Gedanken zum Ursprung des Bösen

Gedanken zum Ursprung des Bösen

Woher kommt das Böse? Wer hat es erdacht, erfunden, in die Welt gesetzt? Das ist eine heikle Frage, und es haben schon Gläubige gemeint, den Ursprung des Bösen in Gott selbst sehen zu müssen. Um biblisch zu belegen, dass das Böse aus Gott stamme, stützte man sich eh und je auf Jes.45,7.

Jes.45,7: …der Former des Lichts und Erschaffer der Finsternis, Macher des Friedens und Erschaffer des Bösen; Ich, JHWH, bin der Macher all dieser.

Im Anfang der Bibel ist davon die Rede, dass Gott die Himmel und die Erde geschaffen hat und das Licht werden ließ. Von einer Erschaffung der Finsternis ist keine Rede; die Finsternis ist in 1.Mose 1,2 einfach da! Wurde es „vergessen“ die Erschaffung der Finsternis dort zu erwähnen und hat nun Jesaja die im biblischen Schöpfungsbericht festzustellende Lücke Jahrhunderte nach Mose endlich geschlossen?

Marcion, der etwa von 85 bis 160 n. Chr. lebte und der Gründer einer gnostischen Gemeinschaft war, schloss aus Jes.45,7, dass der Gott des AT ein anderer sei als der des NT. Nach Marcion und anderen ist Gott (nach dem AT) ein zwiespältiges, dualistisch gespaltenes Wesen – in Ihm würden Licht und Finsternis miteinander ringen.

Das Böse ist nicht in Gott und nicht aus Gott. Wunderbar klar und eindeutig stellt 1.Joh.1,5 fest, dass „Gott Licht ist und gar keine Finsternis in Ihm“. Ist sie nicht in Ihm (was ohne jede Einschränkung immer galt und gilt, da Gott Sein Wesen nicht ändert), so kommt sie auch nicht aus Ihm, in keiner Form.

Nach Röm.11,36 und Kol.1,16 ist das All(es) (τα παντα), die Gesamtheit aller Erscheinungen (die in den Himmeln und die auf der Erde, die Sichtbaren und die Unsichtbaren) aus Gott und in (εν αυτω) dem Sohn ins Dasein gekommen. Wenn keine Finsternis in Gott ist, ist auch keine Finsternis aus Ihm herausgekommen. Damit ist ausgeschlossen, dass der Satan als Satan ins Dasein kam, denn das All(es) ist aus Gott und Satan ist ein Teil des All(es). Wenn die Finsternis nicht aus Gott kam, dann kann sie nur außerhalb von Gott entstanden sein.

Röm.11,36: …aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm hin/ hinein in Ihn sind alle Dinge/ (ist) das All(es) (οτι εξ αυτου και δι αυτου και εις αυτον τα παντα).

Alles Wesenhafte ist aus Gott (1.Kor.8,6), ist bleibend und unvergänglich. Finsternis ist die Abwesenheit von Licht, d.h. von Wesenhaftem. In sich selber ist Finsternis nichts und kann somit nur ein vorübergehender Daseins-Zustand sein. Gäbe es etwas Unwesenhaftes außerhalb von Gott, das vom Sein her bleibend und unvergänglich wäre (auch der zweite Tod oder Feuersee ist damit gemeint), so müsste es selber ein Gott sein. Da es aber gemäß dem Wort der Wahrheit nur den einen allein wahren Gott gibt (5.Mo.10,17; Joh.17,3), haben alle unwesenhaften Daseins-Formen und Daseins-Zustände einen Anfang und ein Ende. Wo Wesen diese Formen und Zustände annehmen, sind sie der Vergänglichkeit unterworfen (Röm.8,20).

  • Finsternis – Abwesenheit von Licht
  • Tod – Abwesenheit von Leben
  • Sünde – Gesetz-Losigkeit (1.Joh.3,4)

Halten wir es klar auseinander: In Gott ist keinerlei Unwesenhaftes, wohl aber hat Er das Auftreten des Unwesenhaften als vorübergehende Erscheinung für eine begrenzte Zeit (wenn auch über mehrere Äonen!) ermöglicht, hat dafür aber einen Ausweg geschaffen und es sogar in Seine weiterführenden Ziele mit Seiner Schöpfung eingebunden. Das Lamm war bereits vor Niederwurf/ Grundlegung der Welt (απο καταβολης κοσμου) geschlachtet (Offb.13,8). Gott reagiert nicht nur, ist nicht etwa überrascht oder Opfer der Umstände, sondern Er agiert und handelt in weiser Vorausschau und trifft Vorkehrungen, weil Er weiß, dass das Ende (das Spätere) einer Sache besser als ihr Anfang ist (Pred.7,8).

