Zwei Körperschaften, zwei Berufungen

Das Evangelium* der Regentschaft** und das Evangelium des Paulus – Zwei Körperschaften, zwei Berufungen

*Evangelium, hell. evangelion bedeutet wörtl. Wohlkunde bzw. Freudenbotschaft.

**Die übliche Wiedergabe des altgriechischen basileia mit Reich, Königreich oder Königsherrschaft wird hier durch das Wort Regentschaft ersetzt.

Die Bibelzitate in der vorliegenden Arbeit sind eine wortgetreue Übersetzung gemäß dem Codex Sinaiticus.

Israel – eine Begriffsdefinition:

Gesamt-Israel bestand aus 12 Stämmen, die in der Zeit des Königs Rehabeam (Enkel Davids) geteilt wurden. Die Teilung Israels als ganzes einheitliches Volk war die Konsequenz des Götzendienstes Salomos (1.Kön.11,1-13). Israel wurde in zwei Reiche geteilt, in das Nordreich, das den Namen Israel behielt und auch Ephraim oder das Haus Josef genannt wurde und in das Südreich Juda (Stämme Juda, Benjamin und Levi). Das war ca. 920 v. Chr. (1.Kön.12).

Nach der Reichsteilung lebten diese beiden Reiche ca. 200 Jahre nebeneinander, führten Kriege gegeneinander und auch zusammen Kriege gegen andere. Ca. 720 vor Christus hat Gott das Nordreich Israel (Ephraim, Haus Josef) wegen ihres nicht mehr zu verzeihenden Götzendienstes und ihrer Widerspenstigkeit verworfen und sich von ihnen getrennt, indem Er der Jungfrau Israel den Scheidebrief gab (Jer.3,6-8) und sie dem assyrischen Exil preisgab, aus dem sie nie mehr in ihr Land zurückgekehrt, sondern in den Völkern untergegangen ist. Wenngleich Gott auch Juda dem Gericht des babylonischen Exils preisgab, hat Er sich von Juda nie offiziell getrennt. Juda blieb die Verehelichte oder Vermählte und die Jungfrau Israel die Einsame oder Verlassene (Jes.54,1ff).

Zur Zeit Jesu gab es also nur noch das Reich Juda mit den drei Stämmen Juda, Benjamin und Levi unter römischer Vorherrschaft und seinen Zerstreuten in der Diaspora. Dieser Überrest repräsentierte ISRAEL. Die anderen zehn Stämme waren ja verloren, unter die Nationen eingesät und nicht mehr identifizierbar.

Einleitung:

Das Zentrum des Denkens, das Sehnen und Trachten eines jeden gläubigen Israeliten war und ist es, die Regentschaft des Messias auf dem Thorn Davids auf der Erde zu sehen mit Israel als Haupt der Nationen und der himmlischen Stadt Jerusalem als Regierungszentrum. Das ist es, was die Propheten verkündigten und was auch Abraham verheißen wurde und worauf seine Erwartung sich ausrichtete (Hbr.11,8-10). Wann dies geschehen soll, war auch die brennende Frage der Jünger des Herrn:

Apg.1,6: Die nun zusammengekommen waren, fragten Ihn daher: Herr, stellst Du in dieser Zeit die Regentschaft für Israel wieder her?

Jesus bestätigte in Seiner Antwort diese Regentschaftserwartung für Israel. Einige Wochen später redet Petrus öffentlich vor dem Volk von der Wiederherstellung alles dessen, was Gott durch den Mund Seiner Propheten gesprochen hat (Apg.3,20-21).

Israel, die heilige Nation

5.Mo.7,14: Gesegnet wirst du sein, mehr als all die Völker

Das jüdische Volk war und ist von Gott her dazu auserwählt, in dem kommenden herrlichen Zeitalter der Regentschaft des Messias als Priestertum mitzuregieren:

2.Mo.19,6: Und ihr werdet mir eine Regentschaft der Priester und eine heilige Nation. Dies sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel sagst.

Diese Verheißung an das Volk Israel wiederholt Petrus in seinem Brief an die Juden in der Diaspora:

1.Ptr.1,1: Petrus, Apostel Jesu Christi: Den Auserwählten, den auch Staatenlosen der Diaspora (Zerstreuung) von Pontus, Galatien, Kappadokien und Bithynien…

1.Ptr.2,9-10: 9. Ihr aber seid eine auserwählte Werdelinie, eine regierende Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zur Aneignung, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus Finsternis berief in sein erstaunliches Licht, 10. die ihr einst Nicht-Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid; die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.

Der Auftrag Jesu

Mt.15,24: Er aber sagte antwortend: Ich wurde nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Mt.5,17: Meint nicht, dass Ich kam, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich kam nicht, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen.

Lk.16,16: Das Gesetz und die Propheten waren bis auf Johannes; von da an wird das Evangelium der Regentschaft Gottes verkündigt…

Lk.8,1: In der Folge durchwanderte Er Stadt um Stadt und Dorf um Dorf, verkündigte öffentlich die Regentschaft Gottes und verkündigte sie als Evangelium.

Mk.1,14-15: 14. Nach der Überantwortung des Johannes kam Jesus nach Galiläa. Dort verkündigte Er öffentlich das Evangelium der Regentschaft Gottes und sagte: 15. Die Frist ist vervollständigt worden und die Regentschaft Gottes hat sich genaht. Sinnt um und glaubt an das Evangelium!

Jesu Ruf zur Umsinnung (Buße) galt in erster Linie dem jüdischen Volk (Mt.15,24; Mt.10,5-6), damit dieses zugerüstet werde, um die ihm von den Propheten her verheißene priesterliche Stellung in der kommenden messianischen Regentschaft ausüben zu können. Die Voraussetzung war, dass sie an den Namen Jesu glauben, d.h. daran, dass Er der erwartete Messias ist (Joh.1,12; Apg.3,16; 8,12; 1.Joh.3,23).

Röm.15,8: Denn ich (Paulus) sage, dass Jesus Christus zum Diener der Beschneidung gemacht worden ist für Gottes Wahrheit, um die Verheißungen der Väter zu bestätigen.

Die Übertragung der Schlüsselgewalt

Mt.16,18-19: 18. Und ich aber sage dir: Du bist Petrus (Fels), und auf diesem Felsen werde ich meine Herausgerufene bauen, und die Tore des Hades werden sie nicht (entgegenstehend) herabdrücken. 19. Ich werde dir die Schlüssel der Regentschaft der Himmel geben, und was du auf dem Erdland bindest, das ist gebunden worden in den Himmeln, und was du auf dem Erdland löst, das ist gelöst worden in den Himmeln.

Hier besteht die Gefahr, die Regentschaft der Himmel als die Regentschaft im Himmel zu verstehen, und nicht als die Regentschaft, die aus dem Himmel kommt, aber auf der Erde sein wird:

Offb.21,2: Und ich gewahrte die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Petrus, der gemäß der ihm von Christus übertragenen Schlüsselrechte (Mt.16,19) die Tür der Regentschaft mit dem Vergebungs- und Geistesangebot an ganz Israel weit aufmachte, stützte sich in seiner Verkündigung stets auf die Propheten:

Apg.3,19-22: 19. Sinnt daher um und wendet euch dahin, dass eure Sünden ausgelöscht werden, damit Fristen der Erfrischung kommen vom Angesicht des Herrn, 20. und Er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende, 21. den der Himmel empfangen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung all dessen, wovon Gott durch den Mund Seiner heiligen Propheten vom Äon an gesprochen hat. 22. Mose sagte bereits: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, unser Gott, auferstehen lassen aus euren Brüdern…

Apg.10,43: Diesem (Jesus) bezeugen alle Propheten: Durch Seinen Namen erhält jeder, der an Ihn glaubt, Erlassung der Verfehlungen.

In Gal.2,7 erklärt Paulus, dass Petrus das Evangelium der Beschneidung anvertraut wurde:

Gal.2,7: …sondern im Gegenteil, weil sie sahen, dass ich mit dem Evangelium der Unbeschnittenheit betraut bin, so wie Petrus mit dem der Beschneidung.

In Mt.18,18 und Joh.20,23 wird die Schlüssel-Vollmacht auch weiteren Jüngern übertragen. Daraufhin ziehen die Apostel und Jünger durch ganz Israel und verkündigen das Evangelium von der kommenden Regentschaft. Der den Juden bereits im AT verheißene Heilige Geist (Jes.44,3; 32,15; Hes.36,27; Joel 3,1; Sach.12,10) wurde mit Zeichen und Wundern und den Kräften des kommenden Zeitalters vorgeschattet (Hebr.6,5b) in ihrer Mitte ausgegossen.

