In welchem Fleisch kam Jesus?

In welchem Fleisch kam Jesus?

Wurde Christus erst am Pfahl durch Identifikation zur Verfehlung gemacht, hatte Er also vorher verfehlungsfreies Fleisch? Hat der Herr die Schwere der Schuldlast dieser Welt selbst getragen, oder ohne sie zu tragen beseitigt?

1.Joh.4,2-3: Darin erkennt ihr den Geist Gottes: jeder Geist, der Jesus Christos als im Fleisch Gekommenen bekennt (gr. ομολογει; gleichworten), ist aus Gott; und jeder Geist, der Jesus, den Herrn, nicht als im Fleisch Gekommenen bekennt, ist nicht aus Gott. Und dies ist der des Anti-Christos (Anstatt-Gesalbter), von dem ihr gehört habt, dass er kommt und nun schon in der Welt ist.

Die Leugnung des Kommens Jesu im Fleisch besteht in der Regel nicht in der Verneinung dieses Kommens im Fleisch, sondern in einer raffinierten Leugnung des Fleisches. Das Fleisch wird dabei in einer von der Definition im Wort Gottes abweichenden Weise erklärt, nämlich dass Jesus in von Verfehlung unbelastetes Fleisch, also in anderes Fleisch kam. Jesu Fleisch wird als reines oder als göttliches Fleisch bezeichnet, das im Gegensatz zu unserem Fleisch nicht schwach war, d.h. weder die Verfehlung, noch die Möglichkeit der Verfehlung in sich trug. So erklärt man in der gnostischen Leugnung, was das Kommen Jesu anbelangt, Seinen irdischen Leib als „Fleisch“, meint aber „Geist“. Zum Bekennen, wie es in 1.Joh.4,2-3 gefordert ist, gehört nicht nur der Gebrauch gleicher Worte, d.h. die Wiedergabe der biblischen Formulierung, sondern das Bezeugen dieser Worte mit den biblisch belegten Wortinhalten.

Röm.8,3: Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem Er, Seinen eigenen Sohn in Gleichheit des Fleisches der Verfehlung (ομοιωματι σαρκος αμαρτιας; homoiooma, d.h. in wesentlichen Merkmalen übereinstimmend im Gegensatz zu heteros andersartig) und wegen der Verfehlung sendend, die Verfehlung im Fleisch verurteilte…

Phil.2,5-8: Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus ,er, der in Gestalt Gottes (εν μορφη θεου) das Übereinssein mit Gott (το ειναι ισα θεω; isos, die absolute Übereinstimmung mit Gott) nicht wie einen Raub festhielt, sondern sich selber entleerte, Gestalt eines Sklaven annahm, in Art und Weise wie ein Mensch befunden wurde, sich selber erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod…

Es kam zur Erniedrigung auf die Ebene des Menschseins, die mit Gleichheit (oμοιωμα; homoiooma) und mit Art und Weise (schema, d.h. grundlegendes Muster) beschrieben wird. Hier ist hervorzuheben, dass im Grundtext von Röm.8,3 nicht, wie vielfach falsch übersetzt, homomorphe Gleichgestalt, sondern homoiooma Gleichheit steht, d.h. in den wesentlichen Merkmalen übereinstimmend. Wie erwähnt, hatte der Sohn Gottes nicht nur die Gestalt des Fleisches der Verfehlung, sondern wurde in der Gleichheit dieses Fleisches gesandt. Manche versuchen, das Wort homoiooma Gleichheit durch die Übersetzung mit Ähnlichkeit abzuschwächen; aber auch ein „ähnlich“ würde begrifflich ein Übereinstimmen in den wesentlichen Merkmalen bedeuten. Es geht dabei nicht um äußere Ähnlichkeit (Gestalt, Aussehen) wie bei einer Attrappe oder einem Avatar1, sondern um die Fleisch-Merkmale. Die Stärke der Verfehlung uns gegenüber besteht nämlich darin, dass sie gesetzmäßig in unseren Gliedern sitzt (Röm.7,23) und das Fleisch kraftlos, schwach ist (Mt.26,41; Mk.14,38) in Bezug auf das Einhalten des Gesetzes.

1. Die Religionen der Völker und die von ihnen stammenden Mythen berichten von Göttern, die in eigener Kraft herabstiegen und dabei die äußere Gestalt von Menschen oder Tieren annahmen. Auch die Söhne Elohims fallen wohl in diese Kategorie.

Jesus wurde aus Maria geboren Lk.2,5.7 und bekam von ihr das Fleisch. Was sollte Er sonst von Seiner Mutter bekommen haben, wenn nicht ihr Fleisch? Er kam nicht im Fleisch von oben, denn von oben her kam nur der Same des Vaters, der Geist ist.

Joh.3,6: Das Erwordene aus dem Fleisch ist Fleisch, und das Erwordene aus dem Geist ist Geist.

