Satan

Auf den Spuren Satans

Satan im Judentum

Das Wort Satan1

Das hebräische Substantiv שָׂטָן Satan entstammt der nordwestsemitischen Wurzel stn (Sin-Teth-Nun), was „feindlich/ gegnerisch sein“ oder „anklagen“ bedeutet. Die hebräische Bezeichnung „Satan“ bedeutet „Widersacher“ oder „Gegner“ und wird im AT auch für Menschen verwendet (Num.22,22;32; 1.Sam.29,4; 1.Kön 5,18; 11,14.23.25; Ps.109,6; und als Verb im Sinne von „anfeinden, anklagen, befehden, schmähen“ in Ps.38,21; 71,13; 109,4.20.29 u.a.) Satan ist im AT vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testet (im Buch Hiob) und Sünden anklagt, wie beispielsweise bei der Anklage des Priesters Josua im Buch Saccharia. Im 4. Buch Mose, auch Numeri genannt, tritt ein Engel Gottes als Satan (Gegner) auf, nicht negativ handelnd, sondern wird von Gott gesandt, um Schlimmeres für Balaam zu verhindern (Num.22,34).

In der Übersetzung der hebräischen Texte von Hiob 1 und Sacharja 3 ins Griechische (Septuaginta) wurde das jüdische ha-Satan zu diabolos (‚Teufel‘). Die Vorstellungen von Satan sind im Judentum aber deutlich verschieden von den Vorstellungen und der Verwendung des Begriffs Satan im Christentum. Frühe rabbinische Kommentare zur Mischna2 zeigen, dass Satan beinahe keine Rolle im Judentum spielte. Je jünger ein rabbinischer Kommentar datiert wird, desto öfter tritt der Begriff Satan oder dessen Synonyme auf. Seit der Zeit des Babylonischen Exils sind Einflüsse aus dem Zoroastrismus3 im Babylonischen Talmud festgehalten. Der Palästinische Talmud, fertig gestellt etwa um 400 n. Chr., ist in derselben Gegend wie das Neue Testament verfasst worden und ist bedeutend zurückhaltender im Gebrauch des Begriffs Satan und seiner Synonyme. Allerdings sind große Teile dieses Teils des Talmud nicht im Original erhalten. In den außerbiblischen volkstümlichen jüdischen Erzählungen des europäischen Mittelalters wird der Titel Satan manchmal einem Engel, der von Gott verstoßen wird, weil er sich selbst gottgleich stellen wollte, gegeben. Die Geschichten, in denen dies geschieht, sind dabei in vollem Bewusstsein und Kenntnis der Lehren des Judentums, die solche Vorstellungen stets ablehnten, gegenüberstellend erzählt. Hier werden auf alte Begrifflichkeiten des persischen Kulturkreises, in dem das duale Prinzip des Kampfs Gut gegen Böse3 eine große Rolle spielt, und die Vorstellungen der umgebenen christlichen Kultur angespielt. Es sind daher eher phantastische Erzählungen oder Schauergeschichten und nicht biblisch-jüdische Lehren oder lehrhafte jüdische Erzählungen der Tradition.

In 1.Chr.21,1 wird König David von Satan angestachelt, eine Volkszählung Israels und Judas zu veranlassen. Diese Bibelstelle führt auf eine ältere Bibelstelle zurück, in der JHWH selber David anstachelt, das Volk Israel zählen zu lassen (2.Sam.24,1). Die jüngere Stelle wurde zur Zeit des babylonischen Exils von den Juden aufgeschrieben, als sie unter dem persischen Einfluss des Zoroastrismus3standen, in dem es eine ausgesprochene Polarität zwischen Gut und Böse bzw. Licht und Dunkelheit als ewigem göttlichem Kampf gibt.

2.Sam.24,1: (Die Volkszählung trotz Joabs Warnung) Und das Schnauben JHWHs fügte hinzu, gegen Israel zu entbrennen (der Zorn JHWHs entbrannte abermals gegen Israel) und er verleitete David gegen sie, sprechend: Geh, zählend teile Israel und Juda und zu.

1.Chr.21,1: (Die Volkszählung trotz Joabs Warnung) Und der Satan stand wider Israel und verleitete David Israel zählend zuzuteilen.

Das 2. Buch Samuel (in der Ostkirche 2. Buch der Königreiche genannt) weist viele Parallelen zum 1. Buch der Chronik auf. Im Gegensatz zu diesem ist es aber merklich kritischer und legt den Schwerpunkt mehr auf die politischen Ereignisse als auf den Kultus. Das 1. Buch der Chronik wird in der Ostkirche 1. Buch der Auslassungen genannt bzw. der ausgelassenen Dinge, griech. Paralipomenon, weil es viele in den Samuel- und Königsbüchern fehlende Details enthält. Als Entstehungszeit wird die vorhellenistische Epoche angenommen, da Ereignisse vor 516 v. Chr. in der Chronik enthalten sind, griechische Einflüsse jedoch nicht festgestellt werden konnten.

1.http://de.wikipedia.org/wiki/Satan

2. http://de.wikipedia.org/wiki/Mischna Die Mischna (hebr. ‏משנה‎; dt. „Wiederholung“) ist die erste größere Niederschrift der mündlichen Torah und als solche eine der wichtigsten Sammlungen religionsgesetzlicher Überlieferungen des rabbinischen Judentums. Die Mischna bildet die Basis des Talmud (ein Schriftwerk, das aufzeigt, wie die Regeln der Torah in der Praxis und im Alltag umgesetzt werden sollen).

3. http://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus Im Zentrum des Glaubens, der aber auf ältere iranische Kulte zurückgeht, steht der Schöpfergott Ahura Mazda/Ohrmazd (daher manchmal auch Mazdaismus). Er wird begleitet von unsterblichen Heiligen (Amescha Spenta) sowie von seinem Widersacher, dem bösen Dämon Angra Mainyu (Ahriman). Obwohl die Zoroastrier mehrere Gottheiten kennen, die Ahura Mazda unterstützen, ist die Religion grundsätzlich vom Dualismus zwischen Ahura Mazda und Ahriman geprägt: „Und im Anbeginn waren diese beiden Geister, die Zwillinge, die nach ihrem eigenen Worte das Gute und das Böse im Denken, Reden und Tun heißen. Zwischen ihnen haben die Guthandelnden richtig gewählt.“

Die ausführlichste Darstellung, in der ein Engelwesen mit dem Titel Satan in Gottes Auftrag wirkt, findet sich im Buch Hiob. Die Erzählung beginnt mit der Szene am himmlischen Gerichtshof, bei dem die Söhne Elohims und Gott selbst anwesend sind. Aufgrund des Einwands eines der Söhne Elohims in dieser göttlichen Gerichtshofsrunde, der als Ankläger, also als Satan fungiert, kommt es zu einem Vorwurf an Gott. Der fromme und wohlhabende Hiob halte Gott nur deshalb die Treue, weil Gott um ihn herum kein Unglück zulasse. Daraufhin gestattet Gott Satan, Hiobs Gottvertrauen auf die Probe zu stellen. Trotz der Unglücke und trotz der leidvollen Krankheit, die den nichts ahnenden Hiob daraufhin in Form der sprichwörtlichen Hiobsbotschaften durch den Satan im Auftrage Gottes ereilen, akzeptiert Hiob sein Schicksal und flucht seinem Gott nicht. Er kritisiert ihn jedoch und besteht darauf, dass er nichts Unrechtes getan habe. Hiobs Freunde sind davon überzeugt, dass er ein Unrecht begangen haben müsse, denn Gott lasse es nicht zu, dass ein Unschuldiger so viel Unglück zu erleiden habe. Damit wird der Einwand Satans widerlegt, es gebe keinen Menschen, der Gott in jeder Situation treu bliebe sondern von Gott abfalle, sobald es ihm aus menschlicher Sicht schlecht ergehe.

Ein weiteres Beispiel auf das Thema liefert die Erzählung der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten in Eden. Die klassischen jüdischen Bibelkommentatoren verstehen die Schlange darin wörtlich als Schlange, als ein Geschöpf Gottes, als Tier des Feldes (Gen.3,1). Nach der Mischna2 sei die Schlange vor ihrer Verfluchung aufrecht gestanden und habe die Fähigkeit besessen, mit Menschen zu kommunizieren. Sie sind sich jedoch uneinig darin, für was diese symbolisch in der Erzählung steht: Für die eigene Neigung des Menschen zum Bösen (jetzer ha-rah) oder/ und für einen Satan, als Prüfer der Menschenherzen. Andere Bibelkommentatoren haben vermutet, die Schlange sei ein phallisches4 Symbol.