Es ist offensichtlich, dass das, was in dieser Zeit angeboten wurde, dieselben Verheißungen waren, von denen das Alte Testament und die Evangelien berichten. Worin bestand damals die Hoffnung Israels? Welche Verheißung war den Vätern Abraham, Isaak und Jakob gemacht worden? Es war die Verheißung von einer Regentschaft Gottes auf Erden mit dem erhöhten Jerusalem als Regierungszentrum, zu dem die Nationen um deren Segnungen willen kommen werden. Das ist zentraler Inhalt der Botschaft des Alten Testaments, der Evangelien und der Apostelgeschichte, ferner der Briefe des Petrus, Jakobus und Johannes, des Hebräerbriefs und der Offenbarung.

Der Missionsauftrag: Israel als Segensvermittler für die Nationen

Es war dem jüdischen Volk nicht unbekannt, dass der Messias mittels dieses Volkes im kommenden Zeitalter über die Nationen regieren wird (Ps.2,8-9). Israel sollte das Haupt der Nationen werden. Unter der Vorrangstellung Israels als einer auserwählte Werdelinie, einer regierenden Priesterschaft, einer heiligen Nation (1.Petr.2,9), sollten auch die Nationen an deren Segnungen Teil haben, aber immer in der Reihenfolge dem Juden zuerst und dann auch dem Hellenen (Röm.1,16; 2,10)

Es war bereits durch den Propheten Jesaja verkündigt worden, dass Israel zum Licht der Nationen gesetzt ist:

Jes.6,1-3: 1. Erstehe, leuchte (Israel), denn dein Licht kam, und die Herrlichkeit JHWHs ging über dir auf. 2. Denn siehe! Finsternis bedeckt das Erdland und Wetterdunkel die Volksstämme, aber über dir geht JHWH auf, und seine Herrlichkeit wird über dir gesehen. 3. Und Nationen wandeln zu deinem Licht und Regenten zum Glanz deines Aufgehens. [Offb.21,24]

Nach der Auferstehung des Herrn bekam diese Prophezeiung ihre Aktualität wieder. Der Auftrag Jesu an Seine Jünger, der erst mal ausschließlich dem Volk Israel galt, dehnte sich nun auf alle Nationen aus:

Mt.28,19: Geht und macht alle Nationen zu Jüngern (w. Lernende), und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…

Mk.16,15: Dann sagte Er ihnen: Geht in alle Welt und verkündigt das Evangelium aller Schöpfung!

Mt.24,14: Dieses Evangelium der Regentschaft wird verkündigt werden allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird die Vollendung eintreffen.

Der letztgenannte Vers wartet noch auf seine endgültige Erfüllung. Mit der Vollendung ist hier der abschließende Zeitraum dieses gegenwärtigen Zeitalters gemeint, der mit Geburtswehen (Gerichte der Offenbarung, Drangsalszeit) das kommende herrliche Zeitalter des Millenniums einleiten wird.

Die Verkündigung nahm ihren Anfang in Jerusalem, wie vom Propheten Jesaja vorausgesagt (Jes.12,3) und breitete sich von dort über die ganze damals bekannte Wohnerde (hell. oikumene) aus. Ebenso wird es auch im kommenden Zeitalter sein:

Jes.12,3: Denn von Zion (Regierungszentrum) wird das Gesetz ausgehen, und das Wort JHWHs von Jerusalem

Jerusalem ist von jeher die erwählte Gottesstadt gewesen. Schon Melchisedek der König von Salem, wie die Stadt früher hieß, spielt eine bedeutende Rolle. Abraham gab diesem König den Zehnten seiner Kriegsbeute und wurde von ihm gesegnet, denn Melchisedek war auch ein Priester und zwar des EI-Elyon d.h. des höchsten Gottes (1.Mo.14,18-22; Hebr.7,1f). Salem oder Jerusalem (= Gründung des Friedens) ist also von Urbeginn an eine Offenbarungsstätte des reinen Gottesdienstes gewesen. Durch David, der diese Stadt später von den Jebusitern eroberte, ist sie zur Hauptstadt seines Königreichs gemacht worden (2.Sam.5,6-9). Der Zionshügel wurde zur Königsburg und der Hügel Morija zur Stätte des Heiligtums (Ps.76,2). Zion-Jerusalem wurde somit der Mittelpunkt der Theokratie (Gottesherrschaft) und die Stätte der Offenbarung Gottes für die ganze Welt. Durch die Gerichte Gottes ist Jerusalem mit seinem Tempel verschiedene Male zerstört, aber danach immer wieder aufgebaut worden. Das messianische Heil der Endzeit ist untrennbar mit dieser Stadt verbunden.

Lk.24,46-47: 46. …und sagte zu ihnen: Also ist geschrieben worden, dass der Christus leidet und aufersteht aus den Toten am dritten Tag, 47. und auf Grund seines Namens Umkehr (w. Umsinnen) und Erlassung der Verfehlungen verkündigt wird allen Nationen, beginnend von Jerusalem.

Apg.1,8: Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende des Erdlands.

Dennoch wurde das Evangelium der Regentschaft vorerst nur den Juden verkündigt, obwohl der Missionsauftrag bereits erteilt war.

Apg.11,19: Die Gläubigen, die sich infolge der Drangsal, die wegen Stephanus entstanden war, zerstreut hatten, waren nun bis nach Phönizien, Cypern und Antiochien gezogen und hatten das Wort zu niemand anders gesprochen als allein zu Juden.

Erst nachdem Petrus die Vision von den unreinen Tieren (Apg.10,9f) hatte, wurde der Missions-Auftrag an die Nationen auch in die Tat umgesetzt. Danach heißt es:

Apg.17,30: Gott hat über die Zeiten der Unkenntnis hinweggesehen; doch nun weist Er alle Menschen überall an, umzusinnen…

Apg.8,5.12: 5. Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus… 8. Als sie aber dem von Philippus verkündigten Evangelium von der Regentschaft Gottes und vom Namen Jesu Christi glaubten, ließen sie sich taufen, Männer wie auch Frauen.

Vorher hieß es noch:

Mt.10,5-6: 5. Diese zwölf sandte Jesus aus und wies sie an und sagte: Kommt nicht ab auf einen Weg der Nationen und kommt nicht hinein in eine Stadt der Samariter; 6. geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

DAS PFINGSTFEST ALS VORSCHATTUNG DES MILLENNIUMS

Gott bestimmte für das Volk Israel sieben Feste, festgesetzte Zeiten mit genauen Ordnungen, die jährlich zu wiederholen sind. Sie stellen in ihrer Reihenfolge und ihrer Bedeutung den Heilsplan Gottes mit Seinem Volk Israel dar und sind somit ein prophetischer Ausblick.

Das Fest der Erstlingsfrüchte wird in 3.Mo.23,9-11 beschrieben. Die Gerste wird als erstes Getreide zu dieser Zeit reif. Die ersten Garben wurden abgeschnitten und eine Garbe davon zum Priester gebracht. Dieser sollte die Garbe vor dem Herrn schwingen. Dies war eine Proklamation dafür, dass es eine reiche Ernte geben wird bzw. das Unterpfand, die Garantie dafür, dass der Rest der Ernte auch noch eingebracht werden wird.

Am fünfzigsten Tag nach dem Fest der Erstlingsfrüchte wurde das Erntefest Schawuot gefeiert (3.Mo.23,15-17), das heutige Pfingsten. Das Fest hat seinen Namen vom griechischen Wort für fünfzig (pentekoste) erhalten. Die Israeliten sollten die Erstlingsfrüchte der Ernte und dazu zwei im Sauerteig gebackene Brote JHWH bringen.

Im Rahmen dieses Pfingst-Festes goss Gott in der Apostelgeschichte Seinen Heiligen Geist auf die in Jerusalem anwesenden Juden aus und erneuerte damit den Bund mit Seinem Volk, wie Er es den Propheten verheißen hat (Jer.31,31-34; Hes.37,26).

Die Prophezeiung des Joel von der Ausgießung des Heiligen Geistes auf alles Fleisch, auf die Petrus sich in seiner Pfingst-Predigt in Apg.2,16f beruft, wurde allerdings nur vorgeschattet erfüllt. Die eigentliche Erfüllung wird in der Zeit des Millenniums stattfinden.

