAR – IST NICHT – IST WIEDER DA zum Ausdruck kommt, in welcher es vom 7. Haupt zum Achten wird. Diese Transformation hängt mit dem Tod (oder zumindest einer lebensbedrohlichen Verwundung) des 7. Hauptes (WAR-Phase) zusammen. Aus diesem Tod (IST-NICHT-Phase) kommt es als Achter (IST-WIDER-DA-Phase) wieder hervor und zwar aus dem Abyssos, was darauf deuten könnte, dass ein Wesen der Tiefe von seinem Leib/ Körper Besitz ergreift und durch diesen agiert. In seiner Endform trägt das Raubtier aber auch 10 Hörner, die symbolisch für 10 untergeordnete Regenten und ihre Regentschaften stehen. Es könnte sich dabei um Repräsentanten von 10 Staaten-Bündnissen handeln, wie beispielsweise die Europäische Union, USA, die Union Südamerikanischer Nationen, zu denen noch weitere Bündnisse auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent, Australien, die arabischen Nationen u.a. hinzu kommen werden – das Reich des Raubtieres (Offb.16,10) eingeschlossen, insgesamt 11 an der Zahl. Somit erhält das Raubtier weltumspannende Autorität – für 42 Monate.

Exkurs: Daniels Visionen vom Standbild und den vier Tieren

Daniel 2 – das Standbild aus König Nebukadnezars Traum:

  • Standbild: sein Haupt aus feinem Gold, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden aus Erz; seine Schenkel aus Eisen; seine Füße teils aus Eisen und teils von Ton
  • ein Stein sich reißt sich los ohne Hände und trifft das Bild an seinen Füßen von Eisen und Ton und zermalmt sie; der Stein, der das Bild zermalmt hat, wird zu einem großen Berg und füllt die ganze Erde

Daniel 7 – Daniels Traum:

  • Vier große Tiere steigen aus dem Meer, es sind vier Könige, die auf der Erde aufstehen werden:
  1. Löwe mit Adlerflügel*; sie werden ausgerissen, das Tier wird von der Erde aufgehoben, wie ein Mensch auf seine Füße gestellt und erhält eines Menschen Herz
  2. Bär; er richtet sich auf einer Seite auf, er hat 3 Rippen im Maul zwischen den Zähnen und ihm wird gesagt, aufzustehen und viel Fleisch zu fressen (Medo-Persien; das Meder-Reich war stärker)
  3. Pardel mit 4 Flügeln* auf dem Rücken und 4 Köpfen
  4. es war verschieden von allen andern Tieren; groß (größer als die anderen), stark, Grauen erregend, mit großen, eisernen Zähnen, Klauen aus Kupfer; es frisst und zermalmt und was übrig bleibt zertritt es mit den Füßen; es hat 10 Hörner; ein anderes kleines Horn mit Augen und einem Mund der große Dinge redet, steigt empor und verstümmelt dabei 3 der anderen Hörner (ist damit ein 8. Horn und identisch mit dem 8. Haupt des Tieres der Offb.); es führt Krieg gegen die Heiligen und besiegt sie; das Tier wird getötet, sein Leib zerstört und verbrannt

* Flügel sind ein Symbol für Schnelligkeit

Nähere Erläuterungen über das 4. Tier:

  • es verzehrt die ganze Erde, zertritt und zermalmt sie
  • 10 Hörner: aus dem Königreich stehen 10 Könige auf; nach ihnen steht ein anderer auf, der verschieden sein wird von den vorigen und erniedrigt 3 Könige
  • das kleine Horn ändert Fristen und Erlass; redet Worte gegen den Höchsten und verwirrt die Heiligen, die eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit in seine Hand gegeben werden bis der Alte an Tagen kommt und das Gericht und die Herrschaft über alle Königreiche wird den Heiligen gegeben

Beschreibung des vierten Königreichs:

  • ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen, das zermalmt und zertrümmert
  • die Füße und die Zehen teils aus Ton und teils aus Eisen, weil es ein geteiltes Königreich sein wird; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm sein, weil der Ton mit Eisen vermischt ist
  • die Zehen der Füße teils aus Eisen und teils aus Ton, weil das Königreich zum Teil stark, zum Teil aber auch zerbrechlich sein wird
  • die Eisen-Ton-Mischung bedeutet Völkermischung durch Heirat, aber sie werden nicht aneinander haften gleichwie sich Eisen nicht mit Ton vermischt
  • in den Tagen dieser Könige wird der Elah der Himmel ein Königreich aufrichten, welches äonisch nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber äonisch bestehen

Dan.7,12.17.23-25: 12. Und was die übrigen Tiere betrifft: ihre Herrschaft wurde weggenommen, aber Verlängerung des Lebens ward ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde. 17. Diese großen Tiere, deren vier waren, sind vier Könige, die von der Erde aufstehen werden. 23. Das vierte Tier: ein viertes Königreich wird auf Erden sein, welches von allen Königreichen verschieden sein wird; und es wird die ganze Erde verzehren und sie zertreten und sie zermalmen. 24. Und die zehn Hörner: aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen; und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorigen und wird drei Könige erniedrigen. 25. Und er wird Worte reden gegen den Höchsten und die Heiligen der höchsten Örter vernichten; und er wird darauf sinnen, Zeiten und Gesetz zu ändern, und sie werden eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit in seine Hand gegeben werden.

Die zwei Deutungsebenen der vier Raubtiere Daniels:

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass die vier Raubtiere aus Daniels Vision nicht bloß eine einzige Deutungsebene haben können. Denn das würde bedeuten, dass nach dem Römischen Reich kein weiteres politisches System mehr folgt und der Mensch der Gesetzlosigkeit diesem System entstammen muss. Diese Denkrichtung führt allerdings in eine Sackgasse und verschließt den Blick für die eigentliche Lösung. Ich habe mich viele Stunden mit dem Problem der Deutung der Raubtiere beschäftigt und kam nicht weiter, bis mir klar wurde, dass ich die Lösung so auch nicht finden lässt. Letzten Endes müssen ja die Visionen des Daniel und die des Johannes ein harmonisches Ganzes ergeben, sich ergänzen und nicht widersprechen.

1. Deutungsebene der vier Raubtiere – die Vorschattung:

1. Löwe – Babylon

2. Bär – Medien-Persien

3. Leopard – Griechenland

4. namenloses Raubtier – Rom

2. Deutungsebene der vier Raubtiere – die Erfüllung:

1. Löwe – Europa/ Großbritannien (Imperialismus)

2. Bär – Russland (Kommunismus)

3. Leopard –Amerika (Kapitalismus)

4. namenloses Raubtier – X noch nicht offenbart (Bestialismus)

Tabellarische Darstellung:

Raubtiere 1. Deutungsebene – die Vorschattung 2. Deutungsebene – die Erfüllung
Löwe Babylon Imperialismus
Bär Medo-Persien Kommunismus
Leopard Griechenland Kapitalismus
namenloses Raubtier Rom Bestialismus

Tabellarischer Vergleich des Standbildes und der Raubtiere aus Daniel und Offenbarung:

Das Standbild Daniels Die vier Raubtiere Daniels aus dem Meer Das Raubier aus dem Meer aus Offb. 13 Das Raubier aus der Wüste aus Offb. 17
Haupt aus Gold Löwe mit Adlersflügeln
Brust und Arme aus Silber Bär auf einer Seite aufgerichtet mit 3 Rippen im Maul zw. den Zähnen (steh auf und friss viel Fleisch)
Bauch und Lenden aus Kupfer Leopard mit 4 Flügeln eines Vogels und 4 Köpfen
Schenkel aus Eisen

Füße und Zehen** ein Teil aus Eisen, ein Teil aus Ton

Raubtier verschieden von den anderen, Verkriechen machend, Grauen erregend, sehr stark mit großen eisernen Zähnen, Klauen aus Kupfer, es frisst (Einverleibung), zermalmt und den Rest zertritt es mit den Füßen

Es hat 10 Hörner, ein anderes kleines Horn steigt zw. den anderen empor und reißt 3 von den vorherigen Hörnern aus, es wird größer als seine Genossen, hat Augen und einen großen Mund mit dem es Gott lästert

Raubtier aus dem Meer mit 10 Hörnern und 10 Diademen und 7 Köpfen und Namen der Lästerung

Es gleicht einem Pardel, hat die Füße eines Bären, das Maul eines Löwen

Der Drache gibt ihm seine Macht, seinen Thron und große Autorität

Einer seiner Köpfe ist wie geschlachtet, die Todeswunde wird geheilt und die ganze Erde verwundert sich über das Tier

Es hat einen Mund, der große Dinge und Lästerungen redet

Es wurde ihm Autorität gegeben, 42 Monate* zu wirken

scharlachrotes Raubtier in der Wüste voll Namen der Lästerung mit 7 Köpfen und 10 Hörnern; die Hure Babylon sitzt auf den 7 Köpfen

es WAR – IST NICHT – IST WIEDER DA (es steigt aus dem Abyssos und geht ins Verderben)

Köpfe sind Berge und sind Könige – 5 fielen – einer ist – einer ist noch nicht gekommen und wenn er kommt muss er kurz bleiben

das Tier, das war und ist nicht, ist auch ein Achter, ist aus den Sieben und geht ins Verderben

Die 10 Hörner sind 10 Regenten, die noch keine Regentschaft erhielten aber Vollmacht erhalten wie Regenten eine Stunde* mit dem Tier

* wenn in der göttlichen Mathematik ein Tag (24 Stunden) 1000 Jahren entspricht, dann entspricht eine Stunde ca. 42 Jahren (41,67). In der Offb. handelt es sich aber um eine prophetisch verkürzte Zeit, in der eine Stunde 42 Monaten entspricht.

** die Zehen deuten indirekt auf die Zahl 10 hin und könnten damit identisch mit dem 10 Hörnern des 4. Tieres Daniels und den Hörnern aus Offb. 17 sein

Die sieben Häupter:

Manche Ausleger versuchen die sieben Häupter des Raubtieres aus Offb.17 mit den Raubtieren aus Daniels Vision zu kombinieren. Dabei sind diverse Gedankenkonstrukte entstanden. Tatsache ist aber, dass sich im Grunde nur ein einziges Haupt, nämlich das 6. mit Sicherheit deuten lässt, weil es zur Zeit des Johannes IST und das Römische Imperium sowie dessen damaligen Kaiser Nero darstellt (wohlgemerkt: die Häupter sind Berge und sind Könige!). Das 7. Haupt ist das Raubtier selbst, allerdings vor seiner tödlichen Verwundung. Genau genommen wird es aber erst als Achter zum Raubtier, also nach der Heilung der Wunde. Deshalb ist es zwar einer von den Sieben und dennoch ein Achter. Seine Identifikation als Person ist heute allerdings noch nicht möglich. Über die Häupter Nr. 1-5 kann ebenfalls nur spekuliert werden. Manche Ausleger fangen bei Ägypten und Assyrien an, weiter über Babylon, Medo-Persien und bis Griechenland. Sie vergessen allerdings dabei, dass sie jedem Haupt auch einen Herrscher zuordnen müssen, der ein Typus des Raubtieres sein muss (nochmals: die Häupter sind Berge und sind Könige!), was aber nicht auf jeden Herrscher zutrifft.

1. Haupt gefallen – Ägypten – Pharao?

2. Haupt gefallen – Assyrien – ?

3. Haupt gefallen – Babylon – Nimrod?/ Nebukadnezar?

4. Haupt gefallen – Medo-Persien – Darius?

5. Haupt gefallen – Griechenland – Alexander?/ Antiochus Epiphanes

6. Haupt IST – Römisches Imperium – Nero

7. Haupt KOMMT und muss KURZ bleiben

8. das Raubtier selbst

Ein wichtiges Argument gegen diese Aufteilung, die mir etwas konstruiert erscheint, ist, dass die Raubtiere in Daniels Vision bei Babylon anfangen und nicht bei Ägypten, woran sich auch die Ausleger halten sollten. Warum muss Babylon Vorrang haben? Gen.10,10: „Und der Anfang seines (Nimrods) Reiches war Babel… im Lande Schinar.“ Im Lande Schinar hat alles mit Nimrod begonnen, der Babel gründete. Hier war von jeher der Sitz der anti-göttlichen Zentrale, deshalb hat Babylon Anfangscharakter und existierte schon lange vor Ägypten. Mit Sicherheit lässt sich nur das 6. Haupt identifizieren, weil es zur Zeit des Johannes IST. Manche Ausleger sehen Rom aber auch im 7. Haupt Rom und auch im Raubtier selbst. Wenn aber das 6. Haupt das Römische Imperium und Nero repräsentiert, wie kann dann das 7. Haupt ebenfalls das Römische Imperium darstellen? Dieses durchlief zwar mehrere Phasen, aber mit welchem soll das 7. Haupt denn identifiziert werden und vor allem mit welchem Repräsentanten, der als Typus des Letzen in Frage käme? Und wie soll dieser Siebte zum Achten werden?

Andere Ausleger fangen bei den Häupter zwar mit Babylon an, kommen dann aber ins Schlittern, weil sich die Häupter nicht lückenlos füllen lassen. Dafür müssen diverse Spekulationen herhalten. So wird versucht, das Römische Imperium in verschiedene Phasen aufzuteilen, wobei auch die Europäische Union und das Papsttum bemüht werden. Der Grund hierfür ist hauptsächlich, dass die zweite Deutungsebene der vier Raubtiere Daniels nicht gesehen wird, was auch für mich lange Zeit eine Denkblockade darstellte. Das Haupt-Problem, das ich bei der Einteilung der verschiedenen Phasen des Römischen Imperiums auf die Häupter sehe, ist dass es trotz der verschiedenen Phasen, die es durchlief, im Propheten Daniel trotzdem in einem Raubtier dargestellt wird, ebenso wie auch Griechenland (das heute weltpolitisch übrigens überhaupt keine Rolle mehr spielt). Auch auf diese Variante soll dennoch etwas näher eingegangen werden:

Die Geschichte des Römischen Imperiums lässt sich grob in vier Abschnitte einteilen:

  1. Römische Königszeit: 753 v. Chr. bis 509 v. Chr.
  2. Römische Republik: 509 v. Chr. bis 27 v. Chr. (Untergang der Republik infolge der Bürgerkriege ab 133 v. Chr.)
  3. Prinzipat bzw. (frühe und hohe) Römische Kaiserzeit: 27 v. Chr. bis in die Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts (235 bis 284/285; auch als „Zeit der Soldatenkaiser“ bezeichnet)
  4. Spätantike: ab 284/285 bis ins 6./7. Jahrhundert (in der älteren Forschung auch als „Dominat“ bezeichnet); in dieser Zeit erfolgte die Völkerwanderung (375 bis 568) und Teilung des Reiches (395) sowie der Untergang des Römischen Reiches (476/480) im Westen und der Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (frühes 7. Jahrhundert)

Laut Daniel ließe sich das Römische Imperium im Standbild zumindest in drei Teile/ Phasen aufteilen: ein Teil Schenkel aus Eisen, ein weiterer Teil die Füße aus Eisen und Ton (stellt das geteilte Reich dar) und ein dritter Teil die 10 Zehen aus Eisen und Ton (ein Teil stark, ein Teil zerbrechlich), wobei die 10 Zehen an die 10 Hörner des 4. Tieres Daniels und an die 10 Hörner des Tieres aus Offb. 13 und 17 erinnern. Damit ließen sich zwar die ersten 6 Häupter des Tiers aus Offb. 17 (wenn man mit Babylon beginnt) lückenlos füllen, aber die zeitliche Zuordnung passt nicht (s. Aufteilung weiter unten). Somit ergibt sich für die sieben Häupter:

1. Haupt gefallen – Babylon

2. Haupt gefallen – Medo-Persien

3. Haupt gefallen – Griechenland

4. Haupt gefallen – Rom Phase I (Schenkel aus Eisen)

5. Haupt gefallen – Rom Phase II (Füße aus Eisen und Ton – das geteilte Reich ab 395)

6. Haupt IST – Rom Phase III (Zehen aus Eisen und Ton – ein Teil stark, ein Teil zerbrechlich, das West-Reich geht 480 unter, das Ost-Reich besteht noch bis 1453)

7. Haupt KOMMT und muss KURZ bleiben – Rom Phase IV (im Standbild nicht mehr deutbar, außerdem war die Phase alles andere als kurz)

8. das Raubtier selbst – Europäische Union/ Vatikan

Diese Aufteilung stimmt bereits ab dem 4. Haupt nicht mehr, weil nämlich das 6. Haupt, das zur Zeit des Johannes IST, das Römische Imperium vor seiner Teilung darstellen muss (die Teilung fand nämlich 395 statt, während die Offb. viel früher geschrieben wurde). Und da im Prinzip alle Häupter ab dem 4. das Römische Imperium in irgend einer Form darstellen müssten (weil es in Daniel ja kein weiters Raubtier mehr nach dem 4. gibt und eine zweite Deutungsebene nicht gesehen oder akzeptiert wird), behaupten einige Ausleger, der Mensch der Gesetzlosigkeit müsse aus der Europäischen Union oder/ und dem Vatikan kommen. Auch wenn die EU und der Vatikan sicher ihre Rolle im Endzeitszenario spielen werden, glaube ich dennoch nicht, dass es die Hauptrolle sein wird. Allerhöchstens könnte der Papst das Raubtier aus der Erde sein mit den zwei Lamm-Hörnern.

„Andere Ausleger haben sich bemüht, den Häuptern bestimmte römische Kaiser zuzuordnen, meistens beginnend mit Julius Caesar (49-44 v.Chr.), bzw. Augustus (31 v.Chr.–14 n.Chr.), dann Tiberius (14-37 n.Chr.), Gaius (Caligula/37-41 n.Chr.), Claudius (41-54 n.Chr.), Nero (54-68 n.Chr.), Vespasian (69-79 n.Chr.), bzw. Titus (79-83 n.Chr.), wobei man das Vierkaiserjahr nach Neros Tod mit Galba (68-69 n.Chr.), Otho (69 n.Chr.) und Vitellius (69 n.Chr.) aufgrund ihrer kurzen Herrschaftszeit oft überspringt und mit Vespasian bzw. Titus fortfährt. Der achte König gar, wird – einer Legende nach – als der „Nero redivivus“, als der wieder auferstandene Kaiser Nero in der Endzeit beschrieben. Wiederum andere Ausleger – speziell katholische – vermeiden natürlich jeden Zusammenhang mit Rom, und bezeichnen Babylon als ‚die von Gott abgefallene Menschheit'“.

http://www.immanuel.at/Immanuel/Exkurs03.htm#Das_grosse_Babylon

Es ist und bleibt also ein schwieriges und vor allem spekulatives Unterfangen, die Häupter zuzuordnen. In jedem Fall müssen sie typologisch den Letzten, den Menschen der Gesetzlosigkeit, vorschatten. Um also bei den Fakten zu bleiben:

1. Haupt – Identität ungewiss

2. Haupt – Identität ungewiss

3. Haupt – Identität ungewiss

4. Haupt – Identität ungewiss

5. Haupt – Identität ungewiss

6. Haupt IST – Römisches Imperium – Nero

7. Haupt KOMMT und muss KURZ bleiben – das „Raubtier“ vor der tödlichen Wunde

8. das Raubtier in der IST WIEDER DA-Phase nach der Heilung der tödlichen Wunde

Die Hure Babylon

Über diese „Frau“, die auf dem scharlachfarbenen Raubtier reitet, wurde schon viel geschrieben und spekuliert. Die meisten Ausleger sehen in ihr den Vatikan bzw. die katholische Kirche. Dazu hat wohl hauptsächlich der Vers aus Offb.17,9 geführt: „Hier ist der Verstand (w. das Denken), der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt.“ So wurde leichtfertig geschlussfolgert: Die Stadt auf den sieben Hügeln – das kann nur Rom sein! Ich bin der Meinung, dass es kein besonders hohes Maß an Verstand, Mitdenken und Weisheit erfordert, um zu einer solchen Schlussfolgerung zu gelangen, denn Rom ist weithin als „die Stadt auf den sieben Hügeln“ bekannt. Bedauerlicherweise ist diese Interpretation übereilt, führt am biblischen Text völlig vorbei und beweist gerade dadurch mangelndes Durchdenken. Ein Vers weiter wird uns nämlich gesagt: „Und es sind sieben Könige…“ Erstens sind Berge keine Hügel und zweitens sind Berge in der Symbol-Sprache der Bibel Regentschaften und Regenten. Des weiteren hat die Stadt Rom weltpolitisch heute überhaupt keine Bedeutung mehr. Was den Vatikan betrifft, gehört dieser nicht zu Rom, sondern ist ein Stadt-Staat. Die Grafik unten veranschaulicht außerdem, dass Rom zwar auf sieben Hügeln oder Anhöhen gebaut ist (von denen der höchste gerade mal 64m hoch ist!), der Vatikan aber (links oben zu sehen) ist außen vor und steht auf einem gesonderten Hügel, hat also mit den sieben Hügeln Roms überhaupt nichts zu tun.

Bild

Aus der Offenbarung erfahren wir die wichtigsten Charakteristiken der Frau:

  • an ihrer Stirn trägt sie den Namen (17,5):
    • Geheimnis
    • Babylon
    • die Große
    • Mutter der Huren (eine Mutter hat auch Töchter!)
    • Gräuel der Erde
  • sie sitzt an vielen Wassern (Völker, Mengen, Nationen, Zungen) (17,1.15)
  • sie ist trunken vom Blut der Heiligen und Zeugen Jesu (17,6)
  • in ihr wurde das Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen denen, die auf der Erde geschlachtet worden sind (18,24)
  • sie reitet auf dem scharlachfarbenen Raubtier und sitzt auf seinen sieben Häuptern (17,3.9)
  • sie ist bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold, Edelsteinen und Perlen (17,4)
  • sie hat einen goldenen Becher voll Gräuel und Unreinheit ihrer Hurerei (17,4)
  • sie ist die große Stadt, welche die Regentschaft hat über die Regenten der Erde (17,18)
  • sie hat mit den Regenten des Erdlands Hurerei getrieben und die auf der Erde wohnen sind trunken geworden vom Wein ihrer Hurerei (17,2)
  • sie ist eine Behausung von Dämonen und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels (vermutl. geflügelte Dämonen) (18,2).
  • die Kaufleute der Erde sind durch die Macht ihrer Üppigkeit reich geworden (18,3) (es ist also auch ein Handels- und Finanzsystem)
  • die zehn Hörner und das Raubtier werden die Hure hassen, sie öde und nackt machen, ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen (17,16)
  • sie hält sich für eine Königin und nicht für eine Witwe (18,7)

Babylon wird hier u. a. als „die große Stadt“ vorgestellt und zwar nicht irgend eine Stadt, sondern die kommende Welt-Hauptstadt, da sie die Regentschaft über die Regenten der Erde haben wird. Damit offenbart sie sich als Gegenzentrale zum Berg Zion und dem Neuen Jerusalem, der Braut des Lämmleins. Die eine Stadt ist Hure, die andere Braut.

Babylon Neues Jerusalem
Hure Braut
Mutter der Huren Mutter der Kinder der Verheißung*

* Gal.4,26.31: 26. …aber das Jerusalem droben ist frei, welches unsere Mutter ist… 31. Also, Brüder, sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.

Der Begriff Babylon taucht das erste Mal im Neuen Testament in 1.Petr.5,13 auf: „Es grüßt euch die Miterwählte (w. mitauserwählte Herausgerufene) in Babylon…“ Leider lässt sich diesem Bibeltext nicht entnehmen, welche Ortschaft hier mit Babylon gemeint ist. Aus 1.Petr.1,1 können wir zumindest entnehmen, an wen Petrus sich wendet: „Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung (w. den Staatenlosen der Diaspora) von Pontus, Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien…“ Es sind also die Juden oder Israeliten gemeint, die außerhalb Israels lebten. Petrus selbst hielt sich aber viel in Jerusalem auf.

Ein Vers, der mich aber zum näheren Verständnis hin führten sollte war folgender:

Offb.11,8: Und ihr Leichnam wird auf der Straße der großen Stadt liegen, welche geistlich Sodom und Ägypten heißt, wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.

Es taucht der Begriff „große Stadt“ auf, mit der auch die Babylon genannt wird – aber hier in Zusammenhang mit Jerusalem! Könnte das tatsächlich die richtige Spur sein? Ich suchte nach weitern Indizien. Ich stieß dabei auf ein Video im Netz, das ebenfalls in diese Richtung zeigte. Das Video ist wirklich sehenswert und spricht alle wichtigen Details an: https://www.youtube.com/watch?v=zFQdutfznVA

Als ich bei google „Jerusalem kommende Welthauptstadt“ eingab fand ich einige interessante Links – der Gedanke war also gar nicht so abwegig: http://www.silverchord.net/themen/prophetie/Zeitenwende/Jerusalem.html; http://politikglobal.blogspot.de/2008/03/vorankndigung.html; http://de.gloria.tv/?media=258374. Auch unter dem Begriff „Zionismus und Weltherrschaft“ lässt sich Einiges finden. Ebenso ist der Film von Tibor Zelikovic „Zeitenwende“ sehenswert, der auch das Thema anspricht.

Am 16. Januar 1962 veröffentlichte das Look-Magazine ein Gespräch mit dem damaligen israelischen Staatspräsidenten David Ben Gurion, in dem er seine Vorstellungen von der Entwicklung der Weltpolitik ab 1987 darlegte:

1. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR wird der Vergangenheit anghören.

2. Die Sowjetunion wird graduell demokratisiert werden.

3. Europa wird eine Föderation demokratisch-sozialistischer Staaten werden.

4. Eine Weltallianz aller Kontinente wird über eine internationale Polizeistreitmacht verfügen, die deren Willen sichert, so dass es keine Kriege im herkömmlichen Sinne mehr geben wird.

5. In Jerusalem werden der Tempel der wahren vereinten Nationen und das höchste Gericht der Menschheit entstehen, wo alle Streitigkeiten der angeschlossenen Länder und Kontinente entschieden werden.

Im Original:

http://seeker401.wordpress.com/2010/11/06/david-ben-gurion-in-jerusalem-will-be-the-seat-of-the-supreme-court-of-mankind-circa-1962/

„The image of the world in 1987 has traced in my imagination: The Cold War will be a thing of the past. Internal pressure of the constantly growing intelligentsia in Russia for more freedom and the pressure of the masses for raising their living standards may lead to a gradual democratization of the Soviet Union…[Glasnost, Perestroika & Gorbachev were right on time in 1987 and going according to plan]

…On the other hand, the increasing influence of the workers and farmers, and the rising Political importance of men of science, may transform the United States into a welfare state with a planned economy. Western and Eastern Europe will become a federation of autonomous states having a Socialist and democratic regime.

With the exception of the U.S.S.R. as a federated Eurasian State, all other continents will become united in a world alliance at whose disposal will be an international police force. All armies will be abolished and there will be no more wars. In Jerusalem, the United Nations will build a shrine of the prophets to serve the federated union of all continents; this will be the seat of the Supreme Court of Mankind, to settle all controversies among the federated continents, as prophesied by Isaiah…“

Vergangene und zu erwartende Entwicklungen:

Weltkriege Bündnisse
1. Weltkrieg Gründung des „Völkerbund“
2. Weltkrieg Gründung der „Vereinten Nationen“ UN
3. Weltkrieg Gründung des „Weltstaates“ mit  Jerusalem als Hauptstadt

Babylon sitzt auf allen sieben Häuptern des Raubtieres (Offb.17,9). Da es sich bei den Häuptern um eine Regierungschronik handelt, ist Babylon folglich nicht nur eine zukünftige Angelegenheit, sondern muss schon recht alt sein. Babylon ist nämlich nicht nur die zukünftige große Stadt, sie hat ja viele Namen unter denen sie erscheint. In erster Linie ist sie ein System, ein Prinzip.

„Das Babylon der Bibel scheint keine zeitspezifische Erscheinung zu sein. Weder in der Endzeit, noch in unserer Zeit oder der Zeit des Römischen Reiches. Und auch wenn wir noch weiter zurückgehen, in die Zeit des Nebukadnezar, finden wir im Babel der Chaldäer – ähnlich wie im Rom der Kaiserzeit – wohl eine Repräsentantin dieses Phänomens, aber nicht seinen Ursprung.“ http://www.immanuel.at/Immanuel/Exkurs03.htm

Babylon ist ja Mutter der Huren und als Mutter hat sie auch Kinder und Töchter. So werden z.B. die Städte Israels im AT als Huren bezeichnet, weil sie sich von ihrem Gott abgewendet haben und können als Töchter Babylons gesehen werden, zu denen heute sicherlich der Vatikan und Jerusalem gehören. Das Prinzip Babylon hat viele Gesichter und manifestiert sich in der Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieser Welt in mannigfaltiger Weise. Im endzeitlichen Jerusalem wird es sich in seiner ganzen Fülle manifestieren.

Petry/ Thomsen: Wie sich die Ewigkeit einschlich

Wie sich die Ewigkeit einschlich

Paul Petry und Alexander Thomsen


Inhalt

  1. »Ewig« ist nicht endlos

  2. Wie die lateinische Sprache die Theologie beeinflusste

  3. Ewig und säkular

  4. Tertullian

  5. Aiōn in alten Übersetzungen

  6. Zitate aus Schriften der Kirchenväter

Die nachfolgenden Ausführungen, die etwas gekürzt schon einmal im Mai 1936 in unserer Zweimonatszeitschrift »Unausforschlicher Reichtum« erschienen sind, verdanken wir einem Mitarbeiter in Schottland, Alexander Thomson, dessen Spezialfach alte und älteste Bibelübersetzungen sind. Wir haben bei der Bearbeitung des englischen Artikels die vielfachen Bezugnahmen auf britische Bibelübersetzungen fortgelassen und dafür Verschiedenes eingefügt, was uns für deutsche Leser wichtig erscheint. In überzeugender Weise dürfte in dieser Abhandlung der Beweis erbracht sein, dass nicht nur die Übersetzung des griechischen Wortes aiōn mit Ewigkeit im Sinne von Endlosigkeit in der Bibel keine Berechtigung hat, sondern dass überhaupt dem Wort »Ewigkeit« im Deutschen wie in anderen Sprachen die ihm heute beigemessene Bedeutung ursprünglich fremd war. Das volle Verständnis für die Äonen der Bibel ist anscheinend schon bald nach den Tagen des Paulus verlorengegangen. Als es dann mit der griechischen Kirche abwärts ging und die lateinische mit einer eigenen Übersetzung der Schrift, der Vulgata des Hieronymus, in den Vordergrund trat, musste diese mit ihrer inkonsequenten Wiedergabe der griechischen Ausdrücke aiōn und aiōnios dazu beitragen, die auf den Karthager Tertullian zurückgehende lateinische Theologie zu stützen, in deren Mittelpunkt nicht mehr wie bei den griechischen Kirchenvätern, die das Neue Testament noch besser verstanden haben, Gott in Seiner Liebe zu den Menschen steht, sondern der sündige Mensch, der vor seinen Richter geladen ist und mit endlosen Höllenstrafen zu rechnen hat. In der unterschiedlichen Bedeutung, die man dem Wort aiōn beilegt, spiegelt sich im Grunde der Kampf zwischen der griechischen, d.h. hier der biblischen, und der römischen, mehr rechtlich-gesetzlichen Auffassung des Evangeliums wider. Die Reformatoren haben dann, ohne es zu wissen und zu wollen, römischen Sauerteig mit übernommen. Als eine Folge davon wird weithin in der evangelischen Christenheit die biblische Wahrheit von dem Gott, dem es wohlgefiel, alles im Himmel und auf der Erde in Christus mit Sich Selbst auszusöhnen, zu dem Ziel hin, dass Er schließlich alles in allen sei, als Irrlehre verketzert.

Möge es Gott gefallen, diesen kleinen Beitrag zu einem richtigeren Verständnis Seines Wortes zu segnen und Seine herrliche Wahrheit in hellem Licht erstrahlen zu lassen.

»Ewig« ist nicht endlos

Das inspirierte Gotteswort spricht niemals von Ewigkeit. Nichts bezeichnet es als ewig. Es enthält keinen Ausdruck, der in sich selbst die Bedeutung unseres Zeitbegriffs »immerwährend« trägt. Weil Ewigkeit mithin kein Gegenstand göttlicher Offenbarung ist, werden wir jetzt aufzudecken suchen, wie und wann dieser unbiblische Begriff mit seinen überaus unheilvollen Folgen Eingang in die Theologie erlangt hat. Da es sich hier um eine geschichtliche Untersuchung handelt, werden wir eine Reihe historischer Ereignisse und eine Anzahl früherer Übersetzer und ihre Arbeiten anführen müssen. Wir hoffen, dass solch eine Untersuchung, verbunden mit der Überprüfung verschiedener Stammwörter, die sich auf Zeit beziehen, allerlei Zweifel bei denen beseitigen wird, die sich nicht ganz sicher fühlen, wenn sie in der Konkordanten Übersetzung des Neuen Testaments durchgehend anstelle von »ewig« das Wort »äonisch« sehen. Wir dürfen wohl getrost behaupten: Je gründlicher man die ersten Jahrhunderte des Christentums durchforscht, desto klarer tritt zutage, dass allein eine unsachliche Theologie für die Verdrängung der biblischen Lehre von den Äonen durch das kirchliche Dogma von der Ewigkeit verantwortlich ist.

Offenbarung 10:6 übersetzen Luther und andere: »Dass hinfort keine Zeit mehr sein soll.« Das ist an sich völlig richtig, nur besteht die Möglichkeit, diese Formulierung in zweierlei Sinn auszulegen; und es ist tatsächlich so ausgelegt worden, als werde nun bald die »Zeit« enden und die »Ewigkeit« anbrechen, eine Vorstellung, der nicht der geringste Schriftbeweis zu Grunde liegt. Der Zusammenhang an dieser Stelle beweist, dass kein Aufschub mehr stattfinden soll, bis das Geweissagte eintrifft, im übrigen aber auf die geschilderten Ereignisse zunächst eine Periode von tausend Jahren folgt, während welcher »Zeit« fortdauert.

Es ist darum richtiger zu schreiben, wie es die Konkordante Übersetzung tut: »Es wird kein Zeitaufschub mehr sein.« Darauf läuft auch die Übersetzung von Menge hinaus, wenn er schreibt: »Es wird hinfort kein Verzug mehr sein.« Auch bei Elberfeld heißt es: »Es wird keine Frist mehr sein«, und in der Fußnote steht: kein Aufschub. Nirgendwo lehrt die Schrift, dass Zeit an sich einmal zu Ende geht. Alles, was sie hierüber offenbart, ist, dass die Äonen einmal ein Ende haben werden. So steht in 1. Korinther 10:11 z. B.: »Zu denen die Abschlüsse der Äonen gelangt sind« (Luther hat hier: »das Ende der Welt«). Ebenso steht in Hebräer 9:26: »Für den abschließenden Zeitraum der Äonen«.

Wenn die Schrift lehrt, dass gewisse Dinge auch nach dem Abschluss der Äonen bestehen werden, oder irgend etwas als endlos beschreibt, wird im Griechischen eine besondere, verneinende Form des Umstandswortes bzw. Verhältniswortes gebraucht, um dies auszudrücken, wie in den folgenden Beispielen:

Luk. 1:33

»Seine Königsherrschaft wird keinen Abschluss haben« (ouk estai telos = nicht wird-sein Vollendung).

1. Kor. 15:42

»Auferweckt wird in Unvergänglichkeit« (aphtharsia; der Anfangssilbe »a« entspricht das deutsche »un-«).

1. Kor. 15:53

»Denn dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen« (athanasia = Un-Tod, Tod-Losigkeit).

1. Pet. 1:4

»… zu einem unvergänglichen, unentweihten und unverwelklichen Losteil« (amaranton = un-verwelklich).

Heb. 7:16

»Nach der Kraft unauflöslichen Lebens« (akataluton = un-auflöslich).

1. Tim. 1:4

»Endlose Geschlechtsregister« (aperanton = un-andere­Seite im Sinne von »zu nichts führend«, d. h. ohne Ziel und Ende).

Wenn die Äonen dazu bestimmt sind, einmal ein Ende zu nehmen, so muss auch alles, was äonisch ist, einmal enden oder von dem verschlungen werden, was auf sie folgt. Gerade Gerichte, die als äonisch bezeichnet werden wie das Feuer in Matthäus 18:8, der Ruin fern vom Angesicht des Herrn in 2. Thessalonicher 1:9 und das äonische Urteil in Hebräer 6:2 werden zu bestimmter Zeit ein Ende haben. In grellem Gegensatz zu solchen nur äonischen Gerichten steht das furchtbare Schicksal der Stadt Babylon, wie es Offenbarung 18:21-23 geschildert wird, wo uns innerhalb dreier Verse nicht weniger als sechsmal der feierliche negative Ausdruck »niemals mehr« (ou mê eti) begegnet:

So wird Babylon, die große Stadt, mit Wucht hinabgeworfen und niemals mehr darin gefunden werden. Niemals mehr wird man einen Ton von Harfensängern, Unterhaltern, Flötenspielern oder Posaunenbläsern in dir hören. Auch wird man niemals mehr irgendeinen Kunsthandwerker irgendwelcher Kunst in dir finden. Niemals mehr wird man das Geräusch eines Mühlsteins in dir hören. Niemals mehr wird das Licht einer Leuchte in dir scheinen. Niemals mehr wird man die Stimme eines Bräutigams und einer Braut in dir hören.

Nicht einmal Gott wird in der Schrift »ewig« genannt. Was zwingt uns denn auch, Ihn als ewig zu bezeichnen? Ist es nicht fast beleidigend, solch ein Beiwort von Einem zu gebrauchen, der, um wirklich Gott zu sein, eben ewig, also zeitlos ohne Anfang und Ende sein muss? Wir sprechen doch auch nicht von nassem Regen. Wäre er nicht nass, so wäre er kein Regen. In der Schöpfungsgeschichte wird das Dasein Gottes einfach vorausgesetzt. Kein Versuch wird gemacht, zu erklären, wer Gott ist, woher Er kam, oder Beweise für Sein Dasein zu erbringen. Die Schöpfung setzt Seine Existenz voraus, und der Glaube nimmt Ihn an. Dass Er der »äonische Gott«, d. h. der Gott der Äonen ist, das ist eine besondere, hinzugefügte Offenbarung. Ebenso kann Er Sich den »Gott Israels« nennen und dennoch der Gott des ganzen Weltalls sein. Während es Ihm unmöglich ist, mehr als ewig, als immerwährend zu sein, ist Er selbstverständlich nicht nur äonisch. Auf einer Bleitafel aus dem Anfang des dritten Jahrhunderts, die man in der Totenstadt Adrumetum in Nordafrika gefunden hat, ist folgende Inschrift in griechischer Sprache eingegraben: »Ich beschwöre Dich, den großen Gott, den äonischen und mehr als äonischen (epaiōnion) und allmächtigen, den Einen, der erhaben ist über die erhabenen Götter.« Theologen meinen, hier müsse übersetzt werden: »… den ewigen und mehr als ewigen.« Demgegenüber darf behauptet werden, dass keine Sprache noch geraume Zeit nach dem ersten christlichen Jahrhundert irgendeinen Ausdruck zur Bezeichnung von »Ewigkeit« im heutigen Sinn hatte.

Wie konnte nun solch ein Begriff entstehen und sich so fest einbürgern? Dazu ist zunächst folgendes zu beachten: Die hebräische Heilige Schrift ist fast ausschließlich in reinem Hebräisch geschrieben. Ebenso ist es mit der griechischen; sie enthält kaum andere als rein griechische Wörter. Mit den europäischen Bibeln ist das aber sehr anders. Sie enthalten viele Ausdrücke, die aus dem Lateinischen stammen, die englische allerdings weit mehr als die deutsche. Hätte man im frühen Mittelalter nicht alle Bibelübersetzungen nach der lateinischen Vulgata gemacht und hätte das Lateinische nicht damals das gesamte kirchliche Leben beherrscht, so hätten sich nicht nur weniger unbiblische oder fremde Begriffe in den theologischen Wortschatz des Abendlandes eingeschlichen, vielmehr hätten auch an sich gute deutsche Wörter ihre ursprüngliche Bedeutung behalten. Das beste Beispiel hierfür ist eben das Wort »ewig«, das sich weitestgehend mit dem griechischen »äonisch« deckte. Dann aber nahm es den Sinn an, der, wie wir später sehen werden, erst in das entsprechende lateinische Wort hineingelegt wurde, um das zu lehren, was die Kirche zum Dogma erheben wollte. Wäre der griechische Grundtext früher im Westen in Gebrauch gewesen, so hätte auch die Entwicklung auf dem Gebiet der Bibelübersetzung und kirchlichen Lehre eine andere werden können. Aber erst die Einnahme Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453 gab den Anstoß zu einer Rückkehr zur Sprache der Inspiration.

Konstantinopel war damals der große Mittelpunkt der Gelehrsamkeit, vor allem der griechischen. Nach dem Eindringen der Türken flüchteten zahllose Gelehrte von dort ins Ausland, verbreiteten sich über ganz Europa und brachten die Kenntnis der griechischen Sprache und die Schätze der griechischen Literatur dem Westen mit. Es ist kaum zu glauben, dass für mehr als ein Jahrtausend das Griechische in den meisten Ländern Europas fast unbekannt oder vergessen war, sogar in Italien, das es einst so völlig beherrscht hatte. In England begann man erst im Jahr 1484 das Griechische öffentlich zu lehren, und zwar an der Universität Oxford, wo Erasmus, der große niederländische Gelehrte, Griechisch lernte und dann Professor dieser Sprache in Cambridge wurde. Sein erstes griechisches Neues Testament gab er 1516 heraus, das erste, das überhaupt zum Verkauf gedruckt wurde. Die erste griechische Grammatik seit wohl mehr als einem Jahrtausend wurde 1476 in Mailand veröffentlicht, das erste Lexikon vier Jahre später. Es war so, wie ein englischer Gelehrter es ausgedrückt hat: Griechenland war auferstanden aus dem Grab mit dem Neuen Testament in seiner Hand. – Um diese Zeit änderten große deutsche Gelehrte sogar ihre Namen in griechische um, so modisch war das Studium des Griechischen geworden. Schwarzerd wurde Melanchthon, Hausschein wurde Oekolampadius, Gerhard erlangte Ruhm als Erasmus, Horn meinte, mit dem Namen Ceratinus mehr Ehre einlegen zu können.