Wichtiges Unterscheidungskriterium zu den Satans- und Teufelsbegriffen anderer Religionen ist, dass Satan im Judentum nicht als etwas Personifiziertes oder gar als das personifizierte Böse betrachtet und gelehrt wird. So sind die Vorstellungen eines personenhaften Satan als Gegenspieler der Gläubigen oder etwa eigenständiger „Versucher“ und Gegenspieler Jesu, des personifizierten Guten, Vorstellungen der christlichen Theologie. Im Judentum wird sowohl das Gute als auch das Böse als zwei Seiten einer Zusammengehörigkeit gesehen, die beide z. B. in Gott, dem ewigen Wesen, begründet sind. Gut und Böse sind von dieser Welt, der Gott, das ewige Wesen, transzendent gegenübersteht. Der Satan, wenn der Titel einem Engel in einem Zusammenhang oder in einer Erzählung gegeben wurde, handelt dabei stets nicht eigenmächtig und nicht nach eigenem Willen, sondern im Auftrag Gottes und steht voll unter der Kontrolle und dem Willen Gottes. Der Titel Satan wird in der hebräischen Bibel und anderen heiligen Schriften des Judentums verschiedenen Engeln und Menschen verliehen.

Die normative (normgebende), rabbinische, klassische, jüdische Lehre, der zu Folge das Böse kein eigenständiges Geistwesen, ist bis heute gültig und wichtig im Judentum. Es steht im Einklang mit den jüdischen Lehren, dass es keine Verkörperung des Bösen gibt und dass Gott als Schöpfer dessen bezeichnet wird, was Menschen als Böses beschreiben.

Einige Bibelstellen sollen diesen Zusammenhang verdeutlichen:

Amos 3,6: …geschieht ein Unglück in der Stadt, und JHWH hätte es nicht bewirkt?

Jes.45,7: …der Former des Lichts und Erschaffer der Finsternis, Macher des Friedens und Erschaffer des Bösen (a. Ü. Unglück); ich, JHWH, bin der Macher all dieser.

1.Kön.22,19-22: 19. Und er sprach: Darum höre das Wort JHWHs! Ich sah JHWH auf seinem Thron sitzen, und alles Heer des Himmels bei ihm stehen, zu seiner Rechten und zu seiner Linken. 20. und JHWH sprach: Wer will Ahab bereden (a. Ü. wer mach Ahab zugänglich), dass er hinaufziehe und zu Ramoth-Gilead falle? Und der eine sprach so, und der andere sprach so. 21. Da trat ein Geist hervor und stellte sich vor JHWH und sprach: Ich will ihn bereden. Und JHWH sprach zu ihm: Wodurch? 22. Und er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein in dem Munde aller seiner Propheten. Und er sprach: Du wirst ihn bereden und wirst es auch ausrichten; gehe aus und tue also! (fast derselbe Wortlaut wiederholt sich in 2.Chr.18,18-21)

Jes.19,14: JHWH hat in sein Inneres einen Geist des Schwindels (a. Ü. Geistwind der Vergehungen) ausgegossen, dass sie Ägypten irregeführt haben in all seinem Tun, wie ein Trunkener taumelt in seinem Gespei.

Deut.32,39: Seht nun, dass ich es (selber) bin in, der da ist, und kein Elohim neben (bei) mir! Ich töte, und ich mache lebendig, ich zerschlage, und ich heile; und niemand ist, der aus meiner Hand errettet!

Hiob 5,18: Denn Er bereitet Schmerz und verbindet, Er zerschlägt, und Seine Hände heilen. (ähnlich Hos.6,1)

1.Sam.2,6: JHWH tötet und macht lebendig; Er führt in den Scheol hinab und führt herauf.

4.http://de.wikipedia.org/wiki/Phallus Als Phallus (latinisierte Form des griechischen φαλλός – phallós) bezeichnet man heute insbesondere in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen den erigierten Penis des Mannes.

Ursprung Lucifers5 in der christlichen Theologie

In der römischen Mythologie wurde Lucifer als poetische Bezeichnung für den Morgenstern, sowohl für den Planeten als auch für die Göttin Venus, verwendet. Wörtlich übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet das Wort „Lichtträger“ (zu lat. lux „Licht“ und ferre „tragen, bringen“). Es handelt sich hierbei um die wörtliche Übersetzung der griechischen Begriffe Phosphóros („Lichtbringer“) bzw. Eosphóros („Bringer der Morgenröte“), wie sie z.B. in Homers Odyssee oder Hesiods Theogonie auftauchen.

An zahlreichen Stellen der Vulgata6 steht der Begriff Lucifer für den Morgenstern, ohne dass dies in einer Beziehung mit Satan oder dem Teufel stünde, so etwa im Buch Hiob (11,17 und 38,32) oder im Buch der Psalmen (108,3). Im Neuen Testament wird der Morgenstern nur an einer Stelle mit Lucifer bezeichnet:

2.Petr.1,19: Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern (a. Ü. Lichtträger; φωσφορος) aufgeht in euren Herzen.

In der Offenbarung des Johannes (22,16) spricht Christus von sich als dem „strahlenden/ glänzenden Morgenstern“ (griech. ο αστηρ ο λαμπρος ο πρωινος – wörtl. der Stern, der glänzende, der morgendliche; lat. stella splendida matutina). Aus diesem Grund hielten die frühen Christen Lucifer für einen Namen Christi. Als Belege dafür dienen etwa die Hymne Carmen Aurorae oder der Name des Heiligen Lucifer, eines Bischofs aus dem 4. Jahrhundert.

5.http://de.wikipedia.org/wiki/Luzifer

6.http://de.wikipedia.org/wiki/Vulgata Als Vulgata (auf der zweiten Silbe zu betonen, von lat.: vulgatus, -a, -um = allgemein verbreitet) wird der lateinische Bibeltext bezeichnet, der seit der Spätantike die bis dahin gebräuchlichen, in Umfang und Qualität verschiedenen, älteren lateinischen Übersetzungen der Bibel (Vetus Latina) abgelöst hat.

Jesaja 14 – He(j)lel, Morgenstern, Lucifer

Jes.14,12: Ach, wie fielst du aus den Himmeln, Erheller (hebr. HeJLeL; a. Ü. heule7), Sohn der Schwarzröte (a. Ü. Morgenröte bzw. Morgengrauen), bist abgehauen zum Erdland hin, Niederstrecker über Nationen!

Im Buch Jesaja (14,12-14) wird vom Hochmut des „Königs von Babel“ berichtet, der „in den Himmel steigen und [… seinen] Thron über die Sterne ELs (Gottes) erhöhen, sich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden (gemeint ist der Berg Zion als Symbol der davidischen Königsherrschaft, als Regierungszentrale Gottes, Ps.48,3) und gleich sein dem Obersten“. Stattdessen fuhr er aber „hinunter zu den Toten […], zur tiefsten Grube“, wurde von Gott „hingeworfen ohne Grab, wie ein zertretenes Aas“. Die Allegorie aus Jesaja 14 bezieht sich auf den Untergang des babylonischen Reiches und seines Königs Nebukadnezar, der symbolisch mit dem Morgenstern verglichen wird, der von der Sonne überstrahlt wird, was sein Verschwinden bedeutet.

Das hebräische Original dieses Textes ist הילל בן שחר (HeJLeL BeN SHaCHaR – HeJLeL8, Sohn des SHaCHaR9), womit der König von Babel allegorisch verglichen wird. Bereits in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT durch jüdische Gelehrte, wurde die hebräische Bezeichnung mit ῾Εωσφόρος (Heosphoros ‚Träger der Morgenröte‘) wiedergegeben. Der christliche Kirchenvater Hieronymus (347 – 420) übersetzte den Ausdruck in seiner Vulgata6 mit „Lucifer“.