Es gab in der Pfingst-Gemeinde bereits Tausende von Juden (Apg.21,20), denen Gott ein neues Herz und einen neuen Geist gegeben hatte und die in Seinen Satzungen wandelten und Seine Rechte hüteten und taten, wie in Hes.36,26-27 beschrieben. Was aber damals an einer Auswahl möglich war, wird gemäß der Verheißung einst am gesamten Volk Israel geschehen (Röm.11,26).

Hes.36,26-27 macht auch die Bedeutung des Tuns von Gerechtigkeit für das jüdische Volk deutlich: Ein neues Herz, einen neuen Geist UND das Wandeln in Gottes Satzungen und Rechten stehen nicht in Widerspruch zueinander. Dieses Verhältnis kann man auch in so manchem Vers im NT wieder finden, so z.B. in:

Offb.14,12: Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes halten (w. hüten) und den Glauben Jesu.

Zusammen mit dem Beginn der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten gingen auch immer Demonstrationen der Kräfte des zukünftigen Zeitalters (Äons) einher:

Hbr.2,3-4: …wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen? Welche den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben, indem Gott außerdem mitbezeugte, 4. sowohl durch Zeichen, außerdem auch Wunder und mancherlei Vermögenskräfte und Austeilungen des Heiligen Geistes nach Seinem Willen.

Hbr.6,4-6: Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet waren und geschmeckt haben von dem überhimmlischen Geschenk, und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes, 5. und geschmeckt haben die ideale Rede Gottes und die Vermögenskräfte des zukünftigen Äons, und dann abgefallen, 6. wieder zur Umsinnung zu erneuern, sie, die doch den Sohn Gottes für sich wieder anpfahlen und Ihn zur Schau stellen.

Röm.15,18-19: 18. Denn ich möchte nicht wagen, von etwas zu reden, was nicht Christus durch mich ausgeführt hat, um die Nationen zum Glaubensgehorsam zu führen durch Wort und Werk, 19. in Kraft (w. Vermögen) der Zeichen und Wunder, in Kraft des Geistes Gottes, so dass ich von Jerusalem aus ringsum bis Illyrien das Evangelium des Christus völlig ausgerichtet habe.

Man beachte auch hier bei Paulus die Zeichen und Wunder, die stets die Verkündigung der Regentschaft begleiteten und das von Jerusalem aus. Solange Israel noch nicht verworfen und Jerusalem noch nicht zerstört war, wurde die Regentschaft verkündigt und die Nationen als Gesamtheit zum Glaubensgehorsam aufgefordert.

Auch Demonstrationen von Gottes Gerechtigkeit, wie z.B. geschehen beim Strafwunder an Ananias und Saphira in der Jerusalemer Gemeinde, sind als Vorschattung auf das Millennium zu sehen.

Sündenvergebung wurde mit Bewährungsfrist gewährt, wie es der Herr selber im Gleichnis vom Schalksknecht (Mt.18,23-35) erklärt hat.

Das Auspfropfen aus dem Ölbaum, d.h. das Abschneiden von den Verheißungen, oder das Wegnehmen der fruchtlosen Reben am Weinstock sind alles Gleichnisse dafür, dass die Teilnahme an den Segnungen des kommenden Zeitalters an Bedingungen geknüpft waren. Im Millennium können sowohl einzelne Menschen auf Grund von Sünde die Todesstrafe erleiden (Jes.66,24), als auch ganze Nationen das Gericht des Ausschlusses von Segnungen erfahren (Sach.14,17).

Ein weiteres Merkmal der Pfingst-Gemeinde war die Verordnung Gottes, dass die Nationen, die durch Israel an deren geistlichen Gütern (Segens-Verheißungen) Anteil erhalten haben, ihrerseits ihre materiellen Güter Israel zu Gute kommen lassen sollen (s.a. Jes.60,5; Sach.14,14):

Röm.15,27: …denn wenn die Nationen an deren (Israels) geistlichen Gütern teilnehmen so sind sie auch verpflichtet, eine Beisteuer zu den fleischlichen (d.h. materiellen) zu leisten.

Auch diese Vorschattung wird im Millennium ihre volle Erfüllung finden. Dafür werden die Tore der neuen Stadt Jerusalem Tag und Nacht offen bleiben:

Jes.60,11: Und deine Tore werden beständig offen stehen; Tag und Nacht werden sie nicht geschlossen werden, um zu dir zu bringen den Reichtum der Nationen und ihre hinweggeführten Könige. (s. a. Offb.21,25-26)

Das Gleichnis vom Ölbaum

Röm.11,13: Euch aber, den Nationen, sage ich…

Röm.11,17-18: 17. Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen wurden, du aber, der du ein wilder Ölbaum bist, unter sie (den verbliebenen Zweigteilen) eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes mitteilhaftig wurdest, 18. rühme dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber gegen sie rühmst, bedenke: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel dich.

Röm.11,21-24: 21. Denn wenn Gott die naturgemäßen Zweige (des edlen Ölbaums) nicht verschonte, so wird Er aber auch dich (als Zweig am wilden Ölbaum) nicht verschonen. 22. Gewahre daher die Milde und die Strenge (w. das Wegschneiden) Gottes: Gegen die Gefallenen Strenge (w. das Wegschneiden), gegen dich aber die Milde Gottes, wenn du in der Milde verbleibst, sonst wirst auch du herausgehauen werden. 23. Und jene aber, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wieder einzupfropfen. 24. Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum ausgeschnitten und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, wie viel mehr werden diese, die natürlichen Zweige, in den eigenen Ölbaum eingepfropft werden!

Es handelt sich hier um ein Gleichnis bzw. eine Parabel. In diesem Kapitel des Römerbriefs werden zwei Ölbäume benannt, ein edler und ein wilder. Es wird oft behauptet, dass es sich hier um eine Darstellung des Leibes Christi handeln würde. Das würde bedeuten, dass Glieder aus diesem Leib herausgebrochen werden können. Deckt sich diese Behauptung mit dem, was uns das Neue Testament sonst über den Leib Christi vermittelt?

Es wird in diesem Gleichnis von naturgemäßen Zweigen gesprochen – aber von Natur aus gehört kein Mensch zum Leib Christi. Darüber hinaus hat der edle Baum, wie der wilde natürlich auch, eine irdische Wurzel – der Leib des Herrn aber hat keinen irdischen Ursprung, sondern ist im Bild des zweiten Adam, dem Herrn aus dem Himmel (1.Kor.15,47-49), Gott gemäß (Eph.4,24) zu einem neuen Menschen erschaffen (Eph.2,15). Darüber hinaus hat der Leib Christi keine irdischen Segens-Verheißungen, sondern himmlische (Eph.1,3).

Was könnten die Bäume also sonst darstellen?

Der Ölbaum gehört neben dem Feigenbaum und dem Weinstock zu den wichtigsten Fruchtbäumen Israels. Das jüdische Volk wird in den Propheten des AT unter drei Bildern aus dem Pflanzenreich dargestellt, nämlich Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock (oder auch Weinberg). Diese Bilder gebrauchte der Herr auch oft in Seinen Gleichnissen.

Die drei Gewächse sind Symbole Israels, und zwar sind sie es in dreifacher Hinsicht:

  • der Ölbaum im Blick auf Israel als Geist- und Lichtträger für die Nationen in der kommenden Regentschaft Christi
  • der Feigenbaum im Blick auf Israels Wiederbelebung und Fruchtbarkeit
  • der Weinstock im Blick auf die göttliche Pflege und Treue, die Er diesem aus Ägypten geholten Weinstock angedeihen ließ und besonders im Blick auf die materiellen Segnungen (Ps.104,15: Wein, der das Herz des Menschen erfreut) in der kommenden Regentschaft Christi

Über die weitreichende Symbolik und Bedeutung von Öl und Wein, die Frucht von Ölbaum und Weinstock, ließe sich ein gesondertes Thema erstellen.

Die Ölbäume aus Römer 11 sind also folglich Darstellung von Nationen: der edle Ölbaum ist Darstellung Israels gemäß dem Fleisch, der unedle stellt allgemein die Nationen dar. Die Wurzel des edlen Ölbaums ist der Stammvater Abraham, dem die Verheißungen und Segnungen (Fettigkeit) für seinen Samen gegeben wurden. Es wird folglich in diesem Gleichnis das Handeln Gottes auf nationaler Ebene unter dem Aspekt der kommenden Regentschaft dargestellt.