Röm.9,5: …deren (gemeint sind die Israeliten) die Väter sind, und aus welchen, dem Fleisch nach, der Christos ist…

Eindeutiges Zeugnis der Schrift ist, dass Jesus Sohn der Maria war. Würde dies geleugnet, wäre Er weder aus dem Samen Davids, noch Sohn des Menschen (Sohn Adams). Das aus dem Samen der Maria Gewordene war Fleisch, das aus dem Geistes-Samen Gottes Gewordene war Geist. Jesus hatte kein anderes Fleisch als alle anderen Menschen auch und damit auch kein unbelastetes Fleisch, da es zur Zeit Seines Kommens dieses Fleisch ohne den Sauerteig der Verfehlung nicht mehr gab und somit hätte Ihm auch Maria kein Fleisch vererben können, das frei von Verfehlung war. Hier setzt der gnostische Verführungstrick der katholischen Kirche ein, die aus diesem Grund Maria als unbefleckt Empfangene und damit als Verfehlungsfreie darstellt.

Hebr.9,28: So wurde auch Christos ein Mal dargebracht, um die Verfehlungen der Vielen h i n a u f zu tragen (πολλων ανενεγκειν αμαρτιας), auf dass er zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Verfehlung erscheinen wird…

1.Petr.2,24: …der unsere Verfehlungen selbst h i n a u f trug (ανηνεγκεν) i n seinem Leib (εν τω σωματι) auf das Holz…

Jesus hat also nicht a n Seinem Leib (wie vielfach falsch übersetzt), sondern i n Seinem Leib unsere Verfehlungen auf das Holz getragen, was auch in dem wörtlich wiedergegebenen h in a u f sichtbar wird. Die Verfehlung bekam Er nicht erst am Pfahl, sondern Er hatte sie dorthin h i n a u f zutragen. Er hatte die Verfehlung bereits bei Seiner Empfängnis durch die Übernahme des Fleisches mit aufgenommen, um sie auf das Holz h i n a u f zu tragen. Ganz wichtig: Jesus trug nicht Seine eigene Verfehlung, sondern die Verfehlung von Adam her. Bereits mit der Fleischwerdung hat Er die Schuld auf sich genommen, nicht die eigene, sondern fremde.

1.Petr.1,19-20: …sondern mittels kostbarem Blut des Christos, als eines makellosen und fleckenlosen Lammes, welches zwar erkannt wurde vor Grundlegung der Welt, aber geoffenbart wurde am Ende der Zeiten euretwegen.

Das Lamm Gottes blieb also, was es selbst betraf, auch auf Erden makel- und fleckenlos, weil es, indem es von sich aus ohne Verfehlung war, keine eigene Last der Verfehlung, sondern die Last der Verfehlung der ganzen Welt trug. Wie trug Er sie? I N Seinem Fleisch! Die Übernahme der Verfehlung in Sein Fleisch, ohne selber zu verfehlen, wäre gar nicht möglich gewesen, wenn sie nicht durch die Geburt erfolgt wäre, d.h. wenn Jesus bei Seiner Geburt Fleisch ohne Verfehlung gehabt hätte! Welchen Sinn machen dann Versuchungen, wenn die Versuchbarkeit nicht gegeben ist?

Jesus Christus, unser Hohepriester, wurde aber in allem versucht wie wir:

Hebr.4,15: Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht mit unseren Schwachheiten mit zu leiden vermag, wir haben aber einen, der versucht wurde in allem, in Gleichheit (καθ ομοιοτητα), jedoch ohne Verfehlung.

Hebr.5,2: …der auch vermag, samt den Unwissenden und Beirrtseienden angemessen zu leiden, weil auch Ihm Schwachheit umgelegt ist.

Sein Mitleiden bezieht sich also auch auf unsere Schwachheiten aus dem Fleisch, weil auch Er solches Fleisch hatte. Dies geht ebenso aus Hebr.2,17.18 hervor:

Hebr.2,17-18: …weswegen Er in allem den Brüdern gleich werden musste, damit Er ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Verfehlungen des Volkes zu sühnen. Denn worin er selbst gelitten hat als Versuchtwordener, vermag er denen zu helfen, die versucht werden.

Jak.1,14: Jeder aber ist von der eigenen Begierde versucht, herausgezogen und gelockt.