Ist Gott ein Glücksspieler?

Ja, so fragt der Mensch, warum hat dann Gott überhaupt eine Schöpfung geschaffen, die in sich die Möglichkeit zur Fehlentwicklung birgt? Ist Gott das Risiko eingegangen, dass der größte Teil der Geschöpfe verloren gehen kann? Hat Gott zwar die Rettung aller Geschöpfe gewollt (1.Tim.2,4) und geplant, kann aber diesen Plan nicht ausführen, weil die Geschöpfe sich nicht retten lassen? Sollte die Schöpfung selbst nach ihrer Erlösung deutlich schlechter dastehen als an ihrem Anfang?

Lk.14,28-30: Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor nieder und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe? Auf dass nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht zu vollenden vermag, alle, die es sehen, anfangen ihn zu verspotten. und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und vermochte nicht zu vollenden.

Gal.6,7: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten!

Es ist zwar richtig, dass Gott, indem er eine Schöpfung aus sich heraus stellte, gleichzeitig auch die Entwicklung zum Unwesenhaften ermöglichte, das ist aber kein unkalkuliertes Risiko für Ihn gewesen und auch nicht ohne Grund, Zweck und Ziel geschehen.

Ist die Freiheit die Ursache für das Auftreten des Unwesenhaften?

Es bleibt nach wie vor die Frage offen: WIE konnte Unwesenhaftes außerhalb von Gott entstehen? Welche „Voraussetzungen“ oder Verkettungen von Umständen mussten vorhanden sein? Wenn das Wesen, das wir heute Satan nennen, nicht als Satan aus Gott gekommen ist, was hat dann zu seiner Entartung geführt?

Es wird viel vom „Zulassen“ Gottes gesprochen. Gott habe das Böse indirekt „zugelassen“, als Folge dessen, dass er die Geschöpfe mit einem freiem Willen ausgestattet habe. Der freie Wille wiederum sei eingeräumt worden, weil Gott freiwillig geliebt werden möchte (hier sei auch die Frage erlaubt, ob Gott die Liebe seiner Geschöpfe „braucht“, also auf sie angewiesen ist). Spricht man von der göttlichen „Zulassung“, so bildet sich allzu leicht die Vorstellung von einem Gott, der es gern anders hätte, aber leider verhalten sich Seine Geschöpfe nicht so, wie Er es möchte und auch forderte: „Ich habe euch alle gewarnt, aber ihr habt es leider nicht anders gewollt.“

Die Vorstellung, Gott habe eine Unzahl kleiner Gottheiten erschaffen, die einen so absoluten Willen haben, dass sie sich weit über die Grenzen Seiner Zwecke und Ziele fortentwickeln könnten, bedeutet doch, Gott zu entthronen und Ihm jeden Wesenszug wahrer Göttlichkeit abzusprechen. Die Menschen sollten den Aberglauben aufgeben, dass der Menschenwille eine keinem Gesetz unterworfene, unabhängige, souveräne, Gott die Stirn bietende Kraft im Weltall sei. Ist nicht gerade diese Vorstellung letztendlich Ausdruck der Ur-Sünde1 des Menschen, die darin besteht, seine Geschöpflichkeit nicht anzuerkennen? Wir übersehen leicht, dass der Mensch nichts weiter ist als ein Geschöpf; und als solches wäre er gar nicht dazu im Stande, sich Gott zu widersetzen, hätte sein Schöpfer ihm nicht die Kraft dazu gegeben.

1. Wir sind als Geschöpfe immer auf das größeres DU Gottes Bezogene. Gott ist der Einzige, der aus sich selbst heraus ICH sein kann. „Da sprach JHWH: ICH BIN, der ich bin.“ (2.Mose 3,14). Die Ur-Sünde des Menschen (und womöglich auch aller anderen Geschöpfe) besteht darin, dass er meint, er könne ohne das DU Gottes ein ICH sein. Der Mensch möchte also „SEIN wie Gott“ (Gen.3,5).