Auch die Verse 31-33 aus dem 25-ten Kapitel des Matthäus-Evangeliums befassen sich nicht mit dem Gericht am Individuum (das wird vor dem großen weißen Thron geschehen), sondern mit dem allgemeinen Gericht an den Nationen:

Mt.25,31-33: 31. Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; 32. und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 33. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

Die Entscheidung darüber, wer links und wer rechts steht, wird davon abhängen, in welchem Verhältnis die Nationen in der Zeit der Drangsal zum Volk Israel gestanden haben (Mt.25,40).

Israel verliert seine Vorrangstellung

Das jüdische Volk war privilegiert. Es hatte in allem den Vorrang. Israel war es zuerst, das in den Genuss des Evangeliums kam:

Apg.3,25-26: 25. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit unseren Vätern geschlossen hat, indem Er zu Abraham sagte: Und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter des Erdlands. 26. Zuerst euch hat Gott Seinen Knecht auferstehen lassen und ihn geschickt, euch zu segnen, indem ihr euch abwendet, ein jeglicher, weg von euren Bosheiten. (Siehe auch Apg.13,46 weiter oben im Text.)

1.Kor.15,3-8: 3. Denn ich (Paulus) habe euch in erster Linie überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, gemäß den Schriften; 4. und dass Er begraben wurde, und dass Er auferweckt worden ist am dritten Tag, gemäß den Schriften; 5. und dass Er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. 6. Darauf erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die Mehrzahl bis jetzt übrig geblieben ist, etliche aber auch entschlafen sind. 7. Darauf erschien Er Jakobus, darauf allen Aposteln. 8. Zuletzt aber von allen, gleich einer unzeitigen Geburt, erschien Er auch mir.

Paulus und seine Mitarbeiter stießen aber immer häufiger auf Widerstand bei ihrer Verkündigung unter dem jüdischen Volk. Es kam zu Morddrohungen und sogar dazu, dass die Juden Paulus steinigten (Apg.14,19). Hier fing nun das Ausbrechen der edlen Zweige des Ölbaums an, an deren Stelle die unedlen Zweige der Nationen eingepfropft wurden.

Apg.18,5-6: 5. Als aber sowohl Silas als auch Timotheus aus Makedonien herabkamen, wurde Paulus hinsichtlich des Wortes gedrängt und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei. 6. Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme auf eurer Haupt! Ich bin rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen.

Apg.28,23-28: 23. An dem mit ihm vereinbarten Tag kamen noch mehr zu ihm in die Unterkunft, denen er vom Morgen bis zur Abenddämmerung die Regentschaft Gottes auseinandersetzte und bezeugte, indem er sie in Bezug auf Jesus vom Gesetz des Mose wie auch von den Propheten her zu überzeugen suchte. 24. Die einen wurden von dem Gesagten überzeugt, während die anderen nicht glaubten. 25. Da sie aber miteinander Unstimmigkeiten hatten, entfernten sie sich, nachdem Paulus noch den einen Ausspruch getan hatte: Trefflich spricht der Geist, der Heilige, durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern: 26. Geh zu diesem Volk (zum jüdischen Volk!) und sage: Mit dem Gehör werdet ihr hören und doch nicht verstehen. Blickend werdet ihr erblicken und doch nicht wahrnehmen; 27. denn das Herz dieses Volkes ist verdickt, mit ihren Ohren hören sie schwer, und sie schließen ihre Augen, damit sie nicht etwa mit den Augen wahrnehmen, mit den Ohren hören, mit dem Herzen verstehen und sich umwenden, damit Ich sie heile. 28. Es sei euch aber daher bekannt gemacht, dass diese Rettung Gottes den Nationen gesandt worden ist; sie werden auch hören!

Apg.13,46: Freimütig entgegnete Paulus, wie auch Barnabas: Es war notwendig, dass zuerst euch (dem gesamten jüdischen Volk in Israel und der Zerstreuung) das Wort Gottes (die Verheißungen der Propheten des AT) gesagt wurde. Weil ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des äonischen Lebens nicht würdig erachtet, siehe, wenden wir uns an die Nationen.

Bereits Jesus rief über Israel prophetisch aus:

Mt.21,43: Deshalb sage Ich euch: Die Regentschaft Gottes wird von euch genommen und einer Nation gegeben werden, die Seine (d.h. Gottes) Früchte bringt.

Gottes Erziehungshandeln an Israel vollzog sich in Etappen:

Röm.11,25: Denn ich will nicht, Brüder, dass ihr unwissend seid in Bezug auf dieses Geheimnis, auf dass ihr nicht bei euch selbst als besonnen geltet: Verhärtung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vervollständigung (hell. pleroma*) der Nationen hineinkomme.

*pleroma (hell.): eine nicht vollständige Sache oder Angelegenheit vervollständigen. Es ist nicht der Zustand des Voll-Seins an sich damit gemeint, sondern das, was hinzugetan wird, um etwas zu vervollständigen.

Röm.11,7-8: 7. Was folgern wir daher? Was Israel sucht, dies erlangte es nicht, aber die Auswahl erlangte es; die übrigen aber wurden verhärtet, 8. wie geschrieben worden ist: Gott gab ihnen einen Geist der Schlafsucht, Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören, bis auf den heutigen Tag.

Die Verhärtung bedeutete das Ausgebrochen werden aus dem Ölbaum und damit das Abgeschnitten werden von den zukünftigen Verheißungen. Es war also nur noch eine Auswahl, ein Überrest aus dem Gesamt-Israel (Haus Juda), das sich im Ölbaum befand, die anderen wurden ausgebrochen. Was war der Grund für das Ausgebrochenwerden? In Röm.11,20 sagt Paulus, dass sie ausgebrochen wurden wegen ihres Unglaubens. An ihrer statt wurden nun die Nationen eingepfropft. Israel war und konnte nicht mehr Heilsvermittler sein, wie von Gott vorgesehen. Der Baum der Verheißung war aber ohne Israel von Gott her sowieso nicht denkbar. Diese Aktion des Auspfropfens hatte nur einen Zweck: Es sollte Israel eifersüchtig machen und zum Nacheifern reizen, mit dem Ziel wieder eingepfropft werden zu können.

Röm.10,18-21: 18. Jedoch sage ich: Haben sie nicht gehört? Es bleibt daher doch: Ihr Schall ist ausgegangen in das ganze Erdland, und ihre Reden zu den Grenzen des Bewohnten (Erdlands). 19. Jedoch sage ich: Hat Israel es nicht gewusst? Als erster sagt Moses: Ich werde euch zur Eifersucht reizen über eine Nicht-Nation, [5.Mo.32,21] über eine unverständige Nation werde ich euch erzürnen. 20. Jesaja aber wagt es und sagt: Ich wurde gefunden von denen, die mich nicht suchen, ich bin persönlich offenbar geworden denen, die nicht nach mir fragen. 21. Zu Israel aber sagt Er: Den ganzen Tag streckte ich meine Hände aus zu einem ungehorsamen (a. unfügsamen) und widersprechenden (a. Widerwort gebenden) Volk.

Röm.11,11: …durch ihren Danebenfall ist den Nationen die Rettung (w. Retthütung) geworden, um sie zum Nacheifern zu reizen.

Paulus tat in der ersten Hälfte der Apostelgeschichte zweierlei Dienst – einmal an den Juden, und zum andern an den Nationen – beides aber im Hinblick auf die kommende Regentschaft des Messias. Die Juden ermutigte er zum Glauben, dass Jesus von Nazareth der Messias ist. Die Nationen suchte er ebenso für den Glauben an den Messias zu gewinnen und in den Ölbaum miteinzupfropfen. Nun aber war nur noch ein Überrest an edlen Zweigen da. Das war die Situation in der zweiten Hälfte der Apostelgeschichte, und es blieb nun die Frage: Würde Israel dazu gebracht werden können, umzukehren von der Sünde der Zurückweisung ihres Messias? Denn dann bestand die Möglichkeit, wieder in ihre vorgesehene Position im Ölbaum eingesetzt zu werden und damit die Aufrichtung der Regentschaft des Messias einzuleiten.

Röm.11,23: Und jene aber, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden, denn Gott vermag sie nochmals einzupfropfen.

Doch es sollte anders kommen.