Wie die lateinische Sprache die Theologie beeinflusste

Es wird jetzt notwendig, einen Blick auf sprachliche Zustände in Griechenland und Italien vor und nach den Tagen des Paulus zu werfen.

Das klassische Latein war eine von vielen Sprachen, die von den früheren Einwohnern Italiens gesprochen wurden. Zuerst war es nur der Dialekt eines schmalen Landstrichs um Rom. Andere Dialekte, die sich im Laufe der Zeit damit vermischten, waren von sehr unterschiedlicher Art. Im Süden Italiens gab es viele griechische Kolonien, so dass diese Landschaft als »Groß-Griechenland« bekannt war. Von den Anfängen einer beglaubigten Geschichte an dürfte die griechische Sprache einen starken Einfluss auf Italien ausgeübt haben. Was in späteren Zeiten der abgeschliffene Dialekt Roms wurde, war aber nicht die Sprache des gemeinen Volkes, ebenso wie das klassische Griechisch der Dichter und Denker nicht das der gewöhnlichen Leute war. Die Alltagssprache der Griechen war mehr der Art, wie sie in der Schrift gefunden wird, bekannt unter dem Namen koinê, d. h. die gemeine Redeweise. Latein war die Sprache der römischen Patrizier, der Gebildeten, der Politiker, eines nur schmalen Ausschnitts aus dem Volk.

Eine Folge des stürmischen Eroberungszugs Alexanders des Großen (334-323 v. Chr.) war, dass Griechisch die Sprache der Regierung und der Literatur fast durch die ganze damalige zivilisierte Welt wurde. Es wurde die Misch- und Umgangssprache in Palästina und Ägypten. Aber nach dem Zerfall des Weltreichs wurde Rom immer mächtiger, und um 189 v. Chr. war seine Herrschaft über Griechenland eine vollendete Tat­sache.

Trotzdem behauptete sich das Griechische als die Sprache der vornehmen Welt noch lange Zeit, sogar in Italien selbst. Zur Zeit des Dionysius Thrax (um 80 v. Chr.) lernten die Kinder der Edelleute in Rom Griechisch, ehe sie Latein lernten. Dionysius war der Verfasser der ersten griechischen Schulgrammatik. Sie wurde in Rom zur Zeit des Pompejus (um 50 v. Chr.) veröffentlicht und Jahrhunderte hindurch in den Schulen benutzt. Dies kleine schlichte Werk existiert heute noch. Die erste Geschichte Roms wurde um 200 v. Chr. in griechischer Sprache geschrieben.

In den beiden ersten christlichen Jahrhunderten war das Griechische noch ganz allgemein in Rom in Gebrauch. Man konnte zwar überall zahlreiche andere Dialekte hören, Griechisch aber diente als Verbindungsglied, durch das sich alle miteinander verständigten. Deshalb brauchte Paulus an die Römer auch nicht lateinisch zu schreiben. Nicht nur, weil er zu feinfühlend war, ihnen in einer Sprache zu schreiben, die sie nicht verstanden; es steht auch sonst fest, dass die römische Gemeinde mit der griechischen Sprache völlig vertraut sein musste. Deshalb lag auch für ungefähr ein Jahrhundert nach der Zeit des Paulus kein Bedürfnis vor, in Italien eine lateinische Übersetzung der Heiligen Schrift zu haben. Es ist von größter Wichtigkeit, sich klarzumachen, dass die erste lateinische Bibelübersetzung ihren Ursprung nicht in Italien, sondern in Nordafrika hat. Von den noch vorhandenen Handschriften dieser alt-lateinischen Bibel gilt die Mehrzahl als typisch »afrikanisch«.

An dieser Stelle muss einiges zur Orientierung über das Verhältnis der römischen Provinz Afrika zu Rom gesagt werden. In alter Zeit war hier eine kanaanitische Kolonie, von Tyrus und Sidon gegründet, Karthago genannt. Zur Zeit ihrer Macht beherrschte diese Stadt auch die großen Inseln des Mittelmeers: Sardinien, Korsika und einen Teil von Sizilien. Krieg mit der aufsteigenden Militärmacht Rom war unvermeidlich. Drei lange Feldzüge endeten mit der völligen Niederwerfung Karthagos um 146 v. Chr., das fortan zur römischen Provinz erniedrigt wurde.

Auch die Sprache dieser Provinz wurde im folgenden lateinisch, aber es war der Dialekt des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts. Dies zu beachten ist wichtig. Dieser Dialekt unterschied sich stark von der in späterer Zeit in Rom gesprochenen Sprache. Der Geschichtsschreiber Polybius (um 150 v. Chr.) behauptet, dass selbst die sachkundigsten Römer dieser Zeit nur schwer den Wortlaut der früheren Verträge zwischen Rom und Karthago verstehen konnten, die doch nur etwa hundert Jahre alt waren. Horaz, der zur Zeit der Geburt Christi starb, bekennt, dass er die altlateinischen salischen Gedichte nicht verstehe, ja er sagt, niemand könne sie mehr verstehen, so sehr habe sich das Lateinische in ein paar Jahrhunderten verändert. Die Zeit der größten Reinheit des Lateinischen war das Jahrhundert vor Christus.

Karthago, in beträchtlicher Entfernung von Rom gelegen, entwickelte indes seinen lateinischen Dialekt unabhängig weiter, frei vom Einfluss des Griechischen. Geradeso, wie das Skandinavische, das man in Schweden und Norwegen spricht, sich sehr von dem alten Skandinavisch unterscheidet, das man vor tausend Jahren in Island redete; oder wie die Sprache der Buren in Südafrika vom Holländischen abweicht; oder wie das Englisch, das vor 300 Jahren nach Amerika kam, dort Begriffe hinzunahm, die in England nicht gebräuchlich sind, dagegen aber andere verlor, die England bewahrt hat – geradeso hat sich auch das nach Karthago verpflanzte Latein in einer Weise weiterentwickelt, dass es sich bald merklich von der Sprache Italiens und Roms unterschied.

Tertullian von Karthago, dem frühesten der lateinischen Kirchenväter (um 160-220 n. Chr.) verdanken wir unsere erste Kenntnis von der Existenz der in seiner Heimat hergestellten altlateinischen Bibelübersetzung. Die noch vorhandenen Handschriften dieses Bibelwerks lassen erkennen, wie die Sprache desselben sehr von dem klassischen Latein abweicht. Sie ist wohl kraftvoller, hat aber manche Unbeholfenheiten und Eigenheiten, die anderen als Irrtümer und grammatikalische Fehler erscheinen würden. Diese Bibel war wohl ursprünglich eine Übertragung aus dem Griechischen durch ungeschulte Übersetzer, wenn nicht der Unterschied zwischen den Dialekten Roms und Karthagos ihre anscheinenden Sprachfehler hinreichend erklärt. Solange die altlateinische Bibel in Nordafrika blieb, erhielt sie sich ziemlich unverändert. Als sie jedoch auf italienischem Boden erschien, entstand eine große Verwirrung. Alte, in Karthago wohlbekannte Wörter mussten den Römern unverständlich sein. Neu in Afrika geprägte Ausdrücke waren ihnen ebenfalls fremd. In beiden Ländern hatten Wörter im Laufe der Zeit besondere und abweichende Schattierungen ihrer eigentlichen Bedeutung angenommen. Die provinzialen Spracheigenheiten und Rauheiten der afrikanischen Bibel wurden nun notdürftig zurechtgeflickt, der Text nach den in Rom gebrauchten griechischen Abschriften zusammengestümpert, und das Resultat war unbeschreibliche Verwirrung. Man behauptete, es gäbe wohl so viele Übersetzungen wie Handschriften, wenngleich das zweifellos übertrieben ist. Dem Kirchenvater Hieronymus fiel um 380 die schwierige Aufgabe zu, Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Das Ergebnis war eine lateinische Übersetzung, die als die Vulgata bekannt ist. Bis dahin hatte etwa 600 Jahre lang die griechische Septuaginta das Feld behauptet, und so machte sich der neuen Bibel gegenüber zuerst starker Widerstand geltend. Dennoch sollte die Vulgata fast ein Jahrtausend lang, bis zur Reformation, den größten Teil der Christenheit beherrschen.

Wenn auch Hieronymus offenbar Fehler und schlechtes Latein in der alt-afrikanischen Bibel verbesserte, so war er anderseits doch sehr konservativ. Manchen Ausdruck ließ er stehen, wie er ihn vorfand. Was aber auch immer seine eigenen Ansichten über die Zukunft gewesen sein mögen, zwei lateinische Wörter voll tiefer Bedeutung, die in der alten Lesart erscheinen, hat er jedenfalls offensichtlich nicht geändert. Es sind die beiden Wörter, mit denen die alten lateinisch-karthagischen Übersetzer das griechische Wort aiōn wiedergegeben haben. Die lateinische Sprache benötigte gleich der gotischen, armenischen, englischen u. a. zwei Wörter, um diesen Begriff zu übertragen: seculum, von dem unser »säkular« stammt, und aeternus, heute »ewig«. Der ursprüngliche Sinn des ersten Wortes war augenscheinlich »Welt« vom zeitlichen Standpunkt aus betrachtet, also Dauer einer Weltordnung, im Gegensatz zu mundus, Welt als Örtlichkeit (gr. kosmos). Der Sinn des zweiten Wortes war wohl vor allem »ein Zeitalter oder lebenslänglich dauernd». Wie wir in dem nächsten Artikel dieses Aufsatzes noch sehen werden, wurde das griechische aiōn manchmal durch das eine und manchmal durch das andere der beiden lateinischen Wörter wiedergegeben. Aber nicht nur das, sondern wenn im Griechischen das Wort aiön zwei- oder dreimal in einem Satz vorkommt, wie z. B. in der Wendung »für den Äon und für den Äon des Äons«, dann hat das Lateinische oft beides, aeternum und seculum.

Dies dürfte als Beweis dafür genügen, dass die zwei Wörter eine mehr oder weniger ähnliche Bedeutung haben können; und wir müssen jetzt dartun, dass sie sich ursprünglich sehr wenig in ihrem Sinn unterschieden, dass aber die Theologie, hauptsächlich infolge des vorherrschenden Einflusses eines Mannes, dem Wort aeternum eine Bedeutung beilegte, die seiner Abstammung und ursprünglichen Anwendungsweise fremd ist.

Ewig und säkular

Die Bedeutung von seculum wird heute in lateinischen Wörterbüchern angegeben als: eine Generation, ein Zeitalter, die Welt, die Zeiten, der Geist der Zeiten und eine Periode von hundert Jahren. Was säkular ist, gehört der gegenwärtigen Welt an, besonders insofern sie nicht geistlich. ist. In Frankreich hat das Wort die Bedeutung »Jahrhundert« erhalten, außerdem bezeichnet es Zeitalter, Zeit, Periode und Welt (siècle). Das zukünftige siècle ist das zukünftige Leben. In der französischen Bibel lautet der Ausdruck »für die Äonen der Äonen«, der lateinischen Vulgata folgend, »für die siècles der siècles«. In anderen romanischen Sprachen ist es ebenso. Die Italiener sagen secole, die Spanier siglos, die Iren und Gälen saoghal, die Rumänen seculi, die Basken ebenfalls secula. Das will besagen: Die Bibeln in diesen Sprachen geben statt der bei uns verbreiteten irreführenden Formel »von Ewigkeit zu Ewigkeit« den Grundtext richtig oder doch annähernd richtig wieder.

Seculum wird manchmal mit dem lateinischen Zeitwort sequi (= folgen) in Verbindung gebracht, so dass es Zeit als »folgend« bezeichnen würde.

Vor dem Aufkommen von speziellen Bezeichnungen für den Begriff »Ewigkeit« stellte man sich die Zeit als vorwärts fließend vor, eine Generation auf die andere folgend, bis hinein in die dunkle Zukunft. Andere leiten seculum von der Wurzel ab, von der unser Wort »Sektion« stammt. Dann bedeutet es: abgeschnitten, geteilte Zeit, einen Zeitabschnitt.

Vor alters wurden in Rom nach bestimmten Zeiträumen wiederkehrende Spiele veranstaltet, die man Säkularspiele nannte. Der Geschichtsschreiber Herodian, der um die zweite Jahrhundertwende in griechischer Sprache schrieb, nennt sie »äonische« Spiele. Das zeigt, dass diese Spiele in keinerlei Hinsicht »ewig« waren oder als solche aufgefasst wurden; folglich kann äonisch nicht ewig im Sinne von endlos bedeuten.

Unter den vielen Inschriften in den Katakomben Roms findet sich eine zum Gedächtnis eines im Alter von fünfzehn Jahren verstorbenen Mädchens. Sie lautet: »Aurelia, unserer süßen Tochter, »quae de seculo recessit«, d. h. »die aus dem seculum (der Welt) geschieden ist«. Manche alte römische Schriftsteller gebrauchen das Wort seculum im Sinne der äußersten Lebenszeit eines Menschen, also eines Jahrhunderts. Man darf wohl sagen, dass alle hundert Jahre die dann lebenden Menschen völlig andere sind.

Das berühmte Konzil von Trient (Italien) von 1545 bis 1563 bestimmte: »Die Vulgata, die durch den langen Gebrauch während so vieler Jahrhunderte in der Kirche selbst gutgeheißen ist, ist als authentisch in öffentlichen Vorlesungen, Disputationen, Predigten und Auslegungen anzusehen, und niemand sollte es wagen oder sich herausnehmen, sie unter was auch immer für einem Vorwand zu verwerfen.« Das Wort, das hier für »Jahrhunderte« gebraucht wird, ist secula.

Trajan, von 98 bis 117 n. Chr. römischer Kaiser, schrieb an Plinius über das Verfahren gegen die, die den Christenglauben bekannten. Anonyme Anklagen gegen sie sollten nicht angenommen werden, »da dies das schlimmste Beispiel sei, das man geben könne, und sich für unser seculum (Zeitalter, Jahrhundert) nicht gehöre«.

Tertullian nimmt in einer seiner Schriften bezug auf eine gewaltige Erschütterung, die der ganzen Welt und dem Ende eben des seculum drohe.

Laktantius, geboren um 260 n. Chr., spricht von den »Gelehrten dieses seculum. – Eusebius, der Geschichtsschreiber der frühen Kirche, beschreibt das Verhör gewisser Märtyrer aus Afrika im Jahr 180. Diese Märtyrer zeigten einen ganz unbezähmbaren Geist, wenn der Prokonsul Fragen an sie richtete. Ihr Führer Speratus erwiderte unter anderem: »Das Reich dieses seculum erkenne ich nicht an«. Eusebius berichtet weiter, dass die Märtyrer mit Gott herrschen würden durch die secula der secula.

Beim Schreiben über die Wundertaten unseres Herrn erwähnt Eusebius die Magier, »die es immer, durch die secula hindurch, gegeben hat«. Hier liegt eine Bezugnahme auf vergangene Zeiten vor.

Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass seculum fast völlig wie das griechische aiōn gebraucht wurde. Es kann kein einziger Fall angeführt werden, wo es sich auf endlose Zeit bezieht.

Wir werden nun den Gebrauch des Wortes bei Hieronymus in seiner Vulgata betrachten. Diejenigen, die daran festhalten, dass das griechische aiōn »Ewigkeit« oder »für immer« bedeutet, werden gut tun, des Hieronymus Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische wohl zu beachten.

Die etwa 130 Stellen, an denen das Wort aiōn im griechischen Neuen Testament vorkommt, übersetzt Hieronymus 101-mal mit seculum, während er 27-mal aeternum sagt. Wenn er unter dem letzten Wort »ewig« verstanden haben sollte, ist er sehr inkonsequent gewesen. Gerade auf die lateinische Übersetzung müssen wir achten, um den Ursprung des verderblichen Systems oder vielmehr den Mangel an System zu ergründen, vermöge dessen man dem griechischen aiōn zwei ganz verschiedene Bedeutungen beilegte.

Sooft uns in der Offenbarung des Johannes der Ausdruck »für die Äonen der Äonen« begegnet, hat Hieronymus »für die secula der secula«. Im übrigen finden sich folgende Ausdrücke in seiner Bibel: »vom seculum«, »für das seculum«, »für die secula«, »vor den secula«, »dieses seculum«, »jenes seculum«, »die Vollendung des seculum«, »die Vollendung der secula«, »die Enden der secula«, »in das seculum des seculum«, »das zukünftige seculum«, »das kommende seculum«, »die bevorstehenden secula«, »das seculum dieser Welt«. Judas 25 übersetzt er: »vor dem ganzen seculum und jetzt und für alle secula der secula«. (Konkordant: vor dem gesamten Äon und nun und für alle die Äonen.)

Epheser 2:2 hat Hieronymus »das seculum dieser Welt« (konkordant: »der Äon dieser Welt«). Luther und Schlachter sagen hier »der Lauf dieser Welt«, Menge übersetzt »der Zeitgeist dieser Welt«.

Wenden wir uns nun zu dem griechischen Wort äonisch (aiōnion), das 70-mal im Neuen Testament vorkommt. Hieronymus übersetzt es nun nicht etwa zu drei Vierteln mit secular und zu einem Viertel mit aeternus, sondern nicht weniger als 65-mal gebraucht er das letztere Wort (aeternus), während er nur 2-mal secular gebraucht (2. Tim. 1:9 und Tit. 1:2): ante tempora secularia (vor äonischen Zeiten).

Da sich von den 70 Vorkommen des Wortes »äonisch« nicht weniger als 43 auf das Leben beziehen, ist es klar, dass Hieronymus hier nicht gut »säkulares Leben« sagen konnte. So gebrauchte er ohne Ausnahme an allen diesen Stellen den Ausdruck aeterna vita – ewiges Leben.

Wir sehen also, dass die Art und Weise, wie Hieronymus das griechische aiōn übersetzt, unser Vertrauen in seine Konsequenz vollständig erschüttern muss, es sei denn, dass wir beweisen können, aeternus habe in jener Zeit noch nicht die Bedeutung von »endlos« gehabt.

Eine Prüfung der Gallikanischen Übersetzung der Psalmen durch Hieronymus aus der Septuaginta (der griechischen Übersetzung des Alten Testaments) offenbart weitere befremdende Inkonsequenzen. Im allgemeinen sagt er hier für das griechische »für den Äon« (eis ton aiōna) »in aeternum», während er zusammengesetzte Vorkommnisse von Äon, wie z. B. »für den Äon des Äons« mit »für das seculum des seculum« übersetzt. Er konnte ja nicht gut sagen: »in die Ewigkeit der Ewigkeit« oder »in die Ewigkeiten«. Den Ausdruck »für die Äonen« (eis tous aiōnas) musste er wiedergeben mit in secula, wie in Psalm 61:4; 72:17. In derselben Weise übersetzt er Psalm 145:13: »ein Königreich aller secula« (aller Zeitalter), was dem Hebräischen sowohl als auch dem Griechischen entspricht.

In Übereinstimmung mit diesen scheinbaren Regeln gibt er den zusammengesetzten griechischen Ausdruck »für den Äon und für den Äon des Äons« wieder mit in aeternum et in seculum seculi (in Ewigkeit und in das Zeitalter des Zeitalters), so z. B. Psalm 9:5; 10:16; 45:17; 48:14; 52:8 und 148:6. Doch denselben Ausdruck übersetzt er in Psalm 72:19 einfach mit in aeternum, während er Psalm 119:44 und 145:1, 2, 21 »in das seculum und in das seculum des seculum« schreibt.

Ausnahmen finden sich Psalm 44:8; 52:9 und 75:9, wo für das griechische »für den Äon« bei ihm in seculum (in das Zeitalter) steht, hingegen sagt er Psalm 73:12: in seculo (in dem Zeitalter). Bei dem zuletzt genannten Vers bringt es selbst Hieronymus nicht fertig zu sagen, dass die Gottlosen glückselig sind »für die Ewigkeit«. Psalm 90:2 sagt er für das griechische »vom Äon bis zum Äon« (Luther: von Ewigkeit zu Ewigkeit) »vom seculum und bis zum seculum«. Doch genau denselben griechischen Ausdruck übersetzt er in Psalm 103:17 ab aeterno et usque in aeternum (von Ewigkeit und bis in Ewigkeit).

Wir wollen nun weitere Verse anführen, in denen die beiden Wörter, die uns hier beschäftigen, den gleichen Sinn zu haben scheinen. Bei Luther lautet 1. Chronika 29:10: »Gelobet seist Du, Herr, Gott Israels, unsers Vaters, ewiglich«. Das Griechische übersetzt an dieser Stelle das Hebräische wörtlich: »vom Äon und bis zum Äon«. Nehemia 9:5 haben das Hebräische und das Griechische denselben Wortlaut wie in 1. Chronika 29:10 (Luther: »Lobet den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit«). In diesen beiden Versen hat die Vulgata »von Ewigkeit bis in Ewigkeit«. Doch Jeremia 7:7 und 25:5, wo Luther schreibt: »So will Ich immer und ewiglich bei euch wohnen an diesem Ort, in dem Lande, das Ich euren Vätern gegeben habe«, und wo das Griechische hat: »Vom Äon und bis zum Äon«, heißt es in der Vulgata »vom seculum und in das seculum«.

Wie übersetzt nun aber die Vulgata die Verse, in denen »vom Äon und darüber hinaus« die Rede ist? Dieser Ausdruck war einst für Origines entscheidend, und so sollte es für alle sein, die Gott glauben wollen. Jesaja 45:17 übersetzt Luther: »Israel wird nicht zu Schanden werden noch zu Spott immer und ewiglich«. Das Hebräische hat: »für die Zeitalter der Zukunft«, das Griechische »bis zum Äon weiterhin«, die Vulgata »bis zum seculum des seculum«.

Eine außerordentliche Überraschung erwartet uns, wenn wir zwei Verse betrachten, in denen die Vulgata, um es milde auszudrücken, irreführend ist. Es ist eben schwer, darüber zu entscheiden, was das lateinische in aeternum zur Zeit des Hieronymus bedeutete, wenn auch das Wort früher sicher nicht den Sinn von Endlosigkeit gehabt hat. Eins aber steht fest, unter seculum hat Hieronymus eine begrenzte Zeitperiode verstanden, einen Äon; aber unter aeternum scheint er sich etwas anderes gedacht zu haben. War es die sogenannte »Ewigkeit«? Oder wurde das lateinische Wort damals in seinem früheren, weniger fest umgrenzten Sinn zur Bezeichnung einer unbestimmten, zukünftigen Zeit gebraucht? Gerade die lateinischen Väter, die eine hinreichende Kenntnis des Griechischen besaßen, dürften wohl gewusst haben, dass, wie aiōnion im Griechischen, auch aeternum von lateinischen Schriftstellern in der gleichen lockeren Weise für einen unbestimmten Zeitraum gebraucht wurde. In 2. Mose 15:18 heißt es bei Luther: »Der Herr wird König sein immer und ewig«. Das Hebräische beschränkt diese Herrschaft vorsichtig auf »das Zeitalter und fürderhin«. Hieronymus hingegen setzt uns in Erstaunen, indem er tatsächlich schreibt: »in aeternum et ultra«, d. h. also »in Ewigkeit und darüber hinaus«. Dieselbe lateinische Wendung findet sich auch Micha 4:5. Luther übersetzt hier: »Wir wandeln im Namen des Herrn immer und ewiglich«. Das Hebräische dagegen lautet: »für das Zeitalter und fürderhin«, das Griechische »für den Äon und darüber hinaus«.

Es wird nun nötig, dem Ursprung des Wortes aeternus nachzugehen. Was auch immer das lateinische Wort zur Zeit des Hieronymus bedeutet haben mag, 300 Jahre früher war dies mit Sicherheit nicht »ewig«. Professor Max Müller sagt von der Wurzel dieses Wortes, dass sie ursprünglich »Leben« oder »Zeit« bezeichnet, dass aber eine Anzahl Wörter sich von ihr ableiten, die den Begriff »Ewigkeit« ausdrücken, also das Gegenteil von Leben und Zeit. Er sagt, das lateinische aevum (das fast buchstäblich dem griechischen aiōn entspricht und wohl ursprünglich aivon lautete) wurde der Name für Zeit. Zeitalter, und die davon abgeleiteten Wörter aeviternus oder aeternus »wurden fabriziert, um den Gedanken der Ewigkeit auszudrücken«. Das sind Worte einer in dieser Angelegenheit gänzlich unbefangenen Autorität.

Diese Darlegung gleicht der, welche Phavorinus im 16. Jahrhundert in dem berühmten ETYMOLOGICUM MAGNUS niedergeschrieben hat, einem großen Werk, das die Ableitung aller griechischen Wörter enthält, soweit sie von sehr früher Zeit her auf uns gekommen sind. Das Wort aiōn wird erklärt als »das Menschenleben« (das eine begrenzte Zeit umfasst), und dazu wird zitiert: »die sieben Äonen von der Schöpfung des Himmels und der Erde bis zur allgemeinen Auferstehung der Menschen«. Phavorinus fügt hinzu: »aiōn ist das Unwahrnehmbare (aidios) und das Unendliche (ateleutêtos), wie es den Theologen scheint!« Seiner Meinung nach bedeutete das Wort ursprünglich niemals unendlich, sondern die Theologie habe ihm erst diesen Sinn eingeimpft. Er hat in der Tat die Wahrheit gesprochen; denn es ist die Theologie, und allein diese, die den Gedanken der Endlosigkeit in Zeitwörter der verschiedenen Sprachen hineingetragen hat.

Bevor wir zum Lateinischen zurückkehren, wollen wir noch einen ähnlichen, sehr lehrreichen Fall anführen. Justinian war der größte unter den oströmischen Kaisern. Er herrschte von 527-565 zu Konstantinopel. Im Jahr 540 traf er Vorbereitungen für die Einberufung des berühmten Konzils, das später in seiner Hauptstadt tagte. Es war bei dem Kaiser beschlossene Sache, dass gewisse Lehren unterdrückt werden müssten. In einem Schreiben an den Patriarchen Mennas von Konstantinopel legt er den Stand der Dinge dar und erörtert die kirchlichen Lehren mit großer Geschicklichkeit. Insbesondere verlangt er, es müsse mit unmissverständlicher Klarheit ausgesprochen werden, dass das Leben der Heiligen immerwährend sei und gleichfalls die Verdammnis der Verlorenen. Das war demnach vorher durchaus nicht allgemeine Ansichtssache. Er musste erst die Anerkennung dieses Dogmas verlangen. Trotzdem konnte auch er keinen Beweis dafür erbringen, dass das Wort »äonisch« ewig im Sinne von endlos bedeutet. Auch stellte er nicht die Behauptung auf, dies Wort sei bis dahin missverstanden worden. Indem er den orthodoxen Standpunkt der damaligen Kirche festlegte, sagte er nicht etwa: »Wir glauben an äonische Strafe« – das wäre nämlich genau das gewesen, was Origines dreihundert Jahre früher gelehrt und geglaubt hatte. Tatsächlich hat Origines, der über die Wahrheit von der Aussöhnung des Alls frohlockte, mit voller Deutlichkeit das Wort »äonisch« in bezug auf Feuer und Verdammnis gebraucht als auf einen begrenzten Zeitraum beschränkt und sich vor allem auf den zukünftigen Äon beziehend. Justinian jedoch, der in der so ausdrucksvollen griechischen Sprache schreibt, sagt: »Die Heilige Kirche Christi lehrt ein endloses äonisches (ateleutêtos aiōnios) Leben für die Gerechten und endlose (ateleutêtos) Strafe für die Bösen«. Justinian wusste sehr wohl, dass äonisch nicht endlos bedeutet, und fügt deshalb im ersten Teil ein Wort hinzu, das zwar ganz unzweideutig ist, sich allerdings in der Schrift überhaupt nicht findet. Im zweiten Teil des Satzes hat er sogar das Wort, das der Herr gebraucht hat, durch diesen unbiblischen Ausdruck ersetzt. Dieser noch vorhandene Brief Justinians sollte jeden, der über die schriftgemäße Bedeutung des Wortes »äonisch« noch im Zweifel ist, völlig überzeugen. Es sei hinzugefügt, dass das Konzil, das eigens zu dem Zweck einberufen worden war, um die Lehren des Origines zu brandmarken, dessen Erkenntnisse zwar im allgemeinen verdammte, über seine Lehre von der Allaussöhnung das Anathema jedoch nicht aussprach. Erst im Jahr 696 verdammte ein späteres Konzil in Konstantinopel erstmalig diese Lehre des Origines, diese herrliche Wahrheit, als »trunkene Phantasie über das zukünftige Leben der Toten«.

Wir müssen nun das Wort aevum genauer untersuchen. Seine Bedeutung wird in Wörterbüchern wie folgt angegeben: Lebenszeit, Leben, Zeitalter, zu einer bestimmten Zeit lebende Menschen. Von diesem Wort kommt über die Form aeviternus das Eigenschaftswort aeternus. Aevum ist dasselbe Wort wie das altdeutsche ewe, die Stammform des heutigen »ewig«. In Grimms deutschem Wörterbuch heißt es: »ewe, aevum, seculum – gotisch aios – ist gleich aion«. Und weiter steht dort: »noch lange, bis ins 16. Jahrhundert, wird oberdeutsch gebetet worden sein »von ewen zu ewen« für »in secula seculorum«. Daraus ersehen wir, dass unserem heutigen Wort »ewig« die Bedeutung »endlos« ursprünglich fremd war. Auch im Lateinischen wird aevum niemals mit der Bedeutung endlos gefunden. In den römischen Katakomben ist das Grab der Albana, die im Alter von 45 Jahren starb. Ihr trauernder Gatte Placus setzte auf ihre Ruhestätte die Worte: »Dieser Kummer wird immer (semper) meine ganze Lebenszeit hindurch (in aevo) bleiben.« Weiter lautet die Inschrift: »Liege in Frieden – im Schlaf – du wirst auferstehen«. Daraus geht ganz klar hervor, dass keines der hier gebrauchten Wörter (semper und aevum) »endlos« bedeuten kann.

Ein anderer Gedenkstein trägt die Inschrift: »Domus aeternalis« – ewiges Haus. Das steht auf dem Grab eines Gläubigen, so dass dies nicht sein immerwährender Ruheplatz sein kann. Ein weiterer Stein meldet, dass Aurelius Felix, der im Alter von 55 Jahren starb, dahingerafft wurde »zum Hause für ewig«, lateinisch: raptus aeterne domus. Der Verfasser eines Buches über die Katakomben sieht sich zu der Erklärung genötigt, dass solche Inschriften einen Mangel an Glauben an die Auferstehung beweisen, weil ein Wort, das augenscheinlich »ewig« bedeute, sich in ihnen finde. Er erkannte nicht, dass dieses Wort damals nur einen Zeitraum bezeichnete, obwohl er einen ähnlichen Ausdruck in Prediger 12:5 erwähnt, wo es heißt: »der Mensch geht zu seinem äonischen Haus« (Luther: »fährt hin, da er ewig bleibt«).

Wie kam es denn nun dazu, dass das lateinische aeternum und das griechische aiōnion, die sich anfänglich beide auf Zeitabschnitte bezogen, die Bedeutung von »ewig« im modernen Sinn annehmen konnten? Zweifellos sind diese Wörter eigens geschaffen worden, um das, was immerwährend ist, auszudrücken, wobei jedenfalls die Theologie das Werkzeug war. Der Prozess dieser Bedeutungsumwandlung vollzog sich anscheinend folgendermaßen:

Es gab unter den Sekten immer solche, die über das Schicksal der Sünder strenge Ansichten hatten. Die Pharisäer und Essener sollen an bewusst zu erleidende zukünftige Strafe geglaubt haben. Die Essener glaubten an ununterbrochene (adialeipton) Strafe »ohne Tod«. Für diejenigen, in deren Herzen sich die Liebe Gottes nicht in ihrer ganzen Macht ergossen hat, ist es offenbar ein natürlicher Gedanke, sich mit einer solchen Aussicht zufriedenzugeben. Die Wahrheit von den Äonen ging anscheinend bald nach der Zeit des Apostels Paulus verloren. Was Origines anbetrifft, so glaubte er, dass dieser gegenwärtige Äon der Abschluss vieler Äonen sei. Er folgerte daraus, dass noch viele Äonen kommen würden, nicht nur zwei. Auf der anderen Seite kamen damals die gnostischen Sekten auf. Sie hatten ihre Blütezeit namentlich im zweiten Jahrhundert. Ihnen zufolge war die ursprüngliche Quelle alles Existierenden der Abgrund. Aus diesem gingen nach ihrer Meinung, als das Leben sich entwickelte, die Äonen, männliche und weibliche, hervor, durch welche Gott Sich Selbst offenbarte. Die Äonen bildeten mit Gott Selbst die Fülle oder das plêrōma. Die Materie betrachteten sie als etwas Böses und die Harmonie des plêrōma wurde dadurch gestört, dass Gott mit der Materie in Berührung kam. Um die Harmonie wieder herzustellen, erfolgte eine neue Emanation (Ausfluss, vor allem aus Gott) von zwei Äonen – Christus und der heilige Geist. Am Abschluss der Welt würde Christus Seine Braut zusammen mit allen Geistesmenschen in die Fülle einführen, und alle Materie, worunter augenscheinlich alles Böse zu verstehen war, würde in ihr einstiges Nichts zurückkehren.

Eine andere Sekte lehrte, dass sieben Äonen aus Gott hervorgingen. Selbst in dieser Glaubensfinsternis kann man einen Schimmer der Wahrheit erblicken. Nach der Schrift machte Gott die Äonen durch Seinen Sohn (Heb. 1:2). Gott entwarf den Plan zu den Äonen und gebraucht sie als Sein Baugerüst. Die Äonen scheinen zeitlich zusammenzufallen mit der Gegenwart des Bösen. Wenn es nötig ist, dass ihm die Spitze geboten wird, bricht ein neuer Äon an.

Der Zusammenbruch der Lehre von den Äonen hat heidnischem Irrtum den Weg geebnet, sich wieder selbst zu behaupten und sich im Gewand biblischer Wahrheit breitzumachen. Solange man die griechische Sprache in Italien gut verstand, behielt auch das Wort »äonisch« seine wahre Bedeutung und sein lateinisches Gegenstück aeternum konnte nicht ohne weiteres einen völlig verkehrten Sinn annehmen. Aber im zweiten Jahrhundert machten sich in Nordafrika Einflüsse geltend, die alles ändern sollten. Durch sie erhielten diese Ausdrücke in der Theologie eine Bedeutung, die sie von Hause aus niemals hatten. Ganz ohne Zweifel hat aeternum ursprünglich annähernd dasselbe bezeichnet wie »äonisch«. Später weitete sich die Bedeutung auf etwas dazu Kommendes, etwas mehr Unbestimmtes aus. Noch später hat es dann den Sinn angenommen, den man ihm heute beilegt, indem es nicht nur das bezeichnete, was keine geschaute oder offenbarte Grenze hat, sondern auch etwas, was tatsächlich ohne Grenzen ist. Wir nennen oft Dinge endlos, die nur für die Gegenwart oder für den Augenblick ohne Ende sind oder deren Ende nicht abzusehen ist. Aber ebenso auch alles, was nie ein Ende haben kann oder haben wird.

Folgende Illustration soll dies näher erklären. Zur Stadt Chester in England führt eine alte römische Heerstraße, die etwa eine Meile lang schnurgerade verläuft, wie es sehr oft bei den römischen Straßen der Fall war, dazu ist sie völlig eben und eintönig. Wenn jemand schon viele Meilen an einem Tag marschiert war, musste ihm dieser Teil des Weges fürs Auge ebenso wie fürs Gemüt endlos erscheinen. Es war möglich, ein langes Stück der Straße zu überblicken und auch den Verkehr auf ihr zu beobachten, aber ihr Ende war nicht zu sehen. In gewissem Sinn war diese Straße endlos, doch die ganze Zeit konnte man die Stadt, zu der sie führte, in der Ferne erblicken. Die römischen Straßenbauer waren außerordentlich praktische Leute. Wo es sich irgend ermöglichen ließ, wichen sie nicht einen Fuß breit von der geraden Richtung ab, selbst wenn es Hügel zu überqueren gab. Ihre Straßen führten alle zu einem Ziel hin. In derselben Weise verabscheuten die lateinsprechenden Theologen der ersten Jahrhunderte alles, was unbestimmt war oder missverstanden werden konnte. Spekulationen mieden und verbannten sie. Die Sätze der Glaubensbekenntnisse, die aus der frühen römischen Kirche hervorgingen, sind berühmt für ihre äußerste Kürze. Die Punkte wurden so klar umrissen, dass kein Zweifel darüber bestehen konnte, was das Volk zu glauben hatte. Der Autorität des römischen Gesetzes und der römischen Militärmacht, die wie Maschinen funktionierten, musste Gehorsam geleistet werden. So wurde auch in der römischen Kirche alles selbständige Forschen und Denken unterbunden. Wenn es auch allerhand Vermutungen über das zukünftige Leben gab, die dogmatische Stellung der Kirche musste gebieterisch festgelegt werden. Überdies war es demütigend für die lateinischen Väter, dass sie nicht fähig sein sollten, etwas Bestimmtes über die Zukunft zu sagen. Wenn nun doch niemand die Karte des Ozeans der Zeit zu entwerfen vermochte, warum nicht einfach erklären, dass er ohne Grenzen sei? Würde nicht auch die Kirche weit mehr Macht in Händen haben, wenn sie mit göttlicher Autorität verkündete, über das ewige Schicksal würde hier auf der Erde entschieden? War es nicht auch dem Menschen viel schmeichelhafter zu denken, das Leben, das er durch den Glauben erhalte (und sehr bald, das er sich durch gute Werke verdiene) sei ewig? Und ebenso die Verdammnis, vor der ihn sein Glaube (oder seine Werke) retteten?

Wer konnte an ein besonderes äonisches Leben glauben, wenn alles, was mit den Äonen zusammenhing, verwischt, vergessen, entstellt und unbekannt war? In Anbetracht dessen, dass die Gottesoffenbarung von den Äonen völlig verloren ging, haben wir alle Ursache, dem Dogma, das in einer stets sich weiter vom Wort entfernenden Kirche »orthodox« und »allgemein anerkannt« wurde, mit Misstrauen zu begegnen.

Tertullian

An diesem Punkt angelangt, müssen wir uns jetzt wieder nach Karthago in Nordafrika wenden, vor allem zu Tertullian, und den tiefen und dauernden Einfluss betrachten, der von ihm und seiner Heimat auf das Christentum ausging. Um 160 n. Chr. zu Karthago geboren, wurde Tertullian ein wohlbelesener Gelehrter, ein fesselnder Schriftsteller und Redner, ein scharfer Wortstreiter, ein geschickter Rechtsanwalt. Was Origines etwa um dieselbe Zeit für die östliche, griechisch sprechende Christenheit war, das war er für die lateinische oder westliche. Er war der erste, der anfing, systematisch die Heilige Schrift in der lateinischen Sprache zu erklären, und der erste Theologe, der eine regelrechte lateinische Terminologie (Wortschatz von Fachausdrücken) für die Christenheit schuf. Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass die von diesem lateinischen Rechtsgelehrten gewählten Ausdrücke alles folgende theologische Denken tief beeinflusst haben. Bezeichnungen wie Trinität, Substanz, Person, Prädestination, Priester, Sakrament und viele andere verdanken wir vor allem Tertullian. In der englischen Sprache haben sich noch viel mehr von ihm stammende Ausdrücke erhalten, die man bei uns durch deutsche ersetzt hat (z. B. redemption = Erlösung; justification = Rechtfertigung; sanctification = Heiligung; perdition = Verlorensein; propitiation = Sühne). Was Tertullian darunter verstand, beherrscht noch heute weiteste Kreise, wenn auch möglicherweise einige dieser Ausdrücke auf Hieronymus zurückzuführen sind. Sie sind alle sehr verschieden von den griechischen Wörtern des Grundtextes, wiewohl einige eine leidlich korrekte Übersetzung der letzteren darstellen.

Tertullian war der erste, der die schwierige Lehre von der »Trinität« auslegte und dies Wort gebrauchte, das er trotzdem nicht als auf Gott bezüglich verwandte. Bekannte Theologen haben sich mit seinen Ausführungen auseinandergesetzt. So sagt z. B. Dr. Glover: »Er war der erste geniale Mann der lateinischen Rasse, der Jesus Christus nachfolgte und seine Ideen in seine eigene Sprache goss.« Erzbischof Beson meint: »Als Tertullian zu schreiben begann, wurde das theologische Latein geformt.« Prof. Harnack schreibt: »Was die Geschichte des Dogmas beeinflusste, war nicht sein Christentum, sondern seine meisterhafte Fähigkeit im Entwerfen von Formeln. Bis auf seine Zeit ist das römische Christentum in der Form wesentlich griechisch gewesen, aber als er sich damit befasste, wurden lateinische Ausdrücke und Gedanken eingeführt, die stufenweise aber stetig den ganzen Charakter der christlichen Lehre veränderten und den Weg für das römische Dogmensystem bahnten.« Dr. Swete sagt: »Die Kirche in Nordafrika war die erste christliche Gemeinschaft, soweit uns bekannt ist, die die Eucharistie zugunsten der Abgeschiedenen darbrachte.«

Einer der von Tertullian eingeführten Ausdrücke war satisfactio, Genugtuung. Harnack äußerte sich dazu: »Er war der erste, der deutlich solche asketischen Leistungen wie die Übernahme einer Genugtuung an Gott als Sühnopfer betrachtete, durch die der Sünder Gott Ersatz leisten konnte.« Nach Tertullians Lehre konnte eine verhältnismäßig kurze asketische Strafe, die der Gläubige sich selber auferlegte, an die Stelle dessen treten, was die Verdammten verdienten – ewige Strafe.