Für Albert Einstein, den Schöpfer der Relativitätstheorie, wie auch für viele andere Denker, war der freie Wille rein physikalisch ein Ding der Unmöglichkeit. Einstein fragte sich einst: „Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will, und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will?“ In der Natur reiht sich Kausalkette an Kausalkette. Es gibt keine Wirkung ohne Ursache. Genau das aber müsste ein Willensakt sein, den man als „frei“ bezeichnen könnte. Er müsste die Naturgesetze brechen und „aus sich heraus“, ohne Ursache, neue Ereignisketten bewirken. Einstein erschien ein solcher unbewegter Beweger absurd. Diese Skepsis hat ehrwürdige Tradition. „Der Mensch kann, was er will. Er kann aber nicht wollen, was er will.“ schrieb der Philosoph Schopenhauer. Auch Nietzsche und Luther hielten den Menschen in diesem Sinne für absolut unfrei. Spinoza glaubte, nur Gott habe Willensfreiheit.

Wenn „frei“ gleichbedeutend ist mit „unbeeinflusst“, so ist der menschliche Wille nicht frei, denn offensichtlich hängt das, was jemand will, immer von den jeweiligen Umständen und Einflüssen ab. Der Wille ist immer kausalen Zusammenhängen (Prinzip von Ursache und Wirkung) unterworfen. Frei in diesem Sinne ist nur ein einziger im Weltall, nämlich Gott, der über den Bereichen der Zeit und des Raumes in unbegrenzter Erhabenheit thront und keinen Umständen unterworfen ist. Das was uns als Geschöpfen von Gott eingeräumt wurde, ist ein gewisser Handlungsspielraum für unsere Entschlüsse.

Eph.1,11: …gemäß dem Vorsatz dessen, der alles wirkt2 (τα παντα ενεργουντος; von ἐνεργέω, in Aktion sein, handeln) nach dem Rat Seines Willens

„Wirkt“ – welch starker Ausdruck! Viel stärker als unser schwaches „zulassen“! Würde Gott vor dem Willen des Menschen einen Kniefall machen, kapitulieren, in Verlegenheit geraten, wäre die Erschaffung des Menschen ein großes Wagnis gewesen, denn wie unschwer zu erkennen, leben die meisten Menschen in Rebellion3 zu Gott, wogegen Er ja angeblich nichts tun kann, selbst wenn es Sein erklärter Wille ist, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen sollen (1.Tim.2,4).

Hiob 33,12: „Siehe, darin hast du nicht Recht, antworte ich dir; denn Eloha (Einzahl von Elohim) Gott ist erhabener als ein Mensch.“

Röm.9,19: …denn Seinem Beschluss, wer hat ihm widerstanden?

2. Nebenbei bemerkt: Wenn Gott „Unheil wirkt“, dann niemals selbst und direkt, sondern durch „Unheilswerkzeuge“.

3. Ach ein Jona, ein Saulus/ Paulus (Apg.16), der Kerkermeister von Philippi (Apg.16) und der „verlorene Sohn“ (Luk.15) kamen zur Umkehr, ohne dass Gott sie zwang – ganz „freiwillig“.

Absolute Freiheit gibt es nicht, außer für Gott selbst! Die Freiheit der Geschöpfe besteht nach biblischem Verständnis darin, sich in den ihnen von Gott zugewiesenen Platz und Handlungsrahmen, in ihre von Ihm gesetzte Bestimmung, einzufügen – oder diese zu verlassen – was aber mit Leid, Schmerz und Tod verbunden ist. Geht ein Geschöpf auf Widerstand mit seiner Bestimmung, lernt es unweigerlich die negativen Aspekte seines Widerstands kennen, die Reibung (das Leid), die dabei entsteht, wenn der Einzelne seine gesetzmäßig vorgeschriebene Bahn und Bewegungsrichtung verlässt. Die Bibel mahnt deshalb zur Umkehr.