7.http://www.gerhard-kringe.de/nr204.html Der Begriff wird von dem hebr. Wort HeJLeL abgeleitet. Wenn man die Punktierung/ Vokalisierung weglässt, die ja im Hebräischen interpretiert ist, sieht das Wort gleich aus wie in Sach.11,2 und Jes.52,5, wo es mit „heulen“ übersetzt ist. Das hebr. Wort HeJLeL gehört in folgende Wort-Familie: halal – loben (Ps.44,9); qalal – fluchen (3.Mos. 20,9); jalal – heulen (5.Mos. 32,10). Dies sind Ausdrücke, die mit der Stimme in Zusammenhang stehen und nicht mit dem Licht. Wenn man nun das „He“ als Artikel liest, kann es auch „der Heuler“ heißen.

8.http://de.wikipedia.org/wiki/Helel He(j)lel war der babylonische und kanaanitische Gott des Morgensterns und Sohn von Šaḥar, Gott des Sonnenaufgangs.

9.http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%A0a%E1%B8%A5ar Šaḥar (ugaritisch Šḥr, arabisch Schachar, Šahr, Schahr; aramäisch Sahra, Sahr(a), jüdisch-aramäisch Sehara; neubabylonisch Šeri, Šera) ist einerseits die westsemitische Bezeichnung der äquivalenten akkadischen Mondgottheit Sin; andererseits verkörpert Šahar in der ugaritischen Religion den Morgenstern und die Morgenröte. Sein Sohn ist He(j)lel.

Gleichsetzung Lucifers mit Satan

Im Vorwort seiner Schrift „De principiis“ (Von den Anfängen) und in einer Abhandlung über seine Schrift Nr. XII verglich der christliche Gelehrte Origenes den Morgenstern Eosphoros-Luzifer erstmalig mit dem Teufel/Satan. Im Kontext mit der im Christentum aufkommenden Engellehre behauptete Origenes, dass der ursprünglich mit Phaeton10 verwechselte Hel(j)al-Eosphoros-Luzifer, nachdem er sich Gott gleichzustellen versuchte, als himmlischer Geist in den Abgrund stürzte. Tertullian (150–230), Cyprian (um 400), Ambrosius (um 340–397) und einige andere Kirchenväter schlossen sich im Wesentlichen dieser dem hellenistischen Mythos entlehnten Auffassung an.

Hieronymus, Cyrillus von Alexandrien (412–444) und Eusebius (um 260–340) sahen demgegenüber in der Prophezeiung des Jesaja nur das mystifizierte Ende eines babylonischen Königs. Diesen irdischen Sturz eines heidnischen Königs von Babylon betrachteten sie aber als Hinweis auf den himmlischen Sturz Satans. Im Mittelalter wurde Lucifer durch die Kombination von Jesaja 14,12 (Sturz des Sohnes der Morgenröte) mit Lukas 10,18 und Offenbarung 12,9 (Sturz Satans) auch im offiziellen kirchlichen Sprachgebrauch zum Synonym für den Satan/Teufel.

Lk.10,18: Er (Jesus) sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.

Offb.12,9: Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel (Diabolos) und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinab geworfen.

In der jüdischen Exegese wird He(j)lel nicht als Satan bzw. als das personifizierte Böse interpretiert, sondern He(j)lel und Schahar fallen zusammen mit Babylon, deren Götter sie sind. Die christliche Figur des Lucifer existiert im Judentum nicht.

10.http://de.wikipedia.org/wiki/Phaethon_%28Mythologie%29 Phaethon (auch Phaeton oder Phaëthon, v. griech. Φαέθων, eigentlich „der Strahlende“, zu φαίνειν, scheinen) in der griechischen Mythologie seit Euripides der Sohn des Sonnengottes Helios (bei Hesiod war er dessen Neffe).

Hesekiel 28

Lucifer oder Satan wurde auch mit dem gefallenen Cherub aus Hes.28,14 in Verbindung gebracht:

Hes.28,14: Du warst ein Gesalbter, ein schützender Cherub (a. Ü. ein Umsalbter, ja der Überhüttende); ich habe dich gesetzt auf den heiligen Berg Gottes (a. Ü. Berg des Heiligen) als Elohim (fehlt in den meisten Übersetzungen) und du wandeltest mitten unter den feurigen Steinen.

„Im Garten Gottes“ wandelte er, „geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, mit Sarder, Topas, Diamant, Türkis, Onyx, Jaspis, Saphir, Malachit, Smaragd“, „ein Gott (Elohim)“, war er und „wandelte inmitten der feurigen Steine“ bis eines Tages an ihm „Unrecht gefunden“ wurde. Durch „die Größe seines Handels“ wurde sein Inneres „mit Gewalttat erfüllt“, sein „Herz erhob sich auf Grund seiner Schönheit“ und Gott verstieß ihn daraufhin von seinem heiligen Berg, stürzte ihn zu Boden und ließ Feuer aus seinem Innern hervorbrechen und zum Abschluss heißt es über ihn (V.19): „Du bist dahin auf ewig/ für immer/ bis zum Äon.“

Der Text könnte auch lediglich als allegorische Bezeichnung für den zwar schönen und mächtigen, aber durchaus menschlichen König von Tyrus sein. Manche Ausleger sehen hier jedoch den tatsächlichen Fall eines sehr mächtigen Engelwesens. Diese Auslegung wirft jedoch einige Fragen auf:

Hes.28,18-19: Auf Grund der Menge deiner Vergehungen, infolge der Ungerechtigkeit (a. Ü. des Args) deines Großhandels entheiligtest du deine Heiligtume; da ließ ich Feuer herausgehen aus deiner Mitte, es fraß dich und ich gab dich als Asche auf dem Erdland zu Augen aller dich Sehenden. Alle dich näher Kennenden in den Völkern entsetzten sich über dich, du bist zum Schrecken geworden und bist dahin für immer (a. Ü. für ewig/ bist nicht mehr bis zum Äon).

Welche Völker auf der Erde konnten Augenzeugen dieses kosmischen Ereignisses gewesen sein, wenn doch Satan bereits vor der Erschaffung Adams gefallen sein soll? Über das Engelwesen heißt es außerdem, dass es verbrannte, zu Asche wurde und für immer dahin ist. All das passt nicht wirklich zur gängigen Vorstellung von Satan, der ja heute noch aktiv ist. Das vorherige Kapitel aus Hesekiel (Hes.27) ist ebenfalls Tyrus gewidmet, allerdings mehr unter dem nationalen Gesichtspunkt. Das Kapitel endet mit dem Vers 36 und einem ähnlichen Wortlaut wie in 28,18-19:

Hes.27,36: Die Händler in den Völkern zischen über dich, denn zum Schreckbild bist du geworden und du bist für immer dahin (a. Ü. für ewig/ bist nicht mehr da bis zum Äon.)

Den gefallenen Cherub aus Hesekiel 28 brachten die Kirchenväter schließlich auf der Grundlage eines Ausspruchs Jesu im Lukasevangelium (10,18) erneut in Verbindung mit Satan: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz“. Der Ausspruch Jesu deutet aber eher in die Zukunft, wie andere Stellen aus der Offenbarung verdeutlichen, die von einem zukünftigen Ereignis berichten:

Offb.12,3-4: Und es erschien ein anderes Zeichen in dem Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter Drache, welcher sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, und auf seinen Köpfen sieben Diademe; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels mit sich fort; und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor dem Weibe, das im Begriff war zu gebären, auf dass er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge.

Offb.12,7-9: Und es entstand ein Kampf in dem Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel; und sie siegten nicht, auch wurde ihre Stätte nicht mehr in dem Himmel gefunden. Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinab geworfen.

Nachdem Satan anschließend für tausend Jahre gebunden wird (Offb.20,7), macht er sich ein letztes Mal auf, die Nationen zum Krieg zu verführen (Offb.20,8). Zum Schluss wir er „in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo er Tag und Nacht gequält wird von Ewigkeit zu Ewigkeit (eig. von Äon zu Äon)“ (Offb.20,10).

Satan in apokryphen Schriften

Im Neuen Testament, in christlichen Interpretationen des Alten Testaments sowie in apokryphen Büchern ist die Vorstellung eines abtrünnigen Engels verbreitet.11 Der Engel wird für seine Auflehnung gegen Gott mit der Vertreibung aus dem Himmel durch Gott und seine übrigen Engel bestraft. Häufig wurde dieser gefallene Engel dann mit Lucifer, Samael12, Satan und dem Teufel aus dem NT in Verbindung gebracht, der nach Lk.10,18 ebenfalls „vom Himmel fällt“.