Israel hat sich nicht bewährt und wird verworfen

Röm.11,15 spricht von der Verwerfung Israels. Der militärische Einfall der Römer in Jerusalem und die Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. war das äußere Zeichen dieses traurigen Ausgangs. Bereits Jesus verkündigte vorauswissend das kommende Gericht über Jerusalem und den Tempel (Mt.23,37-38; 24,1-2; Mk.13,2). Jetzt handelte es sich nicht mehr um die Uneinsichtigkeit oder Blindheit eines Teils von Israel, ausgedrückt durch das Ausbrechen von Zweigen aus dem Ölbaum, sondern die Verwerfung des gesamten Volkes war besiegelt und damit auch das (vorläufige) Ende der messianischen Regentschaft, die ohne das auserwählte Volk nicht denkbar war.

Wurde der Ölbaum nun etwa ganz abgehauen? Hat Gott Sein Volk endgültig verstoßen und mit ihm alle Verheißungen aufgelöst? Nein, natürlich nicht!

Röm.11,29: Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.

Ps.94,14: Denn JHWH verstößt Sein Volk nicht und Sein Losteil verlässt Er nicht.

Gott wird Seinen Vorsatz zu gegebener Zeit wieder aufgreifen und alle Seine Verheißungen erfüllen.

Das Evangelium des Paulus

Am Anfang des Römer-Briefs (Röm.1,1-2) sagt Paulus, dass er für das Evangelium Gottes abgesondert ist und kennzeichnet es näher als das, welches Gott durch Seine Propheten in Heiligen Schriften zuvor verheißen hat über Seinen Sohn, der aus dem Samen Davids gekommen ist gemäß dem Fleisch (Röm.1,3).

Röm.1,1-2: 1. Paulus, Sklave Jesu Christi, berufener Apostel, abgesondert für das Evangelium Gottes, 2. das Er zuvor durch Seine Propheten in Heiligen Schriften verheißen hat…

Damit reiht sich sein Auftrag vorerst in die Linie der anderen Apostel ein, die das Evangelium von der kommenden Regentschaft des Messias nach dem Grundsatz: Dem Juden zuerst! (Röm.1,16; 2,10) verkündigten.

Apg.13,32: Und wir verkündigen euch die unseren Vätern zuteil gewordene Verheißung als Evangelium

Apg.26,22-23: 22. Da mir nun der Beistand von Gott bis auf diesen Tag zuteil wurde, stehe ich, bezeugend sowohl Kleinen als Großen, indem ich nichts sage außer dem, was auch die Propheten und Moses gesprochen haben, dass es geschehen werde, 23. dass Christus, ob als Leidender oder als Erstling der Auferstehung Toter, Licht verkündigen solle dem Volk [damit ist immer das Volk Israel gemeint], außerdem auch den Nationen.

Paulus ging zu Beginn seines Dienstwegs ein gutes Stück mit den Aposteln der Beschneidung und verkündigte dabei in gleicher Weise wie sie die Botschaft von dem verheißenen Sohn Gottes aus dem Samen Davids allen, deren Ohr er fand. Er tat seinen Dienst an Israel im Hinblick auf die Aufrichtung der Regentschaft mittels dieses Volkes und er tat seinen Dienst an den Nationen, die in den Ölbaum eingepfropft werden sollten. Solange Israel noch nicht verworfen war, zielte das Werk des Heiligen Geistes auf die Aufrichtung der Regentschaft mittels des auserwählten Volkes Israel ab. Hätte Israel damals den Ruf Gottes erkannt und angenommen und unter den Nationen seine regentschaftlich-priesterliche Tätigkeit ausgeübt, wären die Nationen unter das Zepter des Messias gekommen.

Von dem Zeitpunkt an jedoch, als Jerusalem und der Tempel 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde, rückte die Wiederkunft Christi und damit Seine Regentschaft in unbekannte Ferne und die Verkündigung des Paulus bekam einen neuen, bisher unbekannten Inhalt.

Denn dann heißt es:

Röm.16,25-26: 25. Ihm aber, der euch festigen kann gemäß meinem Evangelium und der öffentlichen Verkündigung von Christus Jesus (ein Titel des Herrn, der sich nur bei Paulus findet!), gemäß der Enthüllung* des in äonischen Zeiten verschwiegen wordenen Geheimnisses, 26. das jetzt aber offenbart wurde auch durch prophetische Schriften, gemäß der Anordnung des äonischen Gottes, und bekannt gemacht wurde zum Glaubensgehorsam all den Nationen…

Hier bezeichnet Pauls die von ihm verkündigte Botschaft als sein Evangelium und vollzieht damit eine deutliche Abgrenzung gegenüber anderen Botschaften, die Gott angeordnet hat. Und obwohl sein Evangelium in der Linie der Gesamtoffenbarung der Schriften des AT fußt was die Person, das Leiden und die Auferstehung des Sohnes Gottes betrifft, so ist es doch eine Weiterführung, die Enthüllung eines Geheimnisses, das den Propheten des AT nicht bekannt gemacht wurde. Die Botschaft, die der erhöhte und verherrlichte Herr Paulus gibt, geht weit hinaus über das dem Zwölferkreis Offenbarte (Joh.16,12).

Als Einzigem wird Paulus Einblick gewährt in die endgültigen Ziele Gottes mit Seiner Schöpfung. In diesem Sinn wurde das Wort Gottes durch Paulus vollendet (pleroo; Kol.1,25), auf das Vollmaß gebracht.

*pleroo (hell.): eine nicht vollständige Sache oder Angelegenheit vollständig machen.

Die Briefe des Paulus sind Enthüllung Jesu Christi (Gal.1,12) und in ihrem gesamten Lehrinhalt prophetische Schriften, wie Paulus auch in Röm.16,25-26 bezeugt.

Gal.1,11-12: 11. Ich mache euch aber bekannt, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht gemäß den Menschen ist. 12. Denn ich empfing es weder von einem Menschen, noch wurde ich es gelehrt, sondern durch Enthüllung* Jesu Christi.

*Enthüllung, hell. apokalypsis, meint ein Sichtbarmachen durch Wegnehmen einer Hülle. Es bedarf aber noch des Lichts der Offenbarung, um das Enthüllte zu verstehen.

Paulus war als Gelehrter in den Schriften des AT bestens unterrichtet. Er sagt aber hier, dass er seine Botschaft nicht gelehrt bekommen hat. Worin besteht nun dieses Geheimnis, das Paulus erwähnt? Was war es, das früher nicht bekannt war, nun aber Paulus enthüllt wurde?

Das Evangelium der Regentschaft war kein unbekanntes, kein verschwiegenes Geheimnis, es war das, was bereits den Propheten durch den Heiligen Geist zuvor verheißen, in den prophetischen Schriften des AT festgehalten und Erwartung eines jeden gläubigen Juden war, denn nur ein solcher ist Jude im eigentlichen Sinn, wie Paulus in Röm.2,28-29 und 9,6 beteuert.

Die Regentschaft Gottes hat auch ihre Geheimnisse, die aber innerhalb der prophetischen Schriften des AT verborgen sind, die Verkündigung des Paulus aber ist das Geheimnis, das in äonischen Zeiten in Gott selbst verborgen war. Was ist es? Es ist die Bildung einer Körperschaft, die so eng mit Christus verbunden ist, dass dieses Einssein mit Ihm unter dem Gleichnis eines Leibes (Körpers) dargestellt wird. Dieser Leib soll aus einzelnen vollwertigen Gliedern aus allen Nationen (einschließlich Israel) bestehen. Diese Glieder sind nicht Teil am Ölbaum, sondern Teil des Christus selbst, das, was Ihn vervollständigt (pleroma* tou christou; Eph.4,13).

*pleroma (hell.): eine nicht vollständige Sache oder Angelegenheit vervollständigen. Es ist nicht der Zustand des Voll-Seins an sich damit gemeint, sondern das, was hinzugetan wird, um etwas zu vervollständigen.