Es wird lehrreich sein, einen flüchtigen Blick auf seine sonstigen Anschauungen zu werfen. Gleich so vielen in unseren Tagen konnte er nie dazu kommen, die wichtige und doch so einfache Tatsache zu erfassen, dass Gott Geist ist. Dass Gott versöhnt ist, war ihm und denen, die in seine Fußtapfen traten, gänzlich unbekannt. Gut einexerziert im römischen Gesetz, sah er in Gott vielmehr den Richter, der das Gesetz gegeben hat und dem gehorcht werden muss. Er hat in Gott jedoch nicht den Vater geschaut. Alle Beziehungen zwischen Gott und den Menschen tragen für ihn mehr oder weniger gesetzlichen Charakter. Diesem Gedankengang folgend, bewirkt eine gute Tat, die der Mensch vollbringt, Genugtuung für Gott und Verdienst für den Menschen. Seiner Auffassung nach ist der wesentlichste Zug einer richtigen Stellung des Menschen zu Gott die Furcht. Der große Unterschied zwischen der griechischen und der lateinischen Kirche besteht darin, dass die griechische Kirche in der Schriftoffenbarung Gott in Seiner Beziehung zum Menschen schaut, während die lateinische Kirche mit dem Menschen beginnt und zuerst den Menschen in Beziehung zu Gott sieht. Dort steht im Vordergrund Gottes unermessliche Liebe und Gnade, deren der Mensch sich im Glauben erfreuen darf. Hier wird der Mensch gesehen, und zwar als der gefallene und schuldige Rebell, der vor seinen Richter geladen ist. Die eine Kirche beginnt mit Gott und Seiner Liebe, der alle Dinge wirkt in Übereinstimmung mit dem Ratschluss Seines Willens, und zwar von alters her bis zum schließlichen gesegneten Abschluss, der immer den Menschen zu Sich Selbst zieht und ihn unterweist mit dem Ausblick auf sein Wachstum in der Gnade. Die andere Kirche sieht den Menschen gleichsam als Prüfling und Gott als die entscheidende Behörde. Anstatt die Menschen stufenweise mit den Wegen und dem Willen Gottes bekannt zu machen, müssen sie, ohne eine Frage aufwerfen zu dürfen oder eine Erörterung führen zu können, die Glaubensbekenntnisse, die in starre und kristallharte Form gegossenen Lehrmeinungen der lateinischen Kirche unterschreiben. Der Mittelpunkt des Systems des Origines war Gott und die Erwartung, derjenige des Systems Augustins war Sünde und Strafe. Während Origines sich nach schließlicher Einheit sehnt, stimmt Augustin fast frohlockend einem furchtbaren und unauflöslichen Dualismus (Zwiespalt) zu.

Es war den drei großen Karthagern Tertullian, Cyprian und Augustin vorbehalten, die lateinische Kirche so zu beeinflussen, dass sie in ein System dogmatischer Hierarchie und geistlicher Gewaltherrschaft einbog. Aber Tertullian war der Mann, der hierzu den Anstoß gab. Durch seine machtvolle Mitwirkung machte das Christentum zu diesem kritischen Zeitpunkt eine schlimme Wendung, und sein Einfluss ist noch immer überwiegend. Neander sagt von ihm, sein Geist sei oft um geeignete Ausdrücke der Phraseologie (die einer Sprache eigentümlichen Redewendungen) verlegen gewesen, insofern als er manchmal mehr in sich hatte, als er auszudrücken vermochte, und deshalb war er gezwungen, für die neue geistliche Materie eine Sprache zu schaffen, und zwar aus dem rauhen nordafrikanischen Latein. Es wird behauptet, Tertullian habe oft Wörter gebraucht, die sich in der üblichen Sprache nicht fanden, höchstens bei ganz frühen Schriftstellern, und dass er wiederholt Wörtern eine neue oder ungewöhnliche Bedeutung aufgezwungen habe.

Solcher Art war der Mann, in dessen Hand nun der Ton lag, der umzuformen war in festes lateinisches Dogma. Das ist der Mann, der über das Schicksal des Wortes aeternus entschied. Welche Bedeutung legte er ihm bei? Die, die es früher gehabt und die dem griechischen Wort aiōnion entsprach, oder eine, die darüber hinausgeht? Gänzlich bar jeden Verständnisses für die Äonen der Schrift, unbeeinflusst von einem wirklichen Erfassen der Tatsache, dass Gott Liebe ist, unfähig, in Gott etwas anderes als den strengen Richter zu sehen, dem so oder so Genugtuung geschafft, der auf die eine oder andere Art befriedigt werden muss – wie konnte er in der großen Masse der Menschen etwas andres sehen als Sünder, die zu verdammen sind? Augustin, der später Tertullian und seine Lehren noch übertraf, behauptet, das ganze Menschengeschlecht sei »eine verdammte Gesellschaft und verlorene Masse« (conspersis damnata, massa perditionis), aus der einige wenige zur Rettung auserwählt, die übrigen aber für immer verdammt seien. Er betrachtete das Böse als einen unveränderlichen Bestandteil des Weltenalls, mit dem Gott nichts zu tun habe, während Origines glaubte, dass alles von Gott sei, auch das Böse, das Er einst vernichten und abtun wird.

Einem Mann, der keinen Raum hatte für kommende Äonen, musste notwendigerweise die Zukunft als uferlose Ewigkeit erscheinen. Da er nicht verstand, was Gott über die Äonen offenbart hat, gab es für Tertullian keine andere Möglichkeit, als dem lateinischen aeternus den Sinn zu geben, den es jetzt hat. Und nicht nur das. Bei der stetigen Abnahme des Griechischen als Sprache der Kirche und dem Aufkommen und Zunehmen des Lateinischen an seiner Stelle, ist man später so weit gegangen, die neue Bedeutung von aeternus auch seinem griechischen Gegenstück aiōnion aufzubürden, das hinfort der Theologie wie geschaffen dazu schien, den Begriff »immerwährend« auszudrücken.

Aiōn in alten Übersetzungen

Wir müssen jetzt noch einige alte Bibelübersetzungen in anderen Sprachen heranziehen, um zu sehen, wie damals der Grundtext verstanden wurde.

Die altsyrische Übersetzung entstand vermutlich um das Ende des ersten oder anfangs des zweiten Jahrhunderts aus dem Griechischen. Die Sprache ist dem Hebräischen nahe verwandt und dem Aramäischen sehr ähnlich, das damals in Palästina neben dem Griechischen gesprochen wurde. Für das griechische aiōn und aiōnion gebraucht sie olm, genau dasselbe Wort also, das im Hebräischen erscheint und »dunkel« bzw. »Dunkelheit« bedeutet. Dieselben Konstruktionen, wie sie uns im Griechischen begegnen, sind hier zu sehen, wie z. B.: vom Äon (mn olm), für den Äon (l-olm), dieser Äon, jener Äon, für die künftigen Äonen, für den Äon der Äonen (l-olm olmin), der Abschluss der Äonen usw.

Zum Beweis, dass olm nicht im Sinne von Ewigkeit gebraucht wurde und gar nicht in diesem Sinn gebraucht werden konnte, sei festgestellt, dass das griechische Wort kosmos (Welt) in der altsyrischen Bibel meist mit olm wiedergegeben wird, wie Johannes 1:10 (dreimal). In Johannes 17:24 heißt es: »Vor dem Niederwurf des Äons«. Diese Übersetzung weiß demnach nichts von einer Ewigkeit und nichts in ihr wird ewig genannt. Die alte gotische Übersetzung ist von besonderem Interesse für die englisch und deutsch sprechenden Völker. In ihr haben wir die einzigen Überreste einer germanischen Sprache, die um 350 n. Chr. gesprochen wurde und dem alten Deutsch und Englisch jener Zeit nahe verwandt ist. Diese Übersetzung wurde direkt aus dem Griechischen gemacht. Leider sind nur wenige Bruchstücke von ihr erhalten, meist aus dem Neuen Testament. Sie ist eine sehr treue und buchstäbliche Wiedergabe; manchmal gibt sie sogar die Aussprache griechischer Wörter an, wo diese einfach übernommen sind. Es ist unnötig zu sagen, dass sie, gänzlich frei von dem Einfluss der lateinischen Übersetzung des Hieronymus, keine lateinischen Ausdrücke wie »verdammen« (damnare), »verloren« (perditum), »ewig« (aeternum) usw. enthält. Sie gebraucht ganz einfach und schlicht ausschließlich damals gebräuchliche deutsche Wörter. Die gotische Übersetzung der Heiligen Schrift ist die erste in eine teutonische Sprache. Die Goten waren ein sehr mannhaftes Volk aus dem Norden Europas, die um die Zeit, als Ulfilas dieses Bibelwerk herstellte, den größten Teil des Abendlandes beherrschten. Sich nach Süden ausbreitend, überrannten sie Griechenland und Italien und eroberten Rom im Jahr 410 n. Chr. In den Mittelmeerländern vermischten sie sich später mit der übrigen Bevölkerung und schieden für die Geschichtsbetrachtung aus.

Sehr oft hat die gotische Übersetzung dort das ursprüngliche und richtige Wort bewahrt, wo neuzeitliche englische und deutsche Bibeln irreführend sind. Ein Beispiel hierfür ist Markus 16:9, wo im Grundtext wörtlich steht: »Da Er aber morgens am ersten Sabbat auferstand«. Der alte Luthertext lautet: »Früh am ersten Tage der Sabbate«; in der revidierten Ausgabe steht: »Früh am ersten Tag der Woche«. Menge sagt: »Am ersten Tag der Woche frühmorgens«. Ulfilas übersetzte: in maurgin frumin sabbato, »am Morgen am ersten Sabbat« und stützt damit also die ursprüngliche Lutherübersetzung ebenso wie die Konkordante Übersetzung.

Wie gibt nun Ulfilas das griechische Äon und äonisch wieder? Für das letztere hat er in jedem einzelnen von 24 Vorkommen aiweinos, das dem griechischen aiōnios sehr ähnlich ist. Griechisch und Deutsch entspringen ja beide dem Indo-Germanischen und haben manche Berührungspunkte. Für das Hauptwort aiōn hat Ulfilas in 20 von 25 Fällen aiws (oder aivs), einmal hat er Leben (libains) und im übrigen noch zwei andere Wörter. Aiws entspricht genau dem lateinischen aevum und dem griechischen aiōn. Es begegnen uns in seiner Übersetzung folgende Ausdrücke: du aiws (für den Äon), in aiwins (in den Äon), und aiw (bis zum Äon), fram aiwa (vom Äon), this aiwis (dieser Äon), yainis aiwis (jener Äon) usw. In 2. Timotheus 1:9 steht in der gotischen Übersetzung: faur mela aiweina (vor äonischen Zeiten); 2. Korinther 4:4: guth this aiwis (Gott dieses Äons).

Der nahe Zusammenhang des gotischen aiws nicht nur mit aevum und aiōn, sondern auch mit dem altdeutschen ewa (Lebenszeit) und dem neueren »ewig«, wird von jedem Sprachforscher bestätigt. »Ewig« stammt also von einer Form ab, die ursprünglich nie etwas anderes bedeutete als einen Zeitabschnitt. Es wäre ein gutes deutsches Wort zur Übersetzung von äonisch, wenn es nicht unter dem Einfluss der lateinischen Kirchensprache den Sinn der Endlosigkeit angenommen hätte, den man ihm heute schwer wieder nehmen kann, den es aber anfangs nicht gehabt hat, wie aus alten deutschen Urkunden hervorgeht. Vor uns liegt z. B. eine Abhandlung aus der Geschichte des Hadler Deichrechts, in dem folgende Notiz aus dem Jahr 1580 angeführt wird:

»Von Dieken, wegen und Gerichtsbröken en kort undt Ewiger Bericht, der dreen Karchspeel Altenbrok, Lüdingeworth und Nord Leda …«

In heutigem Deutsch heißt das etwa: »Von Deichen, Wegen und Gerichtsbräuchen ein kurzer und ewiger Bericht der drei Kirchspiele …« Offensichtlich hat hier »ewig« bedeutet: Ein in regelmäßigen Zeitabschnitten einzureichender Bericht.

Leider sind wir nicht in der Lage anzugeben, wie die gotische Bibel in den meisten Paulusbriefen und in der Offenbarung lautet, da außer den vier Evangelien nur wenig auf uns gekommen ist.

Die koptische Übersetzung, die wahrscheinlich gegen Ende des zweiten Jahrhunderts in Ägypten entstand und dort noch gebraucht wird, hat für das hebräische olm und das griechische aiōn das Wort ene, das nach koptischen Wörterbüchern nichts weiter als »Zeit« bedeutet.

Die armenische Übersetzung wird einem gewissen Mesrop (354-441) und anderen zugeschrieben. Conybeare sagt: »Sie passt sich dem Griechischen der Septuaginta an wie ein Handschuh der Hand, die ihn trägt; sie hält sich so genau an das Griechische, dass sie fast denselben Wert für uns hat wie der Grundtext selbst, den der Übersetzer vorzuliegen hatte.«

Für das griechische aiōn wird in der Regel yavidyan gebraucht. Einige Male steht statt dessen ashkharh (Welt). In Epheser 2:2 (Luther: »nach der Art dieser Welt«; Konkordante Wiedergabe: »der Äon dieser Welt«) werden beide Wörter zusammen angeführt, yavidyeni ashkarhis, also genau der Konkordanten Wiedergabe entsprechend. Die Wurzel des Wortes yavidyan ist yaved, dessen Bedeutung in armenischen Wörterbüchern angegeben wird als »mehr, meist, größtenteils«. Es gibt das Zeitwort yaveloum, »hinzufügen, wachsen, zunehmen, sich vermehren«. Yavidyan wird erklärt als »Alter, Leben, Welt«. Aber wenn es im theologischen Sinn gebraucht wird, muss ihm durchaus die Bedeutung von Ewigkeit, von beständiger Dauer aufgezwungen werden.

Die alt-äthiopische Übersetzung in der semitischen Sprache, die man ehemals in Abessinien sprach, ist, wie angenommen wird, im 4. und 5. Jahrhundert aus dem Griechischen übersetzt worden. Für Äon gebraucht sie olm, genau wie das Hebräische und Syrische. Judas 25 hat sie die Mehrzahlform u-l-kul olmth (und für alle Äonen). Hebräer 9:26 lautet: l-chlgth olm (beim Abschluss des Äons). In den Psalmen hat sie verschiedentlich l-olm u-l-olm olm (für den Äon und für den Äon des Äons). Dass das Wort olm keinesfalls Ewigkeit bedeutet hat, geht auch daraus hervor, dass damit gelegentlich auch das griechische kosmos (Welt) übersetzt wurde, ebenso das griechische kairos (eine Frist, gelegene, passende oder Jahreszeit), ja sogar genea (Generation) in Lukas 16:8.

Wiclif, der um 1380 die erste englische Bibelübersetzung von Bedeutung machte, hat für »in die Äonen der Äonen« in to worldis of worldis (Welten der Welten). Judas 25 schreibt er: bifor alle worldis and now (nun) and in to alle worldis o f worldis. Erst die Männer, die 150 Jahre nach ihm wirkten, machten daraus das gänzlich irreführende »nun und für immer« (oder ewig). »Welt« bedeutete in frühester Zeit in der englischen Sprache lediglich die Welt-Ordnung, den Charakter einer Zeitperiode, außerdem die Lebenszeit eines Menschen, die zur selben Zeit lebende Generation, aber keine Örtlichkeit. Die bekannte Authorized Version aus dem Jahre 1611, die heute noch den größten Einfluss auf die englisch-sprechende Christenheit hat, hätte sich niemals durchgesetzt, wenn sie unmittelbar auf Wiclifs Werk gefolgt wäre. Man sollte meinen, das im 15. Jahrhundert neu aufkommende Studium des griechischen Grundtextes hätte auf diesem Gebiet einen Fortschritt bringen müssen. Aber im Gegenteil, wie wir schon erwähnten, hatte das lateinische Ewigkeitsdogma so feste Wurzeln in dem theologischen Denken geschlagen, dass man den Ewigkeitsbegriff auch auf die griechischen Wörter übertrug, denen er ursprünglich völlig fremd war. Um 1600 war Wiclif längst veraltet und durch Männer wie Tyndale, Coverdale, Cranmer und andere verdrängt, die den Weg für die heute übliche fehlerhafte Übersetzung bahnten. Und das Zeugnis der Bibeln aus ältester Zeit, die wir soeben angeführt haben, war den Männern der Reformationsepoche unbekannt.

Unter den alten deutschen Bibeln aus der vorreformatorischen Zeit, die uns, wenn auch vielfach nur in Bruchstücken, erhalten sind, ist leider auch nicht eine einzige, die eine Übertragung aus dem griechischen Grundtext darstellt. Wilhelm Walther sagt in seinem Werk »Die deutsche Bibelübersetzung des Mittelalters«: »Als Vorlage hat allen Übersetzungen des Mittelalters die Vulgata gedient … Erst am Ausgang des Mittelalters wies man wieder auf die Grundtexte der Bibel hin; erst Luther suchte diese ins Deutsche zu übertragen.« – So ist von vornherein ein Fortschritt in der Wiedergabe von aiōn gegenüber der Vulgata nicht zu erwarten. Ja, wie wir sahen, blieben die Reformatoren, was dieses Wort anbelangt, sogar noch weit hinter Hieronymus zurück. Letzterer hat immerhin der Zeit der reinen Apostellehre elfhundert Jahre näher gelebt als diese Männer und Zeugnisse zur Hand gehabt, die ihnen unerreichbar waren. Sein seculum ist jedenfalls viel besser als Luthers »Ewigkeit«. Walther bringt Proben aus etwa siebzig altdeutschen Übersetzungen, teils Druckwerken, teils Handschriften, in denen das Wort aiōn in der Regel mit »Welt« oder der damaligen Bezeichnung für einen langen Zeitabschnitt wiedergegeben ist. So heißt es z. B. in Offen­barung 1:6 für »in die Äonen der Äonen« dort »von eben zu ewen«, »in werrlt zu werrlt«, »in welt zewelte« und »in ewekeit vn veber ewekeit«.

Zitate aus Schriften der Kirchenväter

Es gibt heute viele, die, obgleich das klare Zeugnis der Schrift vor ihnen liegt, bewusst die Ausdrücke verwerfen, die Gott Selbst zum Gebrauch geeignet gefunden hat (1. Kor. 2:13), und dafür auf Begriffe zurückgreifen, die in der Schrift bestimmt nicht anzutreffen sind. Sie meinen, dass die Lehre von den Äonen eine neuzeitliche Erfindung sei. Einer von ihnen, ein gebildeter Mann, der ein Buch über die griechische Sprache geschrieben hat, erhob im Blick auf den Ausdruck »äonisch« in der (englischen) Konkordanten Bibel die Anklage, »das Wort sehe danach aus, als sei es extra für seinen (seiner Ansicht nach irreführenden) Zweck geprägt worden.« Wir mussten ihn darauf aufmerksam machen, dass es Gott Selbst gefallen hat, dieses Wort in der Schrift zu gebrauchen, während man die von ihm bevorzugten Ausdrücke »ewig« und »immerwährend« dort vergeblich suchen wird.

Ein feines altes Buch, das im Jahr 1761 unter dem Titel »Universal Restitution« (Allumfassende Wiederherstellung) erschienen ist, enthält über 400 Seiten, die Beweise dafür anführen, dass gerade »äonisch« der richtige und schriftgemäße Ausdruck ist, den man gebrauchen müsse. Wir können uns nicht versagen, einige Sätze aus diesem Buch anzuführen:

»Christus ist der wahre Gott der Äonen und darf der äonische Gott und König genannt werden, nicht auf Grund Seiner ewigen Natur, sondern weil Er für die Dauer der Äonen als alles beherrschender König regieren wird, und weil Er, ganz genau ausgedrückt, der Gott des äonischen Lebens ist … und auch weil die Zeitalter oder Äonen alle unter Seiner Regierung und Leitung stehen. […] In dieser Schau der Dinge erscheinen Tod und Hölle, Pein und Kummer nicht, wie man sie gewöhnlich ansieht, als etwas, das sozusagen nachträglich, bei einer günstigen Gelegenheit oder infolge einer gewissen Unachtsamkeit Gottes sich ins Dasein schleichen konnten, sondern als die vorher ersehenen Geschöpfe Seiner Güte und Weisheit, vorher verordnet um ihrer natürlichen Eignung willen, das herbeizuführen, was Er in Seiner Huld und Gnade beschlossen hat, als Geschöpfe von einer nur zeitlichen und äonischen Lebensdauer, die, wenn sie Seinen Liebesabsichten genug gedient haben werden, verschwinden müssen, um nicht mehr zu sein.«

Es ist leider bei den Gegnern der Allaussöhnung üblich, zu behaupten, die Lehre von der endlosen Qual sei von jeher Gemeingut der rechtgläubigen Kirche in ihrer Gesamtheit gewesen, von der nur einzelne auch sonst in allerhand Irrtümer verstrickte Sektierer wie Origines abgewichen seien. Diese Behauptung kann vor dem Zeugnis der Geschichte nicht bestehen. Die Schriften der tatsächlich ältesten griechischen Kirchenväter widerlegen sie. Pridgeon, der eine genaue Untersuchung über diesen Gegenstand angestellt hat, schreibt:

»Es war erst zur Zeit des Augustin, dass römisch-lateinische Gedanken vorherrschend wurden. Es gehörte der Einfluss und Geist eines Reiches voller Militarismus und kalter Gesetzlichkeit dazu, der Lehre von der endlosen Qual eine hervortretende Stellung zu geben. In jenen ersten Jahrhunderten waren die Vertreter dieser Lehre in der Minderzahl. Niemand galt als unorthodox, der an den endgültigen und alles umfassenden Sieg Christi glaubte. In der Tat waren die Führer bei den frühesten Kirchenkonzilien wohlbekannt dafür, dass sie an den heilsamen Charakter der zukünftigen Gerichte glaubten. Dies gilt vor allem dem zweiten großen Konzil, bei dem Gregor von Nyssa den Hauptausschlag gab. Er war ein ausgesprochener Anhänger der Allaussöhnung. Es ist immerhin auffallend, dass wir bis zum Jahr 553 warten müssen, bevor ein offizieller Versuch unternommen wurde, diese Lehre zu verdammen. Und damals konnten viele, die in christlichen Lehrfragen einflussreich wurden, den griechischen Grundtext nicht mehr lesen.«

Wir wollen uns hier auf einige kurze Zitate aus den Werken der griechischen Väter beschränken, die erweisen, wie wenig wahrheitsgetreu und wissenschaftlich es ist, Origines als einen Erfinder einer neuen Irrlehre hinzustellen.

Irenäus, ein Freund des Polykarp, der noch mit dem Apostel Johannes verkehrt hat, schreibt in seinem Aufsatz »Gegen Ketzer«:

»Deshalb trieb Er Adam aus dem Paradies und entfernte ihn von dem Baum des Lebens, nicht weil Er ihm denselben missgönnte, wie etliche zu behaupten sich erdreisten, sondern weil Er ihn bemitleidete und nicht wollte, dass er für immer ein Sünder bleibe. Die Sünde, die ihn umgab, sollte nicht unsterblich werden und das Böse nicht unendlich und unheilbar.«

Clemens von Alexandrien, 150-220, Presbyter, Haupt der Katechetischen Schule, war ein geachteter und einflussreicher Schriftsteller. Hier nur eine Probe:

»Der Herr ist das Sühnopfer nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt. Deshalb rettet Er in der Tat alle insgesamt, aber einige werden durch Gericht bekehrt, andere durch freiwillige Unterordnung, und also erhält Er die Ehre und Würde, dass sich Ihm alle Knie beugen werden, derer im Himmel und auf Erden und unter der Erde. – Er richtet zu ihrem Besten, die gerichtet werden, sei es viele auf einmal, oder einzelne.«

Eusebius von Cäsarea, Bischof und Freund des Kaisers Konstantin, schreibt zum 2. Psalm:

»Wenn der Sohn Seine Feinde zerschmettert, so ist es, um sie neu zu formen, wie ein Töpfer sein eigenes Werk.«

In Bezug auf die Unterordnung Christi sagt er:

»Christus wird Sich deshalb alles unterwerfen, und es ist Sein Recht, diese rettende Unterwerfung als derselben gleich zu betrachten, mit der der Sohn Selbst Sich dem unterwirft, der Ihm alles unterworfen hat.«

Gregor von Nazianz, 330-390, Bischof von Konstantinopel, Freund des Basilius, der in Alexandrien und Athen studierte, schreibt:

»Adam erhielt den Tod als einen Gewinn, und damit das Abschneiden der Sünde, damit das Böse nicht unsterblich sei. Und so erwies sich das Gericht als eine Freundlichkeit; denn es ist also, dass Gott richtet. Dies ist meine Meinung.«

Athanasius der Große, genannt der »Vater der Rechtgläubigkeit«, 296-373, Bischof von Alexandrien, schreibt:

»Während der Teufel meinte, Einen umzubringen, ging er aller verlustig … aus dem Hades getrieben und an der Pforte sitzend, sieht er alle Gefesselten herausgeführt durch den Mut des Erretters.«

Seine Ansichten über das Böse verraten deutlich, wie er an die endliche Verbannung desselben aus Gottes Weltall geglaubt hat:

»Nun haben gewisse Griechen, vom rechten Wege abirrend und nie mit Christus bekannt geworden, dem Bösen eine wesenhafte und unabhängige Existenz zugeschrieben. Hierin begehen sie einen doppelten Fehler: Entweder leugnen sie den Schöpfer als den Erschaffer aller Dinge, wenn das Böse ein eigenes und unabhängiges Dasein hatte, oder, wenn Er auch der Schöpfer des Bösen sei … wie sollen dann die beiden Prinzipien nebeneinander bestehen bleiben … da das eine die Vernichtung des anderen ist.«

Der schon erwähnte Gregor von Nyssa äußert sich zum Problem des Bösen:

»Es ist notwendig, dass das Böse eines Tages völlig und gänzlich aus dem Kreislauf des Daseins ausscheide … denn es kann nicht bestehen ohne den Willen dazu, und wenn jeder Wille in Gott eingegangen ist, muss dann nicht das Böse völlig verlöschen, einfach weil kein Gefäß mehr für dasselbe vorhanden ist?«

In Gregors »Katechetischen Reden« erwähnt er unseren Herrn als den, »der sowohl den Menschen vom Bösen erlöst als auch den Erfinder des Bösen selber heilt«.

Auch der große deutsche Kirchenhistoriker Neander schreibt über Gregor von Nyssa’s wertvolle Werke über die Wiederbringung aller und wie er dafür eingetreten sei, dass Gott niemals das Dasein des Bösen zugelassen haben würde, ohne vorauszusehen, wie die Erlösung alle vernunftbegabten Wesen zu ihrer Bestimmung, der gesegneten Gemeinschaft mit Ihm, zurückbringen werde.

Dies ist nur ein Auszug aus reichhaltigem weiterem Material und bestätigt, was zu beweisen der Zweck dieser Abhandlung ist: Nicht im Grundtext, nicht in der Urgemeinde, nicht im griechisch redenden Osten, nicht in den ältesten Bibelversionen finden wir Ursprung und Bestätigung der Lehre von der ewigen Qual. Wir finden sie vielmehr im lateinischen Westen, in der Kirche Roms, bei den karthagischen Vätern, die für die Entwicklung dieser Kirche entscheidend waren, und, von ihnen beeinflusst, bei den Reformatoren und Übersetzern des Mittelalters, die das älteste Zeugnis nicht kannten und deshalb unbewusst späteren Irrtum bestätigten. Die trotz allem guten Willen gewisse Wörter so verstanden, wie sie zu ihrer Zeit verstanden wurden. Die aber selber die ersten gewesen wären, zu berichtigen, was weitere Forschung als irrtümlich erwies. Und die heute jedem danken würden, der sich bemüht, die Wahrheit reiner aus allem menschlichen Beiwerk herauszuschälen.

Ein erfreuliches Zeichen dafür, dass die biblische Bedeutung von aiōn und aiōnion sich auch in der Theologie unserer Tage durchzusetzen beginnt, tritt uns in dem kleinen Neutestamentlichen Wörterbuch von Ralf Luther (Furche-Verlag, Berlin) entgegen. Es heißt da unter »Ewig, Ewigkeit« folgendermaßen:

»Äon bedeutet nicht endlose Dauer, sondern Zeitalter, Zeitlauf. Es wird, wenn von einem Zeitlauf die Rede ist, auch immer an die besondere Art und Prägung, an die eigentümlichen Umstände, an die Bestimmung dieses Zeitlaufs gedacht. Das Neue Testament unterscheidet, wie schon die alte prophetische Überlieferung, zwischen diesem Äon (Zeitlauf der Weltzustände) und dem kommenden Äon. Dieser Äon hat sein Gepräge durch die in ihm herrschenden finsteren Mächte, durch die dämonischen Züge seines Gesichts, durch die fortschreitende Entgöttlichung seiner Zustände. Der kommende Äon bringt die Zustände der ersten, gottnahen Schöpfung wieder; in ihm ist die Herrschaft der Finsternismächte beseitigt, die Gottesherrschaft bestimmt und gestaltet alle Dinge. Dieser neue Äon wird heraufgeführt vom gottgesandten Welterneuerer. Auf diesen kommenden Zeitlauf sind im Neuen Testament alle Augen gerichtet. – Weil man gemeinhin unter dem Äon den nächsten, göttlichen, von Christus heraufgeführten Äon versteht, bedeutet aiōnios (ewig) das, was aus diesem neuen Zeitlauf stammt, was zu ihm gehört, was durch seine Art und Richtung bestimmt ist. ›Ewiges Leben‹ bedeutet im Neuen Testament durchweg: das Leben des kommenden Zeitlaufs. ›Ewige Herrlichkeit‹ bedeutet den Glanz, die Hoheit, die dem kommenden Äon eignet (2.Tim. 2:10). Das ›ewige Reich‹ ist das Reich des neuen Weltlaufs (2. Pet. 1:11). ›Ewige Seligkeit‹ bedeutet das Heil des kommenden Zeitalters (Heb. 5:9). ›Ewiges Gericht‹ bedeutet das Gericht, das über die Menschen ergeht beim Eintritt des kommenden Zeitlaufs (Mark. 3:29). ›Ewiges Feuer‹ und ›ewige Pein‹ (Mat. 3:12; 25:41-46) bedeutet die Pein, die im kommenden Zeitlauf diejenigen leiden werden, denen sie im Weltgericht zugesprochen ist.«

Fassen wir die Endergebnisse, zu denen wir gekommen sind, kurz zusammen. Die Tatsachen der Offenbarung betreffs der Äonen sind früh verdunkelt worden und verlorengegangen. Während es mit der griechischen Kirche abwärts ging, trat die lateinische mit ihrer eigenen Übersetzung der Schrift in den Vordergrund. Die letztere war nur eine Übertragung und deshalb nicht inspiriert. Lateinische Väter veränderten die Bedeutung gewisser sehr wichtiger, auf Zeitabschnitte sich beziehender Wörter, die sich im Griechischen finden, und gaben ihnen einen anders gefärbten Sinn. Dies genügte, um einen völlig verkehrten Ausblick auf die ganze Zukunft herbeizuführen und Gott gleichzeitig als liebenden Vater und als grausamen und launenhaften Unhold erscheinen zu lassen – als einen Gott, der in Wirklichkeit keiner mehr ist. Anstatt diesen bedauerlichen Irrtum der lateinischen Kirche zu berichtigen, hat die Reformation, die nur eine Umgestaltung innerhalb gewisser Grenzen war, ihn geradezu bestätigt und hochgebracht.

Anderseits beweist jede ganz alte Übersetzung der Schrift, ebenso wie jede mittelalterliche oder neuzeitliche Übertragung, entweder durch ihre Konsequenz, wenn sie konsequent gewesen ist, oder sonst durch ihre Inkonsequenz, dass die Konkordante Bibel in ihrer Wiedergabe der betrachteten Wörter durchaus korrekt ist. Jede Übersetzung, die nicht folgerichtig die Ausdrücke »Äon« und »äonisch« oder »Zeitalter« und »ein Zeitalter dauernd« oder dergleichen Wendungen gebraucht, ist gezwungen, von wenigstens zwei sich gegenseitig widersprechenden Begriffen Gebrauch zu machen.

Es genügt wahrhaftig nicht zu sagen, wie man oftmals hören kann, der schlichte Leser solle einfach annehmen, was geschrieben steht, da er ja nur vor sich hat, was der Übersetzer für die Wahrheit hielt. Oder man müsse als demütiger Christ das glauben, was die Gemeinde in ihrer Gesamtheit glaube, sonst würde man sich am Heiligen Geist versündigen, der die Gemeinde erleuchte. Wer den Glauben irgendeines Menschen oder einer Körperschaft zur Autorität erhebt, verlässt die einzig sichere Grundlage der Wahrheit – Gottes Wort. Und es ist gerade diese Praxis, durch die am heiligen Geist gesündigt wird, der den einzelnen stufenweise weiterführen will, wie es seiner Fassungskraft und seinem geistlichen Wachstumsprozess entspricht, und der nach Gottes Rat und Willen jedem Zeitalter ein anderes Maß an Erleuchtung und Erkenntnis zu vermitteln hat. Wo er daran gehindert wird, erlischt bald alles wahre geistliche Leben und es bleibt nichts übrig als eine starre, tote Form. Verknöcherte Kirchen und Gemeinschaften rings um uns her reden eine warnende Sprache. In allen solchen hat man sich auf irgendein »Bekenntnis« festgelegt, und sich weiterführen zu lassen gilt als Ketzerei. Diese Einstellung ist charakteristisch für die Kirche Roms, aber durchaus nicht für diese allein.

Es genügt auch nicht, »griechisch und hebräisch zu können«, um imstande zu sein festzustellen, was der Grundtext lehrt, wie viele meinen. Alle Übersetzer haben diese Sprachen studiert und doch Irrtümer bestätigt. Wie das geschehen konnte, haben wir unseren Lesern hoffentlich ein wenig näher erläutern können. Wörter verändern im Lauf der Zeit ihre Bedeutung. Und nicht nur das, viele werden heute lediglich nach einer aus dem Mittelalter übernommenen Überlieferung erklärt, während es vor allem nötig ist, auf das Genaueste zu erforschen, was die Schreiber des inspirierten Grundtextes darunter verstehen mussten. Dazu ist es notwendig, erstens die Vorkommen eines Wortes an allen Stellen und in sämtlichen Zusammenhängen zu beachten; denn nur eine Bedeutung, die von allen Vorkommen bestätigt wird, kann die richtige sein. Vor allem kann ein von Gott für eine der wichtigsten Offenbarungen gewählter Ausdruck nicht zwei sich gegenseitig widersprechende Bedeutungen haben. Zweitens gilt es, die ältesten Übersetzungen zu prüfen, die der Zeit der Abfassung des Grundtextes am nächsten standen. Sind sie an Autorität auch nie der inspirierten Grundschrift gleichzustellen, so können sie uns doch viel Licht über die Anwendungsweise von Wörtern vermitteln. Und es sind diese Forschungen, die die Hauptvorarbeit für die konkordante Übertragung ausmachten. Auch der Verfasser dieses Aufsatzes hat jahrelang hierbei mitgewirkt. Es ist deshalb aus tiefster, in viel Erfahrung gewonnener Überzeugung, dass er zum Schluss die folgende Behauptung aufstellt:

Es ist tatsächlich etwas Großes, was wir für die konkordante Übersetzung in Anspruch nehmen, aber wir erheben diesen Anspruch ohne Furcht vor seiner Widerlegung und ebenfalls ohne Furcht vor allem Widerspruch: Sie ist die heute verfügbare wortgetreueste Übersetzung, die durch ihr System in angemessener Weise die Heilige Schrift als von Gottes Geist durchhaucht anerkennt.

Licht und Finsternis

SONNE UND MOND, LICHT UND FINSTERNIS, TAG UND NACHT

Gott hat von Anfang an eine bipolare Welt erschaffen, in der es nicht nur Licht, sondern auch die Abwesenheit von Licht, nämlich Finsternis gibt. So hat Er von Anfang an auch bestimmt, dass es sowohl Zeiten des Lichts gibt (Tag), als auch Zeiten der Finsternis (Nacht). Ihre jeweiligen „Herrscher“ sind die Sonne für den Tag und der Mond für die Nacht.

1.Mo.1,16-18: „16. Und Elohim machte die zwei großen Lichter: das große Licht zur Beherrschung des Tages, und das kleine Licht zur Beherrschung der Nacht, und die Sterne. 17. Und Elohim setzte sie ins Firmament der Himmel, um auf dem Erdland zu leuchten, 18. und zu herrschen im Tag und in der Nacht und zu scheiden zwischen dem Licht und der Finsternis. Und Elohim sah, dass es gut war.“

1.Mo.1,5: „Und Elohim rief zum Licht Tag, und zur Finsternis rief Er Nacht.“

In das gesamte Schöpfungsgeschehen hat Gott eine weitreichende Symbolik heineingelegt. Es ist eine Welt der Metaphorik. Die Bibel spricht auch von Schatten (Hebr.8,5) und will damit sagen, dass das Sichtbare eine Abschattung des für uns Unsichtbaren, Verborgenen aber Wesenhaften (das Eigentliche, Wahre) ist.

Die Symbolik von Licht und Finsternis

Gott ist Licht:

1.Joh.1,5: „Und dies ist die Botschaft, die wir von Ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht und keinerlei Finsternis ist in Ihm.“

Ps.84,12: „Denn JHWH Elohim ist Sonne und Schild…“

Das wesenhafte, wahre Licht Gottes findet also Seine Entsprechung im Licht der Sonne, die am Tag scheint.

Auch Jesus bezeichnet sich als das Licht:

Joh.12,46: „Ich bin als Licht in die Welt (w. Kosmos) gekommen, auf dass jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.“

Joh.8,12: „Wiederum redete Jesus zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt (w. Kosmos); wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Joh.3,19: „Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt (w. Kosmos) gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis viel mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“

Licht steht in enger Verbindung zum Leben. Ohne das Licht der Sonne würde es auf der Erde kein Leben geben. Auch diese Wahrheit findet ihre Entsprechung im für uns unsichtbaren Bereich.

Finsternis:

Die Finsternis dagegen, die Abwesenheit von Licht, steht in Verbindung mit dem Tod und dem, der die Macht des Todes hatte, nämlich Satan.

Eph.6,12: „Denn unser Kampf ist nicht mit (a. gegen) Fleisch und Blut, sondern mit den Autoritäten, mit den Weltbeherrschern (w. Kosmokratoren) dieser Finsternis, mit den geistlichen Mächten der Bosheit in den Überhimmeln (w. Aufhimmlischen).“

Kol.1,12-13: „12. …als Dankende dem Gott-Vater, der euch tauglich gemacht hat zum Anteil am Erbe (w. Los) der Heiligen im Licht, 13. der uns birgt aus der Autorität der Finsternis und versetzt in die Regentschaft des Sohnes seiner Liebe…“

Als Jesus im Garten Gethsemani von den Hohepriestern und den Hauptleuten des Tempels abgeführt wurde, sagte Er:

Lk.22,53: „…dies ist die Stunde und die Autorität der Finsternis.“

Diese geistliche Finsternis wurde während der Kreuzigung Jesu sogar sichtbar:

Mt.27,45: „Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Erdland bis zur neunten Stunde.“

Dass die Sonne Gott symbolisiert sagt Ps.84,12 aus. Auch der Mond als Herrscher über die Nacht (1.Mo.1,16) symbolisiert eine Person, nämlich Satan. Der Mond selbst erzeugt kein eigenes Licht, er wäre also in völlige Dunkelheit gehüllt ohne das Licht der Sonne, welches er reflektiert und das seinen eigentlichen Finsterniskern verbirgt.

Über Satan heißt es:

2.Kor.11,14: „Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engel des Lichts an.“

Satan ist kein Engel des Lichts, er gehört dem Bereich der Finsternis an, aber er tritt in dieser Gestalt auf, um seinen eigentlichen Finsternis-Charakter zu verbergen.

Die Berufung zum Licht:

Gott ruft die Menschen zum Licht. Nicht länger sollen sie unter der Herrschaft der Finsternis sein.

1.Petr.2,9: „…damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht…“

Apg.26,18: „…zu öffnen ihre Augen, dass sie sich von der Finsternis weg ins Licht wenden und von der Autorität Satans auf Gott zu…“

1.Thess.5,5: „…denn ihr alle, ihr seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages; wir sind nicht Söhne der Nacht, noch der Finsternis.“

Eph.5,8: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn; wandelt als Kinder des Lichts…“

Röm.13,12: „Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Rüstungen (a. Waffen) des Lichts anziehen.“

So wie Gott am ersten Tag das Licht von der Finsternis trennte, so sollte das auch in unserem Leben sein. Licht und Finsternis gehören nicht zusammen:

2.Kor.6,14: „Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit oder (so könnte man auch fragen) welche Gemeinschaft hat Licht mit Finsternis?“

Das Essen vom Baum der Erkenntnis, bei dem Gut und Böse, Licht und Finsternis, nicht getrennt waren, brachte den Tod:

1.Mo.2,17: „…aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen, denn an dem Tag, da du von ihm isst, wirst du sterben.“

Das himmelstürmende Unternehmen Babylon

Bereits die Menschen der Urzeit hatten die konkrete Absicht, in die Himmel zu gelangen. Davon spricht die Bibel:

1.Mo.11,4: „Und sie sprachen: Siehe! Wir wollen uns eine Stadt bauen und einen Turm, und sein Haupt (a. Spitze) in den Himmeln. So wollen wir uns einen Namen machen, dass wir nicht zerstreut werden auf dem Angesicht des Erdlands!“

1.Mo.11,6-8: „6. Und JHWH sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache, und dies haben sie angefangen zu tun; und nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen. 7. Siehe! Wir wollen hinabsteigen und ihre Sprache dort verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht verstehen! 8. Und JHWH zerstreute sie von dort auf dem Angesicht des ganzen Erdlands, und sie hörten auf, die Stadt zu bauen.“

Die einschneidende Maßnahme Gottes war nicht als endgültiger Stopp für das Programm vorgesehen, sondern diente als langzeitig wirkende Bremse des Vorhabens.