11. Diese Ansicht vertrat vor allem der Kirchenvater Augustinus. Ch. Daxelmüller: Dämonen, Dämonologie. B. Lateinisches Mittelalter. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 3. Artemis Verlag, 1986. Sp. 477-478.)

12. http://de.wikipedia.org/wiki/Samael Samael (hebräisch סמאל, auch Semiel, Sammane und Sammuel) ist ein Erzengel der jüdischen und christlichen Mythologie (von einer christlichen Mythologie wird vor allem in Bezug auf mythologische Restgehalte innerhalb der christlichen Lehre gesprochen) und der Gnosis/ Gnostizismus (Oberbegriff über verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus). Der Name erscheint erstmals im sechsten Kapitel des äthiopischen Henochbuchs (ca. 3 Jhd. vor Chr.) in der Liste der gegen Gott rebellierenden Engel.

Als Gründe für den Fall der Engel13 werden genannt:

  • Weigerung, dem Menschen Respekt zu bezeugen: Im Buch Adam und Eva, einem apokryphen Text aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. gebot Gott nach Erschaffung des Menschen seinen Engeln, vor diesem niederzuknien. Einige Engel aber weigerten sich, da der Mensch aus niedrigerem Stoff gemacht sei als sie selbst. In ihm bekennt der Satan gegenüber Adam, er hasse die Menschen deshalb, weil er ihretwegen aus dem Himmel vertrieben worden sei. Biblische Belege für diese Version gibt es nicht. Der Gedanke taucht auch im Koran auf. In Sure 38,72 verweigert Iblis dem Menschen seine Ehrerbietung, da er aus Feuer, der Mensch aber nur aus Lehm geschaffen sei; daraufhin wird er verbannt.
  • Willensfreiheit14: Nach dem Kirchenvater Origenes verleitete die ihnen eingeräumte Willensfreiheit einige Engel dazu, sich mehr und mehr von Gott zu entfernen. Einige wurden dadurch zu Menschen oder gar zu Dämonen und mussten deshalb aus dem Himmel vertrieben werden – nicht ohne die Möglichkeit zu haben, durch Tugend und gottgefälliges Leben dorthin zurückzukehren. Origenes wurde u. a. wegen dieser Lehren beinahe als Häretiker15 exkommuniziert.
  • Sexuelle Begierde: Nach dem apokryphen Buch Henoch ist es sexuelle Lust, die den Sturz der Engel herbeigeführt hat. Gott hatte die Grigori (Egrigori), eine bestimmte Engelgruppe (Engel mit einem männlichen Geschlecht), damit beauftragt, den Erzengeln bei der Schaffung des Gartens Eden zu helfen. Auf die Erde herabgestiegen, verliebten sie sich jedoch in die Menschentöchter, verrieten ihnen himmlische Geheimnisse und zeugten mit ihnen sogar Kinder, das Riesengeschlecht der Nephilim (vgl. hierzu auch Gen.6,1). Darüber war Gott so erzürnt, dass er die Grigori aus dem Himmel verstieß, ihnen ihre Unsterblichkeit nahm und sie in Dämonen verwandelte. Die Sintflut sandte er nicht zuletzt, um das Geschlecht der Nephilim auszulöschen.

13. http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llensturz#Der_gefallene_Engel

14. http://de.wikipedia.org/wiki/Willensfreiheit Im weitesten Sinne meint Willensfreiheit die unterstellte menschliche Fähigkeit, sich unter gegebenen Bedingungen für oder gegen etwas zu entscheiden.

15. http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4retiker Häresie ist eine Bezeichnung für eine Lehre, die im Widerspruch zur Lehre einer christlichen Großkirche oder einer anderen vorherrschenden Auffassung steht und beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zum Ausdruck zu bringen.

Satan und der Teufel im NT

Der Teufel16 (von griechisch Διάβολος, Diábolos, wörtlich ‚der Durcheinanderwerfer‘ im Sinne von ‚Verwirrer‘, ‚Faktenverdreher‘, ‚Verleumder‘; lateinisch diabolus) ist im NT eine weitere Bezeichnung Satans. Er wird als eigenständiges, übernatürliches Wesen und als der Feind Gottes betrachtet. Er spielt in der christlichen Theologie eine besondere Rolle als Personifizierung und Träger des Prinzips des Bösen. Der Teufel kann aber auch in der Gestalt eines Engel des Lichts auftreten (2.Kor.11,14). Erstmalige taucht der Begriff „Teufel“ in Mt.4,1 auf, wo Jesus in die Wüste geführt wird, um von diesem zum Missbrauch seiner Macht verleitet zu werden. Als Jesus beginnt, seinen Jüngern von seinem zukünftigen leidvollen Tod zu berichten und Petrus ihn beiseite nimmt mit den Worten „Gott ist dir versühnt, Herr! Keinesfalls wird Dir dies zugedacht sein!“ (Mt.16,22; Mk.8,32) nennt Jesus den Petrus „Satan“.

Mt.16,23: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Fallstrick, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das was der Menschen ist.

Auch in den Gleichnissen bezieht sich Jesus auf den Diabolos, z.B. im Gleichnis vom Unkraut und Weizen (Mt.13,24-30.38), der als Feind Gottes nachts auf den mit gutem Samen (Kinder des Reiches Gottes) bestellten Acker (die Welt) sein Unkraut (die Kinder des Bösen) sät.

Das NT zeichnet ein viel detaillierteres Bild über Satans Wesen und Charakter:

  • er ist Fürst/ Anfänglicher dieser(s) Welt/ Kosmos (αρχων του κοσμου Joh.12,31)
  • er ist der Gott dieses Zeitalters/ Äons (2.Kor.4,4)
  • er ist die Ur-Schlange/ anfängliche Schlange (οφις ο αρχαιος; Offb.12,9)
  • er ist der großer Drache (Offb.12,9; 20,2)
  • er ist Widersacher/ Rechtsgegner (1.Petr.5,8)
  • er ist der Fürst des Autoritätsgebiets der Luft (αρχοντα της εξουσιας του αερος) (Eph.2,2)
  • er ist auch möglicherweise Oberhaupt der Fürstentümer, Gewalten, Weltbeherrscher dieser Finsternis und geistlichen Mächte der Bosheit in den überhimmlischen Örtern (προς τας αρχας προς τας εξουσιας προς τους κοσμοκρατορας του σκοτους τουτου προς τα πνευματικα της πονηριας εν τοις επουρανιοις) (Eph.6,12), von denen feurige Pfeile (feurig gemachte Wurfgeschosse) ausgehen (Eph.6,16)
  • bin mir noch unschlüssig, ob er auch mit dem Regenenten des Abyssos17 – Abaddon19 bzw. Apollyon, identisch ist.
  • er ist ein Lügner (Joh.8,44) und der Urheber/ Vater der Lüge (Joh.8,44)
  • er ist Versucher (Mt.4,3)
  • er ist der Böse (Mt.13,19)
  • er ist ein Dieb und Räuber (Joh.10,1), stielt das Wort Gottes aus den Herzen der Menschen (Mk.4,15)
  • er ist gerichtet (Joh.16,11)
  • er sündigt von Anfang (1.Joh.3,8)
  • es ist keine Wahrheit in ihm (Joh.8,44)
  • er ist nicht in der Wahrheit gestanden (εν τη αληθεια ουκ εστηκεν Joh.8,44)
  • er ist ein Menschenmörder von Anfang (ην απ αρχης Joh.8,44)
  • er hat die Macht/ Haltekraft des Todes (Hebr.2,14)
  • er sündigt von Anfang (1.Joh.3,8)
  • er verkleidet sich als Engel des Lichts (2.Kor.11,14)
  • er hat Diener, die sich als Diener der Gerechtigkeit verkleiden (1.Kor.11,15)
  • er hat geistige Kinder (Mt.13,38; Joh.8,44; Apg.13,10)
  • er ist der Geist, der in den Söhnen des Ungehorsams wirkt (Eph.2,2)
  • er wird den ganzen Erdkreis verführen, das Tier anzubeten (Offb.12,9)
  • er ist listig (Eph.6,11)
  • er geht umher wie ein knurrender Löwe und sucht wen er verschlingen kann (1.Petr.5,8)
  • er schlachtet/ schlachtopfert und verdirbt (απολεση – wörtl. löst gänzlich weg) (Joh.10,10)
  • er gibt den Menschen böse Gedanken ins Herz (Apg.5,3)
  • er stellt Fallstricke (1.Tim.3,7)
  • er ist Feind aller Gerechtigkeit (Apg.13,10)
  • er ist Urheber körperlichen Gebrechen (Lk.13,16)
  • er ist voller List und Bosheit (Apg.13,10)
  • er verkehrt die geraden Wege des Herrn (Apg.13,10)
  • es gibt den Thron Satans (Offb.2,13 – im Sendschreiben an Pergamon/ der Pergamonalter steht übrigens im Staatlichen Museum Berlin, wo er gegen Entgelt besichtigt werden kann)
  • es gibt die Synagoge Satans (Offb.2,9 – im Sendschreiben an Smyrna)

16. http://de.wikipedia.org/wiki/Teufel

Nach christlichem Verständnis war es auch der Satan, der durch die Schlange im Garten Eden gesprochen und Eva zur Sünde verführte (dieser Gedanke taucht auch im apokryphen Buch „Adam und Eva“ auf).