Eph.3,3-7: 3. da mir durch Enthüllung das Geheimnis bekannt gemacht wurde, so, wie ich vorher in Kürze schrieb 4. worin ihr als dieses Lesende mein Verständnis in dem Geheimnis des Christos zu erkennen vermögt 5. welches in anderweitigen Generationen den Söhnen der Menschen nicht bekannt gemacht wurde, wie es nun enthüllt wurde seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist 6. dass die Nationen Miterben und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium 7. dessen Diener ich geworden bin…

Eph.3,9: und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses ist, das von den Äonen (Zeitaltern) an verborgen war in Gott

Worin besteht das Geheimnis? Seine Bedeutung wird in dem drei Mal wiederholten Wort syn- (Mit-) zusammengefasst. Es besteht darin, dass die nichtjüdischen Gläubigen ihre Segnungen nicht mehr als Untergeordnete der Beschneidung genießen sollen, wie es Anfangs der Fall gewesen ist, sondern dass sie vielmehr zu derselben Stellung erhoben werden sollen: Im Geist gleichberechtigte Erben, gleichberechtigte Glieder des einen Körpers, gleichgestellte Teilhaber zu sein. Bis dahin war auch noch kein anderes Erbteil offenbart worden als das Messiasreich auf Erden, an dem die Gläubigen aus den Nationen nur als Fremde (Eph.2,12) und Gäste Teil haben konnten. Diese neue Körperschaft aber hat nun ihr aber Erbe in den Überhimmeln, und nicht etwa auf Erden in einem messianischen Reich.

Phil.3,20: Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln

Eph.2,6: …und (Gott) erweckte uns zusammen und ließ uns zusammen Sitz nehmen in den Aufhimmlischen in Christus Jesus…

Eph.1,3: Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christos, der uns segnet mit jedem geistlichen Segen in den Überhimmeln in Christos…

Im Gegensatz hierzu bezeichnet sich Johannes als Mitgenosse an der (irdischen) Regentschaft, also einem Bürgertum auf der Erde:

Offb.1,9: Ich Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Drangsal und der Regentschaft und im Ausharren in Jesus…

Die Scheidewand zwischen den beiden Klassen wurde aufgehoben:

Eph.2,16: …und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte durch das Kreuz…

Die Einheit des Herrn mit Seinem Leib ist so eng, dass sie nicht gelöst werden kann, ohne dass Er sich selbst verleugnet:

2.Tim.2,13: …wenn wir untreu sind – Er bleibt treu, denn Er kann Sich Selbst nicht verleugnen.

Das Bezeugen, dass Jesus der Christus ist, die Erlösung durch Sein Blut, die Auferstehung aus den Toten, auch das praktische Verhalten im Alltag, diese Grundlagen sind in beiden Verkündigungs-Linien gleich. Aber die Gebäude, die auf dieser Grundlage errichtet wurden, sind völlig unterschiedlicher Natur. Die wichtigsten Unterschiede sollen nun im Folgenden näher betrachtet werden:

1. Es wird mit Paulus ein neues Gebäude errichtet:

1.Kor.3,10: Gemäß der Gnade Gottes, die mir gegeben wurde, setzte ich (Paulus) als weiser Architekt (a. Baumeister) den Grund, ein anderer aber baut (dar)auf…

Es wird nicht mehr an dem Haus weitergebaut, dass der Herr in Mt.16,18 auf Petrus gründete, sondern mit Paulus fängt der Herr an, ein neues Gebäude zu errichten.

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Paulus die Offenbarung des Geheimnisses vierzehn Jahre vorher erhalten hatte (2.Kor.12,2), als er bis in den dritten Himmel entrückt wurde. Er wusste um das Geheimnis, ehe er einen seiner Briefe schrieb. Es wäre in hohem Grad verwirrend und unweise gewesen, die gänzlich neue heilsgeschichtliche Verwaltung anzukündigen, während die alte noch in Kraft war. In seinen Briefen führt Paulus die Gläubigen an das Geheimnis heran, im Epheser-, Philipper- und Kolosserbrief führt es sie in seine Fülle hinein.

2. Gemäß Gottes Vorsatz:

War das was Gott mit Paulus nun anfing eine Verlegenheitsaktion, weil Sein auserwähltes Volk Israel sich Ihm widersetzte? Wir sind erstaunt zu erfahren, dass es bereits Gottes Plan war vor dem Niederwurf des Kosmos (ü. Ü. Grundlegung der Welt):

Eph.1,3-4: 3. Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn und Retters (w. Retthüters) Jesus Christus, der uns segnet mit jeder geistlichen Segnung in den Überhimmlischen (Örtern) in Christus, 4. so, wie er uns in Ihm auserwählte vor dem Niederwurf des Kosmos (ü. Ü. Grundlegung der Welt; pro kataboles kosmou), dass wir Heilige und Makellose sind vor seinem Angesicht.

Im Gegensatz dazu ist den Söhnen der Regentschaft (Mt.8,12; 13,38) diese vom Niederwurf des Kosmos an (ü. Ü. Grundlegung der Welt) bereitet:

Mt.25,34: Dann wird der Regent zu denen zu seiner Rechten reden: Kommt herzu, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Losteil der Regentschaft, die euch vom Niederwurf des Kosmos an (bzw. ab Niederwurf; ü. Ü. Grundlegung der Welt; apo kataboles kosmou) bereitet worden ist.

3. Kein Vorzug des Juden mehr vor dem Hellenen:

Während in der Verkündigung der Regentschaft Gottes Israel immer den Vorzug hat, ist das in der späteren Verkündigung des Paulus anders.

Zuerst:

Röm.3,1-2: Was ist nun das Vorrecht des Juden, oder was ist der Nutzen der Beschneidung? Viel in jeder Weise. Denn zuerst wurden sie mit den Wortsetzungen Gottes betraut.

Später dann aber:

Gal.3,28: Nicht ist der Einzelne ein Jude, aber auch nicht Hellene, nicht ist der Einzelne ein Sklave, aber auch nicht Freier, nicht ist der Einzelne männlich, auch nicht weiblich; denn ihr allesamt, ihr seid des Christus Jesus.

Kol.3,11: …wo der einzelne nicht Hellene noch Jude ist, nicht Umschneidung noch Vorhäutigkeit, nicht Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen ist Christus.

Was die Erlösungsbedürftigkeit betraf, waren sowohl Juden als auch Nationen gleichgestellt (Röm.3,23). Was aber die Verheißungen betraf, waren die Juden bevorzugt:

Gal.3,16: Es sind aber die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesagt worden.

Röm.9,3-4: 3. …meine Brüder, meine Verwandten gemäß dem Fleisch, 4. die Israeliten sind, derer der Sohnesstand (w. Sohnessetzung) ist und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung (w. Gesetzessetzung) und der Gottesdienst und die Verheißungen.

Jetzt aber gibt es keinen Vorzug mehr des einen vor dem anderen. Sowohl Juden als auch Nationen, die an Christus glauben, sind gleichwertige Glieder an einem Leib. Das war gewiss ein Unterschied zu 5.Mo.28,13, wo Israel verheißen wurde, Kopf zu sein und nicht Schwanz.

4. Verheißungen nicht an Bewährung geknüpft:

Der Ölbaum ist ein Baum der Verheißung und des Segens. Teil zu bekommen an diesem Baum ist aber auch an Bedingungen geknüpft. Es ist nicht nur der Glaube an den Messias und Sein Erlösungswerk Vorbedingung, sondern auch das Tun von Gerechtigkeit.

Jak.2,24-25: 24. Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. 25. Gleicherweise aber auch die Hure Rahab – wurde sie nicht aus Werken gerechtfertigt, indem sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Wege hinausließ?

Es geht beim Volk Israel, bei den Söhnen der Regentschaft, immer um Glauben UND das Tun von Gerechtigkeit.

Mt.23,23: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Krausemünze und den Anis und den Kümmel, und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Dies hättet ihr tun und jenes nicht lassen sollen!

Am Ölbaum der Verheißung hatten zur Zeit der Verkündigung der Regentschaft naturgemäß Israel, dann aber auch die Nationen Anteil. Beide konnten jedoch bei schlechter Führung auch wieder ausgepfropft werden (Röm.11,20-21). Es war also eine Mitgliedschaft auf Bewährung. Dieser Tatbestand wird seine Aktualität in der Zeit des Millenniums zurückerhalten. Dort können sowohl einzelne Menschen auf Grund von Sünde die Todesstrafe erleiden (Jes.66,24), wie z.B. bei Ananias und Saphira vorgeschattet geschehen, als auch ganze Nationen das Gericht des Ausschlusses von Segnungen erfahren (Sach.14,17). Das ist in Übereinstimmung mit Jesu Wort von der Rebe am Weinstock, welche weggenommen wird, wenn sie keine Frucht bringt (Joh.15,2).