Diese Zielsetzung, in die Himmel zu gelangen, ist in unserer Zeit wieder aufgegriffen worden. Der Mond gehört zum Bereich der Himmel. Eine Mondlandung stellt demgemäß die neuzeitliche Verwirklichung des alten babylonischen Vorhabens dar.

Der Antichrist (Anstatt-Messias) und der Thron des Drachen

Der Thron Gottes befindet sich in den Himmeln:

Ps.11,4: „JHWH – in den Himmeln ist Sein Thron…“

Der König von Babylon, eine Vorschattung des Antichristen der Endzeit wird zitiert:

Jes.14,13: „Und du sprachst in deinem Herzen: Die Himmel steige ich hinauf, über die Sterne ELs (hebr. Bezeichnung für Gott) erhöhe ich meinen Thron…“

Laut Eph.6,12 befinden sich die Mächte der Bosheit in den Himmeln. Dort befindet sich auch der Thron Satans, d.h. seine Regierungszentrale. Von dort aus wird er samt seinen Engeln (Boten) in der Endzeit auf das Erdland geworfen werden.

Offb.12,7-9: „7. Und es entstand ein Streit in dem Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel; 8. und sie siegten nicht, auch wurde ihre Stätte (Aufenthaltsort) nicht mehr in dem Himmel gefunden. 9. Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Diabolos und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf das Erdland, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen.“

Der Antichrist der Endzeit wird in der Offenbarung beschrieben:

Offb.13,2: „Und das Tier, das ich sah, war gleich einer Leopardin, und seine Füße wie die eines Bären, und sein Maul wie eines Löwen Maul. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Autorität.“

Der Drache, eine andere Bezeichnung für Satan, wird dem Antichristen (in der Offenbarung als Tier dargestellt) seine Macht, seinen Thron und große Autorität geben.

Um die Himmel zu ersteigen, bedarf es einer überdimensionalen Energie. Auch ist klar, dass derjenige, der in den Himmeln einen klar definierten Aufenthaltsort hat, über große Autorität verfügt.

Die NASA hat für 2012 geplant, bemannt auf den Mond zu fliegen. Laut biblischer Prophetie wird das Vorhaben, die Himmel zu ersteigen, am Ende der Zeit (nicht vorher!) gelingen.

Das Ende der Finsternis

Innerhalb der neuen Stadt Jerusalem, in welcher der Thron Gottes sein wird, werden Sonne und Mond keine Rolle mehr spielen:

Jes.60,19: „Nicht wird dir noch die Sonne zum Licht sein am Tag, noch zum Erglänzen der Mond dir scheinen; sondern JHWH wird dir zum äonischen Licht…“

1.Joh.2,8: „…die Finsternis vergeht und das wahrhafte Licht leuchtet schon.“

Zwei Körperschaften, zwei Berufungen

Das Evangelium* der Regentschaft** und das Evangelium des Paulus – Zwei Körperschaften, zwei Berufungen

*Evangelium, hell. evangelion bedeutet wörtl. Wohlkunde bzw. Freudenbotschaft.

**Die übliche Wiedergabe des altgriechischen basileia mit Reich, Königreich oder Königsherrschaft wird hier durch das Wort Regentschaft ersetzt.

Die Bibelzitate in der vorliegenden Arbeit sind eine wortgetreue Übersetzung gemäß dem Codex Sinaiticus.

Israel – eine Begriffsdefinition:

Gesamt-Israel bestand aus 12 Stämmen, die in der Zeit des Königs Rehabeam (Enkel Davids) geteilt wurden. Die Teilung Israels als ganzes einheitliches Volk war die Konsequenz des Götzendienstes Salomos (1.Kön.11,1-13). Israel wurde in zwei Reiche geteilt, in das Nordreich, das den Namen Israel behielt und auch Ephraim oder das Haus Josef genannt wurde und in das Südreich Juda (Stämme Juda, Benjamin und Levi). Das war ca. 920 v. Chr. (1.Kön.12).

Nach der Reichsteilung lebten diese beiden Reiche ca. 200 Jahre nebeneinander, führten Kriege gegeneinander und auch zusammen Kriege gegen andere. Ca. 720 vor Christus hat Gott das Nordreich Israel (Ephraim, Haus Josef) wegen ihres nicht mehr zu verzeihenden Götzendienstes und ihrer Widerspenstigkeit verworfen und sich von ihnen getrennt, indem Er der Jungfrau Israel den Scheidebrief gab (Jer.3,6-8) und sie dem assyrischen Exil preisgab, aus dem sie nie mehr in ihr Land zurückgekehrt, sondern in den Völkern untergegangen ist. Wenngleich Gott auch Juda dem Gericht des babylonischen Exils preisgab, hat Er sich von Juda nie offiziell getrennt. Juda blieb die Verehelichte oder Vermählte und die Jungfrau Israel die Einsame oder Verlassene (Jes.54,1ff).

Zur Zeit Jesu gab es also nur noch das Reich Juda mit den drei Stämmen Juda, Benjamin und Levi unter römischer Vorherrschaft und seinen Zerstreuten in der Diaspora. Dieser Überrest repräsentierte ISRAEL. Die anderen zehn Stämme waren ja verloren, unter die Nationen eingesät und nicht mehr identifizierbar.

Einleitung:

Das Zentrum des Denkens, das Sehnen und Trachten eines jeden gläubigen Israeliten war und ist es, die Regentschaft des Messias auf dem Thorn Davids auf der Erde zu sehen mit Israel als Haupt der Nationen und der himmlischen Stadt Jerusalem als Regierungszentrum. Das ist es, was die Propheten verkündigten und was auch Abraham verheißen wurde und worauf seine Erwartung sich ausrichtete (Hbr.11,8-10). Wann dies geschehen soll, war auch die brennende Frage der Jünger des Herrn:

Apg.1,6: Die nun zusammengekommen waren, fragten Ihn daher: Herr, stellst Du in dieser Zeit die Regentschaft für Israel wieder her?

Jesus bestätigte in Seiner Antwort diese Regentschaftserwartung für Israel. Einige Wochen später redet Petrus öffentlich vor dem Volk von der Wiederherstellung alles dessen, was Gott durch den Mund Seiner Propheten gesprochen hat (Apg.3,20-21).

Israel, die heilige Nation

5.Mo.7,14: Gesegnet wirst du sein, mehr als all die Völker

Das jüdische Volk war und ist von Gott her dazu auserwählt, in dem kommenden herrlichen Zeitalter der Regentschaft des Messias als Priestertum mitzuregieren:

2.Mo.19,6: Und ihr werdet mir eine Regentschaft der Priester und eine heilige Nation. Dies sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel sagst.

Diese Verheißung an das Volk Israel wiederholt Petrus in seinem Brief an die Juden in der Diaspora:

1.Ptr.1,1: Petrus, Apostel Jesu Christi: Den Auserwählten, den auch Staatenlosen der Diaspora (Zerstreuung) von Pontus, Galatien, Kappadokien und Bithynien…

1.Ptr.2,9-10: 9. Ihr aber seid eine auserwählte Werdelinie, eine regierende Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zur Aneignung, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus Finsternis berief in sein erstaunliches Licht, 10. die ihr einst Nicht-Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid; die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.

Der Auftrag Jesu

Mt.15,24: Er aber sagte antwortend: Ich wurde nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Mt.5,17: Meint nicht, dass Ich kam, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich kam nicht, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen.

Lk.16,16: Das Gesetz und die Propheten waren bis auf Johannes; von da an wird das Evangelium der Regentschaft Gottes verkündigt…

Lk.8,1: In der Folge durchwanderte Er Stadt um Stadt und Dorf um Dorf, verkündigte öffentlich die Regentschaft Gottes und verkündigte sie als Evangelium.

Mk.1,14-15: 14. Nach der Überantwortung des Johannes kam Jesus nach Galiläa. Dort verkündigte Er öffentlich das Evangelium der Regentschaft Gottes und sagte: 15. Die Frist ist vervollständigt worden und die Regentschaft Gottes hat sich genaht. Sinnt um und glaubt an das Evangelium!

Jesu Ruf zur Umsinnung (Buße) galt in erster Linie dem jüdischen Volk (Mt.15,24; Mt.10,5-6), damit dieses zugerüstet werde, um die ihm von den Propheten her verheißene priesterliche Stellung in der kommenden messianischen Regentschaft ausüben zu können. Die Voraussetzung war, dass sie an den Namen Jesu glauben, d.h. daran, dass Er der erwartete Messias ist (Joh.1,12; Apg.3,16; 8,12; 1.Joh.3,23).

Röm.15,8: Denn ich (Paulus) sage, dass Jesus Christus zum Diener der Beschneidung gemacht worden ist für Gottes Wahrheit, um die Verheißungen der Väter zu bestätigen.

Die Übertragung der Schlüsselgewalt

Mt.16,18-19: 18. Und ich aber sage dir: Du bist Petrus (Fels), und auf diesem Felsen werde ich meine Herausgerufene bauen, und die Tore des Hades werden sie nicht (entgegenstehend) herabdrücken. 19. Ich werde dir die Schlüssel der Regentschaft der Himmel geben, und was du auf dem Erdland bindest, das ist gebunden worden in den Himmeln, und was du auf dem Erdland löst, das ist gelöst worden in den Himmeln.

Hier besteht die Gefahr, die Regentschaft der Himmel als die Regentschaft im Himmel zu verstehen, und nicht als die Regentschaft, die aus dem Himmel kommt, aber auf der Erde sein wird:

Offb.21,2: Und ich gewahrte die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Petrus, der gemäß der ihm von Christus übertragenen Schlüsselrechte (Mt.16,19) die Tür der Regentschaft mit dem Vergebungs- und Geistesangebot an ganz Israel weit aufmachte, stützte sich in seiner Verkündigung stets auf die Propheten:

Apg.3,19-22: 19. Sinnt daher um und wendet euch dahin, dass eure Sünden ausgelöscht werden, damit Fristen der Erfrischung kommen vom Angesicht des Herrn, 20. und Er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende, 21. den der Himmel empfangen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung all dessen, wovon Gott durch den Mund Seiner heiligen Propheten vom Äon an gesprochen hat. 22. Mose sagte bereits: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, unser Gott, auferstehen lassen aus euren Brüdern…

Apg.10,43: Diesem (Jesus) bezeugen alle Propheten: Durch Seinen Namen erhält jeder, der an Ihn glaubt, Erlassung der Verfehlungen.

In Gal.2,7 erklärt Paulus, dass Petrus das Evangelium der Beschneidung anvertraut wurde:

Gal.2,7: …sondern im Gegenteil, weil sie sahen, dass ich mit dem Evangelium der Unbeschnittenheit betraut bin, so wie Petrus mit dem der Beschneidung.

In Mt.18,18 und Joh.20,23 wird die Schlüssel-Vollmacht auch weiteren Jüngern übertragen. Daraufhin ziehen die Apostel und Jünger durch ganz Israel und verkündigen das Evangelium von der kommenden Regentschaft. Der den Juden bereits im AT verheißene Heilige Geist (Jes.44,3; 32,15; Hes.36,27; Joel 3,1; Sach.12,10) wurde mit Zeichen und Wundern und den Kräften des kommenden Zeitalters vorgeschattet (Hebr.6,5b) in ihrer Mitte ausgegossen.

Es ist offensichtlich, dass das, was in dieser Zeit angeboten wurde, dieselben Verheißungen waren, von denen das Alte Testament und die Evangelien berichten. Worin bestand damals die Hoffnung Israels? Welche Verheißung war den Vätern Abraham, Isaak und Jakob gemacht worden? Es war die Verheißung von einer Regentschaft Gottes auf Erden mit dem erhöhten Jerusalem als Regierungszentrum, zu dem die Nationen um deren Segnungen willen kommen werden. Das ist zentraler Inhalt der Botschaft des Alten Testaments, der Evangelien und der Apostelgeschichte, ferner der Briefe des Petrus, Jakobus und Johannes, des Hebräerbriefs und der Offenbarung.

Der Missionsauftrag: Israel als Segensvermittler für die Nationen

Es war dem jüdischen Volk nicht unbekannt, dass der Messias mittels dieses Volkes im kommenden Zeitalter über die Nationen regieren wird (Ps.2,8-9). Israel sollte das Haupt der Nationen werden. Unter der Vorrangstellung Israels als einer auserwählte Werdelinie, einer regierenden Priesterschaft, einer heiligen Nation (1.Petr.2,9), sollten auch die Nationen an deren Segnungen Teil haben, aber immer in der Reihenfolge dem Juden zuerst und dann auch dem Hellenen (Röm.1,16; 2,10)

Es war bereits durch den Propheten Jesaja verkündigt worden, dass Israel zum Licht der Nationen gesetzt ist:

Jes.6,1-3: 1. Erstehe, leuchte (Israel), denn dein Licht kam, und die Herrlichkeit JHWHs ging über dir auf. 2. Denn siehe! Finsternis bedeckt das Erdland und Wetterdunkel die Volksstämme, aber über dir geht JHWH auf, und seine Herrlichkeit wird über dir gesehen. 3. Und Nationen wandeln zu deinem Licht und Regenten zum Glanz deines Aufgehens. [Offb.21,24]

Nach der Auferstehung des Herrn bekam diese Prophezeiung ihre Aktualität wieder. Der Auftrag Jesu an Seine Jünger, der erst mal ausschließlich dem Volk Israel galt, dehnte sich nun auf alle Nationen aus:

Mt.28,19: Geht und macht alle Nationen zu Jüngern (w. Lernende), und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…

Mk.16,15: Dann sagte Er ihnen: Geht in alle Welt und verkündigt das Evangelium aller Schöpfung!

Mt.24,14: Dieses Evangelium der Regentschaft wird verkündigt werden allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird die Vollendung eintreffen.

Der letztgenannte Vers wartet noch auf seine endgültige Erfüllung. Mit der Vollendung ist hier der abschließende Zeitraum dieses gegenwärtigen Zeitalters gemeint, der mit Geburtswehen (Gerichte der Offenbarung, Drangsalszeit) das kommende herrliche Zeitalter des Millenniums einleiten wird.

Die Verkündigung nahm ihren Anfang in Jerusalem, wie vom Propheten Jesaja vorausgesagt (Jes.12,3) und breitete sich von dort über die ganze damals bekannte Wohnerde (hell. oikumene) aus. Ebenso wird es auch im kommenden Zeitalter sein:

Jes.12,3: Denn von Zion (Regierungszentrum) wird das Gesetz ausgehen, und das Wort JHWHs von Jerusalem

Jerusalem ist von jeher die erwählte Gottesstadt gewesen. Schon Melchisedek der König von Salem, wie die Stadt früher hieß, spielt eine bedeutende Rolle. Abraham gab diesem König den Zehnten seiner Kriegsbeute und wurde von ihm gesegnet, denn Melchisedek war auch ein Priester und zwar des EI-Elyon d.h. des höchsten Gottes (1.Mo.14,18-22; Hebr.7,1f). Salem oder Jerusalem (= Gründung des Friedens) ist also von Urbeginn an eine Offenbarungsstätte des reinen Gottesdienstes gewesen. Durch David, der diese Stadt später von den Jebusitern eroberte, ist sie zur Hauptstadt seines Königreichs gemacht worden (2.Sam.5,6-9). Der Zionshügel wurde zur Königsburg und der Hügel Morija zur Stätte des Heiligtums (Ps.76,2). Zion-Jerusalem wurde somit der Mittelpunkt der Theokratie (Gottesherrschaft) und die Stätte der Offenbarung Gottes für die ganze Welt. Durch die Gerichte Gottes ist Jerusalem mit seinem Tempel verschiedene Male zerstört, aber danach immer wieder aufgebaut worden. Das messianische Heil der Endzeit ist untrennbar mit dieser Stadt verbunden.

Lk.24,46-47: 46. …und sagte zu ihnen: Also ist geschrieben worden, dass der Christus leidet und aufersteht aus den Toten am dritten Tag, 47. und auf Grund seines Namens Umkehr (w. Umsinnen) und Erlassung der Verfehlungen verkündigt wird allen Nationen, beginnend von Jerusalem.

Apg.1,8: Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende des Erdlands.

Dennoch wurde das Evangelium der Regentschaft vorerst nur den Juden verkündigt, obwohl der Missionsauftrag bereits erteilt war.

Apg.11,19: Die Gläubigen, die sich infolge der Drangsal, die wegen Stephanus entstanden war, zerstreut hatten, waren nun bis nach Phönizien, Cypern und Antiochien gezogen und hatten das Wort zu niemand anders gesprochen als allein zu Juden.

Erst nachdem Petrus die Vision von den unreinen Tieren (Apg.10,9f) hatte, wurde der Missions-Auftrag an die Nationen auch in die Tat umgesetzt. Danach heißt es:

Apg.17,30: Gott hat über die Zeiten der Unkenntnis hinweggesehen; doch nun weist Er alle Menschen überall an, umzusinnen…

Apg.8,5.12: 5. Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus… 8. Als sie aber dem von Philippus verkündigten Evangelium von der Regentschaft Gottes und vom Namen Jesu Christi glaubten, ließen sie sich taufen, Männer wie auch Frauen.

Vorher hieß es noch:

Mt.10,5-6: 5. Diese zwölf sandte Jesus aus und wies sie an und sagte: Kommt nicht ab auf einen Weg der Nationen und kommt nicht hinein in eine Stadt der Samariter; 6. geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

DAS PFINGSTFEST ALS VORSCHATTUNG DES MILLENNIUMS

Gott bestimmte für das Volk Israel sieben Feste, festgesetzte Zeiten mit genauen Ordnungen, die jährlich zu wiederholen sind. Sie stellen in ihrer Reihenfolge und ihrer Bedeutung den Heilsplan Gottes mit Seinem Volk Israel dar und sind somit ein prophetischer Ausblick.

Das Fest der Erstlingsfrüchte wird in 3.Mo.23,9-11 beschrieben. Die Gerste wird als erstes Getreide zu dieser Zeit reif. Die ersten Garben wurden abgeschnitten und eine Garbe davon zum Priester gebracht. Dieser sollte die Garbe vor dem Herrn schwingen. Dies war eine Proklamation dafür, dass es eine reiche Ernte geben wird bzw. das Unterpfand, die Garantie dafür, dass der Rest der Ernte auch noch eingebracht werden wird.

Am fünfzigsten Tag nach dem Fest der Erstlingsfrüchte wurde das Erntefest Schawuot gefeiert (3.Mo.23,15-17), das heutige Pfingsten. Das Fest hat seinen Namen vom griechischen Wort für fünfzig (pentekoste) erhalten. Die Israeliten sollten die Erstlingsfrüchte der Ernte und dazu zwei im Sauerteig gebackene Brote JHWH bringen.

Im Rahmen dieses Pfingst-Festes goss Gott in der Apostelgeschichte Seinen Heiligen Geist auf die in Jerusalem anwesenden Juden aus und erneuerte damit den Bund mit Seinem Volk, wie Er es den Propheten verheißen hat (Jer.31,31-34; Hes.37,26).

Die Prophezeiung des Joel von der Ausgießung des Heiligen Geistes auf alles Fleisch, auf die Petrus sich in seiner Pfingst-Predigt in Apg.2,16f beruft, wurde allerdings nur vorgeschattet erfüllt. Die eigentliche Erfüllung wird in der Zeit des Millenniums stattfinden.

Es gab in der Pfingst-Gemeinde bereits Tausende von Juden (Apg.21,20), denen Gott ein neues Herz und einen neuen Geist gegeben hatte und die in Seinen Satzungen wandelten und Seine Rechte hüteten und taten, wie in Hes.36,26-27 beschrieben. Was aber damals an einer Auswahl möglich war, wird gemäß der Verheißung einst am gesamten Volk Israel geschehen (Röm.11,26).

Hes.36,26-27 macht auch die Bedeutung des Tuns von Gerechtigkeit für das jüdische Volk deutlich: Ein neues Herz, einen neuen Geist UND das Wandeln in Gottes Satzungen und Rechten stehen nicht in Widerspruch zueinander. Dieses Verhältnis kann man auch in so manchem Vers im NT wieder finden, so z.B. in:

Offb.14,12: Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes halten (w. hüten) und den Glauben Jesu.

Zusammen mit dem Beginn der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten gingen auch immer Demonstrationen der Kräfte des zukünftigen Zeitalters (Äons) einher:

Hbr.2,3-4: …wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen? Welche den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben, indem Gott außerdem mitbezeugte, 4. sowohl durch Zeichen, außerdem auch Wunder und mancherlei Vermögenskräfte und Austeilungen des Heiligen Geistes nach Seinem Willen.

Hbr.6,4-6: Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet waren und geschmeckt haben von dem überhimmlischen Geschenk, und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes, 5. und geschmeckt haben die ideale Rede Gottes und die Vermögenskräfte des zukünftigen Äons, und dann abgefallen, 6. wieder zur Umsinnung zu erneuern, sie, die doch den Sohn Gottes für sich wieder anpfahlen und Ihn zur Schau stellen.

Röm.15,18-19: 18. Denn ich möchte nicht wagen, von etwas zu reden, was nicht Christus durch mich ausgeführt hat, um die Nationen zum Glaubensgehorsam zu führen durch Wort und Werk, 19. in Kraft (w. Vermögen) der Zeichen und Wunder, in Kraft des Geistes Gottes, so dass ich von Jerusalem aus ringsum bis Illyrien das Evangelium des Christus völlig ausgerichtet habe.

Man beachte auch hier bei Paulus die Zeichen und Wunder, die stets die Verkündigung der Regentschaft begleiteten und das von Jerusalem aus. Solange Israel noch nicht verworfen und Jerusalem noch nicht zerstört war, wurde die Regentschaft verkündigt und die Nationen als Gesamtheit zum Glaubensgehorsam aufgefordert.

Auch Demonstrationen von Gottes Gerechtigkeit, wie z.B. geschehen beim Strafwunder an Ananias und Saphira in der Jerusalemer Gemeinde, sind als Vorschattung auf das Millennium zu sehen.

Sündenvergebung wurde mit Bewährungsfrist gewährt, wie es der Herr selber im Gleichnis vom Schalksknecht (Mt.18,23-35) erklärt hat.

Das Auspfropfen aus dem Ölbaum, d.h. das Abschneiden von den Verheißungen, oder das Wegnehmen der fruchtlosen Reben am Weinstock sind alles Gleichnisse dafür, dass die Teilnahme an den Segnungen des kommenden Zeitalters an Bedingungen geknüpft waren. Im Millennium können sowohl einzelne Menschen auf Grund von Sünde die Todesstrafe erleiden (Jes.66,24), als auch ganze Nationen das Gericht des Ausschlusses von Segnungen erfahren (Sach.14,17).

Ein weiteres Merkmal der Pfingst-Gemeinde war die Verordnung Gottes, dass die Nationen, die durch Israel an deren geistlichen Gütern (Segens-Verheißungen) Anteil erhalten haben, ihrerseits ihre materiellen Güter Israel zu Gute kommen lassen sollen (s.a. Jes.60,5; Sach.14,14):

Röm.15,27: …denn wenn die Nationen an deren (Israels) geistlichen Gütern teilnehmen so sind sie auch verpflichtet, eine Beisteuer zu den fleischlichen (d.h. materiellen) zu leisten.

Auch diese Vorschattung wird im Millennium ihre volle Erfüllung finden. Dafür werden die Tore der neuen Stadt Jerusalem Tag und Nacht offen bleiben:

Jes.60,11: Und deine Tore werden beständig offen stehen; Tag und Nacht werden sie nicht geschlossen werden, um zu dir zu bringen den Reichtum der Nationen und ihre hinweggeführten Könige. (s. a. Offb.21,25-26)

Das Gleichnis vom Ölbaum

Röm.11,13: Euch aber, den Nationen, sage ich…

Röm.11,17-18: 17. Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen wurden, du aber, der du ein wilder Ölbaum bist, unter sie (den verbliebenen Zweigteilen) eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes mitteilhaftig wurdest, 18. rühme dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber gegen sie rühmst, bedenke: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel dich.

Röm.11,21-24: 21. Denn wenn Gott die naturgemäßen Zweige (des edlen Ölbaums) nicht verschonte, so wird Er aber auch dich (als Zweig am wilden Ölbaum) nicht verschonen. 22. Gewahre daher die Milde und die Strenge (w. das Wegschneiden) Gottes: Gegen die Gefallenen Strenge (w. das Wegschneiden), gegen dich aber die Milde Gottes, wenn du in der Milde verbleibst, sonst wirst auch du herausgehauen werden. 23. Und jene aber, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wieder einzupfropfen. 24. Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum ausgeschnitten und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, wie viel mehr werden diese, die natürlichen Zweige, in den eigenen Ölbaum eingepfropft werden!

Es handelt sich hier um ein Gleichnis bzw. eine Parabel. In diesem Kapitel des Römerbriefs werden zwei Ölbäume benannt, ein edler und ein wilder. Es wird oft behauptet, dass es sich hier um eine Darstellung des Leibes Christi handeln würde. Das würde bedeuten, dass Glieder aus diesem Leib herausgebrochen werden können. Deckt sich diese Behauptung mit dem, was uns das Neue Testament sonst über den Leib Christi vermittelt?

Es wird in diesem Gleichnis von naturgemäßen Zweigen gesprochen – aber von Natur aus gehört kein Mensch zum Leib Christi. Darüber hinaus hat der edle Baum, wie der wilde natürlich auch, eine irdische Wurzel – der Leib des Herrn aber hat keinen irdischen Ursprung, sondern ist im Bild des zweiten Adam, dem Herrn aus dem Himmel (1.Kor.15,47-49), Gott gemäß (Eph.4,24) zu einem neuen Menschen erschaffen (Eph.2,15). Darüber hinaus hat der Leib Christi keine irdischen Segens-Verheißungen, sondern himmlische (Eph.1,3).

Was könnten die Bäume also sonst darstellen?

Der Ölbaum gehört neben dem Feigenbaum und dem Weinstock zu den wichtigsten Fruchtbäumen Israels. Das jüdische Volk wird in den Propheten des AT unter drei Bildern aus dem Pflanzenreich dargestellt, nämlich Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock (oder auch Weinberg). Diese Bilder gebrauchte der Herr auch oft in Seinen Gleichnissen.

Die drei Gewächse sind Symbole Israels, und zwar sind sie es in dreifacher Hinsicht:

  • der Ölbaum im Blick auf Israel als Geist- und Lichtträger für die Nationen in der kommenden Regentschaft Christi
  • der Feigenbaum im Blick auf Israels Wiederbelebung und Fruchtbarkeit
  • der Weinstock im Blick auf die göttliche Pflege und Treue, die Er diesem aus Ägypten geholten Weinstock angedeihen ließ und besonders im Blick auf die materiellen Segnungen (Ps.104,15: Wein, der das Herz des Menschen erfreut) in der kommenden Regentschaft Christi

Über die weitreichende Symbolik und Bedeutung von Öl und Wein, die Frucht von Ölbaum und Weinstock, ließe sich ein gesondertes Thema erstellen.

Die Ölbäume aus Römer 11 sind also folglich Darstellung von Nationen: der edle Ölbaum ist Darstellung Israels gemäß dem Fleisch, der unedle stellt allgemein die Nationen dar. Die Wurzel des edlen Ölbaums ist der Stammvater Abraham, dem die Verheißungen und Segnungen (Fettigkeit) für seinen Samen gegeben wurden. Es wird folglich in diesem Gleichnis das Handeln Gottes auf nationaler Ebene unter dem Aspekt der kommenden Regentschaft dargestellt.

Auch die Verse 31-33 aus dem 25-ten Kapitel des Matthäus-Evangeliums befassen sich nicht mit dem Gericht am Individuum (das wird vor dem großen weißen Thron geschehen), sondern mit dem allgemeinen Gericht an den Nationen:

Mt.25,31-33: 31. Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; 32. und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 33. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

Die Entscheidung darüber, wer links und wer rechts steht, wird davon abhängen, in welchem Verhältnis die Nationen in der Zeit der Drangsal zum Volk Israel gestanden haben (Mt.25,40).

Israel verliert seine Vorrangstellung

Das jüdische Volk war privilegiert. Es hatte in allem den Vorrang. Israel war es zuerst, das in den Genuss des Evangeliums kam:

Apg.3,25-26: 25. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit unseren Vätern geschlossen hat, indem Er zu Abraham sagte: Und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter des Erdlands. 26. Zuerst euch hat Gott Seinen Knecht auferstehen lassen und ihn geschickt, euch zu segnen, indem ihr euch abwendet, ein jeglicher, weg von euren Bosheiten. (Siehe auch Apg.13,46 weiter oben im Text.)

1.Kor.15,3-8: 3. Denn ich (Paulus) habe euch in erster Linie überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, gemäß den Schriften; 4. und dass Er begraben wurde, und dass Er auferweckt worden ist am dritten Tag, gemäß den Schriften; 5. und dass Er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. 6. Darauf erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die Mehrzahl bis jetzt übrig geblieben ist, etliche aber auch entschlafen sind. 7. Darauf erschien Er Jakobus, darauf allen Aposteln. 8. Zuletzt aber von allen, gleich einer unzeitigen Geburt, erschien Er auch mir.

Paulus und seine Mitarbeiter stießen aber immer häufiger auf Widerstand bei ihrer Verkündigung unter dem jüdischen Volk. Es kam zu Morddrohungen und sogar dazu, dass die Juden Paulus steinigten (Apg.14,19). Hier fing nun das Ausbrechen der edlen Zweige des Ölbaums an, an deren Stelle die unedlen Zweige der Nationen eingepfropft wurden.

Apg.18,5-6: 5. Als aber sowohl Silas als auch Timotheus aus Makedonien herabkamen, wurde Paulus hinsichtlich des Wortes gedrängt und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei. 6. Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme auf eurer Haupt! Ich bin rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen.

Apg.28,23-28: 23. An dem mit ihm vereinbarten Tag kamen noch mehr zu ihm in die Unterkunft, denen er vom Morgen bis zur Abenddämmerung die Regentschaft Gottes auseinandersetzte und bezeugte, indem er sie in Bezug auf Jesus vom Gesetz des Mose wie auch von den Propheten her zu überzeugen suchte. 24. Die einen wurden von dem Gesagten überzeugt, während die anderen nicht glaubten. 25. Da sie aber miteinander Unstimmigkeiten hatten, entfernten sie sich, nachdem Paulus noch den einen Ausspruch getan hatte: Trefflich spricht der Geist, der Heilige, durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern: 26. Geh zu diesem Volk (zum jüdischen Volk!) und sage: Mit dem Gehör werdet ihr hören und doch nicht verstehen. Blickend werdet ihr erblicken und doch nicht wahrnehmen; 27. denn das Herz dieses Volkes ist verdickt, mit ihren Ohren hören sie schwer, und sie schließen ihre Augen, damit sie nicht etwa mit den Augen wahrnehmen, mit den Ohren hören, mit dem Herzen verstehen und sich umwenden, damit Ich sie heile. 28. Es sei euch aber daher bekannt gemacht, dass diese Rettung Gottes den Nationen gesandt worden ist; sie werden auch hören!

Apg.13,46: Freimütig entgegnete Paulus, wie auch Barnabas: Es war notwendig, dass zuerst euch (dem gesamten jüdischen Volk in Israel und der Zerstreuung) das Wort Gottes (die Verheißungen der Propheten des AT) gesagt wurde. Weil ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des äonischen Lebens nicht würdig erachtet, siehe, wenden wir uns an die Nationen.

Bereits Jesus rief über Israel prophetisch aus:

Mt.21,43: Deshalb sage Ich euch: Die Regentschaft Gottes wird von euch genommen und einer Nation gegeben werden, die Seine (d.h. Gottes) Früchte bringt.

Gottes Erziehungshandeln an Israel vollzog sich in Etappen:

Röm.11,25: Denn ich will nicht, Brüder, dass ihr unwissend seid in Bezug auf dieses Geheimnis, auf dass ihr nicht bei euch selbst als besonnen geltet: Verhärtung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vervollständigung (hell. pleroma*) der Nationen hineinkomme.

*pleroma (hell.): eine nicht vollständige Sache oder Angelegenheit vervollständigen. Es ist nicht der Zustand des Voll-Seins an sich damit gemeint, sondern das, was hinzugetan wird, um etwas zu vervollständigen.

Röm.11,7-8: 7. Was folgern wir daher? Was Israel sucht, dies erlangte es nicht, aber die Auswahl erlangte es; die übrigen aber wurden verhärtet, 8. wie geschrieben worden ist: Gott gab ihnen einen Geist der Schlafsucht, Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören, bis auf den heutigen Tag.

Die Verhärtung bedeutete das Ausgebrochen werden aus dem Ölbaum und damit das Abgeschnitten werden von den zukünftigen Verheißungen. Es war also nur noch eine Auswahl, ein Überrest aus dem Gesamt-Israel (Haus Juda), das sich im Ölbaum befand, die anderen wurden ausgebrochen. Was war der Grund für das Ausgebrochenwerden? In Röm.11,20 sagt Paulus, dass sie ausgebrochen wurden wegen ihres Unglaubens. An ihrer statt wurden nun die Nationen eingepfropft. Israel war und konnte nicht mehr Heilsvermittler sein, wie von Gott vorgesehen. Der Baum der Verheißung war aber ohne Israel von Gott her sowieso nicht denkbar. Diese Aktion des Auspfropfens hatte nur einen Zweck: Es sollte Israel eifersüchtig machen und zum Nacheifern reizen, mit dem Ziel wieder eingepfropft werden zu können.

Röm.10,18-21: 18. Jedoch sage ich: Haben sie nicht gehört? Es bleibt daher doch: Ihr Schall ist ausgegangen in das ganze Erdland, und ihre Reden zu den Grenzen des Bewohnten (Erdlands). 19. Jedoch sage ich: Hat Israel es nicht gewusst? Als erster sagt Moses: Ich werde euch zur Eifersucht reizen über eine Nicht-Nation, [5.Mo.32,21] über eine unverständige Nation werde ich euch erzürnen. 20. Jesaja aber wagt es und sagt: Ich wurde gefunden von denen, die mich nicht suchen, ich bin persönlich offenbar geworden denen, die nicht nach mir fragen. 21. Zu Israel aber sagt Er: Den ganzen Tag streckte ich meine Hände aus zu einem ungehorsamen (a. unfügsamen) und widersprechenden (a. Widerwort gebenden) Volk.

Röm.11,11: …durch ihren Danebenfall ist den Nationen die Rettung (w. Retthütung) geworden, um sie zum Nacheifern zu reizen.

Paulus tat in der ersten Hälfte der Apostelgeschichte zweierlei Dienst – einmal an den Juden, und zum andern an den Nationen – beides aber im Hinblick auf die kommende Regentschaft des Messias. Die Juden ermutigte er zum Glauben, dass Jesus von Nazareth der Messias ist. Die Nationen suchte er ebenso für den Glauben an den Messias zu gewinnen und in den Ölbaum miteinzupfropfen. Nun aber war nur noch ein Überrest an edlen Zweigen da. Das war die Situation in der zweiten Hälfte der Apostelgeschichte, und es blieb nun die Frage: Würde Israel dazu gebracht werden können, umzukehren von der Sünde der Zurückweisung ihres Messias? Denn dann bestand die Möglichkeit, wieder in ihre vorgesehene Position im Ölbaum eingesetzt zu werden und damit die Aufrichtung der Regentschaft des Messias einzuleiten.

Röm.11,23: Und jene aber, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden, denn Gott vermag sie nochmals einzupfropfen.

Doch es sollte anders kommen.

Israel hat sich nicht bewährt und wird verworfen

Röm.11,15 spricht von der Verwerfung Israels. Der militärische Einfall der Römer in Jerusalem und die Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. war das äußere Zeichen dieses traurigen Ausgangs. Bereits Jesus verkündigte vorauswissend das kommende Gericht über Jerusalem und den Tempel (Mt.23,37-38; 24,1-2; Mk.13,2). Jetzt handelte es sich nicht mehr um die Uneinsichtigkeit oder Blindheit eines Teils von Israel, ausgedrückt durch das Ausbrechen von Zweigen aus dem Ölbaum, sondern die Verwerfung des gesamten Volkes war besiegelt und damit auch das (vorläufige) Ende der messianischen Regentschaft, die ohne das auserwählte Volk nicht denkbar war.

Wurde der Ölbaum nun etwa ganz abgehauen? Hat Gott Sein Volk endgültig verstoßen und mit ihm alle Verheißungen aufgelöst? Nein, natürlich nicht!

Röm.11,29: Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.

Ps.94,14: Denn JHWH verstößt Sein Volk nicht und Sein Losteil verlässt Er nicht.

Gott wird Seinen Vorsatz zu gegebener Zeit wieder aufgreifen und alle Seine Verheißungen erfüllen.

Das Evangelium des Paulus

Am Anfang des Römer-Briefs (Röm.1,1-2) sagt Paulus, dass er für das Evangelium Gottes abgesondert ist und kennzeichnet es näher als das, welches Gott durch Seine Propheten in Heiligen Schriften zuvor verheißen hat über Seinen Sohn, der aus dem Samen Davids gekommen ist gemäß dem Fleisch (Röm.1,3).

Röm.1,1-2: 1. Paulus, Sklave Jesu Christi, berufener Apostel, abgesondert für das Evangelium Gottes, 2. das Er zuvor durch Seine Propheten in Heiligen Schriften verheißen hat…

Damit reiht sich sein Auftrag vorerst in die Linie der anderen Apostel ein, die das Evangelium von der kommenden Regentschaft des Messias nach dem Grundsatz: Dem Juden zuerst! (Röm.1,16; 2,10) verkündigten.

Apg.13,32: Und wir verkündigen euch die unseren Vätern zuteil gewordene Verheißung als Evangelium

Apg.26,22-23: 22. Da mir nun der Beistand von Gott bis auf diesen Tag zuteil wurde, stehe ich, bezeugend sowohl Kleinen als Großen, indem ich nichts sage außer dem, was auch die Propheten und Moses gesprochen haben, dass es geschehen werde, 23. dass Christus, ob als Leidender oder als Erstling der Auferstehung Toter, Licht verkündigen solle dem Volk [damit ist immer das Volk Israel gemeint], außerdem auch den Nationen.

Paulus ging zu Beginn seines Dienstwegs ein gutes Stück mit den Aposteln der Beschneidung und verkündigte dabei in gleicher Weise wie sie die Botschaft von dem verheißenen Sohn Gottes aus dem Samen Davids allen, deren Ohr er fand. Er tat seinen Dienst an Israel im Hinblick auf die Aufrichtung der Regentschaft mittels dieses Volkes und er tat seinen Dienst an den Nationen, die in den Ölbaum eingepfropft werden sollten. Solange Israel noch nicht verworfen war, zielte das Werk des Heiligen Geistes auf die Aufrichtung der Regentschaft mittels des auserwählten Volkes Israel ab. Hätte Israel damals den Ruf Gottes erkannt und angenommen und unter den Nationen seine regentschaftlich-priesterliche Tätigkeit ausgeübt, wären die Nationen unter das Zepter des Messias gekommen.

Von dem Zeitpunkt an jedoch, als Jerusalem und der Tempel 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde, rückte die Wiederkunft Christi und damit Seine Regentschaft in unbekannte Ferne und die Verkündigung des Paulus bekam einen neuen, bisher unbekannten Inhalt.

Denn dann heißt es:

Röm.16,25-26: 25. Ihm aber, der euch festigen kann gemäß meinem Evangelium und der öffentlichen Verkündigung von Christus Jesus (ein Titel des Herrn, der sich nur bei Paulus findet!), gemäß der Enthüllung* des in äonischen Zeiten verschwiegen wordenen Geheimnisses, 26. das jetzt aber offenbart wurde auch durch prophetische Schriften, gemäß der Anordnung des äonischen Gottes, und bekannt gemacht wurde zum Glaubensgehorsam all den Nationen…

Hier bezeichnet Pauls die von ihm verkündigte Botschaft als sein Evangelium und vollzieht damit eine deutliche Abgrenzung gegenüber anderen Botschaften, die Gott angeordnet hat. Und obwohl sein Evangelium in der Linie der Gesamtoffenbarung der Schriften des AT fußt was die Person, das Leiden und die Auferstehung des Sohnes Gottes betrifft, so ist es doch eine Weiterführung, die Enthüllung eines Geheimnisses, das den Propheten des AT nicht bekannt gemacht wurde. Die Botschaft, die der erhöhte und verherrlichte Herr Paulus gibt, geht weit hinaus über das dem Zwölferkreis Offenbarte (Joh.16,12).

Als Einzigem wird Paulus Einblick gewährt in die endgültigen Ziele Gottes mit Seiner Schöpfung. In diesem Sinn wurde das Wort Gottes durch Paulus vollendet (pleroo; Kol.1,25), auf das Vollmaß gebracht.

*pleroo (hell.): eine nicht vollständige Sache oder Angelegenheit vollständig machen.

Die Briefe des Paulus sind Enthüllung Jesu Christi (Gal.1,12) und in ihrem gesamten Lehrinhalt prophetische Schriften, wie Paulus auch in Röm.16,25-26 bezeugt.

Gal.1,11-12: 11. Ich mache euch aber bekannt, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht gemäß den Menschen ist. 12. Denn ich empfing es weder von einem Menschen, noch wurde ich es gelehrt, sondern durch Enthüllung* Jesu Christi.

*Enthüllung, hell. apokalypsis, meint ein Sichtbarmachen durch Wegnehmen einer Hülle. Es bedarf aber noch des Lichts der Offenbarung, um das Enthüllte zu verstehen.

Paulus war als Gelehrter in den Schriften des AT bestens unterrichtet. Er sagt aber hier, dass er seine Botschaft nicht gelehrt bekommen hat. Worin besteht nun dieses Geheimnis, das Paulus erwähnt? Was war es, das früher nicht bekannt war, nun aber Paulus enthüllt wurde?