Nur wer lernt, sich unter das Gesetz4 (das von Gott Gesetzte) zu stellen, wird dessen Forderung nicht mehr als Zwang erleben. Freiheit und Frieden findet nur derjenige, der sich in die Ordnung dieses Kosmos, in das Gesetz Gottes, einfügt, so dass er selbst damit verschmilzt. Dies allerdings erfordert die Überwindung des Machtanspruchs des Ego. Der Machtwille ist wohl der größte Feind des Menschen; er verpuppt sich in immer raffiniertere Gewänder. Der Gegenpol der Macht heißt Demut oder Liebe. Wer die große Macht des Dienens und der Demut zu verwirklichen gelernt hat, hat einen großen Schritt auf seinem Weg getan.

4. Der geoffenbarte Wille Gottes ist das Gesetz. Da der Mensch sich jetzt in einem natürlichen Zustand der Loslösung von Gott befindet, ist das Ausrufen des Gesetzes eine Notwendigkeit geworden, um den Menschen an seinen gefallenen Zustand zu „erinnern“. Das Gesetz kam wegen der Übertretung (Röm.5,20) – ohne Übertretung ist kein Gesetz notwendig, denn es bedarf keines Gesetzes, wo keine Sünde ist, denn das Geschöpf ist ja in Einheit, Übereinstimmung mit Gott als natürlichem Zustand. Das Gesetz ist kein Ersatz für den Ur-Zustand und kann es auch nicht sein. Als Menschen im gefallenen Zustand steht uns der Weg einer „unmittelbaren“ Rückkehr zum Schöpfer allerdings nicht mehr offen – wir müssen uns von Christus erlösen lassen.

Gott – der große Alchimist

Gott genehmigt das Böse nicht nur, sondern Er gebraucht und lenkt es auch und Seine wunderbare Weisheit vermag daraus sogar Gutes zu machen, Fluch in Segen zu verwandeln. Dies wurde besonders deutlich bei der Kreuzigung Jesu. Was einerseits eine böse Mordtat war, das war andererseits die Sühnung der Sünden der Welt (1.Joh.2,2; 2.Kor.5,19). Und Israels „Fehltritt“ (die Ablehnung Jesu und Seiner Apostel) brachte das rettende Heil zu den Nationen (Röm.11,11). Auch im Leben des Josef benutzte Gott das Böse, das ihm widerfuhr, zum Guten – zum Heil derer, die ihm das Böse angetan hatten (vgl. 1.Mose 37 und 39 und 45,7; 50,20). „Gott wandelte dir den Fluch in Segen um“ sagt 5.Mo.23,5.

Ps.119,91: …denn die alle sind Deine Diener (Dabhar)/ alle Dinge dienen Dir (Elb.)/ denn es muss Dir alles dienen! (Schlachter)

Es heißt nicht: 98 Prozent dienen Satan und 2 Prozent dienen Gott! Es gibt nichts, was nicht im tiefsten und letzten Grunde – ohne sein Wissen und ohne sein Wollen – doch dem lebendigen Gott dient. Die größten Machthaber dieser Erde spielen willig die Rolle, die Er ihnen zugedacht hat, und wissen es nicht. Satan erscheint in Hiob 1,6 vor Gott und hat nicht zu reden, sondern nur auf Fragen zu antworten. Von Gott her muss er auch uns letztlich dienen, weil er infolge seines Uns-Bedrängens an unserer Herrlichkeit mitwirkt. Satan kann nicht einfach tun und lassen, was er will. Gott lenkt nicht nur das Böse, Er begrenzt es auch (Hi.1,12; 2,6; 1.Kor.10,13). Gott hat auch bei bösen Entwicklungen letztlich alles in der Hand. Er verhindert so manches Böse aber aus erzieherischen Gründen nicht.

Röm.8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.

Wie könnte es also eine Macht im Universum geben, mit der Gott nicht fertig wird? Er triumphiert auf überragende Weise (Kol.2,15) und zeigt durch alles, was sich Ihm entgegenstellt Seine unermessliche Weisheit. In diesen überragenden Sieg werden auch die Kinder Gottes mit hinein genommen. Gott stellt nicht einfach nur den Ur-Zustand des Adam wieder her, Er gestaltet uns sogar in das Bild seines Sohnes (1.Kor.15,45-49).

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