Über den Anfang oder Ursprung Satans sagt uns weder das AT noch das NT wirklich etwas Aufschlussreiches. Lediglich 1.Tim.3,6 scheint einen Hinweis zu liefern, dass Satan als Hochmütiger dem Gericht verfallen ist. Vorstellbar ist, dass er ursprünglich schon als Versucher von Gott erschaffen wurde, dass er hochmütige wurde, seine Bestimmung verlassen hat und zum Feind Gottes wurde.

1.Tim.3,6: …nicht ein Neuling, auf dass er nicht als Hochmütiger in das Urteil des Diabolos hineinfällt.

Über sein Ende werden wir eher aufgeklärt. Vor dem Tausendjährigen Reich (Millenium) gibt es laut Offenbarung des Johannes einen Kampf im Himmel zwischen den Kräften Gottes (Michael und seinen Engeln) und den Kräften des Bösen (Satan und seinen Engeln), der damit endet, dass Satan und seine Anhänger auf die Erde geworfen werden (Offb.12). Dieses Ereignis weist (vom Standpunkt des damaligen Verfassers aus) in die Zukunft und ist keine Rückschau auf einen vergangenen Sturz Stans. Für die Dauer des Milleniums wird er gefesselt und in den Abgrund/ Abyssos17 geworfen (Offb.20,1-3), um danach wieder für eine kurze Zeit freigelassen zu werden (Offb.20,7), woraufhin er erneut die Nationen verführt zum Krieg gegen die „geliebte Stadt“ und das „Lager der Heiligen“ (Offb.20,9), um dann in den See des Feuers, der mit Schwefel21 brennt, geworfen zu werden, wo sich auch das Tier und der falsche Prophet befinden. Dort werden sie Tag und Nacht (spricht für einen Ort auf der Erde) in die Äonen der Äonen (Offb.20,10) „mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm“ (Offb.14,10).

Die volkstümliche Vorstellung des Teufels geht oft auf ursprünglich heidnische Götter zurück, die in christlicher Weise zum Teufel umgedeutet wurden. Es besteht eine weitgehende äußere Übereinstimmung mit dem griechischen Gott Pan. Der Teufel wird meist schwarz und behaart, mit einem oder zwei Bocks- oder Pferdefüßen, Widderhörnern, einem Schwanz, hässlichem Gesicht und langer Habichtsnase dargestellt. Bei seinem Verschwinden hinterlasse er zudem einen argen Gestank (Ziegenböcke haben eine sehr unangenehmen Geruch). Der angebliche Wohnort des Diabolos und seiner Anhänger sei die Hölle. Der Begriff Hölle wiederum ist von dem Namen der germanischen Unterwelt Hel22 abgeleitet (die Herrscherin über diese Unterwelt trägt ebenfalls den Namen Hel).

17. Der Name Abyssos (griech. αβυσσος) lässt sich aus dem Wort Byssos Batist (eine Bezeichnung für Byssus18) erklären. Batist ist Zeichen der Herrlichkeit, denn Batist trug der reiche Mann (Lk.16,19) und ist Darstellung der Gerechtigkeit der Heiligen (Offb.19,8). Das zeigt, dass der Abyssos ein Ort ist, an dem sich Unheiliges, der Herrlichkeit Entkleidetes, befindet. Er ist ein verschlossener Raum und wird mit einem Brunnen/ Schlund (Offb.19,1) und einem Hochofen, aus dem dunkler Rauch aufsteigt (Offb.19,2) verglichen. Vor dem Abyssos schrecken die Dämonen zurück (Lk.8,31). Im Abyssos befinden sich furchtbare Heuschrecken, wahrscheinlich eine Darstellung für Dämonen (Offb.9,11), aus dem Abyssos steigt das Tier auf (Offb.11,7; 17,8), welches in 2.Thess.2,3 auch ‚Sohn der Ganzweglösung‘ (υιος της απωλειας) genannt wird. Der Satan wird 1.000 Jahre im Abyssos verwahrt (Offb.20,2-3). Der Herrscher des Abyssos heißt Abbadon19 oder Apollyon.

Offb.9,11: Sie (die Heuschrecken) haben als Regenten über sich den Engel des Abyssos, dessen Name auf hebräisch Abaddon ist, im Griechischen hat er den Namen Apollyon.

Auf Grund des Studiums einiger Bibelverse könnte man den Abyssos als einen Ort tief unter dem Meer verstehen (im Gegensatz zum Reich der Toten, das unter der Erde ist):

Röm.10,6-7: Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt also: Sprich nicht in deinem Herzen: ‚Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?‘ (das ist, um Christum herabzuführen) oder: ‚Wer wird in den Abyssos hinabsteigen?‘ (das ist, um Christus aus den Toten heraufzuführen).

Deut.30,11-14: Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und ist nicht fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen könntest: Wer wird für uns in den Himmel steigen und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass du sagen könntest: Wer wird für uns jenseits des Meeres hinüberfahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Sondern sehr nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen, um es zu tun.

Für das Wort Abyssos steht im Original Meer.

Offb.11,7: …das Tier, das aus dem Abyssos heraufsteigt… (s.a. Offb.17,8)

Offb.13,1: Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen…

Beide Beispiele enthalten keinen Widerspruch, wenn der Abyssos ein Ort unter dem Meer ist. Das könnte dann evtl. auch der Grund für die Wasserscheu der Dämonen sein (Mt.12,43; Lk.11,24)? Der Brunnen oder Schlund des Abyssos ist noch nicht der Abyssos selbst. Noch ist er verschlossen. Sobald der Brunnen geöffnet wird, steigt schwarzer Rauch auf. Rauch ist stets ein äußeres Kennzeichen für vorhandenen Feuerbrand. Rauch symbolisiert auch Qual (Offb.14,11) (Heinrich Langenberg, Die Apokapypse Jesu Christi)

18. http://de.wikipedia.org/wiki/Byssus Byssus, Byssos oder Muschelseide (griechisch: βύσσος) ist eine Bezeichnung für das Sekret aus den Fußdrüsen verschiedener Arten der Muscheln, das zu Haftfäden vereinigt wird und erhärt. Bekannte Beispiele für Muscheln mit Byssusfäden sind die Miesmuscheln, die sich mit den Byssusfäden an Strukturen der Brandungszone festsetzen und diese bei schlechten Umweltbedingungen auch wieder lösen können. Seit dem Altertum werden die Fasern der im Mittelmeer lebenden Edlen Steckmuschel (Pinna nobilis L.) gewonnen. Die aus diesen Fasern hergestellten Gewebe werden als Byssus bezeichnet. Die Faser ist goldglänzend, sehr dünn und extrem fest und haltbar, insofern mit modernen Nylonfäden vergleichbar. In der Antike war der aus Byssus oder Steckmuschelwolle gewebte Stoff, die so genannte Muschelseide oder Meerseide, ein sehr kostbarer textiler Werkstoff, der um ein vielfaches feiner als Seide ist, wegen seiner Haltbarkeit und der aufwändigen Gewinnung sehr begehrt und wertvoll. Textilien aus Muschelseide waren vor allem im Mittelalter unter hohen kirchlichen Würdenträgern und im Hochadel sehr begehrt. Heute ist die Steckmuschel, die bis zu einem Meter groß werden kann, geschützt, das Handwerk nahezu ausgestorben. Im NT kommt das Wort Byssos in Lk.16,19, Offb.18,12.16; 19,8.14 – letztens als Bekleidung der Himmelheere – vor.