Das Evangelium der Regentschaft war kein unbekanntes, kein verschwiegenes Geheimnis, es war das, was bereits den Propheten durch den Heiligen Geist zuvor verheißen, in den prophetischen Schriften des AT festgehalten und Erwartung eines jeden gläubigen Juden war, denn nur ein solcher ist Jude im eigentlichen Sinn, wie Paulus in Röm.2,28-29 und 9,6 beteuert.

Die Regentschaft Gottes hat auch ihre Geheimnisse, die aber innerhalb der prophetischen Schriften des AT verborgen sind, die Verkündigung des Paulus aber ist das Geheimnis, das in äonischen Zeiten in Gott selbst verborgen war. Was ist es? Es ist die Bildung einer Körperschaft, die so eng mit Christus verbunden ist, dass dieses Einssein mit Ihm unter dem Gleichnis eines Leibes (Körpers) dargestellt wird. Dieser Leib soll aus einzelnen vollwertigen Gliedern aus allen Nationen (einschließlich Israel) bestehen. Diese Glieder sind nicht Teil am Ölbaum, sondern Teil des Christus selbst, das, was Ihn vervollständigt (pleroma* tou christou; Eph.4,13).

*pleroma (hell.): eine nicht vollständige Sache oder Angelegenheit vervollständigen. Es ist nicht der Zustand des Voll-Seins an sich damit gemeint, sondern das, was hinzugetan wird, um etwas zu vervollständigen.

Eph.3,3-7: 3. da mir durch Enthüllung das Geheimnis bekannt gemacht wurde, so, wie ich vorher in Kürze schrieb 4. worin ihr als dieses Lesende mein Verständnis in dem Geheimnis des Christos zu erkennen vermögt 5. welches in anderweitigen Generationen den Söhnen der Menschen nicht bekannt gemacht wurde, wie es nun enthüllt wurde seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist 6. dass die Nationen Miterben und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium 7. dessen Diener ich geworden bin…

Eph.3,9: und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses ist, das von den Äonen (Zeitaltern) an verborgen war in Gott

Worin besteht das Geheimnis? Seine Bedeutung wird in dem drei Mal wiederholten Wort syn- (Mit-) zusammengefasst. Es besteht darin, dass die nichtjüdischen Gläubigen ihre Segnungen nicht mehr als Untergeordnete der Beschneidung genießen sollen, wie es Anfangs der Fall gewesen ist, sondern dass sie vielmehr zu derselben Stellung erhoben werden sollen: Im Geist gleichberechtigte Erben, gleichberechtigte Glieder des einen Körpers, gleichgestellte Teilhaber zu sein. Bis dahin war auch noch kein anderes Erbteil offenbart worden als das Messiasreich auf Erden, an dem die Gläubigen aus den Nationen nur als Fremde (Eph.2,12) und Gäste Teil haben konnten. Diese neue Körperschaft aber hat nun ihr aber Erbe in den Überhimmeln, und nicht etwa auf Erden in einem messianischen Reich.

Phil.3,20: Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln

Eph.2,6: …und (Gott) erweckte uns zusammen und ließ uns zusammen Sitz nehmen in den Aufhimmlischen in Christus Jesus…

Eph.1,3: Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christos, der uns segnet mit jedem geistlichen Segen in den Überhimmeln in Christos…

Im Gegensatz hierzu bezeichnet sich Johannes als Mitgenosse an der (irdischen) Regentschaft, also einem Bürgertum auf der Erde:

Offb.1,9: Ich Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Drangsal und der Regentschaft und im Ausharren in Jesus…

Die Scheidewand zwischen den beiden Klassen wurde aufgehoben:

Eph.2,16: …und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte durch das Kreuz…

Die Einheit des Herrn mit Seinem Leib ist so eng, dass sie nicht gelöst werden kann, ohne dass Er sich selbst verleugnet:

2.Tim.2,13: …wenn wir untreu sind – Er bleibt treu, denn Er kann Sich Selbst nicht verleugnen.

Das Bezeugen, dass Jesus der Christus ist, die Erlösung durch Sein Blut, die Auferstehung aus den Toten, auch das praktische Verhalten im Alltag, diese Grundlagen sind in beiden Verkündigungs-Linien gleich. Aber die Gebäude, die auf dieser Grundlage errichtet wurden, sind völlig unterschiedlicher Natur. Die wichtigsten Unterschiede sollen nun im Folgenden näher betrachtet werden:

1. Es wird mit Paulus ein neues Gebäude errichtet:

1.Kor.3,10: Gemäß der Gnade Gottes, die mir gegeben wurde, setzte ich (Paulus) als weiser Architekt (a. Baumeister) den Grund, ein anderer aber baut (dar)auf…

Es wird nicht mehr an dem Haus weitergebaut, dass der Herr in Mt.16,18 auf Petrus gründete, sondern mit Paulus fängt der Herr an, ein neues Gebäude zu errichten.

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Paulus die Offenbarung des Geheimnisses vierzehn Jahre vorher erhalten hatte (2.Kor.12,2), als er bis in den dritten Himmel entrückt wurde. Er wusste um das Geheimnis, ehe er einen seiner Briefe schrieb. Es wäre in hohem Grad verwirrend und unweise gewesen, die gänzlich neue heilsgeschichtliche Verwaltung anzukündigen, während die alte noch in Kraft war. In seinen Briefen führt Paulus die Gläubigen an das Geheimnis heran, im Epheser-, Philipper- und Kolosserbrief führt es sie in seine Fülle hinein.

2. Gemäß Gottes Vorsatz:

War das was Gott mit Paulus nun anfing eine Verlegenheitsaktion, weil Sein auserwähltes Volk Israel sich Ihm widersetzte? Wir sind erstaunt zu erfahren, dass es bereits Gottes Plan war vor dem Niederwurf des Kosmos (ü. Ü. Grundlegung der Welt):

Eph.1,3-4: 3. Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn und Retters (w. Retthüters) Jesus Christus, der uns segnet mit jeder geistlichen Segnung in den Überhimmlischen (Örtern) in Christus, 4. so, wie er uns in Ihm auserwählte vor dem Niederwurf des Kosmos (ü. Ü. Grundlegung der Welt; pro kataboles kosmou), dass wir Heilige und Makellose sind vor seinem Angesicht.

Im Gegensatz dazu ist den Söhnen der Regentschaft (Mt.8,12; 13,38) diese vom Niederwurf des Kosmos an (ü. Ü. Grundlegung der Welt) bereitet:

Mt.25,34: Dann wird der Regent zu denen zu seiner Rechten reden: Kommt herzu, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Losteil der Regentschaft, die euch vom Niederwurf des Kosmos an (bzw. ab Niederwurf; ü. Ü. Grundlegung der Welt; apo kataboles kosmou) bereitet worden ist.

3. Kein Vorzug des Juden mehr vor dem Hellenen:

Während in der Verkündigung der Regentschaft Gottes Israel immer den Vorzug hat, ist das in der späteren Verkündigung des Paulus anders.

Zuerst:

Röm.3,1-2: Was ist nun das Vorrecht des Juden, oder was ist der Nutzen der Beschneidung? Viel in jeder Weise. Denn zuerst wurden sie mit den Wortsetzungen Gottes betraut.

Später dann aber:

Gal.3,28: Nicht ist der Einzelne ein Jude, aber auch nicht Hellene, nicht ist der Einzelne ein Sklave, aber auch nicht Freier, nicht ist der Einzelne männlich, auch nicht weiblich; denn ihr allesamt, ihr seid des Christus Jesus.

Kol.3,11: …wo der einzelne nicht Hellene noch Jude ist, nicht Umschneidung noch Vorhäutigkeit, nicht Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen ist Christus.

Was die Erlösungsbedürftigkeit betraf, waren sowohl Juden als auch Nationen gleichgestellt (Röm.3,23). Was aber die Verheißungen betraf, waren die Juden bevorzugt:

Gal.3,16: Es sind aber die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesagt worden.

Röm.9,3-4: 3. …meine Brüder, meine Verwandten gemäß dem Fleisch, 4. die Israeliten sind, derer der Sohnesstand (w. Sohnessetzung) ist und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung (w. Gesetzessetzung) und der Gottesdienst und die Verheißungen.

Jetzt aber gibt es keinen Vorzug mehr des einen vor dem anderen. Sowohl Juden als auch Nationen, die an Christus glauben, sind gleichwertige Glieder an einem Leib. Das war gewiss ein Unterschied zu 5.Mo.28,13, wo Israel verheißen wurde, Kopf zu sein und nicht Schwanz.

4. Verheißungen nicht an Bewährung geknüpft:

Der Ölbaum ist ein Baum der Verheißung und des Segens. Teil zu bekommen an diesem Baum ist aber auch an Bedingungen geknüpft. Es ist nicht nur der Glaube an den Messias und Sein Erlösungswerk Vorbedingung, sondern auch das Tun von Gerechtigkeit.

Jak.2,24-25: 24. Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. 25. Gleicherweise aber auch die Hure Rahab – wurde sie nicht aus Werken gerechtfertigt, indem sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Wege hinausließ?

Es geht beim Volk Israel, bei den Söhnen der Regentschaft, immer um Glauben UND das Tun von Gerechtigkeit.

Mt.23,23: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Krausemünze und den Anis und den Kümmel, und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Dies hättet ihr tun und jenes nicht lassen sollen!

Am Ölbaum der Verheißung hatten zur Zeit der Verkündigung der Regentschaft naturgemäß Israel, dann aber auch die Nationen Anteil. Beide konnten jedoch bei schlechter Führung auch wieder ausgepfropft werden (Röm.11,20-21). Es war also eine Mitgliedschaft auf Bewährung. Dieser Tatbestand wird seine Aktualität in der Zeit des Millenniums zurückerhalten. Dort können sowohl einzelne Menschen auf Grund von Sünde die Todesstrafe erleiden (Jes.66,24), wie z.B. bei Ananias und Saphira vorgeschattet geschehen, als auch ganze Nationen das Gericht des Ausschlusses von Segnungen erfahren (Sach.14,17). Das ist in Übereinstimmung mit Jesu Wort von der Rebe am Weinstock, welche weggenommen wird, wenn sie keine Frucht bringt (Joh.15,2).

Die Gläubigen heute aber sind so innig mit Christus verbunden, dass dieses Einssein mit Ihm unter dem Gleichnis eines Leibes (Körpers) dargestellt wird. Immer wieder spricht Paulus von den Gliedern des Christus. Diese Leibes-Einheit würde verstümmelt werden, würden einzelne Glieder abgeschnitten werden.

Die sieben Sendschreiben in der Offenbarung, die prophetisch an Herausgerufene in der Zeit der großen Bedrängnis gerichtet sind, haben am Ende jeweils eine Verheißung, die stets an eine Bedingung geknüpft ist. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, wird die Verheißung entzogen. Das bedeutet: Streichung aus der Buchrolle des Lebens, Verlust des Anrechts am Baum des Lebens und evtl. sogar Erleiden des zweiten Todes.

Offb.2,7: Dem Siegenden (hell. nikon) werde Ich vom Baum (w. Holz) des Lebens zu essen geben, das in dem Paradies Gottes ist.

Offb.2,11: Der Siegende (hell. nikon) wird vom zweiten Tod keinesfalls beschädigt werden.

Offb.2,17: Dem Siegenden (hell. nikon) werde Ich aus dem verborgenen Manna geben und einen weißen Kiesel, und auf den Kiesel gesetzt einen neuen, geschrieben wordenen Namen, den nicht einer gewahrt, als nur der, der ihn erhält.

Offb.2,26-28: 26. Und der Siegende (hell. nikon) und wer meine Werke bis zur Vollendung (gemeint ist die Vollendung des Äons, Mt.24,3.13 u.a.) hütet, ihm werde ich Autorität über die Nationen geben 27. und er wird sie hirten mit eisernem Stab, wie die töpfernen Geräte sind sie dann zertrommelt, 28. und werde ihm geben, wie auch ich genommen habe von meinem Vater, und ich werde ihm den Morgenstern geben.

Offb.3,5: Der Siegende (hell. nikon) wird sich mit weißen Gewändern umwerfen, und keinesfalls werde Ich seinen Namen herausstreichen aus der Buchrolle des Lebens, und Ich werde seinen Namen bekennen (w. gleichworten) vor meinem Vater und angesichts Seiner Engel.

Offb.3,12: Den Siegenden (hell. nikon) werde ich zu einer Säule machen im Tempel meines Gottes, und keinesfalls geht er heraus nach draußen, und Ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, die herabsteigt aus dem Himmel von Meinem Gott, und Meinen neuen Namen.

Offb.3,21: Dem Siegenden (hell. nikon) werde ich geben mit Mir Sitz zu nehmen in meinem Thron, wie auch Ich gesiegt und Sitz genommen habe mit Meinem Vater in Seinem Thron.

Über die Glieder des Leibes aber sagt Paulus:

Röm.8,28-39: 28. Wir aber wissen, dass Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten zusammenwirkt – denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind. 29. Denn die er zuvor erkannte, die hat Er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei. 30. Die Er aber vorherbestimmt, diese beruft Er auch; und die Er beruft, diese rechtfertigt Er auch; die Er aber rechtfertigt, die verherrlicht Er auch. 31. Was wollen wir nun dazu vorbringen? Wenn Gott für uns ist, wer kann wieder uns sein? 32. Er, der doch Seinen eigenen Sohn nicht verschonte, sondern Ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte Er uns nicht auch mit Ihm dies alles in Gnaden gewähren? 33. Wer wird gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Etwa Gott, der Rechtfertiger? 34. Wer sollte sie verurteilen? Etwa Christus Jesus, der gestorben, ja vielmehr auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet? 35. Was wird uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist? Drangsal oder Druck und Verfolgung, Hunger oder Blöße, Gefahr oder Schwert? 36. So wie geschrieben steht: Deinetwegen werden wir den ganzen Tag zu Tode gebracht, wie zu den Schlachtschafen werden wir gerechnet. 37. Jedoch, in diesen allen übersiegen (hell. hypernikomen) wir durch den uns Liebenden. 38. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Anfangseiende (hell. archae), weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Vermögenskräfte (hell. dynameis), 39. weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Erschaffenes uns zu trennen vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Die Glieder des Leibes werden auf Grund der Liebe des Christus zu mehr als Siegern gemacht, sie sind Über(hyper)sieger (Vers 37). Ihnen ist bereits alles geschenkt (Vers 32). Die Erfüllung ihrer Bestimmung ist nicht an das Halten von Werken der Gerechtigkeit geknüpft, sondern Gott selbst ist der Garant dafür, dass sie auch das sein werden, wozu Er sie bestimmt hat, nämlich Träger des Bilder Seines Sohnes (Verse 29 und 30).

In den Sendschreiben ist das dominierende Wort Werke. Ich kenne deine Werke… lesen wir siebenmal (z.B. Offb.2,2). Da heißt es: Tue die ersten Werke… (Offb.2,5), Wer meine Werke bewahrt… (Offb.2,26), Ich habe deine Werke nicht als vervollständigt gefunden in den Augen meines Gottes… (Offb.3,2), Tue…!. Das Wort Gnade kommt in der Offenbarung nur zweimal vor!

Auch bei Jakobus, der an die zwölf Stämme in der Diaspora schreibt (Jak.1,1), heißt es:

Jak.2,24: Ihr seht also, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.

Jak.2,14: Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Nicht vermag der Glaube (allein) ihn zu retten.

Auch Paulus schreibt über die Rechtfertigung – von Werken hören wir bei ihm jedoch nichts! Seine Botschaft ist ohne die Verkündigung der bedingungslosen Gnade überhaupt nicht denkbar. Paulus ist es und kein anderer, der das Evangelium der Gnade Gottes (Apg.20,24) ins Zentrum Seiner Verkündigung stellt.

Röm.3,28: Denn wir rechnen damit, dass der Mensch gerechtfertigt wird im Glauben, ohne Werke des Gesetzes. (Man vergleiche diese Aussage mit Jak.2,24!)

Röm.4,4-6: 4. Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit. 5. Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. 6. Gleichwie auch David über die Glückseligkeit des Menschen sagt, welchem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet…

Eph.2,8-9: 8. Denn in der Gnade seid ihr gerettet worden, durch Glauben, und dies nicht aus euch, sondern Gottes Gabe ist es, 9. nicht aus Werken, damit sich niemand rühme.

Phil.1,29: Da euch in Bezug auf Christus die Gnade gewährt wurde, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden… (Selbst der Glaube an Christus ist kein eigener Verdienst, sondern vorauswirkende Gnade.)

Röm.5,17: …werden die, die das Übermaß der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit erhalten, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christos!

Röm.3,24: …und werden umsonst (i. S. v. geschenkt) gerechtfertigt in Seiner Gnade, durch die Erlösung, die in Christos Jesu ist…

Röm.11,6: Wenn aber in Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.

Nichts hat die christliche Lehre mehr entstellt, als der von vielen angenommene Lehrsatz, man könne seine Bestimmung in Christus verfehlen indem man seinen Glauben verliert oder aus der Gnade fällt. Wenn ein Mensch Kraft seines eigenen Willens Teil des Leibes Christi werden könne, so könne er auch im nächsten Augenblick Kraft desselben Willens wieder ein Sklave Satans werden. Aber ebenso wenig wie ein Mensch durch die Wirkung seines eigenen Willens (Joh.1,13) Teil des Leibes Christi werden kann, so kann auch kein Mensch das Verhältnis aufheben, welches Christus Selbst gegründet und aufgerichtet hat.

5. Unterschiedliche Berufungen:

Über Israel lesen wir:

5.Mo.28,1: Und es wird geschehen, wenn du der Stimme JHWHs, deines Gottes, gehorchst, dass du alle seine Gebote tust, die ich dir heute gebiete, so wird dich JHWH, dein Gott (w. Elohim) als Oberste setzen über alle Nationen des Erdlands…

5.Mo.28,9-10: 9. JHWH bestätigt dich als ein heiliges Volk für sich, wie Er dir geschworen hat, wenn du die Gebote JHWHs, deines Gottes (w. Elohim), hütest und wandelst in Seinen Wegen. Und alle Völker der Erde werden sehen, dass der Name JHWHs über dich ausgerufen ist und werden sich vor dir fürchten.

5.Mo.26,18-19: 18. Und JHWH hat dir heute sagen lassen, dass du Ihm ein Eigentumsvolk wirst, so wie Er zu dir geredet hat, und dass du alle seine Gebote hütest; 19. und dass Er dich als Oberste setzt über alle Nationen, die er gemacht hat, zum Lob und zum Namen und zum Schmuck; und dass du JHWH, deinem Gott (w. Elohim), ein heiliges Volk wirst, so wie er geredet hat.

Mt.19,28: Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiederwerdung, wenn der Sohn des Menschen sitzen wird auf Seinem Thron der Herrlichkeit, auf zwölf Thronen sitzen und richten die zwölf Stämme Israels.

Offb.2,26-28: 26. Und der Siegende (hell. nikon; o. Überwinder) und wer meine Werke bis zur Vollendung (gemeint ist die Vollendung dieses Zeitalters/ Äons, Mt.24,3.13 u.a.) hütet, ihm werde ich Autorität über die Nationen geben 27. und er wird sie hirten mit eisernem Stab, wie die töpfernen Geräte zertrommelt werden, 28. und werde ihm geben, wie auch Ich genommen habe von meinem Vater, und Ich werde ihm den Morgenstern geben.

Mt.5,5: Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdland erlosen. [Ps.37,9.11]

Hat die Körperschaft des Christus die Stellung einer heiligen Nation? Hat sie den Auftrag, das Erdland zu erben oder über die Nationen zu regieren? Nein, aber Israel! Das gläubige Israel wird über das ungläubige zu Gericht sitzen und über die Nationen im kommenden Millennium mit strenger, unbeugsamer Gerechtigkeit regieren wird. Wir sehen hier Israel als Darstellerin der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Der Ort des Geschehens ist die Erde.

Über den Leib Christi aber lesen wir:

Eph.2,5-6: …machte Er uns zusammen mit dem Christus lebendig, in der Gnade seid ihr gerettet worden, und erweckte uns zusammen und ließ uns zusammen Sitz nehmen in den Überhimmlischen (Örtern) in Christus Jesus, um in den kommenden Äonen den übertreibenden Reichtum Seiner Gnade in Milde an uns in Christus Jesus zur Schau zu stellen.

Hier erfahren wir, dass der Leib Christi ein Demonstrationsobjekt der Gnade in den kommenden Zeitaltern/ Äonen sein wird. Der Ort, der dieser Körperschaft zugedacht ist, befindet sich in den Überhimmeln, zusammen mit Christus.

Eph.1,5-6: 5. In Liebe hat Er uns für Sich zum Sohnesstand in Christus Jesus vorherbestimmt, nach dem Wohlgefallen Seines Willens, 6. zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade

Wenn Israel die Demonstration von Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit ist, so ist der Leib Christi die Demonstration der Gnade Gottes per se.

Die Erwählung des Leibes Christi vor Niederwurf des Kosmos (ü. Ü. Grundlegung der Welt) als einer Körperschaft der reinen Gnade entspringt Gottes innerstem Wesenskern und Herzenswunsch. Das ist es auch, worin all Sein Gerichts-Handeln letzten Endes zielt und mündet: hinein in Gnade!

Israel ist das Weib JHWHs. Das zeigt nicht nur das Alte Testament an vielen Stellen, sondern auch Jesus thematisiert in Seinen Gleichnissen oft das Thema Hochzeit und sprach dabei zum Volk Israel. Darüber hinaus lesen wir auch im vorletzten Kapitel der Bibel, Offb.21,9–14. Ich will dir die Braut, das Weib des Lammes zeigen. Und dann folgt nicht etwa ein Hinweis auf den Leib Christi, sondern auf die heilige Stadt Jerusalem, die 12 Tore, an den Toren 12 Engel und die Namen der 12 Stämme Israels an den Toren geschrieben hat, während auf den Stadtmauern die Namen der 12 (jüdischen) Apostel des Lammes stehen.

Der Leib Christi aber wird nirgendwo die Braut oder das Weib des Lammes genannt, sie wird nur mit einem Weib oder einer keuschen Braut verglichen (2.Kor.11,2; Eph.5,22–33). Und natürlich passt dieses Bild sehr gut, wenn die Hingabe und Unterordnung des einzelnen an den Christus abgebildet werden soll.

Der Leib Christi als Gesamtes wird männlich und nicht weiblich gesehen:

Eph.4,13: …bis wir alle hineingelangen in die Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, in den vollendungsgemäßen Mann, in das Maß des voll ausgewachsenen Leibes der Vervollständigung des Christus…

Dieser durch Seine Glieder vervollständigte Christus ist es, der sich im kommenden Zeitalter mit Seiner Braut Israel vermählen wird, die, nach der Entrückung des Leibes Christi, in der Drangsalszeit ihren Messias erkennen wird!

Der Leib Christi heute ist nicht das geistige Israel, das Anstatt-Israel, wie heute oft gelehrt wird, denn Gott hat Seine Pläne mit Israel nicht aufgegeben. Zu gegebener Zeit wird Er sie wieder aufgreifen und Seine Verheißungen an Seinem auserwählten Volk in buchstäblicher Weise erfüllen.

FAZIT:

Die mangelnde Unterscheidung der beiden Verkündigungslinien, nämlich die Auserwählung als Sohn der Regentschaft oder als Teil des Christus, hat viel Verwirrung und Streitigkeiten unter den Christen verursacht und war der Anlass zur Gründung zahlreicher Sekten.

Das Resultat dieses Missverständnisses ist Werksgerechtigkeit (vielleicht das gravierendste von allen), die Inanspruchnahme von Verheißungen und Erwartungen, die der Regentschafts-Verkündigung gelten, das Beachten des Zehnten, das Halten von jüdischen Festzeiten und Sabbaten, das (teilweise) Halten der mosaischen Speisevorschriften.

Die Zeugen Jehovas mit der Königreichserwartung und dem Halten von Speisevorschriften, die Sieben-Tags-Adventisten, die den Sabbat beachten und sich an Speisevorschriften des mosaischen Gesetzes halten, auch die katholische Kirche, die immer noch meint, Petrus sei das Fundament des Leibes Christi, die Pfingstbewegung, die in diesem Fest ihre Wurzeln wähnt oder Gemeinden mit charismatischer Ausrichtung, die auf große Erweckungen und Ausgießungen des Heiligen Geistes warten und sich dabei auf den Propheten Joel berufen, sind Beispiele von heute für die mangelnde Unterscheidung dieser zwei wichtigen Verkündigungs-Linien der Schrift.

Immer wieder warnt Paulus in Seinen Briefen vor dem Zurückfallen ins Denken des Gesetzes:

Kol.2,20-22: 20. Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Dogmen, wie in der Welt Lebende? 21. Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht! 22. (Dinge, welche alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind) gemäß den Geboten und Lehren der Menschen…

Gal.4,19.21: 19. Meine Kindlein, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch gestaltet werde… 21. …die ihr unter Gesetz sein wollt

Gal.5,4-5: 4. Heraburwirksam gemacht (hell. katargeo) wurdet ihr, weg von Christos (ihr seid enthoben von Christos), so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werdet; ihr fielt aus der Gnade. 5. Denn wir erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.

Gal.5,3: Ich bezeuge aber nochmals jedem Menschen, der beschnitten wird, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.

Auf die Frage: Wie werde ich errettet? Wie werde ich gerecht vor Gott? spricht Paulus ein scharfes Nein zu unseren Werken aus (Röm.3,20; 3,28; Eph.2,8-9; 2.Tim.1,9); auf die Frage aber: Wie soll ich als Erretteter leben? finden wir bei Paulus ein betontes Ja zu guten Werken (Eph.2,10; 2.Kor.9, 8; Kol.1,10; Tit.2,14 und 3,14).

Man könnte den Unterschied auch so umreißen: Auf dem Boden des Gesetzes tut der Mensch gute Werke, um Heil und Leben zu erlangen; auf dem Boden des Evangeliums des Paulus tut er gute Werke, weil er Heil und Leben umsonst, geschenkweise erhielt.

Wir werden ohne Werke errettet allein durch Glauben und Gnade. Gnade ist die sich zu uns herabbeugende Gunst des großen Gottes. Glaube ist dasjenige Organ des Menschen, das die göttlichen, geistlichen Gaben erkennt und annimmt – die geöffnete Hand, das Gott zugewandte Herz. Dabei wäre es falsch, zu meinen, die Gnade sei Gottes Werk und der Glaube das unsere. Nein, auch der Glaube ist göttliches Geschenk.

Nicht aus Werken, wohl aber z u guten Werken sind wir nach Eph.2,8-10 errettet. Damit ist die Rolle, die die Werke im Christenleben spielen sollen, nach beiden Seiten unmissverständlich klargelegt.

Der Sohn Gottes

Der Sohn als Offenbarungsträger des Vaters

Joh.1,18: Niemand hat Gott jemals gesehen…

Joh.4,24: Gott ist Geist…

I. Der Sohn vor der Fleischwerdung

Spr.8,22-23.30: 22. JHWH besaß mich im Anfang Seines Weges, als Vorderes Seiner Werke (w. Gewirkten) damals. 23. Vom Äon an bin ich eingesetzt, von Anbeginn (w. Hauptschaft) an, von den Vorzeiten des Erdlands an. 30. da stand ich Ihm als Werkmeister zur Seite und wurde zu Erquickungen Tag um Tag, mich erheiternd vor Seinem Angesicht allezeit.

Mi.5,1: Und du, Bethlehem1 Ephrata2, zu klein, um unter den Tausendschaften von Juda zu sein, aus dir wird mir herausgehen der Herrscher über Israel sein soll; seine Herausgehungen (wiederholtes Herausgehen; Elb. seine Ausgänge) sind von der Vorzeit, von den Tagen des Äons an.

Joh.17,5: Und nun verherrliche Du, Vater, mich bei Dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war.

1. Bejit Lechem – Haus des Brotes

2 der Ort an dem Rahel ihren Sohn Benjamin gebar und starb, Gen.35,16-20

Sein unveränderliches Wesen

Das Wort (ο λογος/ ho logos)

Joh.1,1-3.14.18: 1. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei/ mit/ zu Gott hingewandt, und Gott war das Wort (εν αρχη ην ο λογος και ο λογος ην προς τον θεον και θεος ην ο λογος). 2. Dieses war im Anfang bei/ mit/ zu Gott hingewandt. 3. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 14. Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns und wir schauten Seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit als des Einziggewordenen (μονογενους) vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 18. Niemand hat Gott jemals gesehen; der einziggewordene Sohn (μονογενης υιος), der in der Leibesbucht des Vaters ist, Der hat Ihn kundgemacht.

Der Text will nicht aussagen, Jesus sei etwa DURCH das Wort Gottes in Maria erschaffen worden, sondern Jesus wird hier mit dem Wort selbst identifiziert. Das Wort ist der vollständige Ausdruck eines Gedankens (= geistiger Inhalt). Der Sohn ist der vollständige Ausdruck des Vaters (= Geist). Das Wort ist Teil von/ aus Gott, repräsentiert und bringt seine Absichten zum Ausdruck.

Das Wort Gottes (ο λογος του θεου/ ho logos tou theou)

Offb.19,13: …und Er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewande, und sein Name heißt: Das Wort Gottes.

Der einziggewordene Sohn/ Der einziggewordene Gott (ο μονογενης υιος/ ho monogenes hyios – ο μονογενης θεος/ ho monogenes theos)

Joh.1,14.18: 14. Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns und wir schauten seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit als des Einziggewordenen (μονογενους) vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 18. Niemand hat Gott jemals gesehen; der einziggewordene Sohn (o μονογενης υιος)/ der einziggewordene Gott (ο μονογενης θεος), der in des Vaters Schoß ist, der macht ihn kund.

Für diesen Text gibt es verschiedene Lesarten: „einziggewordener Sohn“ oder „einziggewordener Gott“ (z.B. die aramäischen Manuskripte). Welche man auch favorisieren mag, fest steht, dass der hier mit „einziggewordener“ Genannte einzig in seiner Art sein muss.

Gestalt Gottes (μορφη θεου/ morphe theou)

Phil.2,5-8: Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus ,er, der in Gestalt Gottes (εν μορφη θεου, Form Gottes) das Übereinssein/ die Übereinstimmung mit Gott (το ειναι ισα θεω) nicht wie einen Raub festhielt, sondern sich selber entleerte, Gestalt eines Sklaven annahm, in Art und Weise wie ein Mensch befunden wurde, sich selber erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod…

Da Gott keine Gestalt hat, sondern Geist ist, verstehe ich den Text so, dass Gott sich von jeher im Sohn manifestierte, also Gestalt annahm, um mit den Geschöpfen in Kontakt zu treten.

Bild Gottes (εικων του θεου/ eikon tou theou)

Kol.1,15: …der das Bild (Abbild, Ebenbild) Gottes ist, des Unsichtbaren…

Abstrahlung der Herrlichkeit (απαυγασμα της δοξης/ apaugasma tes doxes)

Hebr.1,3: …der die Abstrahlung (Ausstrahlung, Abglanz) der Herrlichkeit (απαυγασμα της δοξης) ist und der Abdruck Seines Wesens (χαρακτηρ της υποστασεως αυτου)

Jesus trug während Seines irdischen Daseins im Fleisch nicht die Herrlichkeit Gottes:

Jes.53,2-3: 2. Und er ist wie ein Reis vor ihm aufgeschossen, und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte nichts Ansehnliches und keinen Prunk, dass wir ihn ansahen und kein Aussehen, dass wir ihn begehrten. 3. Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt; er war verachtet, und wir haben ihn für nichts gerechnet.

Ps.22,7-8: 7. Ich aber bin ein Wurm und nicht ein Mann, Schmach der Menschen und Verachteter des Volkes. 8. Alle, die mich sehen, spotten meiner; sie reißen die Lippen auf, schütteln den Kopf.

Er hat sich einigen Seiner Jünger nur ein einziges Mal in verherrlichter Form gezeigt:

Lk.9,32: Petrus aber und die mit ihm waren, waren beschwert vom Schlaf; als sie aber völlig aufgewacht waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, welche bei ihm standen.

Sein zweites Kommen wird allerdings in Herrlichkeit sein:

Mk.8,38: …wenn er kommen wird in der Herrlichkeit Seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Mk.13,26: Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit.

Joh.17,5: Und nun verherrliche Du, Vater, mich bei Dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war.

Abdruck Seiner Hypostasis (χαρακτηρ της υποστασεως αυτου/ charakter tes hypostaseos autou) – Abdruck Seiner Substanz, Seiner Essenz

Hebr.1,3: …der die Abstrahlung (Ausstrahlung, Abglanz) der Herrlichkeit (απαυγασμα της δοξης) ist und der Abdruck Seines Wesens (χαρακτηρ της υποστασεως αυτου)

Die Übereinstimmung mit Gott (ισα Θεω/ isa theo) – gleich in Qualität oder Quantität

Phil.2,5-8: 5. Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus, 6. Er, der in Gestalt Gottes (εν μορφη θεου, Form Gottes) das Übereinssein/ die Übereinstimmung mit Gott (το ειναι ισα θεω) nicht wie einen Raub festhielt, 7. sondern sich selber entleerte, Gestalt eines Sklaven annahm, in Art und Weise wie ein Mensch befunden wurde, 8. sich selber erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod…

Die Übereinstimmung mit Gott als ursprünglicher Besitz ist Voraussetzung der Selbsterniedrigung, die Er vollzieht.

Die gesamte Fülle/ Vervollständigung der Gottheit (παν το πληρωμα της θεοτητος/ pan to pleroma tes theotetos)

Kol.2,9: …da in Ihm die gesamte Fülle (wörtl. Vervollständigung) der Gottheit leiblich wohnt…

Kol.1,19: … denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle (wörtl. Vervollständigung), in ihm zu wohnen…

Gott (ο θεος/ ho theos)

Hebr.1,8-10: 8. Aber zu dem Sohn sagt Er: Dein Thron, o Gott (ο θεος), ist hinein in den Äon des Äons. Und: Der Stab der Geradheit ist der Stab Deiner Regentschaft. 9. Du liebst Gerechtigkeit und hasst Gesetzlosigkeit, deshalb salbte dich o Gott, Dein Gott mit Öl des Frohlockens neben (im Unterschied zu) Deinen Genossen. (Ps.45,7-8) 10. Und: „Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände…“ (Ps.102,26)

Der Sohn ist kein zweiter Gott, sondern vielmehr das Abbild des unsichtbaren Gottes, das Seine Herrlichkeit ausstrahlt und Sein Wesen ausprägt. Der Ausdruck „Außer mir gibt es keinen Gott“ in Jes.44,6 widerspricht nicht dem Einssein Gottes, denn Jesus ist nicht außerhalb von Gott, sondern ER IST IN GOTT, im Vater und der Vater ist in Ihm (Joh.10,38)!

II. Während Seines irdischen Daseins im Fleisch

 

Seine Namen und Titel vor Seiner Auferstehung

  • Sohn Gottes (υιος θεου/ hyios theou) (z.B. Lk.1,35)
  • Sohn des Menschen/ Adams (υιος του ανθρωπου – hyios tou antropou) (z.B. Mt.9,6)
  • Jesus (Jahuschua, JHWH-Retter) (ιησους – iesous), der von Verfehlungen rettet (Mt.1,21)
  • Der Heiland/ der Retter (σωτηρ – soter) (Lk.2,11)
  • Urheber und Retter (αρχηγον και σωτηρα – archegon kai sotera) (Apg.5,31)
  • Emmanu-El, „Mit uns ist EL“ (εμμανουηλ, μεθ ημων ο θεος – Emmanuel, meth emnos ho theos) (Mt.1,23)
  • Messias/ Christos, Gesalbter (o μεσσιας, o χριστος – ho messias, ho christos)
  • Rabbi, Lehrer (ραββει – rabbei)
  • Das Lamm Gottes (ο αμνος του θεου – ho amnos tou theou), das die Verfehlung der Welt enthebt (Joh.1,29)
  • König Israels (ο βασιλευς ει του ισραηλ – ho basileus ei tou israel) (Joh.1,49)
  • Herr des Sabbats (κυριος του σαββατου – kyrios tou sabbatou) (z.B. Lk.6,5)
  • Der ideale Hirte (ο ποιμην ο καλος – ho poimen ho kalos) (Joh.10,11)

Er ist außerdem:

  • das lebendige Brot Gottes aus dem Himmel; das Brot des Lebens (Joh.6,33.35.51)
  • der tränkende Fels (1.Kor.10,5)
  • der Geber des lebendigen Wassers; der Geber des Wassers des Lebens (Joh.4,10; Offb.21,6)
  • das Licht der Welt (Joh.8,12)
  • die Auferstehung (Joh.11,25)
  • das Leben (Joh.11,25; Joh.14,6)
  • die Wahrheit (Joh.14,6)
  • die Tür zum Vater (Joh.10,9)
  • der Weg (Joh.14,6)
  • das Heil/ die Rettung (σωτηριον – soterion) für alle Völker
  • der Abraham verheißene Same (Einzahl!) (Gal.3,16)

Des Weiteren:

  • wurde Ihm alle Autorität im Himmel und auf Erden gegeben (Mt.28,18)
  • sind die Dämonen untertan in Seinem Namen (Lk.10,17)
  • gehorchen Ihm Wind und Meer (Mk.4,41)
  • hat Er Autorität auf der Erde, Verfehlungen zu erlassen (Mk.2,10)
  • sind Seine Reden Geist und Leben (Joh.6,63)

Seine Namen und Titel nach Seiner Auferstehung

Der Erstgeborene aus den Toten (ο πρωτοτοκος των νεκρων/ ho prototokos ton nekron) – wörtl. der Vorher-Geborene

Offb.1,5: und von Jesus Christus, welcher der treue Zeuge ist, der Erstgeborene aus den Toten

Der Erstgeborene unter vielen Brüdern

Röm.8,29: Denn welche Er zuvor erkannt hat, die hat Er auch zuvor bestimmt, dem Bild Seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

Der Erstgeborene alljedes Erschaffenen (πρωτοτοκος πασης κτισεως – prototokos pases ktiseos)

Kol.1,15-18: 15. der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene alljedes Erschaffenen (πρωτοτοκος πασης κτισεως).

Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit

1.Kor.1,24: Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit

Christus Jesus – unsere Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Freilösung (χριστoς ιησους – σοφια, δικαιοσυνη, αγιασμος, απολυτρωσις – christos iesus – sophia, dikaiosyne, hagiasmos, apolutrosis)

1.Kor.1,30: Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns als Weisheit gemacht wurde von Gott und als Gerechtigkeit, außerdem auch Heiligung und Freilösung.

Jer.23,6: …dies wird Sein Name sein, mit dem man Ihn nennen wird: JHWH, unsere Gerechtigkeit.

Das Geheimnis Gottes, Christus (o μυστηριoν του θεου, χριστος – ho mysterion tou theou, christos)

Kol.2,2-3: 2. …zu allem Reichtum der Vollgewissheit des Verständnisses in Erkenntnis des Geheimnisses des Gott-Vaters, Christus, 3. in welchem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

III. Nach Seiner Himmelfahrt

  • Christus Jesus (der Titel Seiner Erhöhung, nur bei Paulus als Abgrenzung zu Jesus Christus und dem Evangelium der Beschneidung) (z.B. 1.Kor.1,30)
  • Hohepriester (Hebr.5,5)
  • Mittler Gottes und der Menschen (μεσιτης θεου και ανθρωπων – mesites theou kai anthropon) (1.Tim.2,5)
  • Versöhner Gottes und der Menschen (z.B. Kol.1,21)
  • Haupt der Herausgerufenen, die Sein Leib ist (Eph.1,22; Kol.1,18)
  • Herr der Herren (Offb.19,16)
  • Regent der Regenten (Offb.19,16)
  • Herr (κυριος – kyrios) (Apg.2,36)
  • Richter (Joh.5,22; Apg.10,42; 2.Kor.5,10)
  • Alpha und Omega, Erster und Letzter, Anfang und Vollendung (Offb.22,13)
  • Der Lebendige (Offb.1,17)
  • Anfang der Schöpfung Gottes (a. L. Anfang der Herausgerufenen Gottes) (αρχη της κτισεως του θεου – arche tes ktiseos tou theou) (Offb.3,14)
  • Der AMEN, der treue und wahrhaftige Zeuge (ο αμην ο μαρτυς ο πιστος και αληθινος – ho amen ho martys ho pistos kai alethinos) (Offb.3,14)

Außerdem:

  • hat Er im Anfang das Erdland gegründet und die Himmel sind Seiner Hände Werk (Hebr.1,10)
  • ist alles (das Sichtbare und Unsichtbare, das auf dem Erdland und das in den Himmeln) durch Ihn und für Ihn erschaffen (Kol.1,16)
  • hat Gott durch Ihn die Zeitalter (Äonen) gemacht (Hebr.1,2)
  • ist Ihm alles unterworfen worden (1.Kor.15,27)
  • trägt Er alles durch seine machtvolle Proklamation (Hebr.1,3)

Die gemeinsamen Namen und Titel von Vater und Sohn

Stellen, die sich im Alten Testament auf JHWH, im Neuen Testament jedoch auf Jesus beziehen:

Jes.45,22-24: …ich bin EL und keiner sonst. Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören und sagen: Nur in JHWH… sind Rechtfertigung und Stärke.
Phil.2,9-11: Darum hat Gott Ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesus jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen und jede Zunge bekenne, dass Jesus Herr (kyrios) ist, zur Ehre Gottes des Vaters.

Jes.33,22: Denn JHWH ist unser Richter, JHWH ist unser Gesetzgeber, JHWH ist unser Regent, er, er wird uns retten.
Apg.10,42: …dass er der von Gott verordnete Richter der Lebenden und der Toten ist.
Joh.5,22: Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.

Jes.43,11: Ich, ich bin JHWH, und außer mir ist kein Retter.
Jes.44,6: So spricht JHWH, der Regent Israels und sein Erlöser, JHWH der Heere: Ich bin der Erste und ich bin der Letzte und außer mir ist kein Elohim.
Lk.2,11: Denn euch ist heute der Retter geboren, welcher ist Christus der Herr.
Apg.4,12: Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen.
1.Joh.4,14: Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt.
Joh.4,42: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Retter der Welt ist.