Die Gläubigen heute aber sind so innig mit Christus verbunden, dass dieses Einssein mit Ihm unter dem Gleichnis eines Leibes (Körpers) dargestellt wird. Immer wieder spricht Paulus von den Gliedern des Christus. Diese Leibes-Einheit würde verstümmelt werden, würden einzelne Glieder abgeschnitten werden.

Die sieben Sendschreiben in der Offenbarung, die prophetisch an Herausgerufene in der Zeit der großen Bedrängnis gerichtet sind, haben am Ende jeweils eine Verheißung, die stets an eine Bedingung geknüpft ist. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, wird die Verheißung entzogen. Das bedeutet: Streichung aus der Buchrolle des Lebens, Verlust des Anrechts am Baum des Lebens und evtl. sogar Erleiden des zweiten Todes.

Offb.2,7: Dem Siegenden (hell. nikon) werde Ich vom Baum (w. Holz) des Lebens zu essen geben, das in dem Paradies Gottes ist.

Offb.2,11: Der Siegende (hell. nikon) wird vom zweiten Tod keinesfalls beschädigt werden.

Offb.2,17: Dem Siegenden (hell. nikon) werde Ich aus dem verborgenen Manna geben und einen weißen Kiesel, und auf den Kiesel gesetzt einen neuen, geschrieben wordenen Namen, den nicht einer gewahrt, als nur der, der ihn erhält.

Offb.2,26-28: 26. Und der Siegende (hell. nikon) und wer meine Werke bis zur Vollendung (gemeint ist die Vollendung des Äons, Mt.24,3.13 u.a.) hütet, ihm werde ich Autorität über die Nationen geben 27. und er wird sie hirten mit eisernem Stab, wie die töpfernen Geräte sind sie dann zertrommelt, 28. und werde ihm geben, wie auch ich genommen habe von meinem Vater, und ich werde ihm den Morgenstern geben.

Offb.3,5: Der Siegende (hell. nikon) wird sich mit weißen Gewändern umwerfen, und keinesfalls werde Ich seinen Namen herausstreichen aus der Buchrolle des Lebens, und Ich werde seinen Namen bekennen (w. gleichworten) vor meinem Vater und angesichts Seiner Engel.

Offb.3,12: Den Siegenden (hell. nikon) werde ich zu einer Säule machen im Tempel meines Gottes, und keinesfalls geht er heraus nach draußen, und Ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, die herabsteigt aus dem Himmel von Meinem Gott, und Meinen neuen Namen.

Offb.3,21: Dem Siegenden (hell. nikon) werde ich geben mit Mir Sitz zu nehmen in meinem Thron, wie auch Ich gesiegt und Sitz genommen habe mit Meinem Vater in Seinem Thron.

Über die Glieder des Leibes aber sagt Paulus:

Röm.8,28-39: 28. Wir aber wissen, dass Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten zusammenwirkt – denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind. 29. Denn die er zuvor erkannte, die hat Er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei. 30. Die Er aber vorherbestimmt, diese beruft Er auch; und die Er beruft, diese rechtfertigt Er auch; die Er aber rechtfertigt, die verherrlicht Er auch. 31. Was wollen wir nun dazu vorbringen? Wenn Gott für uns ist, wer kann wieder uns sein? 32. Er, der doch Seinen eigenen Sohn nicht verschonte, sondern Ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte Er uns nicht auch mit Ihm dies alles in Gnaden gewähren? 33. Wer wird gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Etwa Gott, der Rechtfertiger? 34. Wer sollte sie verurteilen? Etwa Christus Jesus, der gestorben, ja vielmehr auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet? 35. Was wird uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist? Drangsal oder Druck und Verfolgung, Hunger oder Blöße, Gefahr oder Schwert? 36. So wie geschrieben steht: Deinetwegen werden wir den ganzen Tag zu Tode gebracht, wie zu den Schlachtschafen werden wir gerechnet. 37. Jedoch, in diesen allen übersiegen (hell. hypernikomen) wir durch den uns Liebenden. 38. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Anfangseiende (hell. archae), weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Vermögenskräfte (hell. dynameis), 39. weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Erschaffenes uns zu trennen vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Die Glieder des Leibes werden auf Grund der Liebe des Christus zu mehr als Siegern gemacht, sie sind Über(hyper)sieger (Vers 37). Ihnen ist bereits alles geschenkt (Vers 32). Die Erfüllung ihrer Bestimmung ist nicht an das Halten von Werken der Gerechtigkeit geknüpft, sondern Gott selbst ist der Garant dafür, dass sie auch das sein werden, wozu Er sie bestimmt hat, nämlich Träger des Bilder Seines Sohnes (Verse 29 und 30).

In den Sendschreiben ist das dominierende Wort Werke. Ich kenne deine Werke… lesen wir siebenmal (z.B. Offb.2,2). Da heißt es: Tue die ersten Werke… (Offb.2,5), Wer meine Werke bewahrt… (Offb.2,26), Ich habe deine Werke nicht als vervollständigt gefunden in den Augen meines Gottes… (Offb.3,2), Tue…!. Das Wort Gnade kommt in der Offenbarung nur zweimal vor!

Auch bei Jakobus, der an die zwölf Stämme in der Diaspora schreibt (Jak.1,1), heißt es:

Jak.2,24: Ihr seht also, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.

Jak.2,14: Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Nicht vermag der Glaube (allein) ihn zu retten.

Auch Paulus schreibt über die Rechtfertigung – von Werken hören wir bei ihm jedoch nichts! Seine Botschaft ist ohne die Verkündigung der bedingungslosen Gnade überhaupt nicht denkbar. Paulus ist es und kein anderer, der das Evangelium der Gnade Gottes (Apg.20,24) ins Zentrum Seiner Verkündigung stellt.

Röm.3,28: Denn wir rechnen damit, dass der Mensch gerechtfertigt wird im Glauben, ohne Werke des Gesetzes. (Man vergleiche diese Aussage mit Jak.2,24!)

Röm.4,4-6: 4. Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit. 5. Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. 6. Gleichwie auch David über die Glückseligkeit des Menschen sagt, welchem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet…

Eph.2,8-9: 8. Denn in der Gnade seid ihr gerettet worden, durch Glauben, und dies nicht aus euch, sondern Gottes Gabe ist es, 9. nicht aus Werken, damit sich niemand rühme.

Phil.1,29: Da euch in Bezug auf Christus die Gnade gewährt wurde, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden… (Selbst der Glaube an Christus ist kein eigener Verdienst, sondern vorauswirkende Gnade.)

Röm.5,17: …werden die, die das Übermaß der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit erhalten, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christos!

Röm.3,24: …und werden umsonst (i. S. v. geschenkt) gerechtfertigt in Seiner Gnade, durch die Erlösung, die in Christos Jesu ist…

Röm.11,6: Wenn aber in Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.

Nichts hat die christliche Lehre mehr entstellt, als der von vielen angenommene Lehrsatz, man könne seine Bestimmung in Christus verfehlen indem man seinen Glauben verliert oder aus der Gnade fällt. Wenn ein Mensch Kraft seines eigenen Willens Teil des Leibes Christi werden könne, so könne er auch im nächsten Augenblick Kraft desselben Willens wieder ein Sklave Satans werden. Aber ebenso wenig wie ein Mensch durch die Wirkung seines eigenen Willens (Joh.1,13) Teil des Leibes Christi werden kann, so kann auch kein Mensch das Verhältnis aufheben, welches Christus Selbst gegründet und aufgerichtet hat.

5. Unterschiedliche Berufungen:

Über Israel lesen wir:

5.Mo.28,1: Und es wird geschehen, wenn du der Stimme JHWHs, deines Gottes, gehorchst, dass du alle seine Gebote tust, die ich dir heute gebiete, so wird dich JHWH, dein Gott (w. Elohim) als Oberste setzen über alle Nationen des Erdlands…

5.Mo.28,9-10: 9. JHWH bestätigt dich als ein heiliges Volk für sich, wie Er dir geschworen hat, wenn du die Gebote JHWHs, deines Gottes (w. Elohim), hütest und wandelst in Seinen Wegen. Und alle Völker der Erde werden sehen, dass der Name JHWHs über dich ausgerufen ist und werden sich vor dir fürchten.

5.Mo.26,18-19: 18. Und JHWH hat dir heute sagen lassen, dass du Ihm ein Eigentumsvolk wirst, so wie Er zu dir geredet hat, und dass du alle seine Gebote hütest; 19. und dass Er dich als Oberste setzt über alle Nationen, die er gemacht hat, zum Lob und zum Namen und zum Schmuck; und dass du JHWH, deinem Gott (w. Elohim), ein heiliges Volk wirst, so wie er geredet hat.