19. Abaddon (griech. αβαδδων) ist die Transkription des hebr. Wortes ABhaDO´N, das sich von ABha´D ‚verlieren‘, ‚verloren gehen‘ ableitet. Im AT ist es die Bezeichnung eines Ortes der Verlorenheit, ein Ort also, der für andere nicht auffindbar ist (Hi.26,6; 28,22; 31,12; Ps.88,12; Spr.15,11; 27,20) und wird oft zusammen mit dem Sheol genannt, mit dem er jedoch nicht identisch ist. Laut Offb.9,11 ist Abaddon der Name des Herrschers des Abyssos (griech. αβυσσος), der auch den Namen Apollyon trägt (griech. απολλυων, Ganzweglöser von απωλεια Ganzweglösung, was heißt, dass sich das Verlorene vom Eigner gänzlich weggelöst hat).

Jak.4,12: Einer ist der Gesetzsetzer und Richter, der Vermögende, zu retten und gänzlich wegzulösen

Mt.10,28: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper töten, die Seele dagegen nicht töten können. Fürchtet aber vielmehr den, der die Seele wie auch den Körper in der Gehenna20 gänzlich wegzulösen vermag.

20. Das Wort Gehenna ist aus Jer.7,31 von der Schlucht des Sohnes HiNo´Ms abzuleiten und ist dann vom Hebräischen her mit ‚Schlucht des Gewimmers und Schlummerns‘ zu übersetzen ‚Schlucht der Umbringung‘ (Jer.7,31). In diesem Tal haben die Israeliten einst ihre Kinder dem Baal im Feuer geopfert. Vom Griechischen her lässt sich „Gehenna“ mit „Erdland der Erstarrung“ wiedergeben. Es ist ein Land, dessen Hitze alles zu starrer Schlacke (Lava) werden lässt. Gemäß Mt.18,8-9 und Mk.9,45 ist es der Ort des äonischen Feuergerichts (Feuersee, der mit Schwefel brennt, s. Offb.19,20) und der Ort des Verlorenseins bzw. des völligen Sich-Weglösens (griech. απωλεια Mt.10,28).

21. Schwefel (hebr. גָפְרִית GoPhRI´T) und Feuer sind in der Bibel bekannte Bezeichnungen in Zusammenhang mit dem Gericht Gottes (s.Sodom und Gomorrah). Schwefel wird in der Offenbarung auch als das Brennmaterial des Feuersees genannt. Die Arche Noahs im Gericht der großen Flut war aus Schwefelholz gebaut (hebr. גֹפֶר Go´PhäR) und anschließend innen und außen verpicht23. Die griech. Bezeichnung für Schwefel ist θεῖον (theion), was auch göttlich bedeutet. Schwefel kommt in der Natur elementar vor, ist von gelber Farbe, brennt mit blauer Flamme (Feuer-See), färbt sich beim Schmelzen dunkelrot (es nimmt also alle drei Grundfarben an) und erscheint nach raschem Abkühlen als glasartiger Körper. Der Schwefel gibt dem Gold seinen gelben Schimmer und hat somit auch färbenden Charakter. Er wird seit dem Altertum zum Bleichen von Textilien, als Arzneimittel und zur Desinfektion genutzt und ist somit Mittel höchster Reinigung. In der Alchemie spielte der Schwefel seit dem Mittelalter eine herausragende Rolle, wonach die gesamte Materie aus den beiden Prinzipien Schwefel und Quecksilber aufgebaut sein soll.

Brennender Schwefel:

Bild

22. http://de.wikipedia.org/wiki/Hel_%28Mythologie%29 Der altnordische Name Hel ist verwandt mit dem deutschen Wort Hölle und führt auf ein urgermanisches *haljô ‚Hölle, unterirdische Totenwelt‘ zurück (got. halja; altengl. hell; ahd. hellea). Das Wort steht in Beziehung zum Verb verhehlen ‚verbergen‘, ist also als ‚das Verborgene‘ zu deuten (so auch das hebr. Wort ‚Sheol‘, als das Ungewahrte oder Unwahrnehmbare). Hel bezeichnete die Totenwelt ohne negative oder auch positive Konnotation (ähnlich dem griech. Wort Hades). Die Personifizierung der Hel zur Herrin dieser Totenwelt hatte offensichtlich nur im Norden stattgefunden.

23. http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrolyse Durch Verschwelung gewonnener Teer und Pech, sind die ältesten Kunststoffe der Menschheit. Bereits in der europäischen Mittelsteinzeit kannte man die Teer- und Pechgewinnung (Birkenpech) durch Pyrolyse (griech. πῦρ pyr Feuer und λύσις lýsis (Auf)Lösung). Holzteer und Pech wurden als Klebemittel und zum Abdichten eingesetzt. Beim Hufbeschlag und beim Klauenschneiden wird heute noch Holzteer als Desinfektionsmittel verwandt. Bei der Pyrolyse wird Holz unter Luftabschluss bei Temperaturen bis zu 700 C verschwelt. Für die Pechgewinnung eignet sich am besten Baumharz.

Dämonen24

Das Wort stammt vom griechischen Wort δαίμων (daimon) ab. Das Herkunftswörterbuch des Großen Duden gibt die Bedeutung von Dämon ‚böser Geist‘, als ein Mittelwesen zwischen Gott und Mensch an und führt es auf griech. δαίεσθει für ‚(ver)teilen‘, ‚zer-‚ und ‚zuteilen‘ sowie ‚geteilt werden‘ zurück. Von daher wird dort als Grundbedeutung von Dämon die Angabe ‚Ver- und Zuteiler (des Schicksals)‘ hergeleitet. Das Wort δαίμων (daimon) stand aber ursprünglich für den Geist der Abgeschiedenen oder umgekehrt den abgeschiedenen Geist der Verstorbenen (griech. σκιά oder skiá für ‚Schatten‘), ‚die körperperlosen Gestalten der Abgeschiedenen‘. In ganz ähnlicher Bedeutung existiert im Deutschen das nur selten gebrauchte Wort Schemen (vgl. auch ’schemenhaft‘) für Geist(er), Gespenst(er) und Spukgestalten. Zugrunde liegt diesen und anderen Wortbildungen (wie scheinen, schimmern, schier und Schimmel) nach dem Herkunftswörterbuch des Großen Duden das idg. Wurzelwort *skai- in der Bedeutung von (stumpf) glänzen, Glanz, Abglanz.

24. http://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4mon

Im allgemeinen Sprachgebrauch der Griechen und Römer war damals mit einem Dämon eine Gottheit, ein göttliches Wesen gemeint. Paulus nennt in Apg.17,22 die Athener als δεισιδαιμονεστερους (deisidaimonesterous, bedeutet wörtl. Dämonie-Verbundene) und zwar mehr als alle anderen, die er (Paulus) kennt. Diesen Hinweis des Apostels, dass die Athener also sehr Dämonie-Verbundene sind, haben die meisten Übersetzer mit „den Göttern Ergebene“, bzw. mit „sehr religiös“ wiedergegeben. Das Wort taucht nochmals in Apg.25,19 auf. Die Juden sahen aber darin dem Beelzebub25 untergeordnete Geister (Mt.12,24). Dieser Zusammenhang setzt eine hierarchisch aufgebaute Dämonologie voraus. Im NT wird das Wort „Dämon“ ausschließlich negativ gebraucht.

Mk.3,22: Er hat den Beelzebub, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

25. http://de.wikipedia.org/wiki/Beelzebub Mit dem Namen Beelzebub (hebräisch בעל זבוב) wird im AT der Stadtgott von Ekron im Land der Philister bezeichnet. König Ahasja von Israel erbat von ihm Orakel (2. Könige 1). Baal Zebub wird übersetzt mit Herr der Fliegen und ist vermutlich eine Verballhornung des eigentlichen Namens בעל זבול Baal Zebul (erhabener Fürst), um den Gott bzw. dessen Anhänger zu verspotten (sog. Schandname). Alle Namensformen sind Beinamen des Gottes Ba’al. In frühjüdischer Zeit wurde dieser kanaanäische Gott zum Inbegriff des Götzen und im dualistischen Denken zum Anführer der widergöttlichen Mächte. So erscheint er auch im NT (in der Mehrheit der griechischen Handschriften unter βεελζεβούλ Beelzebul) als der Oberste der Dämonen. Bedeutung erlangte er auch in lokalen Sagen und Märchen, wo er häufig im Zusammenhang mit Zaubersprüchen auftritt.