Sach.14,5: Und es kommt JHWH, mein Elohim, ja alle Heiligen kommen mit dir.
1.Thess.3,13: …bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.

Dan.3,32-33: 32. Es hat mir gefallen, die Zeichen und Wunder kundzutun, welche Elah, der Höchste, an mir getan hat. 33. Wie meisterlich sind Seine Zeichen und wie mächtig Seine Wunder! Seine Regentschaft ist eine äonische Regentschaft, und Seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht.
2.Petr.1,11: Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in die äonische Regentschaft unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.

Jes.40,9-11: 9. Siehe da: Euer Elohim! 10. Da! JHWH, mein Herr, in Kraft kommt Er, und sein Arm ist Herrscher für ihn. Da! Sein Lohn ist mit ihm und sein Erworbenes ihm angesichts. 11. Wie ein Hirte hirtet Er Seine Herde, mit seinem Arm schart Er die Lämmlein, und in seinem Bauschigen trägt Er sie, Kindersäugende lenkt Er.
Ps.23,1: JHWH ist mein Hirte, nicht habe ich Mangel.
Hes.34,15: Ich, ich hirte mein Kleinvieh, und ich, ich lasse sie lagern, spricht JHWH, mein Herr.
Joh.10,11: Ich bin der gute Hirte
Joh.10,16: Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein.
Joh.10,27: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir und ich gebe ihnen äonisches Leben…
Hebr.13,20: Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat…

Jer.17,10: Ich, JHWH, bin Untersucher des Herzens, Prüfer der Nieren, um jedermann zu geben gemäß seinem Weg, gemäß der Frucht seiner Handlungen.
Offb.2,23: …und alle Versammlungen werden erkennen, dass ich, ja ich, der die Nieren und Herzen Erforschende bin und ich werde euch geben, einem jeglichen gemäß euren Werken.

Ps.16,2: Ich habe zu JHWH gesagt: Du bist mein Herr (hebr. Adonai, eine Mehrzahlform)…
1.Kor.8,6: …so ist doch für uns ein Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind… und ein Herr (kyrios), Jesus Christus, durch den alle Dinge sind
(Wenn alle geschaffenen Dinge durch Jesus geschaffen wurden, so kann er selbst kein Geschöpf sein.)

5.Mose 10,17: Denn der JHWH, euer Elohim, er ist der Elohim der Elohim und der Herr der Herren, der EL, der große, mächtige und gefürchtete…
Ps.136,1-3: Danket JHWH, denn gut ist es, denn für äonisch ist seine Güte. Danket dem Elohim der Elohim, denn für äonisch ist seine Güte. Danket dem Herrn der Herren, denn für äonisch ist seine Güte.
Dan.2,47: In Wahrheit, euer Elah, er ist Elah der Elahin und Herr der Regenten.
Offb.17,14: …und das Lamm wird sie überwinden; denn es ist Herr der Herren und Regent der Regenten
Offb.19,16: Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: Regent der Regenten und Herr der Herren.

Jes.44,6: So spricht JHWH, der Regent Israels und sein Erlöser, JHWH der Heere…
Joh.1,49: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der Regent Israels.

Sach.2,14: Jubele und freue dich, Tochter Zion! Denn siehe, Ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht JHWH.
Offb.1,8: Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt (es scheint die übersetzte Variante des Gottesnamens JHWH zu sein) der Allhaltende.
Offb.1,4-5: Gnade euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt… und von Jesus Christus…
Offb.1,7: Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben….
Offb.1,17-18: Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Äon zu Äon und habe die Schlüssel des Todes und des Hades.
Offb.22,12-13: Siehe, ich komme bald… Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und die Vollendung.
Offb.22,20: Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen, komm, Herr Jesus!

Jes.44,6: So spricht JHWH, der Regent Israels und sein Erlöser, JHWH der Heere: Ich bin der Erste und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Elohim. (s.a. Hiob 19,25).
Jes.41,4: Der Rufer die Generationen von Anbeginn, ich, JHWH, bin der Erste
Jes.48,12: Höre auf mich, Jakob, und Israel, mein Berufener! Ich bin, der da ist, ich der Erste, ich auch der Letzte.
Offb.1,17-18: …Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe ich bin lebendig von Äon zu Äon… (s.a. Offb.2,8)

2.Mose 3,14: Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin….Du sollst zu den Söhnen Israel sagen. Der ‘Ich bin’ hat mich zu euch gesandt.
Joh.8,58: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen.
Joh.18,4-6: …Wen sucht ihr?… Jesus den Nazoräer. Er spricht zu ihnen: Ich bin es… Als er nun zu ihnen sagte: Ich bin es, wichen sie zurück und fielen zu Boden.

Ps.45,7-8: 7. Dein Thron, Elohim, besteht für den Äon weiterhin, ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deiner Regentschaft. 8. Du liebst Gerechtigkeit und hasst Gesetzlosigkeit, darum salbte dich, Elohim, dein Elohim mit Öl der Wonne, mehr als deine Verbündeten.
Hebr.1,8-9: 8. Dein Thron, o Gott, ist für den Äon des Äons, und ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deiner Regentschaft. 9. Du liebst Gerechtigkeit und hasst Ungerechtigkeit, deshalb salbte dich, o Gott, dein Gott mit Öl des Frohlockens mehr als deine Genossen.

Ps.33,6: Durch JHWHs Wort sind die Himmel gemacht, und all ihr Heer durch den Geistwind seines Mundes.
Hebr.1,2: …spricht Er am letzten dieser Tage zu uns im Sohn, den Er zum Erben von allem gesetzt und durch den Er auch die Äonen (Zeitalter) gemacht hat.
Hebr.1,10-12: 10. Und: Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke Deiner Hände; 11. sie werden untergehen, Du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Kleid, 12. und wie ein Gewand wirst Du sie zusammenwickeln, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen. (in Folge von Vers 7 „in Bezug auf den Sohn aber…“)
Hebr.13,8: Jesus Christus, gestern und heute, derselbe auch für die Äonen.
(Der Sohn als das Wort JHWH’s ist Sein ewiger Besitz. Gott hat sein eigenes Wort und seine Weisheit nicht geschaffen, sie sind sein ewiger Besitz.)

5.Mo.32,3-4: 3. Denn den Namen JHWH rufe ich aus: Gewähret Größe unserem Elohim! 4. Der Fels makellos ist sein Wirken, denn all Seine Wege sind Gerechtigkeit; ein EL der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist Er.
1.Kor.10,5: …und alle denselben geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete, der Fels aber war der Christus.

Ps.47,3.8-9: 3. Denn JHWH, der Oberste, ist gefürchtet, der große Regent über all das Erdland. 8. Denn Regent all des Erdlands ist Elohim… 9. Elohim regiert über die Nationen, Elohim hat Sitz auf Seinem heiligen Thron.
Sach.14,9: Und JHWH wird zum Regenten über all das Erdland; an jenem Tag wird JHWH Einer sein und sein Name Einer.
Offb.11,15: Es wurde die Regentschaft der Welt unseres Herrn und seines Christus und Er wird regieren hinein in die Äonen der Äonen. Amen.
Offb.22,1: Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens… der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes. (Der Thron Gottes ist auch der Thron des Lammes)

Wie viel Ehre gebührt Jesus Christus? Dürfen Bitten und Lobpreis an Ihn gerichtet werden?

Joh.5,23: …damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht…

Apg.7,59-60: Und sie steinigten den Stephanus, der betete (anrief) und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!

Apg.9,10.13-17: Es war ein Jünger in Damaskus… und der Herr sprach zu ihm in einer Erscheinung… Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. Und hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu binden, die deinen Namen anrufen. Der Herr aber sprach: Geh hin! Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen… Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss… Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus

Apg.9,20-21: Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes ist. Alle aber, die es hörten, gerieten außer sich und sagten: Ist dieser nicht der, welcher in Jerusalem die zugrunde richtete, die diesen Namen anrufen

Apg.22,16: Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst! (Die Rede ist von Jesus; s.a. Apg.9,14.21; 19,13; 22.16)

1.Kor.1,2: …den Geheiligten in Christus…samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn.

Phil.2,9: …damit in dem Namen Jesus jedes Knie sich beuge…und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Hebr.1,6: Und wenn er den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt, spricht er: Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten.

Offb.1,5-6: …Jesus Christus, der der treue Zeuge ist, der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde! Dem , der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Äon zu Äon! Amen.

Offb.5,13-14: Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Äon zu Äon! Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Offb.22,20: Amen, komm Herr Jesus! (Das ist ein Gebet, da die Person Jesu direkt angesprochen wird.)

1.Joh.2,23: Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater.

1.Joh.5,11-12: Und dies ist das Zeugnis (das Gott über seinen Sohn bezeugt hat): dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, hat das Leben nicht.

In welchem Namen ist die Rettung?

Joel 3,5: Und es wird: Jeder, der im Namen JHWHs ruft, wird entkommen (shall escape)

Apg.2,21: Und es wird sein: Jeder, der irgend den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

Röm.10,12-13: Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn derselbe ist Herr aller und reich für alle, die ihn (Christus) anrufen; ‚denn jeder, der irgend den Namen des Herrn (Christus ist der Herr – siehe 1.Kor.8,6!) anruft, wird errettet werden‘.

Der ganze Abschnitt ab Vers 4-13 handelt von der Glaubensgerechtigkeit in Christus und da es keinen anderen Namen gibt, in dem wir gerettet werden – Apg.4,12, so müssen wir auch den Namen Jesus anrufen, um gerettet zu werden! Wobei ‘anrufen’ mehr bedeutet als nur einen Namen auszusprechen. Es bedeutet, sich an jemanden zu wenden, an jemanden appellieren, um Hilfe bitten, herbeirufen.

Apg.4,12: Und es ist in keinem anderen die Rettung; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen.

Jer.23,6: …dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: JHWH, unsere Gerechtigkeit. (Jer.33,16)

1.Kor.1,30: …Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Freilösung…

Satan

Auf den Spuren Satans

Satan im Judentum

Das Wort Satan1

Das hebräische Substantiv שָׂטָן Satan entstammt der nordwestsemitischen Wurzel stn (Sin-Teth-Nun), was „feindlich/ gegnerisch sein“ oder „anklagen“ bedeutet. Die hebräische Bezeichnung „Satan“ bedeutet „Widersacher“ oder „Gegner“ und wird im AT auch für Menschen verwendet (Num.22,22;32; 1.Sam.29,4; 1.Kön 5,18; 11,14.23.25; Ps.109,6; und als Verb im Sinne von „anfeinden, anklagen, befehden, schmähen“ in Ps.38,21; 71,13; 109,4.20.29 u.a.) Satan ist im AT vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testet (im Buch Hiob) und Sünden anklagt, wie beispielsweise bei der Anklage des Priesters Josua im Buch Saccharia. Im 4. Buch Mose, auch Numeri genannt, tritt ein Engel Gottes als Satan (Gegner) auf, nicht negativ handelnd, sondern wird von Gott gesandt, um Schlimmeres für Balaam zu verhindern (Num.22,34).

In der Übersetzung der hebräischen Texte von Hiob 1 und Sacharja 3 ins Griechische (Septuaginta) wurde das jüdische ha-Satan zu diabolos (‚Teufel‘). Die Vorstellungen von Satan sind im Judentum aber deutlich verschieden von den Vorstellungen und der Verwendung des Begriffs Satan im Christentum. Frühe rabbinische Kommentare zur Mischna2 zeigen, dass Satan beinahe keine Rolle im Judentum spielte. Je jünger ein rabbinischer Kommentar datiert wird, desto öfter tritt der Begriff Satan oder dessen Synonyme auf. Seit der Zeit des Babylonischen Exils sind Einflüsse aus dem Zoroastrismus3 im Babylonischen Talmud festgehalten. Der Palästinische Talmud, fertig gestellt etwa um 400 n. Chr., ist in derselben Gegend wie das Neue Testament verfasst worden und ist bedeutend zurückhaltender im Gebrauch des Begriffs Satan und seiner Synonyme. Allerdings sind große Teile dieses Teils des Talmud nicht im Original erhalten. In den außerbiblischen volkstümlichen jüdischen Erzählungen des europäischen Mittelalters wird der Titel Satan manchmal einem Engel, der von Gott verstoßen wird, weil er sich selbst gottgleich stellen wollte, gegeben. Die Geschichten, in denen dies geschieht, sind dabei in vollem Bewusstsein und Kenntnis der Lehren des Judentums, die solche Vorstellungen stets ablehnten, gegenüberstellend erzählt. Hier werden auf alte Begrifflichkeiten des persischen Kulturkreises, in dem das duale Prinzip des Kampfs Gut gegen Böse3 eine große Rolle spielt, und die Vorstellungen der umgebenen christlichen Kultur angespielt. Es sind daher eher phantastische Erzählungen oder Schauergeschichten und nicht biblisch-jüdische Lehren oder lehrhafte jüdische Erzählungen der Tradition.

In 1.Chr.21,1 wird König David von Satan angestachelt, eine Volkszählung Israels und Judas zu veranlassen. Diese Bibelstelle führt auf eine ältere Bibelstelle zurück, in der JHWH selber David anstachelt, das Volk Israel zählen zu lassen (2.Sam.24,1). Die jüngere Stelle wurde zur Zeit des babylonischen Exils von den Juden aufgeschrieben, als sie unter dem persischen Einfluss des Zoroastrismus3standen, in dem es eine ausgesprochene Polarität zwischen Gut und Böse bzw. Licht und Dunkelheit als ewigem göttlichem Kampf gibt.

2.Sam.24,1: (Die Volkszählung trotz Joabs Warnung) Und das Schnauben JHWHs fügte hinzu, gegen Israel zu entbrennen (der Zorn JHWHs entbrannte abermals gegen Israel) und er verleitete David gegen sie, sprechend: Geh, zählend teile Israel und Juda und zu.

1.Chr.21,1: (Die Volkszählung trotz Joabs Warnung) Und der Satan stand wider Israel und verleitete David Israel zählend zuzuteilen.

Das 2. Buch Samuel (in der Ostkirche 2. Buch der Königreiche genannt) weist viele Parallelen zum 1. Buch der Chronik auf. Im Gegensatz zu diesem ist es aber merklich kritischer und legt den Schwerpunkt mehr auf die politischen Ereignisse als auf den Kultus. Das 1. Buch der Chronik wird in der Ostkirche 1. Buch der Auslassungen genannt bzw. der ausgelassenen Dinge, griech. Paralipomenon, weil es viele in den Samuel- und Königsbüchern fehlende Details enthält. Als Entstehungszeit wird die vorhellenistische Epoche angenommen, da Ereignisse vor 516 v. Chr. in der Chronik enthalten sind, griechische Einflüsse jedoch nicht festgestellt werden konnten.

1.http://de.wikipedia.org/wiki/Satan

2. http://de.wikipedia.org/wiki/Mischna Die Mischna (hebr. ‏משנה‎; dt. „Wiederholung“) ist die erste größere Niederschrift der mündlichen Torah und als solche eine der wichtigsten Sammlungen religionsgesetzlicher Überlieferungen des rabbinischen Judentums. Die Mischna bildet die Basis des Talmud (ein Schriftwerk, das aufzeigt, wie die Regeln der Torah in der Praxis und im Alltag umgesetzt werden sollen).

3. http://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus Im Zentrum des Glaubens, der aber auf ältere iranische Kulte zurückgeht, steht der Schöpfergott Ahura Mazda/Ohrmazd (daher manchmal auch Mazdaismus). Er wird begleitet von unsterblichen Heiligen (Amescha Spenta) sowie von seinem Widersacher, dem bösen Dämon Angra Mainyu (Ahriman). Obwohl die Zoroastrier mehrere Gottheiten kennen, die Ahura Mazda unterstützen, ist die Religion grundsätzlich vom Dualismus zwischen Ahura Mazda und Ahriman geprägt: „Und im Anbeginn waren diese beiden Geister, die Zwillinge, die nach ihrem eigenen Worte das Gute und das Böse im Denken, Reden und Tun heißen. Zwischen ihnen haben die Guthandelnden richtig gewählt.“

Die ausführlichste Darstellung, in der ein Engelwesen mit dem Titel Satan in Gottes Auftrag wirkt, findet sich im Buch Hiob. Die Erzählung beginnt mit der Szene am himmlischen Gerichtshof, bei dem die Söhne Elohims und Gott selbst anwesend sind. Aufgrund des Einwands eines der Söhne Elohims in dieser göttlichen Gerichtshofsrunde, der als Ankläger, also als Satan fungiert, kommt es zu einem Vorwurf an Gott. Der fromme und wohlhabende Hiob halte Gott nur deshalb die Treue, weil Gott um ihn herum kein Unglück zulasse. Daraufhin gestattet Gott Satan, Hiobs Gottvertrauen auf die Probe zu stellen. Trotz der Unglücke und trotz der leidvollen Krankheit, die den nichts ahnenden Hiob daraufhin in Form der sprichwörtlichen Hiobsbotschaften durch den Satan im Auftrage Gottes ereilen, akzeptiert Hiob sein Schicksal und flucht seinem Gott nicht. Er kritisiert ihn jedoch und besteht darauf, dass er nichts Unrechtes getan habe. Hiobs Freunde sind davon überzeugt, dass er ein Unrecht begangen haben müsse, denn Gott lasse es nicht zu, dass ein Unschuldiger so viel Unglück zu erleiden habe. Damit wird der Einwand Satans widerlegt, es gebe keinen Menschen, der Gott in jeder Situation treu bliebe sondern von Gott abfalle, sobald es ihm aus menschlicher Sicht schlecht ergehe.

Ein weiteres Beispiel auf das Thema liefert die Erzählung der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten in Eden. Die klassischen jüdischen Bibelkommentatoren verstehen die Schlange darin wörtlich als Schlange, als ein Geschöpf Gottes, als Tier des Feldes (Gen.3,1). Nach der Mischna2 sei die Schlange vor ihrer Verfluchung aufrecht gestanden und habe die Fähigkeit besessen, mit Menschen zu kommunizieren. Sie sind sich jedoch uneinig darin, für was diese symbolisch in der Erzählung steht: Für die eigene Neigung des Menschen zum Bösen (jetzer ha-rah) oder/ und für einen Satan, als Prüfer der Menschenherzen. Andere Bibelkommentatoren haben vermutet, die Schlange sei ein phallisches4 Symbol.

Wichtiges Unterscheidungskriterium zu den Satans- und Teufelsbegriffen anderer Religionen ist, dass Satan im Judentum nicht als etwas Personifiziertes oder gar als das personifizierte Böse betrachtet und gelehrt wird. So sind die Vorstellungen eines personenhaften Satan als Gegenspieler der Gläubigen oder etwa eigenständiger „Versucher“ und Gegenspieler Jesu, des personifizierten Guten, Vorstellungen der christlichen Theologie. Im Judentum wird sowohl das Gute als auch das Böse als zwei Seiten einer Zusammengehörigkeit gesehen, die beide z. B. in Gott, dem ewigen Wesen, begründet sind. Gut und Böse sind von dieser Welt, der Gott, das ewige Wesen, transzendent gegenübersteht. Der Satan, wenn der Titel einem Engel in einem Zusammenhang oder in einer Erzählung gegeben wurde, handelt dabei stets nicht eigenmächtig und nicht nach eigenem Willen, sondern im Auftrag Gottes und steht voll unter der Kontrolle und dem Willen Gottes. Der Titel Satan wird in der hebräischen Bibel und anderen heiligen Schriften des Judentums verschiedenen Engeln und Menschen verliehen.

Die normative (normgebende), rabbinische, klassische, jüdische Lehre, der zu Folge das Böse kein eigenständiges Geistwesen, ist bis heute gültig und wichtig im Judentum. Es steht im Einklang mit den jüdischen Lehren, dass es keine Verkörperung des Bösen gibt und dass Gott als Schöpfer dessen bezeichnet wird, was Menschen als Böses beschreiben.

Einige Bibelstellen sollen diesen Zusammenhang verdeutlichen:

Amos 3,6: …geschieht ein Unglück in der Stadt, und JHWH hätte es nicht bewirkt?

Jes.45,7: …der Former des Lichts und Erschaffer der Finsternis, Macher des Friedens und Erschaffer des Bösen (a. Ü. Unglück); ich, JHWH, bin der Macher all dieser.

1.Kön.22,19-22: 19. Und er sprach: Darum höre das Wort JHWHs! Ich sah JHWH auf seinem Thron sitzen, und alles Heer des Himmels bei ihm stehen, zu seiner Rechten und zu seiner Linken. 20. und JHWH sprach: Wer will Ahab bereden (a. Ü. wer mach Ahab zugänglich), dass er hinaufziehe und zu Ramoth-Gilead falle? Und der eine sprach so, und der andere sprach so. 21. Da trat ein Geist hervor und stellte sich vor JHWH und sprach: Ich will ihn bereden. Und JHWH sprach zu ihm: Wodurch? 22. Und er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein in dem Munde aller seiner Propheten. Und er sprach: Du wirst ihn bereden und wirst es auch ausrichten; gehe aus und tue also! (fast derselbe Wortlaut wiederholt sich in 2.Chr.18,18-21)

Jes.19,14: JHWH hat in sein Inneres einen Geist des Schwindels (a. Ü. Geistwind der Vergehungen) ausgegossen, dass sie Ägypten irregeführt haben in all seinem Tun, wie ein Trunkener taumelt in seinem Gespei.

Deut.32,39: Seht nun, dass ich es (selber) bin in, der da ist, und kein Elohim neben (bei) mir! Ich töte, und ich mache lebendig, ich zerschlage, und ich heile; und niemand ist, der aus meiner Hand errettet!

Hiob 5,18: Denn Er bereitet Schmerz und verbindet, Er zerschlägt, und Seine Hände heilen. (ähnlich Hos.6,1)

1.Sam.2,6: JHWH tötet und macht lebendig; Er führt in den Scheol hinab und führt herauf.

4.http://de.wikipedia.org/wiki/Phallus Als Phallus (latinisierte Form des griechischen φαλλός – phallós) bezeichnet man heute insbesondere in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen den erigierten Penis des Mannes.

Ursprung Lucifers5 in der christlichen Theologie

In der römischen Mythologie wurde Lucifer als poetische Bezeichnung für den Morgenstern, sowohl für den Planeten als auch für die Göttin Venus, verwendet. Wörtlich übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet das Wort „Lichtträger“ (zu lat. lux „Licht“ und ferre „tragen, bringen“). Es handelt sich hierbei um die wörtliche Übersetzung der griechischen Begriffe Phosphóros („Lichtbringer“) bzw. Eosphóros („Bringer der Morgenröte“), wie sie z.B. in Homers Odyssee oder Hesiods Theogonie auftauchen.

An zahlreichen Stellen der Vulgata6 steht der Begriff Lucifer für den Morgenstern, ohne dass dies in einer Beziehung mit Satan oder dem Teufel stünde, so etwa im Buch Hiob (11,17 und 38,32) oder im Buch der Psalmen (108,3). Im Neuen Testament wird der Morgenstern nur an einer Stelle mit Lucifer bezeichnet:

2.Petr.1,19: Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern (a. Ü. Lichtträger; φωσφορος) aufgeht in euren Herzen.

In der Offenbarung des Johannes (22,16) spricht Christus von sich als dem „strahlenden/ glänzenden Morgenstern“ (griech. ο αστηρ ο λαμπρος ο πρωινος – wörtl. der Stern, der glänzende, der morgendliche; lat. stella splendida matutina). Aus diesem Grund hielten die frühen Christen Lucifer für einen Namen Christi. Als Belege dafür dienen etwa die Hymne Carmen Aurorae oder der Name des Heiligen Lucifer, eines Bischofs aus dem 4. Jahrhundert.

5.http://de.wikipedia.org/wiki/Luzifer

6.http://de.wikipedia.org/wiki/Vulgata Als Vulgata (auf der zweiten Silbe zu betonen, von lat.: vulgatus, -a, -um = allgemein verbreitet) wird der lateinische Bibeltext bezeichnet, der seit der Spätantike die bis dahin gebräuchlichen, in Umfang und Qualität verschiedenen, älteren lateinischen Übersetzungen der Bibel (Vetus Latina) abgelöst hat.

Jesaja 14 – He(j)lel, Morgenstern, Lucifer

Jes.14,12: Ach, wie fielst du aus den Himmeln, Erheller (hebr. HeJLeL; a. Ü. heule7), Sohn der Schwarzröte (a. Ü. Morgenröte bzw. Morgengrauen), bist abgehauen zum Erdland hin, Niederstrecker über Nationen!

Im Buch Jesaja (14,12-14) wird vom Hochmut des „Königs von Babel“ berichtet, der „in den Himmel steigen und [… seinen] Thron über die Sterne ELs (Gottes) erhöhen, sich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden (gemeint ist der Berg Zion als Symbol der davidischen Königsherrschaft, als Regierungszentrale Gottes, Ps.48,3) und gleich sein dem Obersten“. Stattdessen fuhr er aber „hinunter zu den Toten […], zur tiefsten Grube“, wurde von Gott „hingeworfen ohne Grab, wie ein zertretenes Aas“. Die Allegorie aus Jesaja 14 bezieht sich auf den Untergang des babylonischen Reiches und seines Königs Nebukadnezar, der symbolisch mit dem Morgenstern verglichen wird, der von der Sonne überstrahlt wird, was sein Verschwinden bedeutet.

Das hebräische Original dieses Textes ist הילל בן שחר (HeJLeL BeN SHaCHaR – HeJLeL8, Sohn des SHaCHaR9), womit der König von Babel allegorisch verglichen wird. Bereits in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT durch jüdische Gelehrte, wurde die hebräische Bezeichnung mit ῾Εωσφόρος (Heosphoros ‚Träger der Morgenröte‘) wiedergegeben. Der christliche Kirchenvater Hieronymus (347 – 420) übersetzte den Ausdruck in seiner Vulgata6 mit „Lucifer“.

7.http://www.gerhard-kringe.de/nr204.html Der Begriff wird von dem hebr. Wort HeJLeL abgeleitet. Wenn man die Punktierung/ Vokalisierung weglässt, die ja im Hebräischen interpretiert ist, sieht das Wort gleich aus wie in Sach.11,2 und Jes.52,5, wo es mit „heulen“ übersetzt ist. Das hebr. Wort HeJLeL gehört in folgende Wort-Familie: halal – loben (Ps.44,9); qalal – fluchen (3.Mos. 20,9); jalal – heulen (5.Mos. 32,10). Dies sind Ausdrücke, die mit der Stimme in Zusammenhang stehen und nicht mit dem Licht. Wenn man nun das „He“ als Artikel liest, kann es auch „der Heuler“ heißen.

8.http://de.wikipedia.org/wiki/Helel He(j)lel war der babylonische und kanaanitische Gott des Morgensterns und Sohn von Šaḥar, Gott des Sonnenaufgangs.

9.http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%A0a%E1%B8%A5ar Šaḥar (ugaritisch Šḥr, arabisch Schachar, Šahr, Schahr; aramäisch Sahra, Sahr(a), jüdisch-aramäisch Sehara; neubabylonisch Šeri, Šera) ist einerseits die westsemitische Bezeichnung der äquivalenten akkadischen Mondgottheit Sin; andererseits verkörpert Šahar in der ugaritischen Religion den Morgenstern und die Morgenröte. Sein Sohn ist He(j)lel.

Gleichsetzung Lucifers mit Satan

Im Vorwort seiner Schrift „De principiis“ (Von den Anfängen) und in einer Abhandlung über seine Schrift Nr. XII verglich der christliche Gelehrte Origenes den Morgenstern Eosphoros-Luzifer erstmalig mit dem Teufel/Satan. Im Kontext mit der im Christentum aufkommenden Engellehre behauptete Origenes, dass der ursprünglich mit Phaeton10 verwechselte Hel(j)al-Eosphoros-Luzifer, nachdem er sich Gott gleichzustellen versuchte, als himmlischer Geist in den Abgrund stürzte. Tertullian (150–230), Cyprian (um 400), Ambrosius (um 340–397) und einige andere Kirchenväter schlossen sich im Wesentlichen dieser dem hellenistischen Mythos entlehnten Auffassung an.

Hieronymus, Cyrillus von Alexandrien (412–444) und Eusebius (um 260–340) sahen demgegenüber in der Prophezeiung des Jesaja nur das mystifizierte Ende eines babylonischen Königs. Diesen irdischen Sturz eines heidnischen Königs von Babylon betrachteten sie aber als Hinweis auf den himmlischen Sturz Satans. Im Mittelalter wurde Lucifer durch die Kombination von Jesaja 14,12 (Sturz des Sohnes der Morgenröte) mit Lukas 10,18 und Offenbarung 12,9 (Sturz Satans) auch im offiziellen kirchlichen Sprachgebrauch zum Synonym für den Satan/Teufel.

Lk.10,18: Er (Jesus) sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.

Offb.12,9: Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel (Diabolos) und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinab geworfen.

In der jüdischen Exegese wird He(j)lel nicht als Satan bzw. als das personifizierte Böse interpretiert, sondern He(j)lel und Schahar fallen zusammen mit Babylon, deren Götter sie sind. Die christliche Figur des Lucifer existiert im Judentum nicht.

10.http://de.wikipedia.org/wiki/Phaethon_%28Mythologie%29 Phaethon (auch Phaeton oder Phaëthon, v. griech. Φαέθων, eigentlich „der Strahlende“, zu φαίνειν, scheinen) in der griechischen Mythologie seit Euripides der Sohn des Sonnengottes Helios (bei Hesiod war er dessen Neffe).

Hesekiel 28

Lucifer oder Satan wurde auch mit dem gefallenen Cherub aus Hes.28,14 in Verbindung gebracht:

Hes.28,14: Du warst ein Gesalbter, ein schützender Cherub (a. Ü. ein Umsalbter, ja der Überhüttende); ich habe dich gesetzt auf den heiligen Berg Gottes (a. Ü. Berg des Heiligen) als Elohim (fehlt in den meisten Übersetzungen) und du wandeltest mitten unter den feurigen Steinen.

„Im Garten Gottes“ wandelte er, „geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, mit Sarder, Topas, Diamant, Türkis, Onyx, Jaspis, Saphir, Malachit, Smaragd“, „ein Gott (Elohim)“, war er und „wandelte inmitten der feurigen Steine“ bis eines Tages an ihm „Unrecht gefunden“ wurde. Durch „die Größe seines Handels“ wurde sein Inneres „mit Gewalttat erfüllt“, sein „Herz erhob sich auf Grund seiner Schönheit“ und Gott verstieß ihn daraufhin von seinem heiligen Berg, stürzte ihn zu Boden und ließ Feuer aus seinem Innern hervorbrechen und zum Abschluss heißt es über ihn (V.19): „Du bist dahin auf ewig/ für immer/ bis zum Äon.“

Der Text könnte auch lediglich als allegorische Bezeichnung für den zwar schönen und mächtigen, aber durchaus menschlichen König von Tyrus sein. Manche Ausleger sehen hier jedoch den tatsächlichen Fall eines sehr mächtigen Engelwesens. Diese Auslegung wirft jedoch einige Fragen auf:

Hes.28,18-19: Auf Grund der Menge deiner Vergehungen, infolge der Ungerechtigkeit (a. Ü. des Args) deines Großhandels entheiligtest du deine Heiligtume; da ließ ich Feuer herausgehen aus deiner Mitte, es fraß dich und ich gab dich als Asche auf dem Erdland zu Augen aller dich Sehenden. Alle dich näher Kennenden in den Völkern entsetzten sich über dich, du bist zum Schrecken geworden und bist dahin für immer (a. Ü. für ewig/ bist nicht mehr bis zum Äon).

Welche Völker auf der Erde konnten Augenzeugen dieses kosmischen Ereignisses gewesen sein, wenn doch Satan bereits vor der Erschaffung Adams gefallen sein soll? Über das Engelwesen heißt es außerdem, dass es verbrannte, zu Asche wurde und für immer dahin ist. All das passt nicht wirklich zur gängigen Vorstellung von Satan, der ja heute noch aktiv ist. Das vorherige Kapitel aus Hesekiel (Hes.27) ist ebenfalls Tyrus gewidmet, allerdings mehr unter dem nationalen Gesichtspunkt. Das Kapitel endet mit dem Vers 36 und einem ähnlichen Wortlaut wie in 28,18-19:

Hes.27,36: Die Händler in den Völkern zischen über dich, denn zum Schreckbild bist du geworden und du bist für immer dahin (a. Ü. für ewig/ bist nicht mehr da bis zum Äon.)

Den gefallenen Cherub aus Hesekiel 28 brachten die Kirchenväter schließlich auf der Grundlage eines Ausspruchs Jesu im Lukasevangelium (10,18) erneut in Verbindung mit Satan: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz“. Der Ausspruch Jesu deutet aber eher in die Zukunft, wie andere Stellen aus der Offenbarung verdeutlichen, die von einem zukünftigen Ereignis berichten:

Offb.12,3-4: Und es erschien ein anderes Zeichen in dem Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter Drache, welcher sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, und auf seinen Köpfen sieben Diademe; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels mit sich fort; und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor dem Weibe, das im Begriff war zu gebären, auf dass er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge.

Offb.12,7-9: Und es entstand ein Kampf in dem Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel; und sie siegten nicht, auch wurde ihre Stätte nicht mehr in dem Himmel gefunden. Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinab geworfen.

Nachdem Satan anschließend für tausend Jahre gebunden wird (Offb.20,7), macht er sich ein letztes Mal auf, die Nationen zum Krieg zu verführen (Offb.20,8). Zum Schluss wir er „in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo er Tag und Nacht gequält wird von Ewigkeit zu Ewigkeit (eig. von Äon zu Äon)“ (Offb.20,10).

Satan in apokryphen Schriften

Im Neuen Testament, in christlichen Interpretationen des Alten Testaments sowie in apokryphen Büchern ist die Vorstellung eines abtrünnigen Engels verbreitet.11 Der Engel wird für seine Auflehnung gegen Gott mit der Vertreibung aus dem Himmel durch Gott und seine übrigen Engel bestraft. Häufig wurde dieser gefallene Engel dann mit Lucifer, Samael12, Satan und dem Teufel aus dem NT in Verbindung gebracht, der nach Lk.10,18 ebenfalls „vom Himmel fällt“.

11. Diese Ansicht vertrat vor allem der Kirchenvater Augustinus. Ch. Daxelmüller: Dämonen, Dämonologie. B. Lateinisches Mittelalter. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 3. Artemis Verlag, 1986. Sp. 477-478.)

12. http://de.wikipedia.org/wiki/Samael Samael (hebräisch סמאל, auch Semiel, Sammane und Sammuel) ist ein Erzengel der jüdischen und christlichen Mythologie (von einer christlichen Mythologie wird vor allem in Bezug auf mythologische Restgehalte innerhalb der christlichen Lehre gesprochen) und der Gnosis/ Gnostizismus (Oberbegriff über verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus). Der Name erscheint erstmals im sechsten Kapitel des äthiopischen Henochbuchs (ca. 3 Jhd. vor Chr.) in der Liste der gegen Gott rebellierenden Engel.

Als Gründe für den Fall der Engel13 werden genannt:

  • Weigerung, dem Menschen Respekt zu bezeugen: Im Buch Adam und Eva, einem apokryphen Text aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. gebot Gott nach Erschaffung des Menschen seinen Engeln, vor diesem niederzuknien. Einige Engel aber weigerten sich, da der Mensch aus niedrigerem Stoff gemacht sei als sie selbst. In ihm bekennt der Satan gegenüber Adam, er hasse die Menschen deshalb, weil er ihretwegen aus dem Himmel vertrieben worden sei. Biblische Belege für diese Version gibt es nicht. Der Gedanke taucht auch im Koran auf. In Sure 38,72 verweigert Iblis dem Menschen seine Ehrerbietung, da er aus Feuer, der Mensch aber nur aus Lehm geschaffen sei; daraufhin wird er verbannt.
  • Willensfreiheit14: Nach dem Kirchenvater Origenes verleitete die ihnen eingeräumte Willensfreiheit einige Engel dazu, sich mehr und mehr von Gott zu entfernen. Einige wurden dadurch zu Menschen oder gar zu Dämonen und mussten deshalb aus dem Himmel vertrieben werden – nicht ohne die Möglichkeit zu haben, durch Tugend und gottgefälliges Leben dorthin zurückzukehren. Origenes wurde u. a. wegen dieser Lehren beinahe als Häretiker15 exkommuniziert.
  • Sexuelle Begierde: Nach dem apokryphen Buch Henoch ist es sexuelle Lust, die den Sturz der Engel herbeigeführt hat. Gott hatte die Grigori (Egrigori), eine bestimmte Engelgruppe (Engel mit einem männlichen Geschlecht), damit beauftragt, den Erzengeln bei der Schaffung des Gartens Eden zu helfen. Auf die Erde herabgestiegen, verliebten sie sich jedoch in die Menschentöchter, verrieten ihnen himmlische Geheimnisse und zeugten mit ihnen sogar Kinder, das Riesengeschlecht der Nephilim (vgl. hierzu auch Gen.6,1). Darüber war Gott so erzürnt, dass er die Grigori aus dem Himmel verstieß, ihnen ihre Unsterblichkeit nahm und sie in Dämonen verwandelte. Die Sintflut sandte er nicht zuletzt, um das Geschlecht der Nephilim auszulöschen.

13. http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llensturz#Der_gefallene_Engel

14. http://de.wikipedia.org/wiki/Willensfreiheit Im weitesten Sinne meint Willensfreiheit die unterstellte menschliche Fähigkeit, sich unter gegebenen Bedingungen für oder gegen etwas zu entscheiden.

15. http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4retiker Häresie ist eine Bezeichnung für eine Lehre, die im Widerspruch zur Lehre einer christlichen Großkirche oder einer anderen vorherrschenden Auffassung steht und beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zum Ausdruck zu bringen.

Satan und der Teufel im NT

Der Teufel16 (von griechisch Διάβολος, Diábolos, wörtlich ‚der Durcheinanderwerfer‘ im Sinne von ‚Verwirrer‘, ‚Faktenverdreher‘, ‚Verleumder‘; lateinisch diabolus) ist im NT eine weitere Bezeichnung Satans. Er wird als eigenständiges, übernatürliches Wesen und als der Feind Gottes betrachtet. Er spielt in der christlichen Theologie eine besondere Rolle als Personifizierung und Träger des Prinzips des Bösen. Der Teufel kann aber auch in der Gestalt eines Engel des Lichts auftreten (2.Kor.11,14). Erstmalige taucht der Begriff „Teufel“ in Mt.4,1 auf, wo Jesus in die Wüste geführt wird, um von diesem zum Missbrauch seiner Macht verleitet zu werden. Als Jesus beginnt, seinen Jüngern von seinem zukünftigen leidvollen Tod zu berichten und Petrus ihn beiseite nimmt mit den Worten „Gott ist dir versühnt, Herr! Keinesfalls wird Dir dies zugedacht sein!“ (Mt.16,22; Mk.8,32) nennt Jesus den Petrus „Satan“.

Mt.16,23: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Fallstrick, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das was der Menschen ist.

Auch in den Gleichnissen bezieht sich Jesus auf den Diabolos, z.B. im Gleichnis vom Unkraut und Weizen (Mt.13,24-30.38), der als Feind Gottes nachts auf den mit gutem Samen (Kinder des Reiches Gottes) bestellten Acker (die Welt) sein Unkraut (die Kinder des Bösen) sät.

Das NT zeichnet ein viel detaillierteres Bild über Satans Wesen und Charakter:

  • er ist Fürst/ Anfänglicher dieser(s) Welt/ Kosmos (αρχων του κοσμου Joh.12,31)
  • er ist der Gott dieses Zeitalters/ Äons (2.Kor.4,4)
  • er ist die Ur-Schlange/ anfängliche Schlange (οφις ο αρχαιος; Offb.12,9)
  • er ist der großer Drache (Offb.12,9; 20,2)
  • er ist Widersacher/ Rechtsgegner (1.Petr.5,8)
  • er ist der Fürst des Autoritätsgebiets der Luft (αρχοντα της εξουσιας του αερος) (Eph.2,2)
  • er ist auch möglicherweise Oberhaupt der Fürstentümer, Gewalten, Weltbeherrscher dieser Finsternis und geistlichen Mächte der Bosheit in den überhimmlischen Örtern (προς τας αρχας προς τας εξουσιας προς τους κοσμοκρατορας του σκοτους τουτου προς τα πνευματικα της πονηριας εν τοις επουρανιοις) (Eph.6,12), von denen feurige Pfeile (feurig gemachte Wurfgeschosse) ausgehen (Eph.6,16)
  • bin mir noch unschlüssig, ob er auch mit dem Regenenten des Abyssos17 – Abaddon19 bzw. Apollyon, identisch ist.
  • er ist ein Lügner (Joh.8,44) und der Urheber/ Vater der Lüge (Joh.8,44)
  • er ist Versucher (Mt.4,3)
  • er ist der Böse (Mt.13,19)
  • er ist ein Dieb und Räuber (Joh.10,1), stielt das Wort Gottes aus den Herzen der Menschen (Mk.4,15)
  • er ist gerichtet (Joh.16,11)
  • er sündigt von Anfang (1.Joh.3,8)
  • es ist keine Wahrheit in ihm (Joh.8,44)
  • er ist nicht in der Wahrheit gestanden (εν τη αληθεια ουκ εστηκεν Joh.8,44)
  • er ist ein Menschenmörder von Anfang (ην απ αρχης Joh.8,44)
  • er hat die Macht/ Haltekraft des Todes (Hebr.2,14)
  • er sündigt von Anfang (1.Joh.3,8)
  • er verkleidet sich als Engel des Lichts (2.Kor.11,14)
  • er hat Diener, die sich als Diener der Gerechtigkeit verkleiden (1.Kor.11,15)
  • er hat geistige Kinder (Mt.13,38; Joh.8,44; Apg.13,10)
  • er ist der Geist, der in den Söhnen des Ungehorsams wirkt (Eph.2,2)
  • er wird den ganzen Erdkreis verführen, das Tier anzubeten (Offb.12,9)
  • er ist listig (Eph.6,11)
  • er geht umher wie ein knurrender Löwe und sucht wen er verschlingen kann (1.Petr.5,8)
  • er schlachtet/ schlachtopfert und verdirbt (απολεση – wörtl. löst gänzlich weg) (Joh.10,10)
  • er gibt den Menschen böse Gedanken ins Herz (Apg.5,3)
  • er stellt Fallstricke (1.Tim.3,7)
  • er ist Feind aller Gerechtigkeit (Apg.13,10)
  • er ist Urheber körperlichen Gebrechen (Lk.13,16)
  • er ist voller List und Bosheit (Apg.13,10)
  • er verkehrt die geraden Wege des Herrn (Apg.13,10)
  • es gibt den Thron Satans (Offb.2,13 – im Sendschreiben an Pergamon/ der Pergamonalter steht übrigens im Staatlichen Museum Berlin, wo er gegen Entgelt besichtigt werden kann)
  • es gibt die Synagoge Satans (Offb.2,9 – im Sendschreiben an Smyrna)

16. http://de.wikipedia.org/wiki/Teufel

Nach christlichem Verständnis war es auch der Satan, der durch die Schlange im Garten Eden gesprochen und Eva zur Sünde verführte (dieser Gedanke taucht auch im apokryphen Buch „Adam und Eva“ auf).