Mt.19,28: Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiederwerdung, wenn der Sohn des Menschen sitzen wird auf Seinem Thron der Herrlichkeit, auf zwölf Thronen sitzen und richten die zwölf Stämme Israels.

Offb.2,26-28: 26. Und der Siegende (hell. nikon; o. Überwinder) und wer meine Werke bis zur Vollendung (gemeint ist die Vollendung dieses Zeitalters/ Äons, Mt.24,3.13 u.a.) hütet, ihm werde ich Autorität über die Nationen geben 27. und er wird sie hirten mit eisernem Stab, wie die töpfernen Geräte zertrommelt werden, 28. und werde ihm geben, wie auch Ich genommen habe von meinem Vater, und Ich werde ihm den Morgenstern geben.

Mt.5,5: Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdland erlosen. [Ps.37,9.11]

Hat die Körperschaft des Christus die Stellung einer heiligen Nation? Hat sie den Auftrag, das Erdland zu erben oder über die Nationen zu regieren? Nein, aber Israel! Das gläubige Israel wird über das ungläubige zu Gericht sitzen und über die Nationen im kommenden Millennium mit strenger, unbeugsamer Gerechtigkeit regieren wird. Wir sehen hier Israel als Darstellerin der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Der Ort des Geschehens ist die Erde.

Über den Leib Christi aber lesen wir:

Eph.2,5-6: …machte Er uns zusammen mit dem Christus lebendig, in der Gnade seid ihr gerettet worden, und erweckte uns zusammen und ließ uns zusammen Sitz nehmen in den Überhimmlischen (Örtern) in Christus Jesus, um in den kommenden Äonen den übertreibenden Reichtum Seiner Gnade in Milde an uns in Christus Jesus zur Schau zu stellen.

Hier erfahren wir, dass der Leib Christi ein Demonstrationsobjekt der Gnade in den kommenden Zeitaltern/ Äonen sein wird. Der Ort, der dieser Körperschaft zugedacht ist, befindet sich in den Überhimmeln, zusammen mit Christus.

Eph.1,5-6: 5. In Liebe hat Er uns für Sich zum Sohnesstand in Christus Jesus vorherbestimmt, nach dem Wohlgefallen Seines Willens, 6. zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade

Wenn Israel die Demonstration von Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit ist, so ist der Leib Christi die Demonstration der Gnade Gottes per se.

Die Erwählung des Leibes Christi vor Niederwurf des Kosmos (ü. Ü. Grundlegung der Welt) als einer Körperschaft der reinen Gnade entspringt Gottes innerstem Wesenskern und Herzenswunsch. Das ist es auch, worin all Sein Gerichts-Handeln letzten Endes zielt und mündet: hinein in Gnade!

Israel ist das Weib JHWHs. Das zeigt nicht nur das Alte Testament an vielen Stellen, sondern auch Jesus thematisiert in Seinen Gleichnissen oft das Thema Hochzeit und sprach dabei zum Volk Israel. Darüber hinaus lesen wir auch im vorletzten Kapitel der Bibel, Offb.21,9–14. Ich will dir die Braut, das Weib des Lammes zeigen. Und dann folgt nicht etwa ein Hinweis auf den Leib Christi, sondern auf die heilige Stadt Jerusalem, die 12 Tore, an den Toren 12 Engel und die Namen der 12 Stämme Israels an den Toren geschrieben hat, während auf den Stadtmauern die Namen der 12 (jüdischen) Apostel des Lammes stehen.

Der Leib Christi aber wird nirgendwo die Braut oder das Weib des Lammes genannt, sie wird nur mit einem Weib oder einer keuschen Braut verglichen (2.Kor.11,2; Eph.5,22–33). Und natürlich passt dieses Bild sehr gut, wenn die Hingabe und Unterordnung des einzelnen an den Christus abgebildet werden soll.

Der Leib Christi als Gesamtes wird männlich und nicht weiblich gesehen:

Eph.4,13: …bis wir alle hineingelangen in die Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, in den vollendungsgemäßen Mann, in das Maß des voll ausgewachsenen Leibes der Vervollständigung des Christus…

Dieser durch Seine Glieder vervollständigte Christus ist es, der sich im kommenden Zeitalter mit Seiner Braut Israel vermählen wird, die, nach der Entrückung des Leibes Christi, in der Drangsalszeit ihren Messias erkennen wird!

Der Leib Christi heute ist nicht das geistige Israel, das Anstatt-Israel, wie heute oft gelehrt wird, denn Gott hat Seine Pläne mit Israel nicht aufgegeben. Zu gegebener Zeit wird Er sie wieder aufgreifen und Seine Verheißungen an Seinem auserwählten Volk in buchstäblicher Weise erfüllen.

FAZIT:

Die mangelnde Unterscheidung der beiden Verkündigungslinien, nämlich die Auserwählung als Sohn der Regentschaft oder als Teil des Christus, hat viel Verwirrung und Streitigkeiten unter den Christen verursacht und war der Anlass zur Gründung zahlreicher Sekten.

Das Resultat dieses Missverständnisses ist Werksgerechtigkeit (vielleicht das gravierendste von allen), die Inanspruchnahme von Verheißungen und Erwartungen, die der Regentschafts-Verkündigung gelten, das Beachten des Zehnten, das Halten von jüdischen Festzeiten und Sabbaten, das (teilweise) Halten der mosaischen Speisevorschriften.

Die Zeugen Jehovas mit der Königreichserwartung und dem Halten von Speisevorschriften, die Sieben-Tags-Adventisten, die den Sabbat beachten und sich an Speisevorschriften des mosaischen Gesetzes halten, auch die katholische Kirche, die immer noch meint, Petrus sei das Fundament des Leibes Christi, die Pfingstbewegung, die in diesem Fest ihre Wurzeln wähnt oder Gemeinden mit charismatischer Ausrichtung, die auf große Erweckungen und Ausgießungen des Heiligen Geistes warten und sich dabei auf den Propheten Joel berufen, sind Beispiele von heute für die mangelnde Unterscheidung dieser zwei wichtigen Verkündigungs-Linien der Schrift.

Immer wieder warnt Paulus in Seinen Briefen vor dem Zurückfallen ins Denken des Gesetzes:

Kol.2,20-22: 20. Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Dogmen, wie in der Welt Lebende? 21. Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht! 22. (Dinge, welche alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind) gemäß den Geboten und Lehren der Menschen…

Gal.4,19.21: 19. Meine Kindlein, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch gestaltet werde… 21. …die ihr unter Gesetz sein wollt

Gal.5,4-5: 4. Heraburwirksam gemacht (hell. katargeo) wurdet ihr, weg von Christos (ihr seid enthoben von Christos), so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werdet; ihr fielt aus der Gnade. 5. Denn wir erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.

Gal.5,3: Ich bezeuge aber nochmals jedem Menschen, der beschnitten wird, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.

Auf die Frage: Wie werde ich errettet? Wie werde ich gerecht vor Gott? spricht Paulus ein scharfes Nein zu unseren Werken aus (Röm.3,20; 3,28; Eph.2,8-9; 2.Tim.1,9); auf die Frage aber: Wie soll ich als Erretteter leben? finden wir bei Paulus ein betontes Ja zu guten Werken (Eph.2,10; 2.Kor.9, 8; Kol.1,10; Tit.2,14 und 3,14).

Man könnte den Unterschied auch so umreißen: Auf dem Boden des Gesetzes tut der Mensch gute Werke, um Heil und Leben zu erlangen; auf dem Boden des Evangeliums des Paulus tut er gute Werke, weil er Heil und Leben umsonst, geschenkweise erhielt.

Wir werden ohne Werke errettet allein durch Glauben und Gnade. Gnade ist die sich zu uns herabbeugende Gunst des großen Gottes. Glaube ist dasjenige Organ des Menschen, das die göttlichen, geistlichen Gaben erkennt und annimmt – die geöffnete Hand, das Gott zugewandte Herz. Dabei wäre es falsch, zu meinen, die Gnade sei Gottes Werk und der Glaube das unsere. Nein, auch der Glaube ist göttliches Geschenk.

Nicht aus Werken, wohl aber z u guten Werken sind wir nach Eph.2,8-10 errettet. Damit ist die Rolle, die die Werke im Christenleben spielen sollen, nach beiden Seiten unmissverständlich klargelegt.

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