  • Dämonen und die Geister, die von ihnen ausgehen (Lk.4,33), werden im NT als hässliche Mischwesen (pferdeähnliche Heuschrecken mit Löwenzähnen, Skorpionschwänzen, Menschengesichtern und Frauenhaaren Offb.9,7-10), böse (z.B. Lk.7,21), unrein (z.B. Mk.1,23; Lk.7,21) und betrügerisch (1.Tim.4,1) bezeichnet.
  • Sie verbreiten durch Menschen Lehren, die zum Abfall vom Glauben verleiten (1.Tim.4,1). Diesbezüglich sind hier vor allem eine asketische Lebensweise genannt, sowohl was die Ernährung (Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen), als auch die Sexualität (Heiratsverbot) betrifft (1.Tim.4,3). Die Beispiele sind Erkenntnismerkmale gnostischen Gedankenguts, das Bemühen um Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt. 1.Joh.4,1-6 warnt vor falschen, pseudochristlichen Propheten und mahnt zur Unterscheidung deren Geister, ob sie aus Gott sind. Der konkrete Maßstab ist Christus im Fleisch gekommen, das Hauptunterscheidungsmerkmal gnostischer Geistes-Strömungen.
  • Sie suchen sich Menschen und Tiere als Behausungen (auch gruppiert, s. der mit Legion besessene Gerasener in Mk.5,9 bzw. Lk.8,30) und können durch diese auch sprechen.
  • Sie haben den Sohn Gottes immer erkannt und bezeugt (Jak,2,19).
  • Sie scheuen den Abyssos17 (Lk.8,31), das „Quälen vor der Frist“ (festgesetzten Zeit) (Mt.8,29)
  • Ausgetriebene Dämonen durchwandern wasserlose Orte26 (Mt.12,43; Lk.11,24), offenbar auf der Suche nach einem Ruheort, finden ihn aber nirgends und kehren dann erneut in einen Körper zurück.
  • Sie gelten als Ursache einiger körperlicher und psychischer Erkrankungen (Mk.9,25; Lk.6,18)

Offb.9,3.7: Und aus dem Rauch (des Abyssos17) kamen Heuschrecken (wahrscheinlich Dämonen) hervor auf die Erde… Und die Gestalten der Heuschrecken waren gleich zum Kampf gerüsteten Pferden, und auf ihren Köpfen wie Kronen gleich Gold, und ihre Angesichter wie Menschen-Angesichter…

Offb.18,2: …gefallen ist Babylon, die große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels (möglicherweise sind beflügelte Dämonen damit gemeint).

Offb.16,13-14: Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche; denn es sind Geister von Dämonen (πνευματα δαιμονιων – pneumata daimonion) die Zeichen tun…

26. Das gr. Wort ανυδρων (anhydron, wasserlos) im NT ist eine bewusste Wortwahl und meint nicht die Wüste, dafür gibt es ein gesondertes Wort (ερημια – eremia). Es kommt sonst nur noch in 2.Petr.2,17 (wasserlose Quellen) und Jud.1,12 (wasserlose Wolken) vor. Die wasserlosen Stätten weisen auf die tiefe Bedeutung des Wassers im AT und NT hin. Wo Dämonen sind oder waren, da ist Wasser-Erquickung, Segen, zeugende Lebenskraft verschwunden. Es entstehen in der Natur, wie in der Seele des Menschen, die Zustände der furchtbarsten Öde und Dürre. (Zeitschrift für die gesamte lutherisch Theologie und Kirche, 1855) Hier sei noch erwähnt, dass die „Hydrophobie“, die Wasserscheu, ein bekanntes Symptom der Tollwut ist, eine seit Jahrtausenden bekannte Virusinfektion (Rabiesvirus), die bei Mensch und Tier das Nervensystem angreift und meist tödlich endet. Starke Spasmen (Muskelkrämpfe) können alleine durch den Anblick von Wasser und Getränken hervorgerufen werden, das Schlucken wird jedoch durch die Muskelkrämpfe sehr schmerzhaft bis unmöglich. Der Patient kann folglich nicht oder nur ganz wenig trinken, obwohl er großen Durst hat. Tollwütige galten früher als besessen. Auch das Übernachten auf Friedhöfen und in der Nähe von Gräbern (Gerasener) galt einst als Zeichen von Besessenheit. (Quelle: Takashi Onuki – Heil und Erlösung – Wissenschaftliche Untersuchungen zum NT) Siehe auch die Fußnote Abyssos17.

Jüdische Dämonologie

Von bedeutendem Einfluss auf die jüdische Dämonologie war deren Berührung mit der zoroastrisch-iranischen Dämonenlehre. Der Zoroastrismus3 weist einen stark differenzierten Dämonenglauben auf und macht für jedes Unglück, jede Krankheit und jedes Laster oder Übel einen bestimmten Dämon verantwortlich. Sie betrügen den Menschen, indem sie das Böse als gut deklarieren. Ahriman lenkt dieses Dämonenheer und ist mit dem Satan der biblisch-christlichen Dämonologie vergleichbar. Während noch Plato Dämonen als Mittlergestalten zwischen Göttern und Menschen begreift, verstärkt sich mit dem antiken Judentum und Christentum die rein negative Einschätzung der Dämonen.

Im AT tauchen mehrere Begriffe auf. Einer davon lautet Schedim (hebr. שֵּׁדִים ScheDiM, Brüstige, busige Götzen von hebr. SchaD, die Brust, falsche Milch Gebende), welchen die Septuaginta mit δαιμονιοις, Dämonen übersetzte. Das Wort taucht nur zweimal im Tanach27 auf (Deut.32,17 und Ps.106,37), stets im Plural, jedes Mal für falsche Götter im Kontext verbotener Kinds- und Tieropfer. In Deut.32,17 beklagt Mose den Götzendienst unter den Kindern Israels. Die Bundestreue des Volkes mit Gott war im Kontakt mit den heidnischen Völkern Kanaans verblasst, wodurch diese nun Dämonen (Shedim) dienen, denen die notwendige Macht fehlt und die deshalb Israels unwürdig sind. Im Judentum laufen zwei Linien hinsichtlich der Bewertung der heidnischen Götter nebeneinander. Die eine sieht in den Götzen lediglich Nichtse, tote Bilder, Wesen menschlicher Einbildung. Die andere versteht die Götzen als existierende Mächte, jedoch Gott untergeordnet und zugleich widergöttlich und den Menschen bedrohend. Auch laut Paulus opfern die Nationen den Dämonen. Aus Apg.7,42 geht hervor, dass die Israeliten durch den Götzenopferdienst dem „Heer des Himmels“ gedient haben.

1.Kor.10,20: …das, was die Nationen opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen.

27. http://de.wikipedia.org/wiki/Tanach Tanach oder Tenach (hebr. תנ״ך ‎TNK) ist in der jüdischen Tradition eine Bezeichnung der biblischen Texte, die für das Judentum normative Geltung haben. Dabei handelt es sich um dieselben Texte, die im normativen Textbestand (‚Kanon‘) der Bibel der christlichen Tradition als AT bezeichnet werden. Der Name Tanach ist ein Akronym der Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnungen seiner drei Teile ‏Torah ‚Weisung‘, Nevi’im ‚Propheten‘, Ketuvim ‚Schriften‘, die insgesamt in 24 Bücher eingeteilt werden. Mit Ausnahme weniger aramäischer Textpassagen (in den Büchern Esra und Daniel) sind die Texte des Tanach in hebräischer Sprache verfasst. In der jüngeren Sekundärliteratur werden die Texte des Tanach vielfach auch als ‚Jüdische Bibel‘ oder ‚Hebräische Bibel‘ bezeichnet.