Über den Anfang oder Ursprung Satans sagt uns weder das AT noch das NT wirklich etwas Aufschlussreiches. Lediglich 1.Tim.3,6 scheint einen Hinweis zu liefern, dass Satan als Hochmütiger dem Gericht verfallen ist. Vorstellbar ist, dass er ursprünglich schon als Versucher von Gott erschaffen wurde, dass er hochmütige wurde, seine Bestimmung verlassen hat und zum Feind Gottes wurde.

1.Tim.3,6: …nicht ein Neuling, auf dass er nicht als Hochmütiger in das Urteil des Diabolos hineinfällt.

Über sein Ende werden wir eher aufgeklärt. Vor dem Tausendjährigen Reich (Millenium) gibt es laut Offenbarung des Johannes einen Kampf im Himmel zwischen den Kräften Gottes (Michael und seinen Engeln) und den Kräften des Bösen (Satan und seinen Engeln), der damit endet, dass Satan und seine Anhänger auf die Erde geworfen werden (Offb.12). Dieses Ereignis weist (vom Standpunkt des damaligen Verfassers aus) in die Zukunft und ist keine Rückschau auf einen vergangenen Sturz Stans. Für die Dauer des Milleniums wird er gefesselt und in den Abgrund/ Abyssos17 geworfen (Offb.20,1-3), um danach wieder für eine kurze Zeit freigelassen zu werden (Offb.20,7), woraufhin er erneut die Nationen verführt zum Krieg gegen die „geliebte Stadt“ und das „Lager der Heiligen“ (Offb.20,9), um dann in den See des Feuers, der mit Schwefel21 brennt, geworfen zu werden, wo sich auch das Tier und der falsche Prophet befinden. Dort werden sie Tag und Nacht (spricht für einen Ort auf der Erde) in die Äonen der Äonen (Offb.20,10) „mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm“ (Offb.14,10).

Die volkstümliche Vorstellung des Teufels geht oft auf ursprünglich heidnische Götter zurück, die in christlicher Weise zum Teufel umgedeutet wurden. Es besteht eine weitgehende äußere Übereinstimmung mit dem griechischen Gott Pan. Der Teufel wird meist schwarz und behaart, mit einem oder zwei Bocks- oder Pferdefüßen, Widderhörnern, einem Schwanz, hässlichem Gesicht und langer Habichtsnase dargestellt. Bei seinem Verschwinden hinterlasse er zudem einen argen Gestank (Ziegenböcke haben eine sehr unangenehmen Geruch). Der angebliche Wohnort des Diabolos und seiner Anhänger sei die Hölle. Der Begriff Hölle wiederum ist von dem Namen der germanischen Unterwelt Hel22 abgeleitet (die Herrscherin über diese Unterwelt trägt ebenfalls den Namen Hel).

17. Der Name Abyssos (griech. αβυσσος) lässt sich aus dem Wort Byssos Batist (eine Bezeichnung für Byssus18) erklären. Batist ist Zeichen der Herrlichkeit, denn Batist trug der reiche Mann (Lk.16,19) und ist Darstellung der Gerechtigkeit der Heiligen (Offb.19,8). Das zeigt, dass der Abyssos ein Ort ist, an dem sich Unheiliges, der Herrlichkeit Entkleidetes, befindet. Er ist ein verschlossener Raum und wird mit einem Brunnen/ Schlund (Offb.19,1) und einem Hochofen, aus dem dunkler Rauch aufsteigt (Offb.19,2) verglichen. Vor dem Abyssos schrecken die Dämonen zurück (Lk.8,31). Im Abyssos befinden sich furchtbare Heuschrecken, wahrscheinlich eine Darstellung für Dämonen (Offb.9,11), aus dem Abyssos steigt das Tier auf (Offb.11,7; 17,8), welches in 2.Thess.2,3 auch ‚Sohn der Ganzweglösung‘ (υιος της απωλειας) genannt wird. Der Satan wird 1.000 Jahre im Abyssos verwahrt (Offb.20,2-3). Der Herrscher des Abyssos heißt Abbadon19 oder Apollyon.

Offb.9,11: Sie (die Heuschrecken) haben als Regenten über sich den Engel des Abyssos, dessen Name auf hebräisch Abaddon ist, im Griechischen hat er den Namen Apollyon.

Auf Grund des Studiums einiger Bibelverse könnte man den Abyssos als einen Ort tief unter dem Meer verstehen (im Gegensatz zum Reich der Toten, das unter der Erde ist):

Röm.10,6-7: Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt also: Sprich nicht in deinem Herzen: ‚Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?‘ (das ist, um Christum herabzuführen) oder: ‚Wer wird in den Abyssos hinabsteigen?‘ (das ist, um Christus aus den Toten heraufzuführen).

Deut.30,11-14: Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und ist nicht fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen könntest: Wer wird für uns in den Himmel steigen und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass du sagen könntest: Wer wird für uns jenseits des Meeres hinüberfahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Sondern sehr nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen, um es zu tun.

Für das Wort Abyssos steht im Original Meer.

Offb.11,7: …das Tier, das aus dem Abyssos heraufsteigt… (s.a. Offb.17,8)

Offb.13,1: Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen…

Beide Beispiele enthalten keinen Widerspruch, wenn der Abyssos ein Ort unter dem Meer ist. Das könnte dann evtl. auch der Grund für die Wasserscheu der Dämonen sein (Mt.12,43; Lk.11,24)? Der Brunnen oder Schlund des Abyssos ist noch nicht der Abyssos selbst. Noch ist er verschlossen. Sobald der Brunnen geöffnet wird, steigt schwarzer Rauch auf. Rauch ist stets ein äußeres Kennzeichen für vorhandenen Feuerbrand. Rauch symbolisiert auch Qual (Offb.14,11) (Heinrich Langenberg, Die Apokapypse Jesu Christi)

18. http://de.wikipedia.org/wiki/Byssus Byssus, Byssos oder Muschelseide (griechisch: βύσσος) ist eine Bezeichnung für das Sekret aus den Fußdrüsen verschiedener Arten der Muscheln, das zu Haftfäden vereinigt wird und erhärt. Bekannte Beispiele für Muscheln mit Byssusfäden sind die Miesmuscheln, die sich mit den Byssusfäden an Strukturen der Brandungszone festsetzen und diese bei schlechten Umweltbedingungen auch wieder lösen können. Seit dem Altertum werden die Fasern der im Mittelmeer lebenden Edlen Steckmuschel (Pinna nobilis L.) gewonnen. Die aus diesen Fasern hergestellten Gewebe werden als Byssus bezeichnet. Die Faser ist goldglänzend, sehr dünn und extrem fest und haltbar, insofern mit modernen Nylonfäden vergleichbar. In der Antike war der aus Byssus oder Steckmuschelwolle gewebte Stoff, die so genannte Muschelseide oder Meerseide, ein sehr kostbarer textiler Werkstoff, der um ein vielfaches feiner als Seide ist, wegen seiner Haltbarkeit und der aufwändigen Gewinnung sehr begehrt und wertvoll. Textilien aus Muschelseide waren vor allem im Mittelalter unter hohen kirchlichen Würdenträgern und im Hochadel sehr begehrt. Heute ist die Steckmuschel, die bis zu einem Meter groß werden kann, geschützt, das Handwerk nahezu ausgestorben. Im NT kommt das Wort Byssos in Lk.16,19, Offb.18,12.16; 19,8.14 – letztens als Bekleidung der Himmelheere – vor.

19. Abaddon (griech. αβαδδων) ist die Transkription des hebr. Wortes ABhaDO´N, das sich von ABha´D ‚verlieren‘, ‚verloren gehen‘ ableitet. Im AT ist es die Bezeichnung eines Ortes der Verlorenheit, ein Ort also, der für andere nicht auffindbar ist (Hi.26,6; 28,22; 31,12; Ps.88,12; Spr.15,11; 27,20) und wird oft zusammen mit dem Sheol genannt, mit dem er jedoch nicht identisch ist. Laut Offb.9,11 ist Abaddon der Name des Herrschers des Abyssos (griech. αβυσσος), der auch den Namen Apollyon trägt (griech. απολλυων, Ganzweglöser von απωλεια Ganzweglösung, was heißt, dass sich das Verlorene vom Eigner gänzlich weggelöst hat).

Jak.4,12: Einer ist der Gesetzsetzer und Richter, der Vermögende, zu retten und gänzlich wegzulösen

Mt.10,28: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper töten, die Seele dagegen nicht töten können. Fürchtet aber vielmehr den, der die Seele wie auch den Körper in der Gehenna20 gänzlich wegzulösen vermag.

20. Das Wort Gehenna ist aus Jer.7,31 von der Schlucht des Sohnes HiNo´Ms abzuleiten und ist dann vom Hebräischen her mit ‚Schlucht des Gewimmers und Schlummerns‘ zu übersetzen ‚Schlucht der Umbringung‘ (Jer.7,31). In diesem Tal haben die Israeliten einst ihre Kinder dem Baal im Feuer geopfert. Vom Griechischen her lässt sich „Gehenna“ mit „Erdland der Erstarrung“ wiedergeben. Es ist ein Land, dessen Hitze alles zu starrer Schlacke (Lava) werden lässt. Gemäß Mt.18,8-9 und Mk.9,45 ist es der Ort des äonischen Feuergerichts (Feuersee, der mit Schwefel brennt, s. Offb.19,20) und der Ort des Verlorenseins bzw. des völligen Sich-Weglösens (griech. απωλεια Mt.10,28).

21. Schwefel (hebr. גָפְרִית GoPhRI´T) und Feuer sind in der Bibel bekannte Bezeichnungen in Zusammenhang mit dem Gericht Gottes (s.Sodom und Gomorrah). Schwefel wird in der Offenbarung auch als das Brennmaterial des Feuersees genannt. Die Arche Noahs im Gericht der großen Flut war aus Schwefelholz gebaut (hebr. גֹפֶר Go´PhäR) und anschließend innen und außen verpicht23. Die griech. Bezeichnung für Schwefel ist θεῖον (theion), was auch göttlich bedeutet. Schwefel kommt in der Natur elementar vor, ist von gelber Farbe, brennt mit blauer Flamme (Feuer-See), färbt sich beim Schmelzen dunkelrot (es nimmt also alle drei Grundfarben an) und erscheint nach raschem Abkühlen als glasartiger Körper. Der Schwefel gibt dem Gold seinen gelben Schimmer und hat somit auch färbenden Charakter. Er wird seit dem Altertum zum Bleichen von Textilien, als Arzneimittel und zur Desinfektion genutzt und ist somit Mittel höchster Reinigung. In der Alchemie spielte der Schwefel seit dem Mittelalter eine herausragende Rolle, wonach die gesamte Materie aus den beiden Prinzipien Schwefel und Quecksilber aufgebaut sein soll.

Brennender Schwefel:

Bild

22. http://de.wikipedia.org/wiki/Hel_%28Mythologie%29 Der altnordische Name Hel ist verwandt mit dem deutschen Wort Hölle und führt auf ein urgermanisches *haljô ‚Hölle, unterirdische Totenwelt‘ zurück (got. halja; altengl. hell; ahd. hellea). Das Wort steht in Beziehung zum Verb verhehlen ‚verbergen‘, ist also als ‚das Verborgene‘ zu deuten (so auch das hebr. Wort ‚Sheol‘, als das Ungewahrte oder Unwahrnehmbare). Hel bezeichnete die Totenwelt ohne negative oder auch positive Konnotation (ähnlich dem griech. Wort Hades). Die Personifizierung der Hel zur Herrin dieser Totenwelt hatte offensichtlich nur im Norden stattgefunden.

23. http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrolyse Durch Verschwelung gewonnener Teer und Pech, sind die ältesten Kunststoffe der Menschheit. Bereits in der europäischen Mittelsteinzeit kannte man die Teer- und Pechgewinnung (Birkenpech) durch Pyrolyse (griech. πῦρ pyr Feuer und λύσις lýsis (Auf)Lösung). Holzteer und Pech wurden als Klebemittel und zum Abdichten eingesetzt. Beim Hufbeschlag und beim Klauenschneiden wird heute noch Holzteer als Desinfektionsmittel verwandt. Bei der Pyrolyse wird Holz unter Luftabschluss bei Temperaturen bis zu 700 C verschwelt. Für die Pechgewinnung eignet sich am besten Baumharz.

Dämonen24

Das Wort stammt vom griechischen Wort δαίμων (daimon) ab. Das Herkunftswörterbuch des Großen Duden gibt die Bedeutung von Dämon ‚böser Geist‘, als ein Mittelwesen zwischen Gott und Mensch an und führt es auf griech. δαίεσθει für ‚(ver)teilen‘, ‚zer-‚ und ‚zuteilen‘ sowie ‚geteilt werden‘ zurück. Von daher wird dort als Grundbedeutung von Dämon die Angabe ‚Ver- und Zuteiler (des Schicksals)‘ hergeleitet. Das Wort δαίμων (daimon) stand aber ursprünglich für den Geist der Abgeschiedenen oder umgekehrt den abgeschiedenen Geist der Verstorbenen (griech. σκιά oder skiá für ‚Schatten‘), ‚die körperperlosen Gestalten der Abgeschiedenen‘. In ganz ähnlicher Bedeutung existiert im Deutschen das nur selten gebrauchte Wort Schemen (vgl. auch ’schemenhaft‘) für Geist(er), Gespenst(er) und Spukgestalten. Zugrunde liegt diesen und anderen Wortbildungen (wie scheinen, schimmern, schier und Schimmel) nach dem Herkunftswörterbuch des Großen Duden das idg. Wurzelwort *skai- in der Bedeutung von (stumpf) glänzen, Glanz, Abglanz.

24. http://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4mon

Im allgemeinen Sprachgebrauch der Griechen und Römer war damals mit einem Dämon eine Gottheit, ein göttliches Wesen gemeint. Paulus nennt in Apg.17,22 die Athener als δεισιδαιμονεστερους (deisidaimonesterous, bedeutet wörtl. Dämonie-Verbundene) und zwar mehr als alle anderen, die er (Paulus) kennt. Diesen Hinweis des Apostels, dass die Athener also sehr Dämonie-Verbundene sind, haben die meisten Übersetzer mit „den Göttern Ergebene“, bzw. mit „sehr religiös“ wiedergegeben. Das Wort taucht nochmals in Apg.25,19 auf. Die Juden sahen aber darin dem Beelzebub25 untergeordnete Geister (Mt.12,24). Dieser Zusammenhang setzt eine hierarchisch aufgebaute Dämonologie voraus. Im NT wird das Wort „Dämon“ ausschließlich negativ gebraucht.

Mk.3,22: Er hat den Beelzebub, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

25. http://de.wikipedia.org/wiki/Beelzebub Mit dem Namen Beelzebub (hebräisch בעל זבוב) wird im AT der Stadtgott von Ekron im Land der Philister bezeichnet. König Ahasja von Israel erbat von ihm Orakel (2. Könige 1). Baal Zebub wird übersetzt mit Herr der Fliegen und ist vermutlich eine Verballhornung des eigentlichen Namens בעל זבול Baal Zebul (erhabener Fürst), um den Gott bzw. dessen Anhänger zu verspotten (sog. Schandname). Alle Namensformen sind Beinamen des Gottes Ba’al. In frühjüdischer Zeit wurde dieser kanaanäische Gott zum Inbegriff des Götzen und im dualistischen Denken zum Anführer der widergöttlichen Mächte. So erscheint er auch im NT (in der Mehrheit der griechischen Handschriften unter βεελζεβούλ Beelzebul) als der Oberste der Dämonen. Bedeutung erlangte er auch in lokalen Sagen und Märchen, wo er häufig im Zusammenhang mit Zaubersprüchen auftritt.

  • Dämonen und die Geister, die von ihnen ausgehen (Lk.4,33), werden im NT als hässliche Mischwesen (pferdeähnliche Heuschrecken mit Löwenzähnen, Skorpionschwänzen, Menschengesichtern und Frauenhaaren Offb.9,7-10), böse (z.B. Lk.7,21), unrein (z.B. Mk.1,23; Lk.7,21) und betrügerisch (1.Tim.4,1) bezeichnet.
  • Sie verbreiten durch Menschen Lehren, die zum Abfall vom Glauben verleiten (1.Tim.4,1). Diesbezüglich sind hier vor allem eine asketische Lebensweise genannt, sowohl was die Ernährung (Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen), als auch die Sexualität (Heiratsverbot) betrifft (1.Tim.4,3). Die Beispiele sind Erkenntnismerkmale gnostischen Gedankenguts, das Bemühen um Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt. 1.Joh.4,1-6 warnt vor falschen, pseudochristlichen Propheten und mahnt zur Unterscheidung deren Geister, ob sie aus Gott sind. Der konkrete Maßstab ist Christus im Fleisch gekommen, das Hauptunterscheidungsmerkmal gnostischer Geistes-Strömungen.
  • Sie suchen sich Menschen und Tiere als Behausungen (auch gruppiert, s. der mit Legion besessene Gerasener in Mk.5,9 bzw. Lk.8,30) und können durch diese auch sprechen.
  • Sie haben den Sohn Gottes immer erkannt und bezeugt (Jak,2,19).
  • Sie scheuen den Abyssos17 (Lk.8,31), das „Quälen vor der Frist“ (festgesetzten Zeit) (Mt.8,29)
  • Ausgetriebene Dämonen durchwandern wasserlose Orte26 (Mt.12,43; Lk.11,24), offenbar auf der Suche nach einem Ruheort, finden ihn aber nirgends und kehren dann erneut in einen Körper zurück.
  • Sie gelten als Ursache einiger körperlicher und psychischer Erkrankungen (Mk.9,25; Lk.6,18)

Offb.9,3.7: Und aus dem Rauch (des Abyssos17) kamen Heuschrecken (wahrscheinlich Dämonen) hervor auf die Erde… Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampf gerüsteten Pferden, und auf ihren Köpfen wie Kronen gleich Gold, und ihre Angesichter wie Menschen-Angesichter…

Offb.18,2: …gefallen ist Babylon, die große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels (möglicherweise sind beflügelte Dämonen damit gemeint).

Offb.16,13-14: Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche; denn es sind Geister von Dämonen (πνευματα δαιμονιων – pneumata daimonion) die Zeichen tun…

26. Das gr. Wort ανυδρων (anhydron, wasserlos) im NT ist eine bewusste Wortwahl und meint nicht die Wüste, dafür gibt es ein gesondertes Wort (ερημια – eremia). Es kommt sonst nur noch in 2.Petr.2,17 (wasserlose Quellen) und Jud.1,12 (wasserlose Wolken) vor. Die wasserlosen Stätten weisen auf die tiefe Bedeutung des Wassers im AT und NT hin. Wo Dämonen sind oder waren, da ist Wasser-Erquickung, Segen, zeugende Lebenskraft verschwunden. Es entstehen in der Natur, wie in der Seele des Menschen, die Zustände der furchtbarsten Öde und Dürre. (Zeitschrift für die gesamte lutherisch Theologie und Kirche, 1855) Hier sei noch erwähnt, dass die „Hydrophobie“, die Wasserscheu, ein bekanntes Symptom der Tollwut ist, eine seit Jahrtausenden bekannte Virusinfektion (Rabiesvirus), die bei Mensch und Tier das Nervensystem angreift und meist tödlich endet. Starke Spasmen (Muskelkrämpfe) können alleine durch den Anblick von Wasser und Getränken hervorgerufen werden, das Schlucken wird jedoch durch die Muskelkrämpfe sehr schmerzhaft bis unmöglich. Der Patient kann folglich nicht oder nur ganz wenig trinken, obwohl er großen Durst hat. Tollwütige galten früher als besessen. Auch das Übernachten auf Friedhöfen und in der Nähe von Gräbern (Gerasener) galt einst als Zeichen von Besessenheit. (Quelle: Takashi Onuki – Heil und Erlösung – Wissenschaftliche Untersuchungen zum NT) Siehe auch die Fußnote Abyssos17.

Jüdische Dämonologie

Von bedeutendem Einfluss auf die jüdische Dämonologie war deren Berührung mit der zoroastrisch-iranischen Dämonenlehre. Der Zoroastrismus3 weist einen stark differenzierten Dämonenglauben auf und macht für jedes Unglück, jede Krankheit und jedes Laster oder Übel einen bestimmten Dämon verantwortlich. Sie betrügen den Menschen, indem sie das Böse als gut deklarieren. Ahriman lenkt dieses Dämonenheer und ist mit dem Satan der biblisch-christlichen Dämonologie vergleichbar. Während noch Plato Dämonen als Mittlergestalten zwischen Göttern und Menschen begreift, verstärkt sich mit dem antiken Judentum und Christentum die rein negative Einschätzung der Dämonen.

Im AT tauchen mehrere Begriffe auf. Einer davon lautet Schedim (hebr. שֵּׁדִים ScheDiM, Brüstige, busige Götzen von hebr. SchaD, die Brust, falsche Milch Gebende), welchen die Septuaginta mit δαιμονιοις, Dämonen übersetzte. Das Wort taucht nur zweimal im Tanach27 auf (Deut.32,17 und Ps.106,37), stets im Plural, jedes Mal für falsche Götter im Kontext verbotener Kinds- und Tieropfer. In Deut.32,17 beklagt Mose den Götzendienst unter den Kindern Israels. Die Bundestreue des Volkes mit Gott war im Kontakt mit den heidnischen Völkern Kanaans verblasst, wodurch diese nun Dämonen (Shedim) dienen, denen die notwendige Macht fehlt und die deshalb Israels unwürdig sind. Im Judentum laufen zwei Linien hinsichtlich der Bewertung der heidnischen Götter nebeneinander. Die eine sieht in den Götzen lediglich Nichtse, tote Bilder, Wesen menschlicher Einbildung. Die andere versteht die Götzen als existierende Mächte, jedoch Gott untergeordnet und zugleich widergöttlich und den Menschen bedrohend. Auch laut Paulus opfern die Nationen den Dämonen. Aus Apg.7,42 geht hervor, dass die Israeliten durch den Götzenopferdienst dem „Heer des Himmels“ gedient haben.

1.Kor.10,20: …das, was die Nationen opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen.

27. http://de.wikipedia.org/wiki/Tanach Tanach oder Tenach (hebr. תנ״ך ‎TNK) ist in der jüdischen Tradition eine Bezeichnung der biblischen Texte, die für das Judentum normative Geltung haben. Dabei handelt es sich um dieselben Texte, die im normativen Textbestand (‚Kanon‘) der Bibel der christlichen Tradition als AT bezeichnet werden. Der Name Tanach ist ein Akronym der Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnungen seiner drei Teile ‏Torah ‚Weisung‘, Nevi’im ‚Propheten‘, Ketuvim ‚Schriften‘, die insgesamt in 24 Bücher eingeteilt werden. Mit Ausnahme weniger aramäischer Textpassagen (in den Büchern Esra und Daniel) sind die Texte des Tanach in hebräischer Sprache verfasst. In der jüngeren Sekundärliteratur werden die Texte des Tanach vielfach auch als ‚Jüdische Bibel‘ oder ‚Hebräische Bibel‘ bezeichnet.

Ein weiterer Begriff sind die Shoirim (hebr. שְּׂעִירִים SchOiRiM, Zottige, Haarige) ebenfalls eine Mehrzahlform, mit der Götzen darstellende (Ziegen-)Böcke und Kälber (3.Mo.17,7; 2.Chron.11,15) bezeichnet werden. Möglicherweise handelt es sich um die Darstellung von Mischwesen28.

Der Ziegenbock29 war seit den ältesten Zeiten ein sehr wichtiges Kult- und Opfertier. Er lebt oft an hochgelegenen Orten, klettert gern auf Höhen hinauf, bewegt sich lebhaft und schnell, hat einen starken Geruch, besitzt eine große sexuelle Potenz, zeigt sich häufig kämpferisch und störrisch und ist dabei auch fähig, in unwirtlichem Gelände zu existieren. Als gehörntes Symboltier repräsentiert der Ziegenbock ganz allgemein Männlichkeit, überschäumende Lebenskraft, schöpferische Energie und aggressive Überlegenheit. Er ist vielen Göttern heilig, die wie etwa Pan (das lat. Pendant ist Faunus), Hermes, Aphrodite oder Dionysos mit ekstatischen, leidenschaftlichen und seelenergreifenden Erfahrungen verbunden sind. Berühmt war im Altertum auch der ägyptische Sexualkult des Bocksgottes der Stadt Mendes (Mendes ist der griech. Name des altägyptischen Djedet, einer Stadt im östlichen Nildelta), der vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot mit Pan identifiziert wurde. In diesem Zusammenhang berichtet der antike Chronist besonders über den kultischen Geschlechtsverkehr der Frauen von Mendes mit dem heiligen Tier. Jedenfalls sahen sie es als Symbol der Fruchtbarkeit und Zeugungskraft an und beteten zumindest zu ihm um Kindersegen. Nach ihrem Tod wurden die heiligen Ziegenböcke einbalsamiert, und damit war ihre weitere Verehrung gesichert. Pan repräsentierte im alten Griechenland den Wald- und Weidegott der Hirten und Bauern. Von seiner Gestalt her war er halb Mensch und halb Ziegenbock. In seiner rein tierischen Verkörperung trug er ursprünglich selbst sehr zeugungskräftig zur Vermehrung der Herden bei, indem er höchstpersönlich die Ziegen besprang.

28. http://de.wikipedia.org/wiki/Mischwesen Mischwesen oder auch Chimären (gr. xίμαιρα, chímaira, ‚die Ziege‘) sind fiktive Lebewesen, die sich aus Teilen von zwei oder mehreren Lebewesen zusammensetzen. Schon bei den ältesten Skulpturen, Zeichnungen und Felsritzungen der Menschheit kamen nicht nur Darstellungen von Tieren und Menschen, sondern auch von anthropozoomorphen Mischwesen aus Kombinationen von Mensch und Tier vor. Diese Darstellungsform hält bis in die ägyptische Hochkultur an, in der die Götter als Humanoide mit Tierköpfen dargestellt wurden. Im archäologischen Sprachgebrauch werden abweichend vom allgemeinen Sprachgebrauch als ‚Monster‘ Mischwesen bezeichnet, meist ein Tierkörper mit menschlichem Kopf wie die oder der Sphinx (Menschenkopf und Löwenkörper), Zentauren (Menschenoberkörper und Pferdeleib), oder Meerjungfrauen (Frauenoberkörper und Fischunterleib). Den Gegensatz bildet ein theriokephales (tierköpfiges) Mischwesen mit mindestens menschengestaltigen Beinen, z. B. der Ziegendämon Baphomet. Weitere Beispiele für Mischwesen aus der Mythologie sind der griech. Pan, der röm. Faunus (röm.), halb Mensch, halb Ziegenbock, sowie die griech. Satyren als Menschen mit Pferde- und Eselsmerkmalen. Neue medizinische Techniken ermöglichen das Einpflanzen menschlicher Zellkerne in tierische Eizellen, hierbei entstehen so genannte Cybride.

29. http://www.symbolonline.de/index.php?title=Ziegenbock

Ein Dibbuk30 oder Pl. Dibukkim, vom hebr. Wort für Anhafung oder Umklammerung, ist nach jüdischem Volksglauben ein oft böser Totengeist, der in den Körper eines Lebenden eintritt und bei diesem irrationales Verhalten bewirkt. Der Geist des Toten konnte sich aufgrund seiner Verfehlungen nicht von der irdischen Existenz trennen und sucht nach einem lebenden Körper, um diesen zu besetzen. Der Dibbuk hat nach dem Volksglauben keine metaphorische, sondern eine konkrete Bedeutung. Der böse Geist, der in einen lebenden Menschen fährt, klammert sich an dessen Seele, ruft Geisteskrankheit hervor, spricht durch seinen Mund und stellt eine von ihm getrennte und fremde Person dar. Er ähnelt den Dämonen und Geistern, die in der katholischen Kirche beim Exorzismus auszutreiben werden.

30. http://de.wikipedia.org/wiki/Dibbuk

Christliche Dämonologie

Zunächst lebten zu Beginn des Christentums bei einigen Menschen auch die alten heidnischen Götter als Dämonen noch lange fort. Man glaubte, auch in Anlehnung an altjüdische Vorstellungen, an zahlreiche „Mittelmächte“, die man sich als gefallene Engel oder als Nephilim, Söhne der Engel und der Töchter der Menschen, vorstellte. Alle diese Geister galten als überaus böse und dem Reich Gottes sowie den Menschen feindlich gesinnt. Die Grundlagen der christlichen Dämonologie wurden von Augustinus entwickelt, der beeinflusst vom dualistischen Manichäismus31, die Lehre von den zwei Reichen begründete, nämlich die civitas Dei (Gottesreich) und die civitas Diaboli (Dämonenreich). Nach der Lehre des Augustinus seien die Dämonen gefallene Engel. Er zweifelte nicht an deren Realität und ihrem wirksamen Eingreifen in den Lauf der Dinge, allerdings nur, soweit Gott es zuließ.

31. http://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus Manichäismus ist nach seinem Gründer, dem Perser Mani (216–276/277) benannt. Manis Lehre ist durch die Unterscheidung von zwei Naturen oder Prinzipien und drei Epochen der Heilsgeschichte gekennzeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis. Die drei Epochen sind die vergangene Zeit, in der die beiden Naturen vollständig getrennt waren, dann die (noch andauernde) Zeit, in welcher der Bereich der Finsternis mit Lichtelementen vermischt ist, und schließlich eine künftige Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden. Wegen der Unterscheidung zweier absolut verschiedener und gegensätzlicher Naturen und der ihnen zugeordneten Reiche wird der Manichäismus zu den dualistischen Modellen gezählt.

Laut 2.Petr.2,4, Jud.1,6 und dem apokryphen Buch Henoch gelangten die Engel, die sich nach Genesis 6 mit Frauen vereinigt haben (Söhne Elohims), in den sog. Tartaros32. Dort sind sie gefangen und warten auf ihr Gericht.

2.Petr.2,4: Denn wenn Gott Engel, die verfehlt hatten, nicht verschonte, sondern sie den dunklen Verließen des Tartaros (eigentl. steht hier das Verb ταρταρόω ‚in den Tartaros werfen‘) übergab zur Verwahrung für das Gericht.

Jud.1,6: Engel, die ihren ersten Zustand (gr. την εαυτων αρχην – wört. den Anfang ihrer selbst) nicht hüteten, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ungewahrbaren Fesseln in Finsternis verwahrt.

32. http://de.wikipedia.org/wiki/Chaos Tartaros (Ort und Person zugleich) ist laut griechischer Mythologie aus dem Chaos entstanden. Das Chaos ist ein Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung und damit der Gegenbegriff zu Kosmos, dem griechischen Begriff für die (Welt-)Ordnung. Etymologisch hängt das Wort mit dem griechischen Verb χαίνω (klaffen, gähnen) zusammen, bedeutete also ursprünglich etwa klaffender Raum, gähnende Lehre oder Kluft. http://taaldacht.nl/2010/12/28/hel/ Die Ethymologie des Wortes Tartaros ist nicht ganz geklärt, aber es kann auf die indg. Wurzel *-tres „Zittern (aus Angst)“ zurückgeführt werden und soviel wie „schrecklich“ bedeuten. Man beachte auch das lateinische Wort Terror.

Gedanken zum Ursprung des Bösen

Gedanken zum Ursprung des Bösen

Woher kommt das Böse? Wer hat es erdacht, erfunden, in die Welt gesetzt? Das ist eine heikle Frage, und es haben schon Gläubige gemeint, den Ursprung des Bösen in Gott selbst sehen zu müssen. Um biblisch zu belegen, dass das Böse aus Gott stamme, stützte man sich eh und je auf Jes.45,7.

Jes.45,7: …der Former des Lichts und Erschaffer der Finsternis, Macher des Friedens und Erschaffer des Bösen; Ich, JHWH, bin der Macher all dieser.

Im Anfang der Bibel ist davon die Rede, dass Gott die Himmel und die Erde geschaffen hat und das Licht werden ließ. Von einer Erschaffung der Finsternis ist keine Rede; die Finsternis ist in 1.Mose 1,2 einfach da! Wurde es „vergessen“ die Erschaffung der Finsternis dort zu erwähnen und hat nun Jesaja die im biblischen Schöpfungsbericht festzustellende Lücke Jahrhunderte nach Mose endlich geschlossen?

Marcion, der etwa von 85 bis 160 n. Chr. lebte und der Gründer einer gnostischen Gemeinschaft war, schloss aus Jes.45,7, dass der Gott des AT ein anderer sei als der des NT. Nach Marcion und anderen ist Gott (nach dem AT) ein zwiespältiges, dualistisch gespaltenes Wesen – in Ihm würden Licht und Finsternis miteinander ringen.

Das Böse ist nicht in Gott und nicht aus Gott. Wunderbar klar und eindeutig stellt 1.Joh.1,5 fest, dass „Gott Licht ist und gar keine Finsternis in Ihm“. Ist sie nicht in Ihm (was ohne jede Einschränkung immer galt und gilt, da Gott Sein Wesen nicht ändert), so kommt sie auch nicht aus Ihm, in keiner Form.

Nach Röm.11,36 und Kol.1,16 ist das All(es) (τα παντα), die Gesamtheit aller Erscheinungen (die in den Himmeln und die auf der Erde, die Sichtbaren und die Unsichtbaren) aus Gott und in (εν αυτω) dem Sohn ins Dasein gekommen. Wenn keine Finsternis in Gott ist, ist auch keine Finsternis aus Ihm herausgekommen. Damit ist ausgeschlossen, dass der Satan als Satan ins Dasein kam, denn das All(es) ist aus Gott und Satan ist ein Teil des All(es). Wenn die Finsternis nicht aus Gott kam, dann kann sie nur außerhalb von Gott entstanden sein.

Röm.11,36: …aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin/ hinein in Ihn sind alle Dinge/ (ist) das All(es) (οτι εξ αυτου και δι αυτου και εις αυτον τα παντα).

Alles Wesenhafte ist aus Gott (1.Kor.8,6), ist bleibend und unvergänglich. Finsternis ist die Abwesenheit von Licht, d.h. von Wesenhaftem. In sich selber ist Finsternis nichts und kann somit nur ein vorübergehender Daseins-Zustand sein. Gäbe es etwas Unwesenhaftes außerhalb von Gott, das vom Sein her bleibend und unvergänglich wäre (auch der zweite Tod oder Feuersee ist damit gemeint), so müsste es selber ein Gott sein. Da es aber gemäß dem Wort der Wahrheit nur den einen allein wahren Gott gibt (5.Mo.10,17; Joh.17,3), haben alle unwesenhaften Daseins-Formen und Daseins-Zustände einen Anfang und ein Ende. Wo Wesen diese Formen und Zustände annehmen, sind sie der Vergänglichkeit unterworfen (Röm.8,20).

  • Finsternis – Abwesenheit von Licht
  • Tod – Abwesenheit von Leben
  • Sünde – Gesetz-Losigkeit (1.Joh.3,4)

Halten wir es klar auseinander: In Gott ist keinerlei Unwesenhaftes, wohl aber hat Er das Auftreten des Unwesenhaften als vorübergehende Erscheinung für eine begrenzte Zeit (wenn auch über mehrere Äonen!) ermöglicht, hat dafür aber einen Ausweg geschaffen und es sogar in Seine weiterführenden Ziele mit Seiner Schöpfung eingebunden. Das Lamm war bereits vor Niederwurf/ Grundlegung der Welt (απο καταβολης κοσμου) geschlachtet (Offb.13,8). Gott reagiert nicht nur, ist nicht etwa überrascht oder Opfer der Umstände, sondern Er agiert und handelt in weiser Vorausschau und trifft Vorkehrungen, weil Er weiß, dass das Ende (das Spätere) einer Sache besser als ihr Anfang ist (Pred.7,8).

Ist Gott ein Glücksspieler?

Ja, so fragt der Mensch, warum hat dann Gott überhaupt eine Schöpfung geschaffen, die in sich die Möglichkeit zur Fehlentwicklung birgt? Ist Gott das Risiko eingegangen, dass der größte Teil der Geschöpfe verloren gehen kann? Hat Gott zwar die Rettung aller Geschöpfe gewollt (1.Tim.2,4) und geplant, kann aber diesen Plan nicht ausführen, weil die Geschöpfe sich nicht retten lassen? Sollte die Schöpfung selbst nach ihrer Erlösung deutlich schlechter dastehen als an ihrem Anfang?

Lk.14,28-30: Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor nieder und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe? Auf dass nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht zu vollenden vermag, alle, die es sehen, anfangen ihn zu verspotten. und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und vermochte nicht zu vollenden.

Gal.6,7: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten!

Es ist zwar richtig, dass Gott, indem er eine Schöpfung aus sich heraus stellte, gleichzeitig auch die Entwicklung zum Unwesenhaften ermöglichte, das ist aber kein unkalkuliertes Risiko für Ihn gewesen und auch nicht ohne Grund, Zweck und Ziel geschehen.

Ist die Freiheit die Ursache für das Auftreten des Unwesenhaften?

Es bleibt nach wie vor die Frage offen: WIE konnte Unwesenhaftes außerhalb von Gott entstehen? Welche „Voraussetzungen“ oder Verkettungen von Umständen mussten vorhanden sein? Wenn das Wesen, das wir heute Satan nennen, nicht als Satan aus Gott gekommen ist, was hat dann zu seiner Entartung geführt?

Es wird viel vom „Zulassen“ Gottes gesprochen. Gott habe das Böse indirekt „zugelassen“, als Folge dessen, dass er die Geschöpfe mit einem freiem Willen ausgestattet habe. Der freie Wille wiederum sei eingeräumt worden, weil Gott freiwillig geliebt werden möchte (hier sei auch die Frage erlaubt, ob Gott die Liebe seiner Geschöpfe „braucht“, also auf sie angewiesen ist). Spricht man von der göttlichen „Zulassung“, so bildet sich allzu leicht die Vorstellung von einem Gott, der es gern anders hätte, aber leider verhalten sich Seine Geschöpfe nicht so, wie Er es möchte und auch forderte: „Ich habe euch alle gewarnt, aber ihr habt es leider nicht anders gewollt.“

Die Vorstellung, Gott habe eine Unzahl kleiner Gottheiten erschaffen, die einen so absoluten Willen haben, dass sie sich weit über die Grenzen Seiner Zwecke und Ziele fortentwickeln könnten, bedeutet doch, Gott zu entthronen und Ihm jeden Wesenszug wahrer Göttlichkeit abzusprechen. Die Menschen sollten den Aberglauben aufgeben, dass der Menschenwille eine keinem Gesetz unterworfene, unabhängige, souveräne, Gott die Stirn bietende Kraft im Weltall sei. Ist nicht gerade diese Vorstellung letztendlich Ausdruck der Ur-Sünde1 des Menschen, die darin besteht, seine Geschöpflichkeit nicht anzuerkennen? Wir übersehen leicht, dass der Mensch nichts weiter ist als ein Geschöpf; und als solches wäre er gar nicht dazu im Stande, sich Gott zu widersetzen, hätte sein Schöpfer ihm nicht die Kraft dazu gegeben.

1. Wir sind als Geschöpfe immer auf das größeres DU Gottes Bezogene. Gott ist der Einzige, der aus sich selbst heraus ICH sein kann. „Da sprach JHWH: ICH BIN, der ich bin.“ (2.Mose 3,14). Die Ur-Sünde des Menschen (und womöglich auch aller anderen Geschöpfe) besteht darin, dass er meint, er könne ohne das DU Gottes ein ICH sein. Der Mensch möchte also „SEIN wie Gott“ (Gen.3,5).

Für Albert Einstein, den Schöpfer der Relativitätstheorie, wie auch für viele andere Denker, war der freie Wille rein physikalisch ein Ding der Unmöglichkeit. Einstein fragte sich einst: „Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will, und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will?“ In der Natur reiht sich Kausalkette an Kausalkette. Es gibt keine Wirkung ohne Ursache. Genau das aber müsste ein Willensakt sein, den man als „frei“ bezeichnen könnte. Er müsste die Naturgesetze brechen und „aus sich heraus“, ohne Ursache, neue Ereignisketten bewirken. Einstein erschien ein solcher unbewegter Beweger absurd. Diese Skepsis hat ehrwürdige Tradition. „Der Mensch kann, was er will. Er kann aber nicht wollen, was er will.“ schrieb der Philosoph Schopenhauer. Auch Nietzsche und Luther hielten den Menschen in diesem Sinne für absolut unfrei. Spinoza glaubte, nur Gott habe Willensfreiheit.