Wenn es heißt jeder, dann war auch Jesus davon nicht ausgenommen, denn auch Er wurde ja versucht in gleicher Weise wie wird. Auch besteht eindeutig die Möglichkeit zur Verfehlung, denn es heißt in Vers 15:

Jak.1,15: Danach, wenn die Begierde Samen aufnahm (empfangen hat), gebiert sie die Verfehlung; die Verfehlung aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

Er wurde uns also auch in der Möglichkeit der Verfehlung gleich, denn es heißt in allem. Hätte Er andere Voraussetzungen gehabt als wir, hätte Er nicht versucht werden können, hätte nicht gelitten, nicht gesiegt und in Folge auch kein treuer und barmherziger Hohepriester werden können. Ein Blinder kann die Augenlust nicht überwinden, er kann ja nicht sehen; ein Christus ohne Versuchbarkeit des Fleisches hat über die Verfehlung nicht gesiegt, denn Sieg ist nur, wo Kampf vorausging. Aber der Herr hat gesiegt, Sein Sieg ist unser Sieg (1.Kor.15,57). Wer also behauptet, dass das Fleisch Jesu die Möglichkeit der Verfehlung nicht in sich barg, erklärt damit, dass es im Grunde gar kein Fleisch war.

Die Tatsache, dass Jesus vom Geist her, d.h. gemäß dem, was durch das Erwordensein aus Gott in Ihm war, nicht verfehlen konnte (1.Joh.3,9) schließt keineswegs aus, dass gemäß Fleisch, in das hinein Er sich erniedrigte, die Möglichkeit der Verfehlung bestand. Herausgerufene sind ja auch aus Gott erworden und können nach dem innwendigen Menschen nicht verfehlen, ohne dass die Möglichkeit der Verfehlung grundsätzlich ausgeschlossen ist, weil das Fleisch, das nicht aus Gott erwurde, noch da ist. Die Aufforderung an Gläubige, nicht zu verfehlen (Röm.6,15; 1.Kor.15,34; Eph.4,26; 1.Joh.2,1), wäre sinnlos, wenn keine Möglichkeit zum Verfehlen bestünde.

Wie bereits mehrfach ausgeführt, war und blieb der Sohn Gottes persönlich immer gerecht. Er war der Heilige, der sich in das Fleisch erniedrigte und in diesem Fleisch kam, um die Wohltracht (das Trachten nach dem Wohle aller) des Vaters zu erfüllen (Ps.40,8.9). Es fand sich keine eigene Verfehlung in Ihm, weshalb der Feind keinen persönlichen Anspruch an Ihn hatte.

Joh.14,30: …der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir.

Für Gnostiker, gegen die Johannes in seinen Briefen auftrat, war die Menschwerdung nur eine Angelegenheit des Äußeren. Gleichheit erklärten sie nur von den äußeren Kennzeichen her. Die Menschendarstellung wird damit zur Attrappe und des tieferen Inhalts entleert. Es wird die Erniedrigung des Sohnes Gottes geleugnet, der entscheidende Punkt, an dem die Erlösung hängt und mit dem die rettende Torheit der Verkündigung (1.Kor.1,21) verbunden ist. Bewusst oder unbewusst beginnt hier die Leugnung des Wortes vom Pfahl, die den Irrtum verbreitet, dass Gottes Vermögen nicht durch die Schwachheit Seines Sohnes, sondern in der Stärke der göttlichen Natur oder verbunden mit Zeichen und Wundern vollendet wird. Es widerspricht der Weisheit dieser Welt (1.Kor.2,6), dass Gott im Sohn in die Schwachheit des Fleisches einging. Gerade dieses Schwache aber war Gottes Stärke, seine Vermögenskraft wurde gerade darin vollendet (1.Kor.1,18; 2.Kor.12,9.10). Durch diesen Weg wurde Christus zum lebendig machenden Geist (1.Kor.15,45). Der auferstandene Christus kann bleibendes Leben durch Seinen Geist übermitteln, der Christus vor der Auferstehung führte nur Tote in sterbliches Leben zurück.

Fazit:

Gott sandte Seinen Sohn in das schwache Fleisch (nicht in starkes Fleisch – ein solches gibt es nämlich nicht!), Er sandte Ihn in der Gleichheit des Fleisches der Verfehlung und ließ Ihn am Pfahl die Verfehlung in diesem Seinem Fleisch töten. Ebenso wird diese Gegebenheit prophetisch in Jakob offenbart, der sich in den Ziegenfellen und im Gewand des Esau (des Täters) seinem Vater darstellte (1.Mo.27,19.32). Er war auch wie der Stab Aarons, das Holz, das ein Bild auf das Fleisch ist (Lk.23,31). Als dieser Stab wurde Er zur Schlange, als Er auf die Erde geworfen wurde, denn Er wurde zur Verfehlung gemacht. Er verschlang aber als die Stab-Schlange alle Ungeheuer, alle Schlangen der Zauberer des Pharao (2.Mo.7,12), so, wie Er auf Golgatha den Tod und den Stecher des Todes, die Verfehlung, verschlungen hat (1.Kor.15,54-56). Damit kam es zum Absinken in die tiefste Niedrigung. Dies ist nie unterboten worden und so wurde der Vordere (Erste) zum Letzten (Offb.1,17).

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