Ein weiterer Begriff sind die Shoirim (hebr. שְּׂעִירִים SchOiRiM, Zottige, Haarige) ebenfalls eine Mehrzahlform, mit der Götzen darstellende (Ziegen-)Böcke und Kälber (3.Mo.17,7; 2.Chron.11,15) bezeichnet werden. Möglicherweise handelt es sich um die Darstellung von Mischwesen28.

Der Ziegenbock29 war seit den ältesten Zeiten ein sehr wichtiges Kult- und Opfertier. Er lebt oft an hochgelegenen Orten, klettert gern auf Höhen hinauf, bewegt sich lebhaft und schnell, hat einen starken Geruch, besitzt eine große sexuelle Potenz, zeigt sich häufig kämpferisch und störrisch und ist dabei auch fähig, in unwirtlichem Gelände zu existieren. Als gehörntes Symboltier repräsentiert der Ziegenbock ganz allgemein Männlichkeit, überschäumende Lebenskraft, schöpferische Energie und aggressive Überlegenheit. Er ist vielen Göttern heilig, die wie etwa Pan (das lat. Pendant ist Faunus), Hermes, Aphrodite oder Dionysos mit ekstatischen, leidenschaftlichen und seelenergreifenden Erfahrungen verbunden sind. Berühmt war im Altertum auch der ägyptische Sexualkult des Bocksgottes der Stadt Mendes (Mendes ist der griech. Name des altägyptischen Djedet, einer Stadt im östlichen Nildelta), der vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot mit Pan identifiziert wurde. In diesem Zusammenhang berichtet der antike Chronist besonders über den kultischen Geschlechtsverkehr der Frauen von Mendes mit dem heiligen Tier. Jedenfalls sahen sie es als Symbol der Fruchtbarkeit und Zeugungskraft an und beteten zumindest zu ihm um Kindersegen. Nach ihrem Tod wurden die heiligen Ziegenböcke einbalsamiert, und damit war ihre weitere Verehrung gesichert. Pan repräsentierte im alten Griechenland den Wald- und Weidegott der Hirten und Bauern. Von seiner Gestalt her war er halb Mensch und halb Ziegenbock. In seiner rein tierischen Verkörperung trug er ursprünglich selbst sehr zeugungskräftig zur Vermehrung der Herden bei, indem er höchstpersönlich die Ziegen besprang.

28. http://de.wikipedia.org/wiki/Mischwesen Mischwesen oder auch Chimären (gr. xίμαιρα, chímaira, ‚die Ziege‘) sind fiktive Lebewesen, die sich aus Teilen von zwei oder mehreren Lebewesen zusammensetzen. Schon bei den ältesten Skulpturen, Zeichnungen und Felsritzungen der Menschheit kamen nicht nur Darstellungen von Tieren und Menschen, sondern auch von anthropozoomorphen Mischwesen aus Kombinationen von Mensch und Tier vor. Diese Darstellungsform hält bis in die ägyptische Hochkultur an, in der die Götter als Humanoide mit Tierköpfen dargestellt wurden. Im archäologischen Sprachgebrauch werden abweichend vom allgemeinen Sprachgebrauch als ‚Monster‘ Mischwesen bezeichnet, meist ein Tierkörper mit menschlichem Kopf wie die oder der Sphinx (Menschenkopf und Löwenkörper), Zentauren (Menschenoberkörper und Pferdeleib), oder Meerjungfrauen (Frauenoberkörper und Fischunterleib). Den Gegensatz bildet ein theriokephales (tierköpfiges) Mischwesen mit mindestens menschengestaltigen Beinen, z. B. der Ziegendämon Baphomet. Weitere Beispiele für Mischwesen aus der Mythologie sind der griech. Pan, der röm. Faunus (röm.), halb Mensch, halb Ziegenbock, sowie die griech. Satyren als Menschen mit Pferde- und Eselsmerkmalen. Neue medizinische Techniken ermöglichen das Einpflanzen menschlicher Zellkerne in tierische Eizellen, hierbei entstehen so genannte Cybride.

29. http://www.symbolonline.de/index.php?title=Ziegenbock

Ein Dibbuk30 oder Pl. Dibukkim, vom hebr. Wort für Anhafung oder Umklammerung, ist nach jüdischem Volksglauben ein oft böser Totengeist, der in den Körper eines Lebenden eintritt und bei diesem irrationales Verhalten bewirkt. Der Geist des Toten konnte sich aufgrund seiner Verfehlungen nicht von der irdischen Existenz trennen und sucht nach einem lebenden Körper, um diesen zu besetzen. Der Dibbuk hat nach dem Volksglauben keine metaphorische, sondern eine konkrete Bedeutung. Der böse Geist, der in einen lebenden Menschen fährt, klammert sich an dessen Seele, ruft Geisteskrankheit hervor, spricht durch seinen Mund und stellt eine von ihm getrennte und fremde Person dar. Er ähnelt den Dämonen und Geistern, die in der katholischen Kirche beim Exorzismus auszutreiben werden.

30. http://de.wikipedia.org/wiki/Dibbuk

Christliche Dämonologie

Zunächst lebten zu Beginn des Christentums bei einigen Menschen auch die alten heidnischen Götter als Dämonen noch lange fort. Man glaubte, auch in Anlehnung an altjüdische Vorstellungen, an zahlreiche „Mittelmächte“, die man sich als gefallene Engel oder als Nephilim, Söhne der Engel und der Töchter der Menschen, vorstellte. Alle diese Geister galten als überaus böse und dem Reich Gottes sowie den Menschen feindlich gesinnt. Die Grundlagen der christlichen Dämonologie wurden von Augustinus entwickelt, der beeinflusst vom dualistischen Manichäismus31, die Lehre von den zwei Reichen begründete, nämlich die civitas Dei (Gottesreich) und die civitas Diaboli (Dämonenreich). Nach der Lehre des Augustinus seien die Dämonen gefallene Engel. Er zweifelte nicht an deren Realität und ihrem wirksamen Eingreifen in den Lauf der Dinge, allerdings nur, soweit Gott es zuließ.

31. http://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus Manichäismus ist nach seinem Gründer, dem Perser Mani (216–276/277) benannt. Manis Lehre ist durch die Unterscheidung von zwei Naturen oder Prinzipien und drei Epochen der Heilsgeschichte gekennzeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis. Die drei Epochen sind die vergangene Zeit, in der die beiden Naturen vollständig getrennt waren, dann die (noch andauernde) Zeit, in welcher der Bereich der Finsternis mit Lichtelementen vermischt ist, und schließlich eine künftige Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden. Wegen der Unterscheidung zweier absolut verschiedener und gegensätzlicher Naturen und der ihnen zugeordneten Reiche wird der Manichäismus zu den dualistischen Modellen gezählt.

Laut 2.Petr.2,4, Jud.1,6 und dem apokryphen Buch Henoch gelangten die Engel, die sich nach Genesis 6 mit Frauen vereinigt haben (Söhne Elohims), in den sog. Tartaros32. Dort sind sie gefangen und warten auf ihr Gericht.

2.Petr.2,4: Denn wenn Gott Engel, die verfehlt hatten, nicht verschonte, sondern sie den dunklen Verließen des Tartaros (eigentl. steht hier das Verb ταρταρόω ‚in den Tartaros werfen‘) übergab zur Verwahrung für das Gericht.

Jud.1,6: Engel, die ihren ersten Zustand (gr. την εαυτων αρχην – wört. den Anfang ihrer selbst) nicht hüteten, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben, hat er zum Gericht des großen Tages mit ungewahrbaren Fesseln in Finsternis verwahrt.

32. http://de.wikipedia.org/wiki/Chaos Tartaros (Ort und Person zugleich) ist laut griechischer Mythologie aus dem Chaos entstanden. Das Chaos ist ein Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung und damit der Gegenbegriff zu Kosmos, dem griechischen Begriff für die (Welt-)Ordnung. Etymologisch hängt das Wort mit dem griechischen Verb χαίνω (klaffen, gähnen) zusammen, bedeutete also ursprünglich etwa klaffender Raum, gähnende Lehre oder Kluft. http://taaldacht.nl/2010/12/28/hel/ Die Ethymologie des Wortes Tartaros ist nicht ganz geklärt, aber es kann auf die indg. Wurzel *-tres „Zittern (aus Angst)“ zurückgeführt werden und soviel wie „schrecklich“ bedeuten. Man beachte auch das lateinische Wort Terror.

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