Wenn „frei“ gleichbedeutend ist mit „unbeeinflusst“, so ist der menschliche Wille nicht frei, denn offensichtlich hängt das, was jemand will, immer von den jeweiligen Umständen und Einflüssen ab. Der Wille ist immer kausalen Zusammenhängen (Prinzip von Ursache und Wirkung) unterworfen. Frei in diesem Sinne ist nur ein einziger im Weltall, nämlich Gott, der über den Bereichen der Zeit und des Raumes in unbegrenzter Erhabenheit thront und keinen Umständen unterworfen ist. Das was uns als Geschöpfen von Gott eingeräumt wurde, ist ein gewisser Handlungsspielraum für unsere Entschlüsse.

Eph.1,11: …gemäß dem Vorsatz dessen, der alles wirkt2 (τα παντα ενεργουντος; von ἐνεργέω, in Aktion sein, handeln) nach dem Rat Seines Willens

„Wirkt“ – welch starker Ausdruck! Viel stärker als unser schwaches „zulassen“! Würde Gott vor dem Willen des Menschen einen Kniefall machen, kapitulieren, in Verlegenheit geraten, wäre die Erschaffung des Menschen ein großes Wagnis gewesen, denn wie unschwer zu erkennen, leben die meisten Menschen in Rebellion3 zu Gott, wogegen Er ja angeblich nichts tun kann, selbst wenn es Sein erklärter Wille ist, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen sollen (1.Tim.2,4).

Hiob 33,12: „Siehe, darin hast du nicht Recht, antworte ich dir; denn Eloha (Einzahl von Elohim) Gott ist erhabener als ein Mensch.“

Röm.9,19: …denn Seinem Beschluss, wer hat ihm widerstanden?

2. Nebenbei bemerkt: Wenn Gott „Unheil wirkt“, dann niemals selbst und direkt, sondern durch „Unheilswerkzeuge“.

3. Ach ein Jona, ein Saulus/ Paulus (Apg.16), der Kerkermeister von Philippi (Apg.16) und der „verlorene Sohn“ (Luk.15) kamen zur Umkehr, ohne dass Gott sie zwang – ganz „freiwillig“.

Absolute Freiheit gibt es nicht, außer für Gott selbst! Die Freiheit der Geschöpfe besteht nach biblischem Verständnis darin, sich in den ihnen von Gott zugewiesenen Platz und Handlungsrahmen, in ihre von Ihm gesetzte Bestimmung, einzufügen – oder diese zu verlassen – was aber mit Leid, Schmerz und Tod verbunden ist. Geht ein Geschöpf auf Widerstand mit seiner Bestimmung, lernt es unweigerlich die negativen Aspekte seines Widerstands kennen, die Reibung (das Leid), die dabei entsteht, wenn der Einzelne seine gesetzmäßig vorgeschriebene Bahn und Bewegungsrichtung verlässt. Die Bibel mahnt deshalb zur Umkehr.

Nur wer lernt, sich unter das Gesetz4 (das von Gott Gesetzte) zu stellen, wird dessen Forderung nicht mehr als Zwang erleben. Freiheit und Frieden findet nur derjenige, der sich in die Ordnung dieses Kosmos, in das Gesetz Gottes, einfügt, so dass er selbst damit verschmilzt. Dies allerdings erfordert die Überwindung des Machtanspruchs des Ego. Der Machtwille ist wohl der größte Feind des Menschen; er verpuppt sich in immer raffiniertere Gewänder. Der Gegenpol der Macht heißt Demut oder Liebe. Wer die große Macht des Dienens und der Demut zu verwirklichen gelernt hat, hat einen großen Schritt auf seinem Weg getan.

4. Der geoffenbarte Wille Gottes ist das Gesetz. Da der Mensch sich jetzt in einem natürlichen Zustand der Loslösung von Gott befindet, ist das Ausrufen des Gesetzes eine Notwendigkeit geworden, um den Menschen an seinen gefallenen Zustand zu „erinnern“. Das Gesetz kam wegen der Übertretung (Röm.5,20) – ohne Übertretung ist kein Gesetz notwendig, denn es bedarf keines Gesetzes, wo keine Sünde ist, denn das Geschöpf ist ja in Einheit, Übereinstimmung mit Gott als natürlichem Zustand. Das Gesetz ist kein Ersatz für den Ur-Zustand und kann es auch nicht sein. Als Menschen im gefallenen Zustand steht uns der Weg einer „unmittelbaren“ Rückkehr zum Schöpfer allerdings nicht mehr offen – wir müssen uns von Christus erlösen lassen.

Gott – der große Alchimist

Gott genehmigt das Böse nicht nur, sondern Er gebraucht und lenkt es auch und Seine wunderbare Weisheit vermag daraus sogar Gutes zu machen, Fluch in Segen zu verwandeln. Dies wurde besonders deutlich bei der Kreuzigung Jesu. Was einerseits eine böse Mordtat war, das war andererseits die Sühnung der Sünden der Welt (1.Joh.2,2; 2.Kor.5,19). Und Israels „Fehltritt“ (die Ablehnung Jesu und Seiner Apostel) brachte das rettende Heil zu den Nationen (Röm.11,11). Auch im Leben des Josef benutzte Gott das Böse, das ihm widerfuhr, zum Guten – zum Heil derer, die ihm das Böse angetan hatten (vgl. 1.Mose 37 und 39 und 45,7; 50,20). „Gott wandelte dir den Fluch in Segen um“ sagt 5.Mo.23,5.

Ps.119,91: …denn die alle sind Deine Diener (Dabhar)/ alle Dinge dienen Dir (Elb.)/ denn es muss Dir alles dienen! (Schlachter)

Es heißt nicht: 98 Prozent dienen Satan und 2 Prozent dienen Gott! Es gibt nichts, was nicht im tiefsten und letzten Grunde – ohne sein Wissen und ohne sein Wollen – doch dem lebendigen Gott dient. Die größten Machthaber dieser Erde spielen willig die Rolle, die Er ihnen zugedacht hat, und wissen es nicht. Satan erscheint in Hiob 1,6 vor Gott und hat nicht zu reden, sondern nur auf Fragen zu antworten. Von Gott her muss er auch uns letztlich dienen, weil er infolge seines Uns-Bedrängens an unserer Herrlichkeit mitwirkt. Satan kann nicht einfach tun und lassen, was er will. Gott lenkt nicht nur das Böse, Er begrenzt es auch (Hi.1,12; 2,6; 1.Kor.10,13). Gott hat auch bei bösen Entwicklungen letztlich alles in der Hand. Er verhindert so manches Böse aber aus erzieherischen Gründen nicht.

Röm.8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.

Wie könnte es also eine Macht im Universum geben, mit der Gott nicht fertig wird? Er triumphiert auf überragende Weise (Kol.2,15) und zeigt durch alles, was sich Ihm entgegenstellt Seine unermessliche Weisheit. In diesen überragenden Sieg werden auch die Kinder Gottes mit hinein genommen. Gott stellt nicht einfach nur den Ur-Zustand des Adam wieder her, Er gestaltet uns sogar in das Bild seines Sohnes (1.Kor.15,45-49).

Der neue Mensch

Der neue Mensch

Geburt aus Gott und Schöpfung durch den Sohn

Definition:

Geburt (w. Erwerden, in Existenz kommen): griech. genesis, aus Gott dem Vater, Übertrag göttlichen Samens, Wesenseinheit mit dem Vater, Sohnschaft.

Jesus, der aus Gott erst-geborene Sohn:

Ps.2,7: „JHWH sprach zu mir: Mein Sohn bist du, ich, ich gebar (ילדתיך; ildthi-k; in Ps.110,3; to generate) dich den heutigen Tag.“

Hebr.5,5: „Mein Sohn bist du, ja du, ich, heute habe ich dich erwerden (γεγεννηκα; to generate; (er)zeugen; hervorbringen) lassen.“

Hebr.1,5: „Denn zu welchem der Engel hat Er jemals gesagt: Mein Sohn bist Du! Heute habe Ich Dich geboren! Und noch dazu: Ich werde Ihm Vater sein und Er wird Mir Sohn sein.“

Joh.1,14: „Das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns, und wir schauten Seine Herrlichkeit – wie die Herrlichkeit des Einziggeborenen (griech. monogenes) vom Vater…“ (siehe auch Joh.1,18)

Schöpfung: griech. ktisis, durch den Sohn Gottes, das entsprechende hebräische Tätigkeitswort erschaffen ist bara (1.Mo.1), Seiner Hände Werk, gehauchtes Leben, nicht wesensgleich mit Gott.

Die Schöpfung wurde durch den Sohn:

1.Kor.8,5-6: „Denn wenn es zwar auch sogenannte Götter gibt (sei es im Himmel oder auf Erden, ebenso wie da viele Götter und viele Herren sind), so ist jedoch für uns nur Einer Gott, der Vater, aus dem das All(es) ist (und wir sind zu Ihm hingewandt), und nur Einer Herr, Jesus Christus, durch den das All(es) geworden ist (und wir sind es durch Ihn).“

Kol.1,15-18: „Er (der Sohn) ist das Abbild des unsichtbaren Gottes, der Ersthervorgebrachte (griech. prototokos) vor einer jeden Schöpfung (griech. ktisis). Denn in Ihm (Christus) ist das All(es) erschaffen: das in den Himmeln und das auf der Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften, Fürstlichkeiten oder Obrigkeiten. Das All(es) ist durch Ihn und zu Ihm hin erschaffen, und Er ist vor allem, und das All(es) besteht zusammen in Ihm. Er ist das Haupt der Körperschaft, der herausgerufenen Gemeinde, deren Anfang Er ist als Erstgeborener aus den Toten, so dass Er in allem der Erste werde…“

Offb.3,14: „Das aber sagt der Amen, der treue und wahrhafte Zeuge und der Ursprung der Schöpfung Gottes (griech. archae ho ktisis ho theos).“

Hebr.1,8.10: „Aber zu dem Sohn sagt Er: Dein Thron, o Gott, ist hinein in den Äon des Äons… Und: Du, hast in den Anfängen (griech. arche), Herr, die Erde gegründet (εθεμελιωσας), und die Himmel sind Deiner Hände Werk (εργα).“

Behauptung: Alles was auf der Schöpfungslinie läuft, alles Geschaffene, muss vergehen, muss durch einen Sterbensprozess durch; denn nur was aus Gott geboren ist, hat bleibendes und göttliches Leben. Alles Geschöpfliche lebt in seinen Bosheitsentfaltungen und geht darin zu Grunde, während nur das aus Gott Geborene, Gottes unvergängliches Wesen in sich trägt.

Röm.8,19-21: „Denn die Vorahnung der Schöpfung wartet auf die Enthüllung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung wurde der Eitelkeit untergeordnet (nicht freiwillig, sondern um des Unterordners willen) in der Erwartung, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden wird von der Sklaverei der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.“

Der Mensch, der heute die neue Geburt aus Gottes Geist erlebt, ist eine völlig neue Schöpfung, etwas noch nicht da Gewesenes, ein von oben, aus Gottes Geist Geborener!

2.Kor.5,17: „Daher, wenn jemand in Christus ist, ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“

Joh.1,12-13: „…allen aber, die Ihn empfingen – ihnen gab Er Vollmacht (griech. exousia; engl. authority, right), Kinder (offsprings) Gottes zu werden, denen, die an Seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüt (griech. ek haima), noch aus dem Willen des Fleisches (griech. ek thelema sarx), noch aus dem Willen eines Mannes (griech. ek thelema aner), sondern aus Gott geboren wurden (εκ θεου εγεννηθησαν).“

Joh.3,3: „Jesus antwortete: Amen, Amen, Ich sage dir: So jemand nicht von oben her geboren (γεννηθη ανωθεν) wird, vermag er nicht, die Regentschaft Gottes zu gewahren (sehen).“

Röm.8,15: „Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater!“

Bis dahin war es allein Jesus, von dem gesagt werden konnte, dass Er aus Gott selbst geboren ist (Joh.1,14.18: der einziggeborene Sohn, griech. monogenes).

Hebr.1,5: „Denn zu welchem der Engel hat Er jemals gesagt: Mein Sohn bist Du! Heute habe Ich Dich geboren?… Ich werde Ihm Vater sein und Er wird Mir Sohn sein?“

Joh.1,14: „Das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns, und wir schauten Seine Herrlichkeit – wie die Herrlichkeit des Einziggeborenen (griech. monogenes) vom Vater…“ (siehe auch Joh.1,18)

Die beiden Menschen in Eden wurden durch Jesus als lebendige Wesen erschaffen, sie waren jedoch nicht aus Gott selbst geboren!! Seinen Geist hauchte Er ihnen ein, um sie lebendig zu machen.

Das Prinzip der zwei Daseinsformen (durch Jesus Erschaffenes und aus Gott Geborenes) wird im folgenden Vers veranschaulicht:

Joh.3,6: „Das vom Fleisch Geborene ist Fleisch, und das vom Geist Geborene ist Geist.“

Elohim bewertete Sein eigenes Werk mit sehr gut; dennoch wissen wir, dass das Menschenpaar nicht in der Lage war, dem Angebot der Sünde zu widerstehen. Sie wurden von Gott darauf hingewiesen, dass sie sterben, wenn sie von der Frucht essen, jedoch hatten sie den Tod noch nie geschmeckt, insofern fehlte ihnen gerade diese Erfahrung, um die volle Wucht der angedrohten Konsequenz wirklich zu erfassen und zu fürchten. Und selbst wenn Gott ihnen das Szenario sehr detailliert geschildert hätte – das eigentliche Problem lag im Endeffekt daran, dass diese von Gott angekündigte Konsequenz in Zweifel gezogen wurde. Wie konnte das möglich sein? Wie konnte es zu einem Zweifel an Gottes Worten kommen? Kannten sie Ihn denn nicht? Waren sie sich dessen nicht bewusst, mit wem sie es zu tun hatten? Wurden sie über die Realität des Bösen, das bereits in der Welt existierte, nicht aufgeklärt? Es wurde auch behauptet, es läge am freien Willen, mit dem der Mensch ausgestattet worden sei. Selbst wenn das so wäre, erklärt das dennoch nicht, warum sie ihren freien Willen nicht dazu gebrauchten, dem Angebot der Sünde zu widerstehen, so wie es Jesus während Seiner Erdenzeit tat. Wieso waren sie angreifbar? Nachfolgend eine Erklärung:

1.Mo.3,6: „Und das Weib sah, dass der Baum gut zur Speise und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben…“

1.Joh.2,16: „…alles in der Welt, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und die Hoffart der Lebensweise, ist nicht aus dem Vater, sondern aus der Welt (griech. kosmos: aus der Gesinnung, aus dem Geist der Welt).“

Jak.1,13-15: „Niemand, der versucht wird, sage: Von Gott werde ich versucht; denn Gott ist vom Bösen unversuchbar, und Er Selbst versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von den eigenen Begierde hinweggezogen und gelockt wird. Danach empfängt die Begierde und gebiert die Sünde, die Sünde (wörtl.: Zielverfehlung) aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“

Noch einmal: Wieso war der Mensch angreifbar?

Die Bibel lehrt, dass alles, was aus Gott Geboren ist, nicht sündigen kann!

1.Joh.3,9: „Jeder, der aus Gott geboren ist (γεγεννημενος εκ του θεου), tut keine Sünde; denn Sein Same (σπερμα) bleibt in Ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“

1.Joh.5,4: „…denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt.“

Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der Zusammenhänge!

Der erste Adam war eine lebendige Seele, von der Erde (hebr. adamah: Erde), der zweite Adam, der Sohn Gottes, ist vom Himmel und ein lebendig machender Geist, in dessen Bild wir umgestaltet werden und somit Teilhaber am göttlichen Wesen bereits jetzt sind, nicht nur Erschaffene, seiner Hände Werk, sondern aus Gott Geborene, denn Gott ist Geist und das aus Gott Geborene ist ebenfalls Geist. Das allein ist die Garantie dafür, dass es eines Tages zu keinem Danebenfall mehr kommen kann und wird – denn nur Gott selbst ist vom Bösen unversuchbar (Jak.1,13).

1.Kor.15,47: „Der erste Mensch ist aus Erde, von Erdreich; der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel.“

1.Kor.15,45: „So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele (griech. psyche zao; engl. living soul; eine Seele lebt, kann aber nicht lebendig machen), der letzte Adam (Christus) zu einem lebendig machenden Geist (griech. pneuma zoopoieo; engl. life giving/ making spirit).“

1.Kor.15,48-49: „Derart wie der von Erdreich ist, solcher Art sind auch die von Erdreich, und derart wie der Himmlische ist, solcher Art sind auch die Himmlischen. Und so wie wir das Bild dessen von Erdreich tragen, werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.“

1.Kor.15,46: „Jedoch kam nicht zuerst das Geistliche, sondern das Seelische, und darauf das Geistliche.“

Gott fängt das Sechstagewerk mit dem Chaos an, der Tag fängt im jüdischen Kalender mit dem Abend an. Gott geht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, aufsteigend, nicht absteigend. Der Weg nach oben führt erst einmal nach unten. Dieses Prinzip wendet Gott auch auf den Menschen an: Er muss durch die tiefste Gefallenheit, durch Sünde, Leiden, Tod und Gericht – um DANN über alle Maßen erhöht zu werden. Heute schon sind wir (die wir in Christus sind) Gerechtfertigte, Teilhaber der göttlichen Natur (2.Petr.1,4 – γενησθε θειας κοινωνοι φυσεως), tragen den Samen oder Keim Gottes in uns, aber wir sind noch nicht vollendet. Das wird aber bei der Entrückung geschehen.

1.Joh.3,2: „Geliebte, nun sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber, dass wir, wenn Er offenbart wird (bei der Entrückung), Ihm gleich sein werden, da wir Ihn sehen werden, wie Er ist.“

Phil.3,21: „…(Christus) der den Körper unserer Erniedrigung umwandeln wird, um dem Körper Seiner Herrlichkeit gleichgestaltet zu werden…“

2.Petr.1,4: „Durch sie (Gottes Vermögensmacht) wurden uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch diese Teilnehmer der göttlichen Natur werdet (γενησθε θειας κοινωνοι φυσεως) und dem Verderben entflieht, das infolge der Begierde in der Welt ist.“

Hebr.2,11: „Denn sowohl der Heiligende wie auch die geheiligt werden, stammen alle aus Einem, um welcher Ursache willen Er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen…“

Paulus spricht vom nicht-neu-geborenen Menschen und nennt ihn den seelischen Menschen (psychikos), dem er den geistlichen Menschen (pneumatikos) entgegenstellt:

1.Kor.2,13-16: „…was wir auch aussprechen, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern mit solchen, wie der Geist sie uns lehrt, indem wir geistliche Dinge mit angemessenen geistlichen Worten erklären. Der seelische Mensch (psychikos) aber nimmt nichts von den Tiefen des Geistes Gottes an; denn sie sind ihm Torheit. Und er kann sie nicht erkennen, da sie nur geistlich erforscht werden können. Der geistliche Mensch (pneumatikos) erforscht zwar alles, er selbst aber wird von keinem seelischen Menschen erforscht. Der geistlich gesinnte Mensch erforscht zwar alles, er selbst aber wird von keinem seelisch gesinnten erforscht. Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Wer wird daraus etwas entnehmen? Wir aber haben den Denksinn/ die Denkart (griech. nous; engl. mind) des Christus!“

Wäre Eden oder der seelische Mensch von vornherein Gottes Endziel mit dem Menschen gewesen, hätte Gott sicherlich verhindert, dass der Mensch den Weg durch Sünde und Tod gehen muss. Die Bibel lehrt jedoch, dass der Leib Christi vor Niederwurf der Welt an auserwählt wurde. Der geistliche Mensch gehörte also von vornherein zu Gottes Plan, jedoch kam zuerst das Seelische, dann das Geistliche. Was Gott in Eden zeigen wollte ist: Der Mensch, der zwar eine lebendige Seele ist, aber nicht aus Gott geboren, kann dem Angebot der Sünde nicht wiederstehen! Der einzige, der noch nie die Sünde erkannte ist Jesus, der Mensch vom Himmel, der lebendig machende Geist, der Erstgeborene aus Gott (unter vielen Brüdern – Röm.8,29), der selbst keine Sünde kannte, doch um unsretwillen zur Sünde gemacht wurde (2.Kor.5,21).

Eph.1,4: „…wie Er uns in Ihm (in Christus) vor dem Niederwurf der Welt auserwählt hat, damit wir Heilige und Makellose vor Seinem Angesicht seien.“

Eph.1,5: „In Liebe hat Er uns für Sich zum Sohnesstand (into the place of a son) in Christus Jesus vorherbestimmt, nach dem Wohlgefallen Seines (souveränen) Willens.“

1.Kor.6,2: „Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“

1.Kor.6,3: „Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden…?“

Der Mensch, der als Gras bezeichnet wird (Jes.40,6-7; 1.Petr.1,24), über den der Psalmist fragt, was er denn sei, dass Gott überhaupt seiner gedenkt (Ps.8,5), der an Herrlichkeit weit hinter der Majestät der Engel und himmlischen Gewalten steht, ist das Wesen, das Gott am allerhöchsten erhebt, aus dem Staub zu Seiner Gleichheit, um darin den himmlischen Mächten Seine große Weisheit zu demonstrieren.

Eph.3,8-11: „Mir (Paulus), dem bei weitem geringsten aller Heiligen, wurde diese Gnade gegeben, den Nationen den unausspürbaren Reichtum des Christus als Evangelium zu verkündigen und alle darüber zu erleuchten, was die Verwaltung des Geheimnisses betrifft, das von den Äonen an in Gott verborgen gewesen war, der das All(es) (nicht im Sinne von Kosmos, sondern das Alles im Sinne von alles Bestehende, sei es unsichtbar oder sichtbar – siehe *Kol.1,16) erschaffen hat, damit durch die Herausgerufene den Fürstlichkeiten und Obrigkeiten inmitten der Überhimmlischen die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werde, entsprechend dem Vorsatz der Äonen, den Er in Christus Jesus, unserem Herrn, gefasst hat…“

*Kol.1,16: „Denn in Ihm (Christus) ist das All(es) erschaffen (εξουσιαι): das in den Himmeln und das auf der Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften, Fürstlichkeiten oder Obrigkeiten. Das All(es) ist durch Ihn und zu Ihm hin erschaffen…“

Der Fall Adams wäre ein kosmischer Super-GAU gewesen, wenn Gott nicht entsprechend dieser Verfehlung eine noch viel mächtigere Erlösung geschaffen hätte – eine Erlösung, die alle Menschen erfasst und zur Gerechtigkeit des Lebens führt, in gleicher Weise und weit darüber hinaus, wie in Adam jetzt alle im Tod sind! Gott kommt mit allen Seinen Geschöpfen zum Ziel, deshalb ist Gottes Handeln auch im Angesicht von Sünde und Tod gerechtfertigt. Er wird Sein Ziel, alle Menschen zu erretten, zur Vollendung bringen, nicht sofort und während dieses Zeitalters, aber auch das gehört zu Seinem großen Plan und tut der Tatsache keinen Abbruch. Sein Ziel mit allen Seinen Werken steht bereits fest.

Ps.145,9: „JHWH ist gut gegen alle, und seine Erbarmungen sind über alle seine Werke.“

Jes.28,29: „Auch dies geht aus vom Herrn der Heerscharen. Er führt seinen Plan wunderbar aus, Seine Weisheit lässt Er groß sein.“

Gott muss die Sünde beim Namen nennen und sie verurteilen. Dafür wurde Christus zur Sünde gemacht (2.Kor.5,21). Doch Gott rechtfertigt den Sünder!!

Gott richtet den Menschen nicht, weil dieser sich etwa nicht für das Heil entschieden hat, sondern der Mensch ist bereits gerichtet, von Geburt an, bevor er überhaupt „pieps“ gesagt hat steht er schon unter dem Urteil Gottes! Er wird unter das Gesetz der Sünde geboren, welches ihn zu einem Sklaven macht und ihn völlig entstellt (man denke etwa an den Film Matrix, wo die Menschen von den Maschinen versklavt sind, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein). Der Mensch IST ein Sünder, ja wird zum Sünder geboren und bleibt das von seinem Anfang und bis zu seinem Ende – es sei denn, dass Gott ihn errettet.

Es entspricht nicht unserem menschlichen Sinn von Gerechtigkeit, dass alle Menschen auf Grund der Zielverfehlung Adams unter das Gesetz der Sünde und des Todes kamen. Und ebenso wenig entspricht es unserem menschlichen Sinn von Gerechtigkeit, umsonst, gratis, ohne Zutun gerechtfertigt zu werden – genau das sind aber die Wege Gottes.

Jes.55,8-9: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht JHWH. Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

Röm.5,18: „…und wie es durch den einen Danebenfall für alle Menschen zur Verurteilung kam…“

Röm.5,14: „…herrschte der Tod von Adam bis auf Mose auch über die, die nicht in der gleichen Übertretung wie Adam gesündigt hatten…“

Röm.5,12: „…wie durch den einen Menschen die Sünde in die Welt eindrang, und durch die Sünde der Tod, und so zu allen Menschen der Tod durchdrang, worauf alle sündigten…“ (Man beachte hier die Reihenfolge: Eindringen der Sünde und in Folge Eintritt des Todes in die Welt, Durchdringen des Todes zu allen Menschen, woraufhin alle sündigen! Der Mensch sündigt auf Grund des Todes-Zustands – ein Mangel an Leben – in ihm.)

JEDOCH:

Röm.3,24: „Umsonst gerechtfertigt in Seiner Gnade durch die Freilösung, die in Christus Jesus ist…“

1.Kor.15, 22: „Denn ebenso wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.“

Röm.5,18: „Demnach nun, wie es durch den einen Danebenfall für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.“

Röm.11,32: „Denn Gott schließt alle zusammen in Widerspenstigkeit ein, damit Er sich aller erbarme.“

Jak.2,13: „…Barmherzigkeit rühmt sich wider (triumphiert über) das Gericht.“

Mt.12,20: „Ein geknicktes Rohr wird Er nicht zerbrechen, und glimmenden Flachsdocht wird Er nicht auslöschen, bis Er das Gericht zum Sieg durchgeführt hat.“

1.Kor.15,54: „Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anzieht und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anzieht, dann wird sich das Wort erfüllen, das geschrieben steht: Verschlungen wurde der Tod im Sieg!

1.Kor.15,55-56: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? (Der Stachel des Todes ist aber die Sünde…)“ (Der Tod und sein Stachel, die Sünde, werden völlig entmachtet!)

1.Kor.15,26: „Der letzte Feind, der abgetan wird (griech. katargeo: entmachten, zunichte machen, abschaffen, aufheben, vernichten, abtun, beseitigen, wegtun, zerstören, unwirksam machen), ist der Tod.“

Das heißt, dass sowohl der Tod als auch sein Stachel, die Sünde, völlig beseitigt werden! Das ist der Sieg, der Triumph des Gerichts: Die Beseitigung aller Trennung von Gott!

Kol.1,19-20: „…da die gesamte Vervollständigung Gottes (griech. pan to pleroma; engl. entire complement/ filling)) ihr Wohlgefallen daran hat, in Ihm (Christus) zu wohnen und durch Ihn das All(es) mit Sich auszusöhnen (griech. apokatallasso) (indem Er durch das Blut Seines Pfahles Frieden macht), durch Ihn, sei es das auf der Erde oder das in den Himmeln…“ (also im Grunde alle Geschöpfe sollen zu einem Ziel geführt werden: mit Gott versöhnt zu sein!)

Phil.2,9-11: „…damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge, der Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge huldige (griech.: exomologeo, aus ek und homologeo: völlig zustimmen, anerkennen, zugeben, bestätigen; freudig und offen bekennen; danken; versprechen): Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes des Vaters.“

1.Kor.12,3: „Darum mache ich euch bekannt, dass niemand, der in Gottes Geist spricht, sagen wird: In den Bann getan sei Jesus. Auch kann niemand sagen: Herr ist Jesus, außer in heiligem Geist.

1.Kor.15,28: „…damit Gott alles in allen (griech.: ta panta en pasin; engl.: every, entire, all things in all) sei.“

Das ist der große Heilsplan Gottes, der alles ins Leben Gerufene zu dem einen großen Ziel führt – nämlich alles in allen zu sein.

In welchem Fleisch kam Jesus?

In welchem Fleisch kam Jesus?

Wurde Christus erst am Pfahl durch Identifikation zur Verfehlung gemacht, hatte Er also vorher verfehlungsfreies Fleisch? Hat der Herr die Schwere der Schuldlast dieser Welt selbst getragen, oder ohne sie zu tragen beseitigt?

1.Joh.4,2-3: Darin erkennt ihr den Geist Gottes: jeder Geist, der Jesus Christos als im Fleisch Gekommenen bekennt (gr. ομολογει; gleichworten), ist aus Gott; und jeder Geist, der Jesus, den Herrn, nicht als im Fleisch Gekommenen bekennt, ist nicht aus Gott. Und dies ist der des Anti-Christos (Anstatt-Gesalbter), von dem ihr gehört habt, dass er kommt und nun schon in der Welt ist.

Die Leugnung des Kommens Jesu im Fleisch besteht in der Regel nicht in der Verneinung dieses Kommens im Fleisch, sondern in einer raffinierten Leugnung des Fleisches. Das Fleisch wird dabei in einer von der Definition im Wort Gottes abweichenden Weise erklärt, nämlich dass Jesus in von Verfehlung unbelastetes Fleisch, also in anderes Fleisch kam. Jesu Fleisch wird als reines oder als göttliches Fleisch bezeichnet, das im Gegensatz zu unserem Fleisch nicht schwach war, d.h. weder die Verfehlung, noch die Möglichkeit der Verfehlung in sich trug. So erklärt man in der gnostischen Leugnung, was das Kommen Jesu anbelangt, Seinen irdischen Leib als „Fleisch“, meint aber „Geist“. Zum Bekennen, wie es in 1.Joh.4,2-3 gefordert ist, gehört nicht nur der Gebrauch gleicher Worte, d.h. die Wiedergabe der biblischen Formulierung, sondern das Bezeugen dieser Worte mit den biblisch belegten Wortinhalten.

Röm.8,3: Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem Er, Seinen eigenen Sohn in Gleichheit des Fleisches der Verfehlung (ομοιωματι σαρκος αμαρτιας; homoiooma, d.h. in wesentlichen Merkmalen übereinstimmend im Gegensatz zu heteros andersartig) und wegen der Verfehlung sendend, die Verfehlung im Fleisch verurteilte…

Phil.2,5-8: Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus ,er, der in Gestalt Gottes (εν μορφη θεου) das Übereinssein mit Gott (το ειναι ισα θεω; isos, die absolute Übereinstimmung mit Gott) nicht wie einen Raub festhielt, sondern sich selber entleerte, Gestalt eines Sklaven annahm, in Art und Weise wie ein Mensch befunden wurde, sich selber erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod…

Es kam zur Erniedrigung auf die Ebene des Menschseins, die mit Gleichheit (oμοιωμα; homoiooma) und mit Art und Weise (schema, d.h. grundlegendes Muster) beschrieben wird. Hier ist hervorzuheben, dass im Grundtext von Röm.8,3 nicht, wie vielfach falsch übersetzt, homomorphe Gleichgestalt, sondern homoiooma Gleichheit steht, d.h. in den wesentlichen Merkmalen übereinstimmend. Wie erwähnt, hatte der Sohn Gottes nicht nur die Gestalt des Fleisches der Verfehlung, sondern wurde in der Gleichheit dieses Fleisches gesandt. Manche versuchen, das Wort homoiooma Gleichheit durch die Übersetzung mit Ähnlichkeit abzuschwächen; aber auch ein „ähnlich“ würde begrifflich ein Übereinstimmen in den wesentlichen Merkmalen bedeuten. Es geht dabei nicht um äußere Ähnlichkeit (Gestalt, Aussehen) wie bei einer Attrappe oder einem Avatar1, sondern um die Fleisch-Merkmale. Die Stärke der Verfehlung uns gegenüber besteht nämlich darin, dass sie gesetzmäßig in unseren Gliedern sitzt (Röm.7,23) und das Fleisch kraftlos, schwach ist (Mt.26,41; Mk.14,38) in Bezug auf das Einhalten des Gesetzes.

1. Die Religionen der Völker und die von ihnen stammenden Mythen berichten von Göttern, die in eigener Kraft herabstiegen und dabei die äußere Gestalt von Menschen oder Tieren annahmen. Auch die Söhne Elohims fallen wohl in diese Kategorie.

Jesus wurde aus Maria geboren Lk.2,5.7 und bekam von ihr das Fleisch. Was sollte Er sonst von Seiner Mutter bekommen haben, wenn nicht ihr Fleisch? Er kam nicht im Fleisch von oben, denn von oben her kam nur der Same des Vaters, der Geist ist.

Joh.3,6: Das Erwordene aus dem Fleisch ist Fleisch, und das Erwordene aus dem Geist ist Geist.

Röm.9,5: …deren (gemeint sind die Israeliten) die Väter sind, und aus welchen, dem Fleisch nach, der Christos ist…

Eindeutiges Zeugnis der Schrift ist, dass Jesus Sohn der Maria war. Würde dies geleugnet, wäre Er weder aus dem Samen Davids, noch Sohn des Menschen (Sohn Adams). Das aus dem Samen der Maria Gewordene war Fleisch, das aus dem Geistes-Samen Gottes Gewordene war Geist. Jesus hatte kein anderes Fleisch als alle anderen Menschen auch und damit auch kein unbelastetes Fleisch, da es zur Zeit Seines Kommens dieses Fleisch ohne den Sauerteig der Verfehlung nicht mehr gab und somit hätte Ihm auch Maria kein Fleisch vererben können, das frei von Verfehlung war. Hier setzt der gnostische Verführungstrick der katholischen Kirche ein, die aus diesem Grund Maria als unbefleckt Empfangene und damit als Verfehlungsfreie darstellt.

Hebr.9,28: So wurde auch Christos ein Mal dargebracht, um die Verfehlungen der Vielen h i n a u f zu tragen (πολλων ανενεγκειν αμαρτιας), auf dass er zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Verfehlung erscheinen wird…

1.Petr.2,24: …der unsere Verfehlungen selbst h i n a u f trug (ανηνεγκεν) i n seinem Leib (εν τω σωματι) auf das Holz…

Jesus hat also nicht a n Seinem Leib (wie vielfach falsch übersetzt), sondern i n Seinem Leib unsere Verfehlungen auf das Holz getragen, was auch in dem wörtlich wiedergegebenen h in a u f sichtbar wird. Die Verfehlung bekam Er nicht erst am Pfahl, sondern Er hatte sie dorthin h i n a u f zutragen. Er hatte die Verfehlung bereits bei Seiner Empfängnis durch die Übernahme des Fleisches mit aufgenommen, um sie auf das Holz h i n a u f zu tragen. Ganz wichtig: Jesus trug nicht Seine eigene Verfehlung, sondern die Verfehlung von Adam her. Bereits mit der Fleischwerdung hat Er die Schuld auf sich genommen, nicht die eigene, sondern fremde.

1.Petr.1,19-20: …sondern mittels kostbarem Blut des Christos, als eines makellosen und fleckenlosen Lammes, welches zwar erkannt wurde vor Grundlegung der Welt, aber geoffenbart wurde am Ende der Zeiten euretwegen.

Das Lamm Gottes blieb also, was es selbst betraf, auch auf Erden makel- und fleckenlos, weil es, indem es von sich aus ohne Verfehlung war, keine eigene Last der Verfehlung, sondern die Last der Verfehlung der ganzen Welt trug. Wie trug Er sie? I N Seinem Fleisch! Die Übernahme der Verfehlung in Sein Fleisch, ohne selber zu verfehlen, wäre gar nicht möglich gewesen, wenn sie nicht durch die Geburt erfolgt wäre, d.h. wenn Jesus bei Seiner Geburt Fleisch ohne Verfehlung gehabt hätte! Welchen Sinn machen dann Versuchungen, wenn die Versuchbarkeit nicht gegeben ist?

Jesus Christus, unser Hohepriester, wurde aber in allem versucht wie wir:

Hebr.4,15: Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht mit unseren Schwachheiten mit zu leiden vermag, wir haben aber einen, der versucht wurde in allem, in Gleichheit (καθ ομοιοτητα), jedoch ohne Verfehlung.

Hebr.5,2: …der auch vermag, samt den Unwissenden und Beirrtseienden angemessen zu leiden, weil auch Ihm Schwachheit umgelegt ist.

Sein Mitleiden bezieht sich also auch auf unsere Schwachheiten aus dem Fleisch, weil auch Er solches Fleisch hatte. Dies geht ebenso aus Hebr.2,17.18 hervor:

Hebr.2,17-18: …weswegen Er in allem den Brüdern gleich werden musste, damit Er ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Verfehlungen des Volkes zu sühnen. Denn worin er selbst gelitten hat als Versuchtwordener, vermag er denen zu helfen, die versucht werden.

Jak.1,14: Jeder aber ist von der eigenen Begierde versucht, herausgezogen und gelockt.

Wenn es heißt jeder, dann war auch Jesus davon nicht ausgenommen, denn auch Er wurde ja versucht in gleicher Weise wie wird. Auch besteht eindeutig die Möglichkeit zur Verfehlung, denn es heißt in Vers 15:

Jak.1,15: Danach, wenn die Begierde Samen aufnahm (empfangen hat), gebiert sie die Verfehlung; die Verfehlung aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

Er wurde uns also auch in der Möglichkeit der Verfehlung gleich, denn es heißt in allem. Hätte Er andere Voraussetzungen gehabt als wir, hätte Er nicht versucht werden können, hätte nicht gelitten, nicht gesiegt und in Folge auch kein treuer und barmherziger Hohepriester werden können. Ein Blinder kann die Augenlust nicht überwinden, er kann ja nicht sehen; ein Christus ohne Versuchbarkeit des Fleisches hat über die Verfehlung nicht gesiegt, denn Sieg ist nur, wo Kampf vorausging. Aber der Herr hat gesiegt, Sein Sieg ist unser Sieg (1.Kor.15,57). Wer also behauptet, dass das Fleisch Jesu die Möglichkeit der Verfehlung nicht in sich barg, erklärt damit, dass es im Grunde gar kein Fleisch war.

Die Tatsache, dass Jesus vom Geist her, d.h. gemäß dem, was durch das Erwordensein aus Gott in Ihm war, nicht verfehlen konnte (1.Joh.3,9) schließt keineswegs aus, dass gemäß Fleisch, in das hinein Er sich erniedrigte, die Möglichkeit der Verfehlung bestand. Herausgerufene sind ja auch aus Gott erworden und können nach dem innwendigen Menschen nicht verfehlen, ohne dass die Möglichkeit der Verfehlung grundsätzlich ausgeschlossen ist, weil das Fleisch, das nicht aus Gott erwurde, noch da ist. Die Aufforderung an Gläubige, nicht zu verfehlen (Röm.6,15; 1.Kor.15,34; Eph.4,26; 1.Joh.2,1), wäre sinnlos, wenn keine Möglichkeit zum Verfehlen bestünde.

Wie bereits mehrfach ausgeführt, war und blieb der Sohn Gottes persönlich immer gerecht. Er war der Heilige, der sich in das Fleisch erniedrigte und in diesem Fleisch kam, um die Wohltracht (das Trachten nach dem Wohle aller) des Vaters zu erfüllen (Ps.40,8.9). Es fand sich keine eigene Verfehlung in Ihm, weshalb der Feind keinen persönlichen Anspruch an Ihn hatte.

Joh.14,30: …der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir.

Für Gnostiker, gegen die Johannes in seinen Briefen auftrat, war die Menschwerdung nur eine Angelegenheit des Äußeren. Gleichheit erklärten sie nur von den äußeren Kennzeichen her. Die Menschendarstellung wird damit zur Attrappe und des tieferen Inhalts entleert. Es wird die Erniedrigung des Sohnes Gottes geleugnet, der entscheidende Punkt, an dem die Erlösung hängt und mit dem die rettende Torheit der Verkündigung (1.Kor.1,21) verbunden ist. Bewusst oder unbewusst beginnt hier die Leugnung des Wortes vom Pfahl, die den Irrtum verbreitet, dass Gottes Vermögen nicht durch die Schwachheit Seines Sohnes, sondern in der Stärke der göttlichen Natur oder verbunden mit Zeichen und Wundern vollendet wird. Es widerspricht der Weisheit dieser Welt (1.Kor.2,6), dass Gott im Sohn in die Schwachheit des Fleisches einging. Gerade dieses Schwache aber war Gottes Stärke, seine Vermögenskraft wurde gerade darin vollendet (1.Kor.1,18; 2.Kor.12,9.10). Durch diesen Weg wurde Christus zum lebendig machenden Geist (1.Kor.15,45). Der auferstandene Christus kann bleibendes Leben durch Seinen Geist übermitteln, der Christus vor der Auferstehung führte nur Tote in sterbliches Leben zurück.

Fazit:

Gott sandte Seinen Sohn in das schwache Fleisch (nicht in starkes Fleisch – ein solches gibt es nämlich nicht!), Er sandte Ihn in der Gleichheit des Fleisches der Verfehlung und ließ Ihn am Pfahl die Verfehlung in diesem Seinem Fleisch töten. Ebenso wird diese Gegebenheit prophetisch in Jakob offenbart, der sich in den Ziegenfellen und im Gewand des Esau (des Täters) seinem Vater darstellte (1.Mo.27,19.32). Er war auch wie der Stab Aarons, das Holz, das ein Bild auf das Fleisch ist (Lk.23,31). Als dieser Stab wurde Er zur Schlange, als Er auf die Erde geworfen wurde, denn Er wurde zur Verfehlung gemacht. Er verschlang aber als die Stab-Schlange alle Ungeheuer, alle Schlangen der Zauberer des Pharao (2.Mo.7,12), so, wie Er auf Golgatha den Tod und den Stecher des Todes, die Verfehlung, verschlungen hat (1.Kor.15,54-56). Damit kam es zum Absinken in die tiefste Niedrigung. Dies ist nie unterboten worden und so wurde der Vordere (Erste) zum Letzten (Offb.1,17).